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Kategorie: Nach(t)denken

:: Kinderdressur ::

Mädchen. Das ist ein Wort, an dem ich mich stoße. Die Silbe -chen zeigt an, daß es sich hierbei um eine Verniedlichung handelt, ähnlich wie ein Häuschen nunmal ein kleines Haus ist. Wenn ich statt Junge Jüngelchen sage (das Wort ‘Junge’ also ebenfalls verniedliche), wird die mitschwingende Abwertung deutlich. Wie aber soll ich weibliche Kinder nennen? Mädel? Auch das Wort empfinde ich als tendentiös, vielleicht sogar noch abwertender als Mädchen. Maid? Dabei muß ich spontan an die Sprache des Nazi-Deutschlands denken, finde Maid daher auch nicht richtig passend. Jungfrau? Im Sinne der jungen Frau sicherlich passend, durch patriarchalen Sprachgebrauch aber verdreht. Jungfrau bezeichnet darin eine junge Frau, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Vorschläge?

Dabei fällt mir grad noch was ein. Ich rief neulich bei einem Arzt an, der mir sagte, ich könne mir dies und jenes vorn bei den “Mädchen vorn” abholen. Mädchen!? Das sind gestandene Frauen! Ich nehme mir jetzt die Freiheit, sexistische Sprache zu korrigieren, und antwortete liebenswürdig: “Ich war grad kurz verwirrt, aber ich glaube, jetzt verstehe ich: Sie meinen Ihre Mitarbeiterinnen, die Frauen an der Rezeption, gell?”. Ich glaube, der Arzt fand mich penetrant.

Mittags hole ich meinen Sohn vom Kindergarten ab. Ich sehe junge weibliche Kinder, die Rosa wie eine Uniform tragen. Rosa Hosen, rosa Mäntel, rosa Schuhe, rosa Accessoires. Ich mag rosa, aber für mich ist Rosa wiederum eine Verniedlichung, in diesem Fall von Rot. Von Blutrot, das uns Frauen an unser Blut und unsere Gebär- und Muttermacht erinnert. Ich frage meinen Sohn, wie es im Kindergarten war und er sagt “ich mußte schon wieder mit meinen Freundinnen Prinzessin spielen”. Dann gehen wir neue Schuhe kaufen und ich entdecke rosa Prinzessinnen-Turnschuhe. Im Supermarkt alles weitere für die kleinen Prinzessinnen, sogar Prinzessinnenzahnbürsten.

Ich frage die Freundinnen meines Sohnes: “Was machen Prinzessinnen denn so?”. “Sie leben in einem Schloß. Sie sind sehr schön. Ein Prinz kommt und heiratet sie”. Unwillkürlich sehe ich eine Trutzburg mit Gitterstäben an den Fenstern, Dressurhallen für brave Prinzessinnen, die sich nicht selbst retten, sondern sich vom patriarchalen Prinzen retten lassen, der auf seinem Weg vielleicht noch schnell den Drachen – Symbol der alten Erdgöttin und der eigenMächtigen Frauen – köpft. Egal, solange Prinzessinnen geschniegelt und gestriegelt dastehen und den Helden anhimmeln. Daß er sie entmächtigt und beschneidet, wissen sie ja nicht. Ich frage meinen Sohn: “Und? Bist du der Prinz, wenn ihr spielt?”. Entgeistert schaut er mich an. “Nö, ich spiele immer die Mama”. Puh.

Seine Prinzessinnenfreundinnen spielen dann mit seinem Autokran. Eine sagt: “Sowas darf ich nicht haben!”. Liebe Spielzeugindustrie, wir brauchen prinzessinnentaugliche Kräne, bitteschön. Als Mitbringsel bekommt er geschlechtsspezifische Piratensachen, weil Jungs doch kleine Rabauken sind, Wildfänge, frei und ungezügelt.

Wat’n Blödsinn. Auch die Piraten unserer Tage sind dressiert. Kindergärten, Schulen, die Medien und wir Großen sorgen schon dafür.

Laßt uns alte Lieder hören.

Amala Krähenfeder, 04.03.2010, 20:55 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Mary Daly: Gynäkologie ::

In Dalys Buch bin ich nun beim aufschlußreichen Kapitel über moderne Gynäkologie angekommen – hochtrabend als Frauenheilkunde bezeichnet. Wie irreführend dieser Begriff ist, war mir eigentlich schon länger klar, aber ich möchte gern wieder ein paar Gedanken mit Euch teilen.

Daly bezeichnet die moderne Gynäkologie als Versuch, die ontologisch (= im Kern ihres Seins) unreine Frau auszumerzen und die Gesellschaft von ihr zu reinigen. Sie führt an, daß die Gynäkologen im 19. Jahrhundert (und damals noch ausschließlich Männer) eine Krankheit erfanden, um nicht-dressierte Frauen lächerlich zu machen und ihnen ihre Eigen-Macht zu rauben: die Hysterie. Wie das Wort schon andeutet, bezieht sich diese fiktionale Krankheit auf die Gebärmutter (Hystera). Praktisch, denn da Männer keine Gebärmutter haben, können diese auch nicht hysterisch werden. Hysterische Frauen jedoch wurden und werden auf vielerlei Weisen mundtot gemacht und durch psychotherapeutische, soziale und chemische Mittel ruhiggestellt. Im Zweifelsfall entfernt(e) mann ihnen halt die Gebärmutter bzw. die Eierstöcke – kastrierte sie also. Tatsächlich wird diese Kastration auch heute noch in vielen Fällen angewandt, beispielsweise als Vorsorge (sic!) gegen mögliche Krebserkrankungen (welche oftmals durch den Einsatz der Antibabypille oder der Pille danach erst ausgelöst werden!), gegen Menstruationsbeschwerden, Stimmungsschwankungen etc.

Die hormonelle Manipulation an Frauen durch Antibabypille, die Pille danach und durch Hormonsubstituierung im Klimakterium (den Wechseljahren) betrachtet Daly ebenfalls als Versuch, bislang nicht dressierte Frauen gefügig zu machen und zu kontrollieren. Wie gefährlich diese Präparate sind – auch und vor allem in ihrer langfristigen Gabe – verschweigen Gynäkologen gern, loben jedoch deren Eigenschaften als Mittel gegen ungewollte Schwangerschaften, unreine Haut, schmerzhafte oder “zu heftige” Blutungen, Depressionen etc. Das Interessante ist ja, daß Frauen keine “Selbstzünderinnen” sind, also nicht aus heiterem Himmel schwanger werden, auch wenn uns die christliche Indoktrination anderes glauben machen will. Frauen werden schwanger, weil Männer in ihre Vaginas hineinejakulieren. Doch anstatt daß Männern eine sterilmachende Pille verschrieben wird, wird das Problem an die Frauen delegiert. Ich mutmaße einfach mal ins Blaue hinein, daß es die Pille für den Mann bereits in irgendeinem Hochsicherheitstresor eines Pharmakonzerns gibt (wahrscheinlich genau wie den Automotor, der mit Wasser fährt, im Tresor eines Ölkonzerns). Mit welcher Selbstverständlichkeit Männer und inzwischen auch die patriarchal vereinnahmten und dressierten Frauen davon ausgehen, daß es die Frau zu sein hat, die sich um Verhütung kümmert, finde ich kollossal. Ich wüßte zu gern, wie der Großteil der Männer darauf reagieren würde, wenn ihre Frauen ihnen verkünden würden, daß sie die Pille absetzen und daß fortan die Männer für die Verhütung – im Zweifelsfall durch Verzicht auf intravaginale Ejakulation – zuständig sind.

Ein weiterer Bestandteil der systematischen Be-Herr-Schung von Frauen durch die moderne Gynäkologie ist die Vorsorge. Im Durchschnitt geht frau einmal (manchmal zweimal) im Jahr zu einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung, bei der ihr auf dem Rücken liegend (= in Opferhaltung) nicht nur die Finger des Gynäkologen, sondern auch unterschiedliche Instrumente in die Vagina eingeführt und die Brüste abgetastet werden. Der Gynäkologe dringt damit in ihren intimsten Bereich ein. Durch die stillschweigende Selbstverständlichkeit, mit der Frauen dem Gynäkologen meist ab dem Zeitpunkt ihrer Menarche, also ihrer ersten Blutung, vorgestellt und ausgeliefert werden, wird den Frauen suggeriert: Ihr seid krank. Es bedarf der ständigen Kontrolle Eures Körpers. Euer Körper ist potentiell gefährlich und lauert nur darauf, Krebszellen zu entwickeln. Die Gynäkologen betrachten sich dabei meiner Meinung nach als heroische Kämpfer – wie Susun Weed es in ihrem Buch “HeilWeise” beschreibt. Daß ebendiese Konditionierung neben der maßlosen und unverantwortlichen Gabe von Hormonpräparaten einer der entscheidensten Faktoren für viele “weibliche Beschwerden und Erkrankungen” sind, wird bewußt verschwiegen. Die Pille ist maßgeblich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt, doch anstatt ihre Verschreibung zu verbieten, werden Impfstoffe entwickelt, die frau vorgaukeln, gegen Krebs immun zu machen. Diese Lüge wird durch Gynäkologen weiterverbreitet und in Deutschland müssen junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren als Versuchskaninchen dafür herhalten. Wird also ständig suggiert, der Körper einer Frau sei ihr Feind, den es zu kontrollieren und ggf. auszumerzen gilt, wird sie diesen Glaubenssatz verinnerlichen. Ich glaube, darüber, daß Affirmationen einen deutlichen Effekt auf den gesamten Menschen haben, brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Das Praktische daran ist, daß sie, wenn es tatsächlich zu Leiden und Erkrankungen kommt, schon so vereinnahmt ist, daß sie sich ohne zu zögern oder zu zweifeln an die heroischen “Heiler” wenden wird – denn dann ist sie schon nicht mehr fähig, die tödlichen Mechanismen patriarchaler Medizin zu durchschauen.

Ein weiterer Themenkomplex, der dazugehört, ist die Menstruation. Menstruierende Frauen werden auch heute noch als unrein und unsauber betrachtet. Die Furcht vor dem Blut ist allgegenwärtig (ich lade meine Leserinnen ein, beim Abendessen ein Gespräch über die Menstruation zu beginnen und von den Reaktionen zu berichten). Im Patriarchat ist nur Wundblut, das im Kampf / Krieg vergossen wird, vom Makel des Unreinen befreit. Wir erinnern uns: das Patriarchat ist zutiefst lethal orientiert (siehe z.B. die Anbetung eines geschändeten Leichnams im Christentum). Menstruationsblut jedoch ist das einzige Blut, das ohne Wunde vergossen wird. Es erinnert frau an ihre potentielle Gebärmacht und an ihre enge Verbindung und Verbundenheit mit natürlichen Zyklen. Im Patriarchat ist die Schlußfolgerung, die zwigendermaßen folgen muß: Frauen müssen von ihrem eigenen Körper, ihrem Blut und ihrer Verbindung / Verbundenheit mit den Zyklen entfremdet werden, um sie unter Kontrolle zu bringen. Aus dieser Emtfremdung resultieren viele Probleme, die Frauen mit ihrer Menstruation haben: Schmerzen, Krämpfe, Depressionen, Angst davor, andere könnten das Blut entdecken oder riechen etc.

Das Patriarchat geht aber noch einen Schritt weiter. Einerseits soll frau sich für ihre Menstruation schämen, andererseits ist sie durch ihre Blutung und die oftmals damit verbundenen Leiden aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ein Sechstel des weltweit produzierten Mülls rekrutiert sich aus Wegwerfprodukten zur sog. Monatshygiene (auch dieser Begriff ist suggestiv: mit diesen Produkten ist die fürchterliche Blutung hygienisch, ohne sie nicht). Die wenigsten Frauen wissen, daß Tampons lebensgefährlich sein können und daß bei jeder Verwendung kleine Produktreste in der Scheide verbleiben, was wiederum zu Entzündungen führen kann. Binden werden mit Terpenen bedampft, die Gebärmutterkontraktionen hervorrufen. In der Folge menstruiert frau heftiger, blutet also länger und stärker. Dadurch verbraucht sie mehr Hygieneartikel und kauft obendrein schmerzstillende und krampflösende Medikamente. Da frau aber bereits durch patriarchale Manipulation Angst und Ekel vor ihrem Mondblut hat, weist sie den Gebrauch von Stoffbinden oft als unhygienisch und eklig zurück.

Amala Krähenfeder, 24.02.2010, 20:33 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 25 Kommentare

:: Ein Euro ::

Beim Einkaufen heute war vor uns eine alte Frau an der Kasse. In ihrem Korb: Katzenfutter, Brot, ein bißchen Gemüse. Ihr Geld reichte nicht, 1 € fehlte. Als die Kassiererin ihr das sagte, lief sie puterrot an, stammelte “oh Gott, was mache ich denn jetzt?”.

Und in dem Moment sagten drei Menschen wie aus einem Munde: “Ich geb Ihnen das Geld”.

Vielleicht gibt’s ja doch noch Hoffnung.

Amala Krähenfeder, 23.02.2010, 18:44 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Schweinegrippe ::

Was ist eigentlich aus der Schweinegrippe geworden? Erst bricht eine Hysterie aus und nachdem genug Leute zu Versuchskarnickeln für den Impfstoff gemacht wurden, ist sie plötzlich wie vom Erdboden verschwunden.

Liebe Schweinegrippe, die Internetcommunity hat größtes Verständnis für Fakes. Vielleicht könntest Du mal einen Grunzer von Dir geben, damit wir wissen, daß Du wohlauf bist.

Amala Krähenfeder, 22.02.2010, 19:20 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Die dressierte Frau ::

(c) by Weazel

Mary Daly läßt mich immer noch nicht los. Zur Zeit spüre ich einigen ihrer Thesen in meinem eigenen Leben nach – und das macht ihr Buch “Gyn/Ökologie”auch 30 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung für mich zu einer wahren Schatztruhe. Derzeit gehe ich dem Themenkomplex der dressierten Frau nach. Daly vertritt die Meinung, daß die in letzter Konsequenz dressierte Frau nicht einmal mehr mitbekommt, daß sie dressiert ist. In diesem Stadium dann ist sie sozusagen komplett patriarchal vereinnahmt.

Und was soll das nun wieder heißen? An dieser Stelle begann ich mein Nachspüren und borgte mir dafür ein Beispiel, das Daly gibt: das Sich-Zurechtmachen. Schminken, Frisieren, Parfümieren; Kleidung tragen, die bestimmte Schlüsselreize ausstrahlt (beispielsweise in direkter Verbindung mit den verkrüppelten “Lotus”-Füßen so vieler Asiatinnen: Stöckelschuhe und Pumps, die Flucht und einen selbstsicheren Gang ebenfalls verhindern); und sämtliche den Körper verändernden Eingriffe wie Schönheitoperationen, das Abbinden der Füße, die Beschneidung der weibliche Genitale etc.

Für Daly gehören sämtliche dieser Dinge zusammen, da sie den weiblichen Körper nicht in seiner natürlichen Form bzw. Funktion und in seinem natürlichen Aussehen belassen, sondern ihn modifizieren, um ihn für Männer attraktiver zu gestalten (oder provokant gesagt: um  deren Beuteschema zu entsprechen). Also, ich fand diese Behauptung insofern empörend, als daß ich stets von mir weisen würde, daß ich mich nur chic mache, um Männern zu gefallen. Naja, und dann gingen mir viele Dinge durch den Kopf, die ich Frauen oder Männer über Frauen habe sagen hören. Sowas wie “kein Wunder, daß ihr Mann sie mit mir betrügt, wo sie doch 10 Kilo zugenommen hat / wo sie sich doch so hängen läßt” (Aussage einer Frau). Oder “Du solltest dir wirklich mal deine Nägel ein bißchen feilen, das wirkt dann weiblicher. Das mögen die Jungs” (Aussage eines Mannes). Und je tiefer ich in meinen Erinnerungen schürfte, umso mehr dieser Konditionierungen kamen zum Vorschein. Und bei weitem nicht alle bezogen sich “nur” auf das Äußere der Frau…

Ich habe erstmal alle gesammelt, die mir auffielen, und saß dann vor ihnen wie vor einer Schüssel Mysterieneintopf. Ein buntes Durcheinander, teils so fein püriert, daß ich keine einzelnen Zutaten mehr identifizieren konnte (-> vollständige Dressur?), teils jedoch recht grobstückig. So oder so jedenfalls keine besonders bekömmliche Mischung und schlecht gewürzt obendrein. Ich finde es erstaunlich, welche manipulierenden / dressierenden Aussagen bzw. Werkzeuge ich in diesem Eintopf finde. Betroffen machen mich vor allem die Dinge, die so subtil sind, daß frau schon fast Sprach- und Beziehungs-Archäologin sein muß, um sie ans Licht des Bewußtseins zu fördern. Besonders fies finde ich, daß mann es geschafft hat, daß dressierte Frauen aufeinander losgehen und sich gegenseitig fertigmachen. Soviel dann also zur Schwesternschaft unter Frauen.

Zu einem echten Fazit bin ich noch nicht gekommen, da das Thema so unglaublich komplex ist und in vielen Fällen geschickt getarnt und verschleiert wird. Ich bohre noch ein bißchen nach, die folgende sinngemäß zitierte Aussage von Daly im Kopf: “Frauen, die sich nicht mehr dressieren lassen und sich der patriarchalen Manipulation bewußt werden, sind für patriarchale Menschen häxlich“.

Amala Krähenfeder, 18.02.2010, 13:10 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 13 Kommentare

:: Mary Daly II ::

Mary Dalys Buch “Gyn/Ökologie” schubst bei mir einiges an. Gerade lese ich die zweite Passage, in der es um das “Sado-Ritual-Syndrom” geht, wie sie es nennt. Dahinter verbirgt sich die systematische und oftmals verschleierte Gewalt, die Frauen weltweit im großen Stil angetan wird, wobei Daly die Mechanismen, die dabei angewandt werden, pointiert entlarvt. Ihr zufolge steckt vor allem die Besessenheit von Reinheit hinter diesen Sado-Ritualen: Frauen gelten als unrein und müssen daher ausgelöscht bzw. unter männliche Kontrolle gebracht werden. Die “Unreinheit der Frauen” besteht demnach nicht nur in ihrer Gebärmacht (Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit etc.), sondern auch in ihrer angeblichen minderen geistigen Fähigkeit (“Frauen können nicht so objektiv / wissenschaftlich denken wie Männern”, “Frauen sind Tratscherinnen” etc.). Um die Unterdrückung, Entmachtung und nicht selten die psychische und physische “Ausmerzung” von Frauen zu rechtfertigen, werden in vielen Fällen religiöse Begründungen gegeben. So sieht Daly in der jungfräulichen Empfängnis der Maria nichts anderes als eine Vergwaltigung, von der die Bibel auch noch behauptet, Maria habe in sie eingewilligt. Anders gesagt wird die Schuld für Gewalt gegen Frauen den Frauen zugeschoben. Diese müßten halt einsehen, daß sie die Wächterinnen der Tugend sein müssen, wo Männer doch eben einen “stärkeren Geschlechtstrieb” hätten. Daß Frauen jedoch oftmals aufgrund ihrer systematischen Er-Niedrigung (= Klein-Haltung) im patriarchalen System gar nicht in der Lage sind, Wächterinnen ihrer “Tugend” zu sein, wird gern verschleiert. Wie soll denn z.B. ein 12jähriges weibliches Kind, dessen weibliche Verwandte durch dieselbe Gewalt psychisch und physisch unter männliche Kontrolle gebracht wurden, der Vergewaltigung durch männliche Verwandte entgehen?

Die Mechanismen der Kleinhaltung von Frauen reichen Daly zufolge aber noch tiefer. Nachdem die Frau physisch und psychisch gebrochen wird, nachdem ihr durch ihr direktes Umfeld und durch die Gesellschaft, in der sie lebt, suggeriert wurde, daß sie an ihrer Mißhandlung selbst die Schuld trägt, wiederholt sich der Vorgang durch die angeblich “objektive” Wissenschaft. So wird z.B. bis heute behauptet, daß Millionen von chinesischen Frauen ihre Füße freiwillig brechen und bandagieren ließen / lassen, weil sie diese Verkrüppelungen eben schön fanden / finden und ja auch den Männern gefallen wollten / wollen. Daß diesen Frauen in dem gesellschaftlichen System, in dem sie leb(t)en, jedoch keine andere Wahl blieb / bleibt, wird nicht berichtet. Daß diese Frauen aufgrund der Verkrüppelungen das Haus nicht verlassen konnten (und demnach keinerlei Vorstellung davon hatten, daß die Verkrüppelung ihrer Füße eben nicht normal ist) und vollständig von den Vorgaben der Männer bzw. der bereits durch patriarchale Mechanismen gebrochenen Frauen abhingen, wird nicht erwähnt. Aber es muß ziemlich praktisch sein, wenn die Opfer nicht mal mehr weglaufen können.

Ich muß in diesem Zusammenhang an Vaginalliftings, Zehenverkürzungen, Brustvergrößerungen und sowas denken – OPs, von denen so viele Frauen immer noch behaupten, diese ja nur für sich selbst machen zu lassen. Frauenverkrüppelung passiert mMn direkt hier.

Amala Krähenfeder, 06.02.2010, 16:30 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 11 Kommentare

:: Mary Daly ::

“[...] Zum Beispiel das Klischee “Sie hat keinen Sinn für Humor”, das Männer auf jede Frau anwenden, die ihnen Angst macht (…) Nach patriarchalen Regeln ist es durchaus folgerichtig, daß diese Waffe besonders gegen die witzigsten Frauen verwendet wird, die man als ’scharfzüngig’ abtut.” – Mary Daly.

Mit der Lektüre ihres Buchs “Gyn/Ökologie” lösen sich grad ein paar Knoten bei mir. Ich fange an, bestimmte Begegnungen in meinem Leben besser zu verstehen, teilweise sogar zu durchschauen. Manches Verhalten scheint mir auf einmal furchtbar langweilig und berechenbar.

Mir geht auf, daß es fast unmöglich ist, über Frauen zu sprechen, Frauen in den Mittelpunkt der eigenen Betrachtungen zu stellen, frauenfokussiert zu denken und zu fühlen, ohne daß einer früher oder später der Stempel “MÄNNERFEINDLICH” aufgedrückt wird.

Wenn’s nicht so traurig wär, würde ich das einfach weglachen…

Amala Krähenfeder, 02.02.2010, 16:08 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Dilemma ::

Heute Nachmittag ist in der Stadt eine Frau an mir vorbeigegangen. Sie schob ein Fahrrad und hatte eine Ringelmütze auf. Sie sah so sympathisch aus, daß ich sie am liebsten spontan gefragt hätte, ob sie einen Tee mit mir trinken gehen mag.

Ja, und dann war der Moment schon wieder vorbei und sie weg.

Was für ein Dilemma. Es gibt im Netz so viele Kommunikationsmöglichkeiten, wie dies Blog hier. Und vor realer Kommunikation mit realen Menschen – nein, mit Unbekannten – schrecke ich zurück.

Ich hatte Angst, sie hält mich für verrückt.

Amala Krähenfeder, 27.01.2010, 19:56 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Die “Alte” bleiben ::

In den letzten Tagen habe ich oft gehört, daß ich nicht mehr die “alte” Amala sei und daß ich mich doch sehr verändert hätte. Diese Aussagen haben mich nachdenklich gemacht. Freilich kann ich nicht mehr die alte Amala sein, denn es ist Zeit vergangen, in der ich mich verändert habe. Wenn ich mir meine Umwelt so angucke, trifft das aber auf alles Mögliche zu: meine Mitmenschen, das Wetter, der wilde Wein vor meinem Fenster. Alles verändert sich ständig, aber wenn Menschen sich ändern, scheint das was Besonderes zu sein.

Ich habe schon ein paar Mal in meinem Leben zu hören bekommen, ich sei nicht mehr die Alte. In den Situationen und von den Menschen, die das sagten, bedeutete das vor allem eins: “du hast dich verändert und ich nicht. Dadurch bist du für mich schwerer einzuschätzen und durchaus auch schwerer zu kontrollieren”.

Aus diesem Blickwinkel heraus stimme ich völlig zu – ich bin wirklich nicht mehr die Alte. Und ich bin gespannt welche Entwicklungen das wiederum mit sich bringt …

Amala Krähenfeder, 24.01.2010, 18:45 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 10 Kommentare

:: Drei Milliarden 64 Millionen ::

Heute lese ich in “Starke Mütter verändern die Welt” von Kristen Armbruster: “Die norwegische Akademie der Wissenschaften hat errechnet: seit dem Jahr 3600 v.u.Z. bis heute fanden insgesamt 14513 Kriege statt. Dabei gab es drei Milliarden 64 Millionen Tote. [...] (Wollenschläger, zit. in Wolf: “Was war vor den Pharaonen?”, S.19)”.

Ich habe einem Kind das Leben geschenkt. Es kostet viel Zeit und erfordert eine Menge Achtsamkeit, Umsichtigkeit und vor allem Liebe, mein Kind aufzuziehen, es zu nähren, zu trösten, zu versorgen, zu fördern. Wie viele Mütter stehen hinter drei Milliarden 64 Millionen Kriegstoten und ungezählten Kriegsopfern, die vergewaltigt, mißhandelt, enteignet, entwürdigt, gefoltert, vertrieben und verletzt wurden und weiterhin werden? Was muten die Kriegsherren uns Müttern eigentlich zu!? Wenn es grad mal wieder in deren Pläne hineinpaßt, werden wir hochstilisiert als Produzentinnen des neuen Kanonenfutters und ansonsten wird uns das weggenommen, was wir lieben, was wir gehegt und gepflegt haben. Vielmehr noch, uns wird Verachtung zuteil, weil wir ja so schwach und hilfsbedürftig sind, nicht lebensfähig ohne die Männer, die seit mehreren tausend Jahren alles daran gesetzt haben, uns so klein und abhängig zu bekommen und zu halten. Und wenn eine wagt, ihren Mund aufzutun, dann wird sie gleich eine Spinnerin geschmipft, eine Kampfemanze, eine Männerhasserin, die sich in Hirngespinnsten von einer gewaltfreien Gesellschaft ergeht. Damit soll sie mundtot gemacht werden. Oh Mutter! Da muß eine ja ver-rückt werden!

“Matriarchat – aha! Da wollt ihr Frauen also mal den Spieß umdrehen und uns Männer unterdrücken!” wird einer da entgegengeschleudert. Und während mein Gegenüber sich diebisch darüber freut, so unglaublich scharfsinnig mein eigentliches Anliegen hinter meinen Worten von Konsensgesellschaft und Gewaltfreiheit entlarvt zu haben, werde ich ganz stumm und ziehe mich in mich selbst zurück und frage mich, ob der sich denn wirklich nur eine Gesellschaft denken kann, in der irgendwer irgendwen unterdrückt und be-herr-scht? Sind wir denn unfähig geworden, Frieden zu leben?

Ich schaue mir die Gestalten an, die erst kürzlich gewählt wurden, das Volk zu vertreten. Die professionellen, gutbezahlten Augenwischer. Es ist bestimmt gar nicht so einfach, dem Volk weiszumachen, man würde alles zu seinem Wohl tun, während man damit beschäftigt ist, die Menschen und das Land krankzumachen mit der Lüge von unbegrenztem Wachstum, vom unbegrenzten Vorhandensein von Energie. Glaub ja nicht, es wäre nicht genug Geld da, um unsere Kinder satt zu bekommen, um gute Schulen, ein faires Gesundheitssystem und eine Ökonomie des Friedens zu installieren! Das Geld ist da, aber es wandert in die Rüstung, in die Erforschung weiterer unheilbringender Massenvernichtungswaffen, in die Lagerung von atomaren Abfällen oder wird für unnützes Zeug auf den Kopf gehauen. Ja, und da es so gemacht wird, ist natürlich kein Geld da für die Dinge, die das Leben braucht und die es zum Leben braucht. Stell Dir nur mal vor, die 68.000 €, die die letzte Regierung kurz vor ihrer Abdankung für neue Luxusschreibgeräte ausgegeben hat, hätte man für was Sinnvolles verwendet. Shame on you! Und wer hat die eigentlich gewählt!? War das Absicht?

Oh Mutter! In mir bricht sich Zorn Bahn, den ich als gutes, braves Mädchen nicht fühlen durfte. Es heißt: Mädchen, die pfeifen, und Hühnern, die kräh’n, soll Mann beizeitigen den Hals umdreh’n. Aber ich lasse mir den Hals nicht so einfach umdrehen, lasse mir den Mund nicht mehr verbieten. Ich will auch nicht mehr brav und höflich sein. Ich will meinen Zorn kultivieren, damit er diese ganzen Lügen hinwegfegt, diesen ganzen kranken Mist aus meinen Adern rausspült. Ich will mich nicht mehr mit Fernsehen und Konsum unter- / unten halten lassen. Ich will wach sein und ich will meine Stimme wiederfinden und gebrauchen.

Amala Krähenfeder, 06.12.2009, 22:53 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar
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