schlampengoettin.de

Kategorie: SchaMagisches

:: Imbolc ::

Über die Jahreskreisfeste wird überall so viel geschrieben, da reih ich mich mal nicht ein. Aber Imbolc-Stimmung hat’s bei uns ganz doll; die Sonne lachte heute golden vom strahlendblauen Himmel, Schnee- und Eisreste tummeln sich im Garten und auf den Dächern, im Ofen knacken Eichenscheite und bei – 10° C fühle ich mich hier definitiv wie in Badisch-Sibirien…und dabei spitzen schon die Narzissen und Krokusse aus der Erde.

Meine Familie und ich haben dieses Jahr keine Stroharbeiten gemacht und stattdessen ein kleines Räucher- und Feuerritual gefeiert, rund um den Kamin, das Herz des Hauses. Für die Göttin gab es ein Tabakopfer (Tabak wächst hier bei uns der Region, also von wegen Kulturgutklau), für den Hausgeist Beifußrauch und für uns einen kleinen Wunscherfüllungszauber.

Obwohl es noch mitten im Winter ist (und sich auch so anfühlt), blicke ich schon auf den Winter zurück. Dieser jetzt kam mir gar nicht so lang, hart, dunkel vor wie die Winter der letzten zehn, fühnfzehn Jahre. Ich glaube, das liegt – total unromantisch – daran, daß ich meinen Vitamin-D-Haushalt jetzt im Griff habe. Wieso die Kassen Vitamin-D-Bluttests nicht bezahlen, werde ich nie verstehen. Und ich schaue nach vor. Was will ich noch in diesem Winter machen? Vor allem einen Quilt für meinen anderen Mann, der bisher unbequiltet ist, während der andere schon kuscheln kann. Und ein neues Projekt starten, davon die Tage mehr.

Amala Krähenfeder, 02.02.2012, 18:30 | Abgelegt unter: FamilienLeben,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Ich bin die Erde ::

…zumindest habe ich so das Deckchen genannt, das ich für Aine genäht habe. Schon vor ein paar Wochen hatte sie mir nämlich netterweise ein Algen-Leckereien-Paket aus Irland geschickt <3

Die Farben werden etwas supoptimal dargestellt, denn das Binding ist dunkelmoosgrün und nicht schwarz. Liegt wohl am Licht.

Durchmesser ca. 30 cm. Hintergrund aus japanischem Leinen. Applikationsvorlagen von mir.

Amala Krähenfeder, 09.01.2012, 16:17 | Abgelegt unter: SchaMagisches,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 11 Kommentare

:: Selvage-SpiderWeb-Wandbehang ::

Zur Zeit habe ich einen ziemlich großen Output, was Genähtes betrifft, und ich genieße das nach der Nähhemmung in Folge des Umzugs sehr.

Heute ist mein kleiner SpiderWeb-Wandbehang fertig geworden, ein waschechtes Craft-From-Your-Stash-Projekt. Der weiße Hintergrundstoff war von meinem Schilf- & KieselQuilt übriggeblieben, die Rückseite besteht aus einer uralten Tischdecke, die mein Mann mal genäht hatte, naja – und eben die Webkanten zahlloser anderer Projekte.

Ich habe lauter gute Dinge in diesen Quilt hineingenäht, sogar Frau Göttin ist dabei:

Größe: ca. 28 x 28”.

Hängt jetzt im Wohnzimmer. Hach.

Amala Krähenfeder, 07.01.2012, 19:27 | Abgelegt unter: SchaMagisches,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Ein Kessel Buntes ::

Vielleicht liegt es an den Rauhnächten, daß ich mich zur Zeit ziemlich viel mit Spiri-Splittern befasse. Dieser Eintrag ist ein Versuch, meine ganzen losen Gedankenfäden einzufangen.

[Spiri & Bücher] Diese Frage danach kam auf, weil ich vier (!) Umzugskisten an Spiri- und Heidenbüchern aussortiert habe. Behalten hab ich nur die, die wirklich einen Inhalt haben. Das klingt irgendwie fies, aber wenn ich auf zehn Jahre Buchanschaffungen mit esoterischem / heidnischen / spirituellen / naturreligiösen Inhalt zurückblicke, ist das Meiste irgendwie nicht brauchbar, es sei denn als Stütze für einen wackelnden Tisch. Ganz am Anfang, als Orientierungshilfe, sind einige Bücher nützlich, aber es ist schon unglaublich, mit was für einem Quatsch Autorinnen Geld machen. Und Geld können sie ja nur machen, weil es Leute gibt, die ihre Bücher kaufen. Ganz krude sind Bücher, die ihren Leserinnen das Machen von Erfahrungen abnehmen wollen, finde ich. Es ist simpel, eigene Erfahrungen zu machen, Kontakt zu kriegen. Das geht sogar mit einer Zimmerpalme, einem Laptop oder einem Stück Seife. Zuhören hilft.

[Spiri & Konsum] Wie teuer ist Spiritualität? Was brauche ich, um Spiritualität zu praktizieren? Antwort: nichts. Oder nicht viel. Kosten tut Spiritualität nichts und brauchen tu ich nur mich selbst in meiner Ganzheit und außerdem Zeit, Raum & Lust. Klar finde ich das eine oder andere Orakeldeck nett, ich mag meine selbstgemachten Altardecken und hin und wieder eine Kerze anzuzünden ist auch fein. Aber ich will niemanden dafür bezahlen, um mir beizubringen, wie ich einen Baum berühre, mit der Göttin rede, “richtig” ritualisiere. Ich will nichts für meine Spiritualität “brauchen”, weil ich mich damit von Dingen, Menschen, Konzepten abhängig mache und damit allenfalls diese Dinge, Menschen, Konzepte nähre (mit Energie – und auch Geld ist eine Form von Energie). Ich kaufe nichts mehr, weil mir jemand sagt, daß das dazugehöre, wenn ich Spiritualität leben will.

[Spiri & Reinheit] Da kommen Spiritualität und Ernährung zusammen. Entgiften ist ja ein Modewort und irgendwie scheint’s jede zu machen, außer mir. Ich fühl mich nicht vergiftet. Oder belastet. Oder schwer. Oder was auch immer. Ich ernähr mich gut und halte meine Seele rein – und dazu gehören auch Pommes mit Ketchup und hin und wieder ein deftiges Fluchen. Ich bin doch kein ätherisches Engelwesen, das immer in seiner Mitte ruht und durch’s Leben schwebt, genährt von Licht und Liebe – und wenn’s mal dunkles Licht gab, mit Darmspülung. Ich integriere, was mir begegnet. Absolut menschlich: mal mehr, mal wieder fließend. Mit dieser Einstellung verpacke ich auch die eine oder andere Entgleisung.

Amala Krähenfeder, 06.01.2012, 21:12 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

:: Quilt für meinen Mann ::

An diesem Quilt habe ich seit dem Frühjahr genäht, mit sehr großen Pausen. Ich habe, bis auf Binding-Stoff und Polarfleece-Rückseite, ausschließlich Stoffe verwendet, die ich schon hatte und die uns beiden etwas bedeuten, sei es als einzelner Stoff, in der Kombi oder im übertragenen Sinn. Viel mehr möchte ich diesen Quilt nicht erklären und daher gibt es auch nur einen Ausschnitt zum Angucken.

Größe: 60 x 80”. Gequiltet in Radom-Lines.

Amala Krähenfeder, 31.12.2011, 14:03 | Abgelegt unter: SchaMagisches,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Weihnachten ::

Dieser Artikel bei Alexis hat mich zu meinen Zeilen hier inspiriert – statt eines Kommentars sozusagen. Ihre Hauptkritikpunkte am Weihnachtsfest, Konsum und Scheinheiligkeit, kann ich nachvollziehen. Ich habe vorletztes (?) Jahr auch darüber gebloggt, war voller Zorn und schlechter Gefühle. Letztes Jahr haben wir dann ein Low-Budget-Weihnachten verbracht: keine große Deko, am Baum hingen Äpfel und Papiersterne und es gab nur kleine, selbstgemachte Geschenke – übrigens nur für die Menschen, die uns wirklich nah und wichtig sind. Ich glaube, das war das schönste Weihnachtsfest seit meiner Kindheit, eben weil es um das Zusammen-Tun und Zusammen-Sein ging, nicht darum, einander in Geschenkmenge und -wert zu übertreffen oder sich bis zum Erbrechen (oder zur Einnahme pharmazeutischer Magenmittel) vollzustopfen.

Was feiere ich persönlich an Weihnachten? Die Wintersonnenwende. Die Sonne macht kehrt und kommt zurück, die Tage werden also allmählich wieder länger. An Yule feiere ich jedoch nicht nur das Licht, sondern vor allem auch die Dunkelheit, immerhin gibt’s davon dann eine Menge. Ich habe inzwischen keine Angst mehr vor der (inneren) Dunkelheit, bin durch jahrelange Depressionen gegangen und habe sie dann irgendwann abgestreift wie eine Haut, die zu eng geworden ist. Klingt eigentlich ganz simpel und überheblich einfach, dabei war das ein langer unbequemer Entwicklungsprozeß bis hin zu der Erkenntnis, daß meine innere Wahrheit eben nicht mit der äußeren (gesellschaftlich verankerten und kolportieren) Wahrheit übereinstimmt, daß mich das aber nicht weiter kratzt. Depression heißt ja im Wortsinn, daß frau niedergeschlagen wird. Von den Umständen, den Ansprüchen, dem Frauenbild in Gesellschaft und Medien und dem Gefühl, es allein schaffen zu müssen, weil sie sonst versagt hat. Der manchmal ein Leben lang andauernde verzweifelte Versuch, sich anzupassen, schlägt eine eben nieder. In der Dunkelheit, die mich zur Wintersonnenwende auch äußerlich einhüllt, werde ich mir meiner inneren Schätze bewußt: ich kann mich empören und ruhe in mir selbst. Ich bin bei mir, ich kenne mich, ich vertraue mir, ich liebe mich. Die sog. Heilige Nacht ist für mich die Mutternacht. Ich begebe mich in die Dunkelheit im Mutterschoß, brüte mich nochmal aus / lasse mich nochmal ausbrüten und setze eine Zehe (oder in mutigen Momenten einen ganzen Fuß) über die Grenze zum Tod. Weihnachten ist nicht nur Geburt, sondern auch Todesnähe. Wie stehe ich zum Tod, zu meiner Vergänglichkeit? Wie gehe ich damit um, eines Tages zu sterben? Wenn ich jetzt sterben würde, was hätte mir gefehlt? Macht mir der Tod Angst oder sehe ich ihn als einen weiteren Weg? Weihnachten ist für mich ein Frauenfest. Ohne Frau keine Geburt, kein Leben. Wer soll mir die Mysterien erklären, wenn nicht eine Frau, eine Göttin? Das sind die innere Prozesse an Weihnachten.

Im Außen, in der Begegnung mit anderen, erfahre ich mich als Teil der Gemeinschaft. In der hellen Jahreshälfte verstreuen wir uns und unsere Energie, sind draußen unterwegs, wollen was unternehmen. In der Dunkelheit spielt sich das Meiste im Haus ab. Jetzt zeigt sich, wie gut wir wirklich miteinander klarkommen, an den langen Abenden am Feuer (und ohne Fernseher), wenn wir miteinander reden, spielen, planen. Ist mir die Nähe der anderen gerade recht oder zu intensiv? Kann ich eine Grenze ziehen und auch mal nein sagen? Womit füllen wir die gemeinsame Zeit? Wie fühlen sich unsere Beziehungen zueinander an? Wer kocht Tee?

Auch ich erfahre die Konsumsucht “draußen” in der Welt, obwohl ich es ab Mitte November vermeide, in die Innenstadt zu fahren. Ich kaufe eh am liebsten im Hofladen ein, mache die Geschenke selbst, schaue nicht fern und besuche nur kleine Weihnachtsmärkte – da komme ich nicht groß in Konflikte mit dem “Draußen”. Mir fällt nur auf, ab wann die Weihnachtsmärkte eröffnet sind, weil dann viele Menschen riskant und in Schlangenlinien Auto fahren, ordentlich mit Glühwein betankt. Konsum und (Freß- / Trink- / Kauf- / whatsoever-)Sucht gehören ganz eng zusammen. Konsum enthebt vom Selbermachen, Selberdenken, Selberfühlen und betäubt. Vielleicht spürt mensch dann auch die Depression nicht mehr so. Ich nehme das wahr und lasse das los. Was “die da draußen” machen, berührt mich nicht, weil ich mich davon nicht berühren lasse. Leere und Kälte sind ansteckend, wenn ich sie annehme, also lasse ich sie emotionslos weiterziehen. Mein Weihnachten ist nicht sinnentlerrt, scheinheilig und konsumorientiert. So einfach ist das.

Amala Krähenfeder, 05.12.2011, 13:57 | Abgelegt unter: Gynozentrisches,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Heiliger Raum in mir ::

Diese Woche hatte ich Besuch von meinem Rollstuhltechniker, weil mir mein Rolli nicht mehr paßte. Er ist ein sehr angenehmer Mensch. Ich bin da recht empfindsam, was die Energie angeht, die jemand mit sich bringt. So sind mir die meisten Männer zu intensiv, zu raumgreifend. Ich ertrage das nicht gut, vor allem dann nicht, wenn sie auch noch eine After-Shave-Fahne hinterlassen, die noch Stunden später in meinem Haus hängt. Jedenfalls kamen er und ich ins Gespräch und er meinte, daß er als Nichtbehinderter sich immer darüber ärgert, wenn er durch einen behinderten Verwandten oder durch seine Kundschaft mitbekommt, daß Körperbehinderte von Nichtbehinderten behandelt werden, als seien sie gaga und geistig nicht auf der Höhe. Das kenne ich natürlich auch. Kann inzwischen gar nicht mehr zählen, wie oft ich es mit Leuten zu tun hatte, die es wirklich gewundert hat, daß ich in zusammenhängenden Sätze rede. Es gibt Tage, an denen mich das verletzt, aber mittlerweile finde ich das an den meisten Tagen einfach nur lachhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal macht es mir sogar Spaß, ein bißchen mit dem Klischee zu spielen: da meist vorausgesetzt wird, daß ich nicht orientiert bin, ist es hin und wieder ganz lustig, tatsächlich mal nicht-orientiert zu handeln. Die Gesellschaft räumt mir durch ihre Vorurteile eine gewisse Narrenfreiheit ein, die auszukosten ich ok finde. Wie gesagt, manchmal. In indigenen Gesellschaften gibt es Behinderte, die Schamaninnen werden, weil sie besonders, weil sie anders sind. Vielleicht weil sie die Welt anders sehen. Vielleicht weil die Gesetze, die auf “normale” Leute (ich schreibe das extra so provokant) zutreffen, nicht für sie gelten. Indem Nichtbehinderte Behinderte stigmatisieren, werden sie tatsächlich besonders. Als Behinderte kann ich Sachen sagen, die die Menschen von einer Nichtbehinderten nicht akzeptieren würden. Mit mir sind sie nachsichtig.

In der Akupunktur werden nicht mehr vorhandene Körperteile behandelt, als wären sie noch da. Beim Reiki oder der schamanischen Arbeit mache ich das genauso. Ich selbst nehme meine Amputationen energetisch wahr, aber es ist nicht so, als wäre da einfach “nichts” mehr. Da ist noch etwas da, es ist nur anders als vorher. Die Teile von mir, die chirurgisch entfernt wurden, mußte ich verabschieden, damit sie in Frieden gehen konnten. Ich glaube, wenn ich noch an ihnen hinge (wörtlich), dann hingen sie noch an mir. Dann würde ich mich auch nie mit meinem Körper, wie er jetzt ist, arrangieren können, oder mehr noch: ihn lieben. Auf der anderen Seite bin ich nicht behindert. Da bin ich beweglicher, wandelbarer, flexibler, agiler als hier. Ganz spannend finde ich, daß mein Körper dennoch ein ähnlicher ist, inclusive der Amputationen. Und daß auch andere Reisende das so wahrnehmen. Wahrscheinlich spricht das dafür, daß ich meine Behinderung integriert habe.

Ein Aspekt, den ich lange demütigend fand, war die Einbuße meiner Beweglichkeit. Ich habe früher sehr gern getanzt, auch im rituellen Kontext. Ich habe mich gern kraftvoll (ich bin Ex-Leistungssportlerin) und fließend bewegt. Meine Bewegungen jetzt sind damit nicht mehr zu vergleichen. Ich finde sie nicht anmutig, nicht rhythmisch. Es hat gebraucht, mir zuzugestehen, daß sich meine Art zu tanzen ebenfalls gewandelt hat. Mir hat der Satz Mut gemacht: wer gehen kann, kann auch tanzen. Ich kann ein bißchen gehen, also kann ich auch ein bißchen tanzen. Und ich habe Tanzen im Liegen gelernt. Und im Sitzen. Und Tanzen im Geiste – ich spüre dann alle meine Zellen schwingen und schunkeln. Zu Samhain 2007 haben mein einer Mann und ich aus Ton Göttinnen geformt, das Ritual stand unter dem Motto “begegne Deiner Göttin”. Damals habe ich nicht verstanden, was mein Tonklumpen für eine Göttin sein soll. Heute gucke ich sie an und denke: sie ist behindert und sie tanzt! Der Tanz ist doch auch Ausdruck für geistige Regungen und Beweglichkeiten und für ein freies Schwingen.

Entsetzlich sind die Momente, in denen ich darüber nachdenke, wie ich auf andere wirke. Wie bewerten sie mich? Oh, mein dicker Hintern! Meine dürren Beinchen! Meine Transplantate! Meine klobigen Behindertenschuhe! Der Rollstuhl! Und mein Gesicht, es ist mir anzusehen, daß ich behindert bin! Ich habe gelernt, in mir selbst, in meinem Bauch, mitten in meinem Sein zu ankern. Es ist dann nicht mehr wichtig, wie jemand mich bewertet oder mich findet, weil ich in mir drin wohne. Heiliger Raum in mir.

Amala Krähenfeder, 02.12.2011, 19:50 | Abgelegt unter: Behinderung,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: WahlAhninnen (oder: not so Samhain) ::

In der letzten Woche habe ich auf vielen Blogs von Samhain gelesen, dem Ahninnenfest, dem Tor zum Winter. Für mich hat sich diese Zeit nicht wie Samhain angefühlt und tut das noch immer nicht. Ja, Nebel haben wir hier auf dem Land wirklich viel, aber es ist noch immer warm (hemdwarm, shirtwarm, abends strickjackenwarm), die Sonne bringt das herrlich bunte Laub zum Leuchten und das fühlt sich alles eher wie Mabon, wie Ernte an. Nicht wie Abschied vom Licht, nicht wie Einkehr. Dieses Jahr waren die ersten Kürbisse Mitte, Ende Juli reif – jetzt gibt es keine (guten) mehr. Nicht hier, wo sie wachsen. Vorgestern habe ich den letzten Liter neuen Wein ergattert – am 17. August startete er seinen Lauf und jetzt ist er alle (und wurde zu einem famosen Schokokuchen mit jungem Wein, hach ja – was für ein Finale). Vielleicht ist dieses Jahr für mich auch deswegen alles anders, weil ich – ganz unheidnisch und unromantisch – meinen Vitamin-D-Haushalt das erste Mal seit einer Ewigkeit im Griff habe.

Mein Altar ist immer noch mabonig eingedeckt; es tummeln sich da noch Haselnüsse, Maronen und Eicheln zwischen Hagebutten und Bucheckerhülsen. Normalerweise decke ich ihn Mitte Oktober dunkler ein, mit einem schwarz-silbernen Altartuch, mit meiner einen hochverehrten Perlmuttmuschelschale, mit Bildern von lieben Verstorbenen. Dieses Jahr wispern mir ihre Stimmen noch nicht zu. Sie sitzen eher mit roten Backen auf dem Austragbankerl vorm Haus und ratschen.

Heute Morgen waren wir auf einem Flohmarkt, der zugunsten des örtlichen Katzenschutzvereins veranstaltet wurde. Es gab keine Neuwaren (das finde ich eh eine Flohmarkt-Unart), dafür aber viele alte Schätzchen wie unvollständige Porzellanservices, Zwiebel- und Brottöpfe, alte Textilien, uralte Photoapparate und allerlei mehr. Ich habe drei alte, großformatige Tischdecken erstanden, die per Hand bestickt und umhäkelt worden sind, und eine wunderschöne Häkeltischdecke. Für die, die sie mir verkauft hat, waren das ausrangierte Tischdecken vom Dachboden, für mich sind das wahre Schätze. Ich stelle mir die Frau vor, die diese Dinge vor langer Zeit gefertigt hat. Wer sie wohl war? Was ihr wohl durch den Kopf ging bei der Handarbeit? Was sie wohl hineinwebte? Durch meine emotionale, wertschätzende Verbindung zu den Dingen, die sie schuf, verbinde ich mich auch mit ihr und mit diesem Landstrich hier, der erst seit zweieinhalb Jahren meine Heimat ist (dabei kommt mir das viel länger vor).

WahlAhninnenHeimat.

Amala Krähenfeder, 05.11.2011, 19:03 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Schönes Orakeldeck gesucht ::

Heute brauche ich mal die Mithilfe von Euch, liebe orakelnde Leserinnen. Ich suche nämlich ein schönes Orakeldeck – also kein Tarot, auch kein Lenormand. Mein liebstes Orakeldeck bisher ist das Rabenorakel von Gabi Bücker, ansonsten benutze ich meist ein selbstgemachtes Deck. Aber Samhain naht und ich brauche mal neuen Input :)

Mit welchen Orakeldecks arbeitet Ihr gern? Welche könnt Ihr empfehlen?

Amala Krähenfeder, 26.10.2011, 14:01 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 13 Kommentare

:: Zwischen Schneckenhaus und Birnbaum ::

Ah, der Herbst. Jetzt isser da, da hilft’s sich nix. Mittags träume ich noch von Sommerhitze, abends von Ofenglut. Es geht nach innen, sagen die roten Beeten, die so herrlich erdig schmecken und meine Zunge blutrot färben. Es geht nach innen, sagen auch die Spinnen, die den Altweibersommer in meinen Garten tragen. Überhaupt, das Landleben ist ein Leben geteilt mit Insekten. Daran muß ich mich noch gewöhnen. Es ist auch ein Leben zwischen Schneckenhaus und Birnbaum, wo wir handflächengroße Weinbergschnecken im Garten haben und die Birnen zu Hunderten fallen und ihren mostigen, süßen Atem aushauchen. Fallobst. Fallobst vergeht spiralig, die Schimmelpilze spiralisieren es aus der Existenz.

Ich hab meinen Berg besucht und ihm zugehört. Jetzt bringt er noch einmal frische Kräuter hervor, junge Nesseln, Spitzwegerich, Schafgarbe, Habichtskraut. Direkt daneben liegen reife Walnüsse und Haselnüsse, die die anderen Spaziergängerinnen nicht wollen. Ich bücke mich danach. Und nasche Sanddorn vom Strauch.

Was nehme ich diesmal mit in die Dunkelheit? Wovon lasse ich mich durch den dunklen Mutterschoß tragen? Ich weiß es noch nicht so genau. Muß noch ein bißchen sammeln.

Amala Krähenfeder, 20.09.2011, 21:11 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare
schlampengoettin.de läuft unter Wordpress 3.3.2
Anpassung und Design: Gabis WordPress-Templates, Weazel