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Kategorie: SchaMagisches

:: 2. Stammtischtreffen ::

Am Samstag, den 20. März 2010, trifft sich unser Stammtisch um 15 Uhr im Café Endle in Karlsruhe. Einen Tisch werde ich auf den Namen Krähenfeder reservieren lassen – dann sind wir einfacher zu finden :)

Übrigens: es wäre toll, wenn diejenigen, die wissen, daß sie definitiv kommen werden, mir hier oder per Mail Bescheid geben könnten, mit wievielen Personen sie kommen, denn dann kann ich eine passendere Tischgröße reservieren.

Ich freue mich, Euch kennenzulernen :)

Amala Krähenfeder, 21.02.2010, 00:22 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Warum ausgerechnet Kräuter? ::

Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich den Gewürzschrank meiner Mutter erreichen konnte, wenn ich mir einen unserer Klappstühle heranzog. Wacklige Angelegenheit, aber ein zielstrebiges Kind schafft ja alles (und hat eine ganze Horde Schutzengel, natürlich). Von diesem Schränkchen ging ein seltsam-verheißungsvoller Duft aus, eine wilde Mischung aus Salbei, Pfeffer, Vanille und einigen anderen Kräutern und Gewürzen mehr, die ich nicht benennen konnte. Ich nahm ein Döschen nach dem anderen zur Hand, öffnete es und schnupperte daran. Manche Düfte fand ich zu bitter oder zu scharf, andere nichtssagend, aber manche lösten in mir wilde Assoziationen aus – übrigens weniger zu Gerichten, die meine Mutter zu kochen pflegte. Vielmehr schickten sie mich auf Reisen an Orte, die ich gar nicht kannte, die mir aber trotzdem vertraut schienen.

Meine Mutter war geduldig. Sie setzte mir einen großen Topf Wasser auf den Herd und während dieser vor sich hinblubberte, durfte ich Gewürze und Kräuter hineingeben, umrühren, schnuppern. Nachdem der halbe Gewürzschrank darin landete, war es ein echtes Hexengebräu und roch schaurig – aber spannend. Rückblickend würde ich sie gern fragen “sag mal, wieso hast du mir das erlaubt? Die Sachen müssen doch wirklich teuer gewesen sein”. Aber wahrscheinlich kenne ich die Antwort schon: weil es wichtig war. Diese Erfahrung war wichtig für mich und sie hat mich geprägt.

Später wollte ich dann Botanikerin werden – ich wußte zwar nicht genau, was das sein sollte, aber es hatte was mit Pflanzen zu tun und das genügte mir. Ich lerne die lateinischen Namen sämtlicher Pflanzen aus einem Buch auswendig und nervte meine Biolehrerin damit, daß ich wußte, was Angiospermen sind, und sie nicht. Irgendwann kamen wir mal auf die Erbsen des Herrn Mendelsohn zu sprechen. Pflanzliches Erbgut zu verändern, schien mir Gaukelei, schwarze Magie. Es stand im krassen Gegensatz zu dem, was ich empfand, was sich mir offenbarte, wenn ich mit den Kräutern umging. Was mit dem Mönch begann, nimmt heute komplett absurde Formen an. Genverändertes Saatgut, das Pflanzen hervorbringt, deren Samen nicht keimen. Multiresistente Pflanzen, die nicht-genveränderte Pflanzen infiltrieren und verändern – mit welchem Ergebnis, wissen wir nicht. Wir wissen ja nicht mal, was passiert, wenn wir von diesen veränderten, schwarzmagischen Pflanzen essen… Was steckt dahinter, wem nutzt das? Natürlich nutzt es machtbesessenen, geldgeilen Menschen, die an der Spitze von Konzernen stehen, die Pflanzen manipulieren, die grobfahrlässig in die Schöpfung von Mutter Erde eingreifen. Ich frage mich, wie sich diese Menschen wohl fühlen, deren Reichtum auf dem Leid unzähliger Kleinbauern fußt. Ich vermute, großartig. Und wenn erst alle Kleinbauern und Landwirte weltweit von ihrem widernatürlichen Saatgut abhängig sind, dann geht’s denen wohl noch besser. Besonders interessant fand ich die Erkenntnisse eines Landwirts aus den USA, der seinen Rindern genveränderte Pflanzen fütterte. Wenige Monate nach der Futterumstellung wurden seine Kühe unfruchtbar. Er stellte das Futter erneut um, nämlich auf nicht-manipulierte Pflanzen. Wer rät, was passiert ist? [Das komplette Video gibt's in mehreren Teilen hier zu sehen]

Parallel zur Öffnung des (meiner Ansicht nach eh nur fiktionalen) Marktes für genmanipulierte Pflanzen passiert etwas sehr Erschreckendes: Angst vor Wildpflanzen entsteht. Ja, klar haben fromme Menschen schon seit vielen Jahren die gar schröcklichen psychoaktiven “Hexenpflanzen” gejagt und niedergetreten, wo immer sie sie fanden, aber ich spreche von einer Angst vor dem Kräutlein, das am Wegrand wächst oder im nicht-totgespritzten Garten. Besonders skurril war eine Begegnung, die ich mit meinem Sohn im Sommer hatte. Das Kind sitzt an einem Feldrand, rupft gedankenverloren und selbstzufrieden Spitzwegerich, Wiesensalbei und Löwenzahn, wobei hin und wieder ein Blättchen dessen, was er einwandfrei bestimmen kann, in den Mund wandert. Eine aufgebrachte Radfahrerin hält mit quietschenden Reifen neben uns. Wie ich denn sowas zulassen kann – daß mein Kind diese Unkräuter essen darf?! Ich war zu perplex für eine Antwort.

Ich glaube, Pflanzen suchen unsere Nähe. Diejenigen, die versuchen, einen englischen Rasen zu kultivieren, werden das aus leidvoller Erfahrung bestätigen können. Pflanzen folgen dem Menschen, bieten sich dar, wollen Kontakt. Unsere großen, großartigen Nährerinnen, unsere fürsorglichen Mütter. Je mehr du diese Nähe, diese Liebesbeziehung zuläßt, je offener du wirst, desto öfter werden dich die Pflanzen besuchen und manchmal auch rufen. Pflanzen lehren uns: alles, was du brauchst, ist direkt hier. Wir vergessen das zu oft. Wir sind zu abhängig von der Pharmaindustrie geworden. Vitamintabletten statt gesunder Ernährung, Antibiotika statt Inhalationen.

Kirsten Armbruster schreibt in ihrem wunderbaren Buch “Starke Mütter verändern die Welt”, daß wir in einer Mangelgesellschaft leben. Wir haben immer weniger von allem. Weniger Vielfalt, weniger Auswahl. Das trifft nicht nur auf Kinder, Arbeitsplätze und Perspektiven zu, sondern auch auf Pflanzen und Kräuter. Viele alte Gemüse gibt’s einfach nicht mehr – sie waren zu bitter, zu langweilig, als “arme Leute”-Essen verpöhnt. Viele (Feld-)Früchte werden vernichtet, weil man sie dem Verbraucher (wer ist eigentlich der Verbraucher? Du oder ich oder – ?) angeblich nicht zumuten kann. Der Verbraucher kauft eben am liebsten Obst und Gemüse, das einer DIN-Norm entspricht. Gerade heute kamen wir an mehreren Feldern vorbei, auf denen Pastinaken und Karotten lagen. Sie waren “zu klein” und wurden untergepflügt. Ja, die Natur läßt nichts verkommen und die Erde freut sich. Aber der Erde hätten auch die Blätter dieser Wurzelgemüse gereicht und es gibt hier in der Region Menschen, die dankbar über das Gemüse gewesen wären.

Wenn ich mit Kräutern arbeite, wenn ich Tees und Gewürze mische, dann geht mir das Herz auf. Das ist Vielfalt, das ist Lebendigkeit. Ich empfinde eine tiefe Liebe zu den Pflanzen und mit ihnen zu kommunizieren, fällt mir leicht. Nicht selten kommt es inzwischen vor, daß ich bei einem Zipperlein auf genau das Kräutlein stoße (gestoßen werde), das ich brauche: durch einen Traum, durch ein Wort, das ich plötzlich im Kopf habe, durch das, was ich direkt vor mir habe. Ich weiß dann, daß ich geliebt und getragen bin. Ich fühle mich geborgen.

Darum Kräuter.

Amala Krähenfeder, 31.12.2009, 18:40 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Stammtischgründung Karlsruhe, Speyer, Heidelberg und Co. + Umland? ::

Mein Mann und ich suchen nette Menschen, die Lust haben, sich gelegentlich zu treffen und auszutauschen. Wer weiß – womöglich entsteht bei gegenseitiger Sympathie und dem “richtigen Flow” auf Dauer ja sogar ein regelmäßiger Stammtisch? Wenn die Chemie stimmt, können wir uns auch vorstellen, gemeinsam die Jahreskreisfeste und andere Rituale zu feiern, zu trommeln / rasseln, Tarot- oder Runenabende zu machen und derlei mehr.

Besonders schön fänden wir es, wenn sich vor allem Freiflieger melden würden, unabhänging ihrer Richtung. Wir selbst sind auch Freiflieger :)

Da wir aus dem Karlsruher Norden kommen und mobil sind, böten sich z.B. folgende Orte an: Karlsruhe, Bruchsal, Speyer, Germersheim, Hockenheim, Mannheim, Schwetzingen und Heidelberg, jeweils plus Umland.

Hat jemand Lust auf ein erstes Treffen im Januar?

Amala Krähenfeder, 12.12.2009, 18:41 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: RauhNächte nahen ::

…und so finde ich mich mitten in der Nacht Runen intonieren, locken, rufen, schreien, weinen… eine meiner Pflanzenverbündeten tagelang immer wieder blättchenweise kauen und erspüren…in Gesprächen mit Mutter Erde vertieft…

Und je weiter ich der Spirale nach innen folge, je mehr glitzerbunte Fäden des wunderschönen Gewebes ich entdecke, begreife, webe, desto mehr Fragen kommen auf, desto mehr Emotionen werden wachgerüttelt.

“Beten reicht nicht”, sagte der Dalai Lama, und auch wenn ich mit dem Buddhismus nichts anfangen kann, damit kann ich was anfangen. Ich habe keine Lust mehr, mir “stille Nacht, heilige Nacht” in die Tasche zu lügen. Habe keine Lust mehr, mir die Lage auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein schönzusaufen oder an “Heiligabend” (der für mich die Mutternacht ist und bleibt!) mit einem Massenmord an meinen Mitgeschöpfen schönzufressen. Die Konsumneurose in der Welt da draußen macht mich krank. Festlichkeit und Harmonie werden uns von allen Medien eingehämmert, während die Menschen nicht mal Zeit haben, der gestreßten Verkäuferin zu danken und ein Lächeln zu schenken. Abends sitzen wir dann wie die Scheintoten vor den Fernsehern, schauen triefige Filme, die uns den “Geist der Weihnacht” näherbringen wollen, den wir längst verloren haben, und schwelgen in künstlicher Glückseligkeit. Am nächsten Tag wird dann wieder gehetzt, geschrien, gehupt, gedrängelt, abgezockt – Hauptsache, zu den Feiertagen ist alles ‘nice and neat’, geputzt und aufgeräumt, und der Mangel an Liebe kann mit genug Geschenken kompensiert werden.

Nicht zu vergessen der Kirchenbesuch zu Weihnachten, wo männliche Priester in Frauenkleidern, bestickt mit der Farbe des Menstruationsblutes, über einen Gott predigen, der Mord legitimierte und in dessen Namen ungezählte Menschen ihr Leben ließen und lassen werden. Von den Sünden, die ihr Gott erst in diese Welt brachte, wollen sie uns befreien – diese Scheinheiligen! -, während Heime für die Kinder von Priestern unterhalten werden. Vom Leben nach dem Tod predigen sie. Verständlicherweise, denn vom Leben im Leben haben sie nicht die blasseste Ahnung. In ihren toten Zeremonien, in ihren heruntergeleierten Sprüchen und salbungsvollen Reden liegt für mich kein Fünkchen Wahrheit. Vom Leben wissen sie nichts. Sie reden von der Verderbtheit der Frau und haben wohl vergessen, wer ihnen das Leben geschenkt hat. Gott soll etwas erschaffen, Leben geschenkt haben? Wie denn das – so ganz ohne Gebärmutter?

Beten reicht nicht. Aber bevor wir etwas ändern, bevor wir handeln können, müssen wir endlich unsere Augen öffnen. Kein Gott, kein Politiker und kein Fernsehsender wird das für uns tun.

Es wird Zeit.

Amala Krähenfeder, 10.12.2009, 23:49 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Samhain-Nachlese ::

samhain2

Gerade habe ich meine Blogrunde hinter mir. Ich find’s toll, zu lesen, was Ihr alle an Samhain gemacht habt – und was für gruselige Kürbisfratzen Ihr geschnitzt habt. Unser Ahnenfest war sehr ruhig und festlich – genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Wir hatten ein mondänes Mahl, haben den Ahnen Speisen vor die Tür gestellt, einen Kürbis geschnitzt und bei Kerzenschein ein orakeliges Familienritual gefeiert.

Gestern war ich mit meinem Mann ein bißchen unterwegs, Richtung Heidelberg – Neckargemünd – Aglasterhausen. Der erste November war trübe, diesig und ungemütlich, also im Grunde perfekt, um sich abends vor dem warmen Kachelofen einzuschnurgeln.

Zur Zeit steht meine Welt ein bißchen still. Viel Energie fließt in kreative Projekte und manchmal fühlt es sich an, als würde ich vor einem Korb mit lauter Wollresten sitzen, die ich entwirren möchte und muß. Nur allmählich bekomme ich den Überblick und habe auch nicht wirklich Lust, mich um Kontrolle zu bemühen. Lieber lasse ich es fließen, lasse es geschehen. Wyrd schon.

Außerdem stelle ich mir gerade mal wieder die Frage nach Freundschaft. Offenbar bin ich ein Mensch, der die Distanz durchaus zu schätzen weiß. Nicht weil ich nicht bereit wäre, verbindlich zu sein und mich zu kümmern, sondern weil sie mir Zeit und einen freien Kopf schenkt. Ich glaube, ich habe mich zu oft in den Problemen anderer verloren, habe mich einwickeln und fesseln lassen. Für Freunde bin ich dazu bereit, aber nicht für lose Bekanntschaften. Als mir das klar wurde, habe ich mich arschlochmäßig gefühlt, aber so langsam begreife ich, daß das eine Form von Selbstliebe ist, die ich damit praktiziere. Ja, und wenn mir der Wunsch nach der einen engen Freundin nicht erfüllt wird, dann bleibt es eben dabei, daß ich nur Stippvisiten im Leben anderer mache und ganz bei mir bleibe.

Amala Krähenfeder, 02.11.2009, 13:29 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

:: Die drei Bethen ::

Die Lektüre des Buchs “Der Kult der drei heiligen Frauen” von Kurt Derungs und der bekannten Märchenforscherin Sigrid Früh (übrigens eine meiner Lieblingsautorinnen) beflügelt gerade meine Gedanken und stößt viele Dinge in mir an. Die drei Bethen als Wohltäterinnen, die über das Land ziehen und den Menschen bei ihrer Arbeit helfen und vor allem den Frauen in ihren Belangen beistehen.

Auch an meiner Haustür steht “20*C+M+B+07″, noch von den Vermietern. Ich hatte im Hinterkopf, daß ich mal irgendwo was über die heidnischen Ursprünge dieses Zeichens gelesen hatte, aber jetzt ist es mir wieder bewußt geworden. C+M+B wird ja seitens der katholischen Kirche hingestellt als Zeichen für “Caspar, Melchior und Balthasar”, die drei heiligen Könige, die angeblich dem Jesuskind Geschenke brachten, weil sie in den Sternen gelesen hatte, wer er gewesen sei. In dem Buch von Derungs / Früh findet sich die These, daß diese drei heiligen Könige – wie so manche andere Dinge auch – lediglich eine Erfindung der jungen christlichen Sekte gewesen sei, um das überlieferte Kulturgut der Dreifrauenheit zu überzeichnen und dem Volk die christliche Uminterpretation alten Gedankenguts schmackhaft zu machen.

Ich finde es irre, was für einen Aufwand die christliche Kirche getrieben hat und treibt, um die Wurzeln der Menschen, deren Seelen sie fangen wollen (zweifelsohne mit Erfolg), zu übertünchen. Wie viel Kraft und perfider Wille notwendig sein muß, die Menschen ihre Bräuche und ihren Glauben vergessen zu machen. Geschickt waren und sind sie ja, die Pfaffen. Wo eine Eingliederung des heidnischen Gedankenguts nicht fruchtete, wurde es verunglimpft und verteufelt. Angst ist eben ein wirksames Druckmittel. Heute übrigens auch noch, denke ich, wenn ich hin und wieder mit christlichen Mitmenschen in Kontakt komme, z.B. durch den Kindergarten. Angst vor der Sünde. Angst vorm Tod. Angst davor, nicht vor Gott zu bestehen. Soviel Angst haben sie in die Herzen der Menschen gepflanzt und sie dabei soweit von der liebenden, nährenden Mutter Erde entfernt. Wer keine Angst hat, ist schwer zu regieren. Wenn ich mir die Mentalität anschaue, die unsere Welt zerstört, dann frage ich mich, wieviel davon den monotheistischen Religionen zu verdanken ist, die sich die Erde Untertan machen und sie be-herr-schen wollen.

Was ich jedoch nicht verstehe: warum bleiben ihnen die Menschen treu, wo doch inzwischen soviel von der christlichen Patina auf unseren Wurzeln entfernt wurde?

Irgendwie passen diese Gedanken für mich zu Samhain…

Amala Krähenfeder, 27.10.2009, 14:58 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Du sollst Dir kein Bild machen ::

Heute früh lag ich noch halb komatös im Bett, als mir so ein Gedanke kam (inzwischen habe ich herausgefunden, daß es wahrscheinlich nur teilweise mein eigener Gedanke war und Haigal nicht unschuldig an dessen Entstehung ist :) ). Warum verlangt der judäisch-christliche Wüstengott eigentlich, daß sich seine Anhänger kein Bild von ihm machen sollen? Mit verpenntem Kopp kommt mir das Bilderverbot, das mich auch schon streckenweise in meinem Theologiestudium beschäftigt hat, ziemlich skurril vor. In der Exegese ist man zu der Erklärung gelangt, daß Gott nunmal unbegreiflich und daher auch nicht abbildbar sei. Ganz schön verschwurbelt, find ich. Liebe kann man doch auch nicht wirklich erklären, aber es gibt unzählige Wege, sie abzubilden und auszudrücken (Herzchen, Rosen, …). Interessant auch, daß der Wüstengott sich trotzdem irgendwie ein paar wenigen Auserwählten offenbaren will, sei’s nun durch einen brennenden Dornbusch oder durch das Vorbeihuschen am Rücken eines Menschen. Als ich die Geschichte mit dem Vorbeihuschen das erste Mal in meinem Konfirmandenunterricht gehört habe, hat sie mich traurig gemacht. Wie muß sich dieser Mensch fühlen, den Gott in eine Felsspalte stellt und sagt “ich bin so großartig, daß du kleiner Wurm mich gar nicht ertragen könntest”? Dann huscht Gott an seinem Rücken vorbei —- und that’s it? Ich habe mich immer gefragt, ob sich dieser Mensch wirklich geliebt fühlen kann. Er hat eine konkrete Frage und Gott gibt ihm eine Antwort, die keine ist. Sind Eure Kinder damit zufrieden? Mein Sohn ist es nicht.

In meinem Studium bin ich irgendwie zu einer echten Schreckschraube für meine Profs mutiert. Ich wollte begreifen, warum Gott den Menschen nicht da abholt, wo er steht. Warum erklärt Gott sich nicht? Welchen Wert haben diese häppchenweisen Offenbarungen für denjenigen, der sucht, der seinen Geist und sein Herz bereits für Gott sperrangelweit geöffnet hat und dann doch abgespeist wird? Ist das nicht wie ein Liebesakt, der nie wirklich vollzogen wird?

Der Wüstengott verlangt viel von den Menschen, die an ihn glauben. Er verdrängt ihre alten Götter und erklärt sie plötzlich für Götzen, die sie nicht mehr anbeten dürfen. Jahrhundertelang waren diese Götter Teil ihres Lebens. Erfahrbar. In der Bibel findet sich eine Stelle, in der es sinngemäß heißt, daß das Volk lieber Brote für die Himmelsgöttin bäckt, anstatt den Wüstengott anzubeten…

 Er zürnt. Überhaupt, ich glaube, er zürnt gern. Angeblich hat er den Menschen geschaffen – menschliches Verhalten inclusive. Der Mensch fällt ab (was auch immer das heißt). Und Gott? Er straft. Ich meine…klar. Wenn mein Kind Unfug baut, dann erkläre ich ihm das natürlich auch nicht und versuche, die Eintracht wiederherzustellen. Ich schick einfach ne Sintflut ins Kinderzimmer, dann ist der Konflikt auch gelöst.

Das Neue Testament soll den neuen Bund besiegeln. Gott gibt sich versöhnlich. Er verzeiht alle Sünden. Meine Lieblingssünde ist die Erbsünde – der Mensch ist per se schlecht, weil Adam und Eva ja schlecht waren und wir alle von denen abstammen. Ich glaube, vieles, was als Sünde deklariert wird, ist Zeugnis für die Lebendigkeit im Menschen. Lust, Eifer, Genuß, Trieb. Ich begreife nicht, warum Gott seinen Sohn opfern muß, damit anderen Menschen ihre Sünden verziehen werden. Es heißt, er liebe die Menschen so sehr, daß er für ihre Verfehlungen sogar seinen eigenen Sohn gab. Mal ehrlich – wer darunter leidet, ist doch wohl vor allem die Mutter. Gott schenkt den Jungen hin, er wird gefoltert und ermordet. So handelt nur, wer nichts erschaffen kann. Finde ich.

Für mich sind viele Aspekte des judäisch-christlichen Glaubens absolut undurchschaubar, selbst nach 13 Semestern Theologie. Wie kann ich einem Gott freudig dienen, der mich als sündig und im Kern schlecht erachtet? Wie kann er ein Gott der Liebe sein, wenn er sein Kind zu Tode foltern läßt? Welche Lebensrealität vertritt Gott, wenn er den Vater an die erste Stelle setzt und die Mutter ans Ende stellt?

Während ich nochmal mit den Zehen an der Bettdecke raschelte, kam mir so in den Kopf, daß meine Göttin irgendwie das Gegenteil vom Wüstengott ist. Sie will, daß ich hinterfrage. Sie will, daß ich mir ein Bild mache – und sie macht es mir leicht, indem sie mir tausende und abertausende Bilder von sich selbst schenkt. Ich muß nur in den Spiegel gucken. Oder in die Augen meines Sohnes. Oder auf das winzige Schneckenhäuschen auf meinem Altar. “The Goddess is in everything, in every form of beauty”. Wer mit den Augen des Liebe sieht, entdeckt, daß alles voller Wunder und daß alles wunderschön ist. Das, was uns von ihr und damit auch von uns selbst trennt, bringt Häßlichkeit und Leid.

Dazu, finde ich, paßt ganz hervorragend, daß die NASA derweil den Mond bombardiert.

Welches Bild die Göttin wohl von uns hat?

Amala Krähenfeder, 09.10.2009, 18:22 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 10 Kommentare

:: Herbst zieht auf ::

Ich bin eine Herbstfrau, schon immer gewesen. Frühling, Sommer, Winter sind okay und ich kann sie inzwischen auch alle so hinnehmen, wie sie eben sind, aber im Herbst blühe ich auf. Vielleicht stimmt es ja, daß man zu der Jahreszeit, in die man hineingeboren wurde, die engste Bindung hat. Ich liebe den frühen Herbst, wenn der Himmel von einem kräftigen Blau ist und die Sonne noch Wärme schenkt. Aber ich liebe auch den Spätherbst, wenn es naß und neblig ist und die bunten Blätter von den Bäumen fallen. Herbst – Zeit der Fülle, aber auch Zeit des Abschieds. Wehmut liegt in der Luft, und manchmal duftet es nach Vergänglichkeit.

Am Abend sind wir über das Land gefahren. Bad Schönborn, Malsch, der Letzenberg, dann weiter über die Dörfchen und Weiler, während die Sonne hinter Philippsburg versank und die hohen Kondenswolken des Atomkraftwerks dramatisch anleuchtete. Nebel kroch über die Felder und Hügel in der Ferne und zum ersten Mal in diesem Jahr duftete es nach Herbst. Die Erde ist feucht und atmet die letzen Tage, die so heiß waren, müde aus. Es wird geerntet und auf den Äckern herrscht bis tief in die Nacht Betriebsamkeit. Krähen sammeln sich in großen Schwärmen, hier und da sieht man Greifvögel, Reiher und die jungen Störche, deren Schnäbel inzwischen auch rot geworden sind. Die Weintrauben schwellen an, die Bäume hängen voller Äpfel und Birnen und Quitten, die im September geerntet werden. Erste Kürbisse kann man auch schon kaufen. Dahlien, Sonnenblumen, Astern und Gladiolen stehen direkt neben Futter- und Saatmais, dessen Stroh allmählich gelb wird.

Kennst Du das, wenn diese Herbststimmung Dich in einem Jahr zum ersten Mal berührt? Mich erfüllt es mit Sehnsucht und läßt mich nachsinnen – wenn ich nicht aufpasse, dann sogar über meine Heimkehr, irgendwann. Ganz langsam dreht sich das Jahresrad weiter und bald werde ich mich wieder nach innen wenden und der Spirale zurückfolgen.

Gerade heute bin ich dankbar. Dafür, hier sein zu dürfen, in diesem Land, das ist so sehr liebe. Für meine Nähe zum “rural year”, dem “bäuerlichen Jahr”, für meine Nähe zur Mutter Erde. Für die Fledermäuse, die über mich hinwegschwirren, und die Katzen, die in der immer früher aufziehenden Dämmerung durch die Gemüsegärten und Weinberge streifen. Für den Nebel, der diese besondere Saite in mir zart antippt. Und für den Wind, der mir zuflüstert “Herbst zieht auf…”

Amala Krähenfeder, 21.08.2009, 23:01 | Abgelegt unter: Nach(t)denken, SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: Lammas || Farben ::

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Nachmittags im Wald: würzige Luft, angenehme Kühle.

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Die Göttin hat so viele Dinge in Herzform wachsen lassen. Ich glaube, sie will uns damit etwas sagen…

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Frisch vom Feld – ein Genuß mit Butter und Kräutersalz.

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Unser Feuerritual beginnt.

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Daran werde ich mich niemals sattsehen.

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Und daran niemals sattessen.

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Bis spät in die Glut schauen, nach Antworten suchen. Hand in Hand, Herz an Herz.

Mein Lammas ist nicht in Worte zu fassen.

Wie ist Deins?

Amala Krähenfeder, 02.08.2009, 00:28 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

:: Von den Kräutern ::

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Die Sonne steht schon hoch am blauen Himmel, als wir uns auf den Weg in die Felder machen. Die Weizenhalme sind in kurzer Zeit ein großes Stück gewachsen und überragen mich im Rollstuhl um mehr als zwei Köpfe. Wenn ich von der Seite auf das Feld schaue, komme ich mir wie in einem verwunschenen Urwald vor. Insekten summen träge um uns her und lassen sich ein Stück vom Wind tragen, bevor sie sich auf die verschwenderische Blütenpracht setzen. Ich habe meine Handschuhe vergessen und werde darum heute keine Brennesseln ernten – aber dann habe ich einen guten Grund, bald wiederzukommen. Stattdessen finde ich an den Feldrändern Kamillen, Spitzwegerich, Schafgarbe, Holderblüten, Wiesensalbei und wilde Minze. Das Johanniskraut trägt vereinzelt erste Blüten, aber ich werde bis Mittsommer warten und sie dann ernten, um Hautöl zu machen. Mein Sohn rennt mir ein ganzes Stück voraus und sammelt einen Wildblumenstrauß zusammen, fragt jedoch jede Pflanze vor dem Abbrechen, ob sie sich ihm schenken möchte. Hin und wieder kommt er zu uns zurückgelaufen. “Schau mal, Mama, das ist eine Mohnblume!”. Stolz hält er mir die zarte rote Blüte entgegen und im Sonnenlicht erinnert mich sein Haar an reifes Korn. Ich muß über seine Liebe zu den Kräutern lächeln, sie macht mir das Herz froh. Er begleitet mich eine kurze Zeit, sucht sich dann aber wieder seinen eigenen Weg, und ich höre ich aus der Ferne ein Lied für die Göttin singen, ganz spontan. Am Wegrand steht Beifuß, eine große, kräftige Pflanze, und ich breche mir kleine Triebe ab, nur ein bißchen, denn die eigentliche Erntezeit ist erst im Juli und August. Bis dahin werde ich hiermit räuchern. Plötzlich bleiben meine Augen an etwas haften, das zwischen den Ähren liegt: eine zerzauste Krähenfeder. Mit etwas Mühe angle ich sie mir und will dabei auch keine Hilfe. Ich stecke sie mir ins Haar und als wäre es ein Gruß, krächzen junge Krähen aus dem nahen Wald heraus zu uns her. Ja, denke ich, man ist nie allein, auch wenn es sich vielleicht manchmal so anfühlt…

Das Zwiegespräch mit den Pflanzen fällt mir leicht, ich empfinde es natürlicher und einfacher als so manche Konversation mit anderen Menschen. Bei manchen Zeitgenossen muß ich mich anstrengen, mich abzugrenzen, mich nicht vereinnahmen zu lassen von ihren Gefühlen, ihren Gedanken und ihren Understatements. Beim Kontakt mit Pflanzen spielt es nur auf einer Ebene eine Rolle, daß ich weiß, wie sie heißen, wofür sie gut sind. Auf einer anderen Ebene begegnen wir uns einfach, betrachten einander, nehmen einander wahr und an – und das genügt schon. Pflanzen, unsere mütterlichen Ernährerinnen und Heilerinnen. Heute bin ich froh, daß ich doch nicht Botanik studiert habe. Womöglich hätte das Wissen um die Inhaltsstoffe der Pflanzen unsere Beziehung entzaubert und uns beide seelenlos zurückgelassen.

Daheim sehe ich die Kräuterernte durch, bringe verirrte Insekten in den Garten zurück und erzähle Linus nochmal die Geschichte vom Johanniskraut und dem blutroten Öl, das seinen Blüten entweicht, wenn man sie zwischen den Fingern zerdrückt. Wir zerkleinern die Pflanzen und legen sie luftig in den Dörrautomaten. Wenig später duftet das ganze Haus nach wilder Minze und Holunderblüten. Im Garten blüht der Salbei und auch von ihm ernte ich etwas zum Räuchern für rituelle Zwecke.

Mitten im Sommer kommen Gedanken an die kalte, dunkle Jahreszeit, wenn wir Tee von diesen Kräutern trinken werden. Ein bißchen unwirklich, wo doch jetzt alles blüht und gedeiht, aber ich möchte mir des Wechselspiels von Sonne und Schatten, von Sommer und Winter, von Licht und Dunkelheit bewußt sein…

Amala Krähenfeder, 03.06.2009, 20:59 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare
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