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Kategorie: Gynozentrisches

:: TagebuchFreundin gesucht ::

Fast drei Jahre lang gab es das Schattenbuchprojekt, doch die dritte Runde mußte vorzeitig abgebrochen werden. Ich mochte das Projekt, weil es etwas Verbindendes hatte. Ich habe viel über die Frauen erfahren, die teilgenommen habe, habe Neues gelernt, über den eigenen Tellerrand hinausgeguckt und viel Inspiration bekommen. Der Austausch in dieser schriftlichen und sehr greifbaren Form fehlt mir. Und darum suche ich jetzt eine TagebuchFreundin.

Das Schattenbuchprojekt war so angelegt, daß immer vier bis fünf Frauen an jeder Runde teilnahmen und die Bücher turnusmäßig alle drei Monate wanderten. Diesmal suche ich eine Frau, die Lust hat, zusammen mit mir ein Jahr lang füreinander Tagebuch zu schreiben.

Ich stelle mir vor…

…daß Du und ich jeweils ein Buch füreinander aussuchen, das wir in den kommenden 12 Monaten füllen werden (beim Schattenbuchprojekt hat jede ihr eigenes Buch gekauft und es auf die Reise geschickt).

…daß Du und ich parallel zum Tagebuchschreiben wenigstens lose via Mail, SMS oder Telefon in Kontakt bleiben, um immer darüber informiert zu sein, wie es mit dem Projekt so läuft. Monatelanges Schweigen, aus dem Zweifel und Bedenken erwachsen, was nun mit dem Projekt ist, möchte ich nicht.

…daß Du und ich regelmäßig Eintragungen vornehmen, damit wir beide am Ende des gemeinsamen Jahres ein Buch voller Gedanken, Erlebnisse und anderer schöner Dinge zurückbekommen. Das bedeutet, daß Dir, falls Du Dich für dieses Projekt bewerben willst, bewußt ist, daß Du damit eine gewisse Verbindlichkeit eingehst.

…daß unsere Einträge eine bunte Mischung aus Alltäglichem, Spirituellem, Schönem sind. Mit Photos, Ausschnitten, vielleicht sogar kleinen Malereien und Fundstücken. Und anderem mehr. Was uns so in den Weg kullert und berührt.

Ich dachte mir, die Eintragungen können handschriftlich abgefaßt oder auch am Computer getippt und ausgedruckt eingeklebt werden. Es wäre schön, wenn wir zu Beginn unserer gemeinsamen Reise über unsere Vorlieben und Interessen sprechen würden – ich bin z.B. Veganerin und ein Rezept für Schweinsbraten würde mich irgendwie nicht begeistern. Vielleicht wäre es auch eine Idee, daß jede sich fünf Themen wünscht, über die die andere im Laufe des Projekts schreiben soll, so als Challenge zwischendrin? Auf jeden Fall sollen die Bücher pfleglich behandelt und am Ende des Jahres versichert verschickt werden. Es wäre doch eine Schande, wenn so ein Schatz verloren ginge!

Welche Themen mich interessieren, welche Dinge mich berühren und begleiten, welche Vorlieben und Abneigungen ich habe, weißt Du wahrscheinlich schon, da Du ja hier auf meinem Blog bist :) Wenn Du ganz andere Interessen, Vorlieben und Abneigungen hast, ist das kein Hindernis, sondern die Chance auf eine spannende Erfahrung.

Habe ich Dein Interesse geweckt? Wenn ja, hinterlasse mir hier bis zum 12. Februar 2012 einen Kommentar, in dem Du mir schreibst, warum Du Lust hast, meine TagebuchFreundin zu werden – dann endet die “Bewerbungszeit”.

Ich freu mich auf Dich!

Amala Krähenfeder, 04.02.2012, 20:30 | Abgelegt unter: Allgemein,Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 12 Kommentare

:: OrakelFrage ::

Für das Wochenende zog ich eine Orakelkarte, die mich fragte:

Im ersten Moment wollte ich ganz spontan antworten, spürte dann aber, daß ich doch ein bißchen über diese Frage nachdenken wollte. Gibt es einen Unterschied zwischen Lieben und Mögen – oder ist das eine kleinkarierte Idee? Wieso fragt die Karte danach, “what” (was) und nicht “who” (wen) ich liebe? Vielleicht, so denke ich, ist die Anzahl der Personen (Katzen inkludiert), die ich liebe, eben sehr begrenzt, die Anzahl der Dinge aber praktisch nicht. Wen ich liebe, ist so ziemlich konstant, aber was ich liebe, ändert sich oft.

Gestern habe ich das Hörbuch “Der Name der Rose” beendet. Das Buch hab ich irgendwann vor zehn Jahren oder so mal gelesen und viele Gedanken, die ich damals hatte, kamen jetzt wieder. Zweifelsohne gebildete Männer philosophieren über die Liebe, von der sie meiner bescheidenen Meinung nach erbärmlich wenig wissen. Die Liebe zu Gott als vergeistigtes, jenseitig orientiertes Prinzip auf der einen, die Angst vor der Liebe in ihrer sehr menschlichen Ausprägungsform auf der anderen Seite. Eco hat seinen Roman im frühen 14. Jahrhundert angesiedelt, aber das, was ich mir vorlesen ließ, ist auch heute noch aktuell. Ich vermag mir kaum eine Welt vorzustellen, die nicht durchdrungen ist von christlicher, patriarchaler Anschauung. Wie kann eine Religion, die den Fokus des Menschen vom Diesseits zum Jenseits hin verschiebt, eine Religion, die aggressiv missioniert und dabei so unendlich viel Gutes ausrottet, nur solchen Zulauf haben? Die christliche Logik ist ein in sich geschlossenes Prinzip. Argumentativ kommst Du nicht dagegen an – im Zweifelsfall wird das Totschlagargument “Deus vult” – “Gott will es” gezogen. Ich sehe die Leere in uns, die wir nicht mit Konsum, nicht mit Wegmachen, nicht mal mit Beten füllen können. Christliches Vermächtnis. Ich denke, wir brauchen sinnstiftende Rituale, die die Seele nähren und warm einhüllen. Wir brauchen Religion in ihrem Ursinn: Rück-Verbindung. Aber nicht zu dem Gott des Todes, sondern zum Leben, zur Natur, zu uns selbst. Mir kann das diese vergeistigte, gehorsame Gottesliebe nichts geben. Der Wüstengott ist ein Gott des Todes; gerade für mich als Frau, als Gebärmächtige wäre es paradox, diesem Todeswahnsinn zuzuarbeiten. Ich stelle mir diesen Wüstengott als cholerischen Patriarchen vor, der behauptet, seine Kinder zu lieben – sie aber ständig unter Druck setzt durch Strafankündigung, ihnen ein perfides, krankes Selbstbild mitgibt, indem er von ihnen als sündig, unrein und schlecht redet, und auch nicht zögert, sie zu verletzen, zu demütigen und zu töten. Natürlich nur zu ihrem Besten. Einen Mann, der mein Kind so behandeln würde, würde ich mit fliegenden Röcken und die Ofengabel schwingend aus dem Haus jagen. Einem solchen Gott zu dienen, verbietet mir mein gesunder Menschenverstand. Oder vielmehr: mein Frauenverstand.

Was heißt nun Liebe für mich? Ich glaube, jemanden oder etwas zu lieben, bedeutet mir: ich lasse sie, ihn oder es stehen, wie sie, er oder es ist. Liebe heißt, ich nehme Dich an. Ich erspüre, was uns verbindet, und bewerte es wichtiger als das, was uns vielleicht trennt. Ich gebe mich nicht auf und ich will auch nicht, daß Du Dich aufgibst. Du bist so, ich bin anders – Liebe zum Unterschied, zur Vielfalt. Ich muß nicht erst verstehen, um lieben zu können. Es passiert einfach so (oder auch nicht). Es fließt hinein, es fließt hinaus, ein stetes Ein- und Ausatmen, Festhalten, Loslassen.

Amala Krähenfeder, 09.01.2012, 13:27 | Abgelegt unter: Gynozentrisches,Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 17 Kommentare

:: Weihnachten ::

Dieser Artikel bei Alexis hat mich zu meinen Zeilen hier inspiriert – statt eines Kommentars sozusagen. Ihre Hauptkritikpunkte am Weihnachtsfest, Konsum und Scheinheiligkeit, kann ich nachvollziehen. Ich habe vorletztes (?) Jahr auch darüber gebloggt, war voller Zorn und schlechter Gefühle. Letztes Jahr haben wir dann ein Low-Budget-Weihnachten verbracht: keine große Deko, am Baum hingen Äpfel und Papiersterne und es gab nur kleine, selbstgemachte Geschenke – übrigens nur für die Menschen, die uns wirklich nah und wichtig sind. Ich glaube, das war das schönste Weihnachtsfest seit meiner Kindheit, eben weil es um das Zusammen-Tun und Zusammen-Sein ging, nicht darum, einander in Geschenkmenge und -wert zu übertreffen oder sich bis zum Erbrechen (oder zur Einnahme pharmazeutischer Magenmittel) vollzustopfen.

Was feiere ich persönlich an Weihnachten? Die Wintersonnenwende. Die Sonne macht kehrt und kommt zurück, die Tage werden also allmählich wieder länger. An Yule feiere ich jedoch nicht nur das Licht, sondern vor allem auch die Dunkelheit, immerhin gibt’s davon dann eine Menge. Ich habe inzwischen keine Angst mehr vor der (inneren) Dunkelheit, bin durch jahrelange Depressionen gegangen und habe sie dann irgendwann abgestreift wie eine Haut, die zu eng geworden ist. Klingt eigentlich ganz simpel und überheblich einfach, dabei war das ein langer unbequemer Entwicklungsprozeß bis hin zu der Erkenntnis, daß meine innere Wahrheit eben nicht mit der äußeren (gesellschaftlich verankerten und kolportieren) Wahrheit übereinstimmt, daß mich das aber nicht weiter kratzt. Depression heißt ja im Wortsinn, daß frau niedergeschlagen wird. Von den Umständen, den Ansprüchen, dem Frauenbild in Gesellschaft und Medien und dem Gefühl, es allein schaffen zu müssen, weil sie sonst versagt hat. Der manchmal ein Leben lang andauernde verzweifelte Versuch, sich anzupassen, schlägt eine eben nieder. In der Dunkelheit, die mich zur Wintersonnenwende auch äußerlich einhüllt, werde ich mir meiner inneren Schätze bewußt: ich kann mich empören und ruhe in mir selbst. Ich bin bei mir, ich kenne mich, ich vertraue mir, ich liebe mich. Die sog. Heilige Nacht ist für mich die Mutternacht. Ich begebe mich in die Dunkelheit im Mutterschoß, brüte mich nochmal aus / lasse mich nochmal ausbrüten und setze eine Zehe (oder in mutigen Momenten einen ganzen Fuß) über die Grenze zum Tod. Weihnachten ist nicht nur Geburt, sondern auch Todesnähe. Wie stehe ich zum Tod, zu meiner Vergänglichkeit? Wie gehe ich damit um, eines Tages zu sterben? Wenn ich jetzt sterben würde, was hätte mir gefehlt? Macht mir der Tod Angst oder sehe ich ihn als einen weiteren Weg? Weihnachten ist für mich ein Frauenfest. Ohne Frau keine Geburt, kein Leben. Wer soll mir die Mysterien erklären, wenn nicht eine Frau, eine Göttin? Das sind die innere Prozesse an Weihnachten.

Im Außen, in der Begegnung mit anderen, erfahre ich mich als Teil der Gemeinschaft. In der hellen Jahreshälfte verstreuen wir uns und unsere Energie, sind draußen unterwegs, wollen was unternehmen. In der Dunkelheit spielt sich das Meiste im Haus ab. Jetzt zeigt sich, wie gut wir wirklich miteinander klarkommen, an den langen Abenden am Feuer (und ohne Fernseher), wenn wir miteinander reden, spielen, planen. Ist mir die Nähe der anderen gerade recht oder zu intensiv? Kann ich eine Grenze ziehen und auch mal nein sagen? Womit füllen wir die gemeinsame Zeit? Wie fühlen sich unsere Beziehungen zueinander an? Wer kocht Tee?

Auch ich erfahre die Konsumsucht “draußen” in der Welt, obwohl ich es ab Mitte November vermeide, in die Innenstadt zu fahren. Ich kaufe eh am liebsten im Hofladen ein, mache die Geschenke selbst, schaue nicht fern und besuche nur kleine Weihnachtsmärkte – da komme ich nicht groß in Konflikte mit dem “Draußen”. Mir fällt nur auf, ab wann die Weihnachtsmärkte eröffnet sind, weil dann viele Menschen riskant und in Schlangenlinien Auto fahren, ordentlich mit Glühwein betankt. Konsum und (Freß- / Trink- / Kauf- / whatsoever-)Sucht gehören ganz eng zusammen. Konsum enthebt vom Selbermachen, Selberdenken, Selberfühlen und betäubt. Vielleicht spürt mensch dann auch die Depression nicht mehr so. Ich nehme das wahr und lasse das los. Was “die da draußen” machen, berührt mich nicht, weil ich mich davon nicht berühren lasse. Leere und Kälte sind ansteckend, wenn ich sie annehme, also lasse ich sie emotionslos weiterziehen. Mein Weihnachten ist nicht sinnentlerrt, scheinheilig und konsumorientiert. So einfach ist das.

Amala Krähenfeder, 05.12.2011, 13:57 | Abgelegt unter: Gynozentrisches,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Gebärmuttersenkung & Sex ::

…das ist eine der häufigsten Suchanfragen auf meinem Blog. Ich hatte mich hier schon einmal ausführlich über die Gebärmuttersenkung geäußert und bin immer wieder völlig sprachlos angesichts der ganzen Resonanz, die ich auf diesen Artikel hin bekomme. Und mir wird immer deutlicher, wie viele Frauen mit einer Senkung leben und wie vielen dieser Frauen systematisch eingetichtert wird, eine Senkung sei anomal, gefährlich, schrecklich und andere Dinge mehr. Dazu habe ich ebenfalls in dem o.g. Artikel meine Gedanken formuliert.

Zu meiner These, daß frau mit einer Senkung im Sinne des Patriarchats nicht mehr benutzbar ist, stehe ich. Irgendwie wird das anhand des Suchbegriffs “Gebärmuttsenkung und Sex” oder “Sex bei Gebärmuttersenkung?” ja auch deutlich. Funktioniert Sex mit der Senkung? Darf frau Sex haben, wenn sie eine Senkung hat?

Nun bin ich keine Gynäkologin und mir ist wichtig, daß dieser Artikel als mein persönlicher Laiensenf verstanden wird. Aber diese Fragen stellten sich mir auch. Klar, mit Senkung ist ja auf einmal alles anders. Die Patriarchalmedizin mit ihren Pessaren und Reizstromdildos kann es frau schon mal ordentlich verleiden, Lust zu empfinden, wo doch die eigene Scheide auf einmal so eine Art behandlungsbedürftige Krankheit geworden ist. Symptome, die Du nie hattest, werden durch das bloße danach-Googlen oder durch das bloße Aussprechen hervorgerufen. Energie folgt der Aufmerksamkeit und was Du rufst, das kommt. Und wenn dann noch ein beweißkittelter Mensch diese Form von Magie betreibt, ruft er eben Dinge in die Existenz, die vorher nicht da waren. Ärztinnenworte sind Heilerinnenworte – oder sollten es sein. Oder könnten es. Blöderweise sind sie heute ziemlich oft schwarzmagische Worte, die manipulieren, die sich festsetzen und ihre eigene Dynamik entwickeln. Deine Ärztin sagt: “ich schreibe Ihnen eine Hormoncreme gegen Scheidentrockenheit auf”. Scheidentrockenheit? Scheidentrockenheit? Dein Kopf beackert dieses Wort, bis es wahr wird. Und dann brauchst Du die Hormoncreme tatsächlich. Vielleicht.

Wenn Du erstmal darauf getrimmt bist, Dich mit der Senkung krank und unzureichend zu fühlen, dann ist es schwer, mit Deiner ureigenen Lust in Kontakt zu kommen. Ich meine das nicht nur im sexuellen Sinn. Welche hat schon Lust, tanzen oder lang spazieren zu gehen, wo die Schwerkraft doch auf einmal zum Feind geworden ist? Welche mag schon schallend lachen oder kräftig niesen, wo das doch ein paar Tröpfchen Urin zum Fließen bringen könnte? Und welche betrachtet sich selbst jetzt noch mit liebenden Augen, wo wir Frauen doch darauf getrimmt sind, uns durch die Augen der Männer wahrzunehmen? “Wird er mich noch anziehend finden mit der Senkung? Findet er es eklig? Abstoßend? Was, wenn er mitkriegt, daß ich hin und wieder Urin verliere? Was, wenn er merkt, daß ich es durch die Senkung nicht (mehr) angenehm finde, mit ihm zu schlafen?”. Ja, was dann?

Wie definiert sich eigentlich Sex? Ich meine, die ganze Welt macht einen wahnsinns Hype um Sex – kann damit wirklich nur die Penetration der Frau gemeint sein, ganz in patriarchaler Reinsteck-und-Erober-Tradition? Wie langweilig! Aber vielleicht gehört das ja auch so. Jedenfalls vermitteln das die Medien, die Pornos, die Gespräche mit anderen Frauen. Es ist normal, daß er den Ablauf von Sex bestimmt. Und der geht so: scharfmachen, reinstecken, ejakulieren, fertig. Männliche Lust funktioniert linear, da ist einfach kein Platz für ausufernde, spiralige weibliche Lust. Oder gar den Orgasmus der Frau. Das dauert doch ewig. Und allein durchs Reinstecken und Bewegen wird er auch nur selten ausgelöst – so viel Aufwand ist er doch gar nicht wert. Tatsächlich scheinen viele Frauen zu meinen, ihre eigene Lust sei ihrem Partner lästig. Oder der Partner sei so auf Erreichung des Ziels = des Höhepunkts bedacht, daß sie es sich dann lieber selbstmacht, wenn er auf der Arbeit ist. Eigentlich ist es ja auch traurig, mitanzusehen, wie der Gatte sich mit diesem kleinen Lustorgan der Frau abmüht, das ihm partout kein bißchen entgegenkommen will und sich bei genervter Überreizung sogar unkooperativ in einer Hautfalte verbirgt. Das sagt doch wohl klar: Alter, nimm die Flossen weg, das ätzt! Rein mechanisch ist da nix zu erreichen.

Mich überrascht es ja immer wieder, wie verklemmt wir sind. Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles sexualisiert wird, aber wir kriegen es nicht hin, mit unserem Partner über Sex und Lust zu reden. Kleine weibliche Kinder tragen Miniröcke, Overknees und Lippenstift, aber wir hacken uns eher die Zehen ab, bevor wir sagen: “tut mir leid, es ist nicht meine höchste Freude, wenn Du Deinen Penis in mich reinsteckst. Eigentlich ist meine Lust nicht penisorientiert, sorry, da hast Du Dir was vorgemacht (und ich Dir auch). Aber ich mag dies und das uns jenes. Ich finde es toll, wenn Du meinen Rücken streichelst oder meine Zehen kitzelst. So einfach ist das!”.

Im Grunde konfrontiert Dich die Senkung mit der Frage nach Deiner Lust, nach Deinem sexuellen Empfinden. Körperlich ändert sie etwas, aber sie verschiebt vor allem was im Kopf. Uns wird weisgemacht, wir hätten uns an männlicher Lust zu orientieren. Die Senkung katapultiert Dich zurück zum Start und sie fragt: was empfindest DU eigentlich wirklich? Was magst Du, was willst Du, was brauchst Du? Manchmal ist es einfach Zeit. Manchmal ein Beckenbodentrainingskurs. Und manchmal eine Entdeckungsreise in eine tiefere Dimension von Sex und Lust. Wenn Sex – ob nun körperlich und denktechnisch bedingt – nicht mehr funktioniert wie bisher, dann kann in dieser Krise ein Geschenk stecken. Du hast die Chance, Dich selbst und Deine Bedürfnisse neu zu entdecken. Wenn das, was bisher ok war, jetzt wehtut, ist vielleicht was anderes ganz toll. Eine Veränderung braucht Kommunikation mit Deinem Partner, wenn Du Dich nicht dahin verändert hast, lieber ohne ihn sein zu wollen. Vielleicht denkt er sonst, alles sei beim Alten. Sprich mit ihm über Deine Veränderung, körperlich, seelisch. Sprecht über Eure Auffassung von gutem Sex, von Befriedigung, von Nähe. Viele meiner Leserinnen schreiben mir, ihnen fehle der Mut zu solch offenen Gesprächen. Dann macht das Licht aus, manchmal hilft das. Oder werft erstmal zehn Minuten mit versauten Begriffen um Euch, das lockert. Und: wann, wenn nicht jetzt? [Ich muß gerade an einen sehr befreienden Moment in meinem Zusammenleben mit meinem Partner nummero zwei denken - wir saßen am Frühstückstisch - ohne Kind! - und zwischen zwei Bissen Brot meinte er ganz unaufgeregt: "Ficken! Fotze! Pimmel!". Wir brachen in schallendes Gelächter aus und danach war die Beklemmung angesichts intimer Gespräche futschi. Dinge beim Namen zu nennen, kann sie entmythifizieren und sie einfach so banal darstellen, wie sie sind.]

Darf frau mit Senkung überhaupt noch Sex haben? Mein Gynäkologe sagte es mal so: “Sex ist das allerbeste Beckenbodentraining, was es gibt!”. Großartig, oder? Vorausgesetzt, Du hast Lust dazu…

Amala Krähenfeder, 19.08.2011, 20:48 | Abgelegt unter: Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Feminismus & Veganismus ::

Angeregt durch einen Artikel über Feminismus und Veganismus will ich auch mal versuchen, meine Gedanken dazu zu formulieren, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Meiner Meinung nach beruht der Verzehr von tierlichen Produkten auf Machtausübung, und zwar im Sinne der Macht-über, wie Mary Daly sie formuliert hat: eben Macht, die über ein anderes Lebewesen ohne dessen Einverständnis ausgeübt wird. In der Veganismusdebatte kommt ja oft das Argument, ob ich als Veganerin denn Tiere bzw. Produkte von Tieren essen würde, die toooootaaaaal glücklich und artgerecht gelebt haben und die auch toooootaaaaaal gern gestorben sind, damit ich mich dann an ihrem Körper delektieren kann (die Antwort lautet nein, wenngleich ich nach wie vor denke, daß es beim Veganismus darum geht, das mir Mögliche zu tun – interessanterweise stellen Omnivorinnen ja öfter den Anspruch an mich, perfekt und 100% vegan zu leben, als ich selbst. Als Beispiel nenne ich mal das Erschlagen von Mücken, das ich definitiv praktiziere). Rosa Luxemburg hat gesagt, daß für jedes Lebewesen das eigene Leben das wertvollste und erhaltungswürdigste Gut ist, woran ich unumwunden glaube, wohl auch wegen meiner schweren, lebensbedrohlichen Krankheit, die mich den Wert des (eigenen) Lebens essentiell hat spüren lassen.

Was bedeutet schon “artgerechte” Haltung? Wo ziehen wir die Grenze? Ist eine Kuh, die auf die Almwiese darf, die Sonne abbekommt und Gras knabbern darf, deren Milch aber dennoch von uns Menschen – die wir in der Regel keine Kälber sind – genommen wird, artgerecht gehalten? Ist ein Bio-Huhn, das nur anderthalb Jahre alt wird, weil es dann nicht mehr effektiv Eier legt, artgerecht gehalten? Stammen Wildtiere, die meist nachtaktiv sind, weil sie ihrem natürlichen Instinkt, tagsüber zu äsen, durch die Eingriffe von uns Menschen nicht mehr folgen können, aus artgerechter Haltung? Ich will damit lediglich aufzeigen, daß der Begriff der artgerechten Haltung eigentlich nur eine Art Gewissenskrücke ist. Selbst wenn wir heute noch wie die Neanderthalerinnen leben würden, bezweifle ich, daß Mammuts sich gern jagen, töten und essen lassen würden, aber ich habe natürlich keins danach gefragt.

Ich glaube, der Grund, wieso wir Tiere und tierliche Produkte essen, ist ganz simpel. Nicht weil wir Fleisch und Milch zum Leben brauchen. Nicht weil wir wirklich daran glauben, die Tiere würden gern für uns sterben. Nein, wir essen Tiere, weil wir es können. Weil wir die Macht dazu haben. Mal Hand auf’s Herz: in der Regel hat der Fleisch-, Milchprodukt- und Eierkonsum des aufkeimenden 21. Jahrhunderts so ungefähr gar nichts mit einer respektvollen inneren Haltung dem Tier gegenüber zu tun, das sein Fleisch, seine Milch, seine Eier für uns gibt. Wir haben keine Stammesschamanin mehr, die den Huhngeist anreist, die ihn durch Gesänge, Tänze, Opfer und Verhandlungen darum bittet, sich herzuschenken, damit ihr Stamm überlebt. Wir gehen auch nicht mehr mit unseren Grabstöcken und einem geflochtenen Korb auf Nahrungssuche, wobei wir neben Wurzeln, Beeren und Früchten halt auch Insekten und Kleintiere sammeln. Wir shoppen heute im Supermarkt und packen ein, was da ist – in der Regel auch einfach zuviel, aber das ist eine andere Diskussion.

Woher kommt unsere Macht über Tiere? Ich habe lange darüber nachgedacht, viele kleine Mosaiksteinchen zusammengesucht, angefangen bei Publikationen über Höhlenmalereien bis hin zu Exzeperten über moderne, effiziente Massentierhaltung. Die Antwort ist absolut simpel und absolut erschreckend: weil Tiere mit unserer Aggression und unserer Bereitschaft zur Zerstörung nicht mithalten können. Klar kann eine Kuh Dich tottrampeln, aber es liegt nicht in ihrer Natur, den Mord an Dir zu planen. Wir Menschen hingegen planen den Mord an der Kuh und ziehen ihn auch durch. Nicht weil wir ohne ihr Fleisch nicht überleben würden, sondern weil wir es können.

Was hat das jetzt alles mit Feminismus zu tun? Feminismus bedeutet für mich die Auseinandersetzung mit Macht. Dieser Ansatz ist zweigleisig. Einerseits geht es darum, mir die Macht-über bewußtzumachen, andererseits ist es wichtig, meine Eigenmacht zu suchen, zu finden und zu stärken. Übrigens ist der Begriff Feminismus als solcher meines Empfindens nach ein bißchen zu ungenau, weil es unterschiedliche Strömungen mit unterschiedlichen Vorstellungen gibt – wenn ich hier aber “Feminismus” schreibe, meine ich meine eigene wilde Mischung aus gynozentrischem und radikalem Feminismus mit einem ordentlichen Schuß matriarchaler Einsprengsel. Ich glaube, daß Feminismus / Matriarchat nur dann funktioniert, wenn über die Auseinandersetzung mit rein weiblichen Belangen die Beschäftigung mit der Frau in ihrem Kontext dazugehört. Und in diesem Kontext steht für mich so ziemlich alles, auch Männer – bevor es wieder heißt, die würde ich vergessen oder gar diskriminieren.

“Mein” Feminismus lehnt Herr-schaft und Hierarchien ab. Ich sehe nicht, daß ein Mensch über einen anderen regieren kann, und ich sehe nicht, daß eine Spezies über eine andere herr-schen kann. Durch die Fähigkeit zu bedenken und zu planen, die wir dank unseres großen Gehirns haben, haben wir meiner Überzeugung nach umso weniger das Recht, potentiell Unterlegene zu knechten – wobei wir krankerweise “Unterlegene” oft als “zu blöd zu kämpfen”, “zu schwach” oder derlei interpretieren. Ganz im Gegenteil sollte diese unsere Fähigkeit uns dazu anhalten, mitfühlend, respektvoll und ressourcenschonend zu leben und zu agieren. In matriarchalen Kreisen wird dieses lebensfördernde, mitfühlende, ressourcenbewußte Verhalten als “mütterlich” bezeichnet – eine Eigenschaft, die auch Männer haben und hegen können. Mir selbst rollen sich ja die Zehennägel hoch bei diesem Wort, aber weil ich bisher kein besseres gefunden habe, kann es auch stehen bleiben.

Ich bin vor einer Weile mal gefragt worden, ob ich mich als Frau denn genauso unterdrückt und ausgebeutet fühle wie ich es einer Kuh aus Massentierhaltung andichte (das Argument meines Gegenübers lautete im weiteren Verlauf, daß ich mir keinerlei Urteil über eine solche Kuh bilden könne, weil sie und ich ja niemals auch nur ein Gespräch über ihre Gefühle geführt hätten – clever, oder?). Vordergründig lautet die Antwort: nein, ich fühle mich als Frau nicht unterdrückt. Nicht als die individuelle Frau, die ich bin. Aber zu leugnen, daß Frauen per se unterdrückt (Mary Daly sagt: dressiert) werden, ist Realitätsverneinung. Ich habe dazu in meinem Blog immer mal wieder was veröffentlicht, weswegen ich mich an dieser Stelle nicht endlos wiederholen will, aber ich gebe mal ein paar Stichworte: Frauenquote, Lohnungleichheit, Vaginalliftings.

Das Patriarchat (ah, da ist das böse Wort endlich!) ist ein System, das auf Ausbeutung beruht. Es beutet die komplette Schöpfung aus (der Begriff “Schöpfung” mutet mir immer christlich an, aber ich möchte es hier aus dem biblischen Kontext herausgelöst verstanden wissen, denn auch monotheistische Religionen sind Pfeiler des Patriarchats). Wo soll ich bei der Aufzählung anfangen? Natürliche Ressourcen werden geplündert, bis Ökosysteme unwiederbringlich zerstört sind. Menschen, Tiere, Pflanzen, ja selbst Mutter Erde als solche – alles Gebrauchsgegenstände, derer sich das Patriarchat bedient. Im Patriarchat zählt das Individuum nicht, die Masse macht’s. Es geht um Profit, um Expandierung, Maximierung und andere abstrakte Begriffe mehr, die im Grunde genau das Gegenteil der matriarchalen “Mütterlichkeit” (s.o.) bedeuten. Das Patriarchat erschafft Kunstwelten, künstliche Bedürfnisse (dazu gehört auch der Konsum), künstliche Werte. Es pervertiert Beziehungen – zu uns selbst, zu unseren Mitgeschöpfen, zur Erde. Es impft uns seine Wertigkeiten ein: Mann ist mehr wert als Frau, Mensch ist mehr wert als Tier.

Da hinein gehört meiner Ansicht nach der Konsum tierlicher Produkte, wie wir ihn heute betreiben. Unsere Vorgehensweisen bei der “Bedürfnisbefriedigung” haben gar nichts mehr mit respektvollem, ressourcenbewußtem, lebensbejahendem Umgang mit der Natur zu tun. Das Patriarchat hat uns das Bewußtsein dafür, daß wir selbst ein Teil der Natur sind, weitgehend ausgetrieben. Wir abstrahieren jetzt zwischen der Kuh im Stall, die in ihrer eigenen Scheiße liegt und davon offene Stellen kriegt, und uns. Wir Menschen sind wertvoller als diese Tiere. Wir haben die Macht dazu, also benutzen wir sie, und eigentlich können sie ja froh sein, der Krone der Schöpfung dienen zu können.

Luise F. Pusch sagt, wenn wir wissen wollen, was in einem Satz steckt, sollten wir mal die Substantive austauschen. Ich schrieb: Wir Menschen sind wertvoller als diese Tiere. Was mag der folgende Satz auslösen: Wir Tiere sind wertvoller als diese Menschen…? Welche mag, kann ja auch mal mit “Frauen” und “Männer” und “Kinder” oder beliebigen anderen Wörtern experimentieren, nicht nur bei diesem Satz.

Ich glaube, es wird klar, daß hiermit eine künstliche Hierarchie aufgebaut wird – auch wieder ein wichtiger Stützpfeiler des Patriarchats. Ein System der Ausbeutung funktioniert nur, wenn es höhere, bessere, wichtigere und auf der anderen Seite niedere, schlechtere, unwichtigere Partikel gibt. Das ist für mich, kurzgefaßt, der Schnittpunkt zwischen Veganismus und Feminismus: das Bewußtsein dafür, daß alles gleichwertig, daß alles mit allem verbunden ist.

Ich könnte mir vorstellen, daß darin eine Menge Heilungspotential steckt.

Amala Krähenfeder, 18.07.2011, 12:43 | Abgelegt unter: Ernährung,Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Mutter-Gedanken ::

Mir fällt auf, daß es momentan in den Blogs vieler Frauen ums Darstellen ihrer Familie geht, was ich grundsätzlich spannend finde. Neuerdings löst diese Lektüre allerdings auch öfter mal Unbehagen bei mir aus. Mir ist klar – und das versuche ich auch, mir weiterhin tapfer zu sagen -, daß Blogs immer nur einen winzikleinen Teil des Lebens zeigen, meist eben einen schönen (oder geschönten) Ausschnitt, zurechtgestutzt für die Öffentlichkeit, die ja mitliest. Völlig einleuchtend, mache ich ja genauso.

Während ich also darüber lese, wie Mütter ihre Familie betüddeln, es mit Langmut hinbekommen, jedes ihrer Kinder völlig individuell und natürlich stets liebevoll zu fördern, zu basteln, zu singen, Geschichten zu erzählen, zu gärtnern, zu nähen, zu “schaffen” und dabei nebenher immer noch fröhlich und gut gelaunt sind, krampft es sich in mir zusammen. Ich kriege das nicht hin. Schlimmer noch: ich will das gar nicht hinkriegen.

Das Postulat des Matriarchats – Mütter zuerst, oder anders formuliert: die Mutter im Zentrum -, jagt mir in dieser Ausprägung eine Gänsehaut über den Rücken. Ich gehe völlig konform mit matriarchalen Werten, nicht, daß wir uns da mißverstehen. Aber ich, die ich selbst Mutter bin, kriege Beklemmungen und Panikattacken bei der Mütterfixiertheit, die gerade herr-scht. Mütter als die immer verfügbaren, immer liebenden, die immer fördernden, die immer gebenden und allzeit geduldigen Überfrauen. Das Kind quasselt wie ein Wasserfall, Du kannst nicht mal in Ruhe pinkeln – kein Problem, Liebling, dafür bin ich ja da. Keine Pause seit dem frühen Morgen, doch das Kind will jetzt was vorgelesen kriegen – logisch, auch das schultere ich noch, ich will das Kind ja fördern.

Hackt’s?! Das mach ich nicht mit. Ja, ich bin Mutter, aber ich bin vor allem ein Individuum, eine eigene Menschin, die die 24/7-Symbiose mit dem Kind nicht in Verzückung versetzt. Ich will nicht, daß mein Kind auf mich fixiert ist – das ist meiner Meinung nach ein absolut krankhaftes und krankmachendes Symptom des Patriarchats (“Kind und Mutti gegen den Rest der Welt”). Ich hab keinen Bock, zu meinem siebzigsten Geburtstag gesagt zu bekommen, wie großartig ich meinem Sohn immer dienstbereit – ach nein, das nennen wir heute “selbstlos” und applaudieren auch noch dazu! – zur Seite stand, während er sein Leben aufbaute und ich mich Richtung Altenheim entwickelte (aber keine bange, er kommt mich dann einmal im Monat mit Blumen besuchen, hurra).

Hannah Arendt sagte es ganz trefflich und ich zitiere sinngemäß: das Patriarchat atomisiert die Gesellschaft. Sie will damit sagen, daß die Gesellschaft in immer kleinere Teile zerlegt wird. Die Mutter-Kind-Beziehung ist meines Empfindens nach eines dieser Atome, mit dem Effekt, daß an uns Mütter ungeheure Anforderungen gestellt werden. Bei mir ist’s inzwischen soweit, daß ich das Grausen kriege, wenn mir jemand sagt, ich sei mütterlich. Run, Amala, run! Zu oft wird “mütterlich” als “immer gebend, fürsorglich, aufopfernd” verstanden. Das finde ich krank.

Gestern las ich dann im Spiegel einen Artikel über die Wechseljahre. Vielleicht bin ich überempfindlich, aber der Autor machte sich meiner Meinung nach über Frauen lustig, die in die Wechseljahre kommen und dann ENDLICH mal anfangen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Als einzige wirkliche Alternative wurden mal wieder Hormone genannt, wobei ich mich immer frage, wie bitteschön Menschenfrauen 30.000 Jahre ohne Hormonpräparate auskommen konnten? Wir erinnern uns: die Pille gibt’s erst seit 1960 und heute ziehen wir uns die künstlichen Hormone rein, als wär’s normal. Wenn frau in die Wechseljahre kommt, sind die Kinder soweit, daß sie Mutti nicht mehr brauchen, jedenfalls nicht so sehr wie in den Jahren zwischen Schwangerschaft und Ausbildung. Mutti fällt in eine Sinnkrise, wenn sie sich ihr Leben lang nur über ihre Kinder (und vielleicht auch ihren Partner) definiert hat. Sie ist im Sinne des Patriarchats nicht mehr brauchbar. Die Eierstöcke stellen ihren Dienst ein, jetzt ist sie unfruchtbar. Und dann auch noch die Hitzewallungen und die schreckliche Scheidentrockenheit, hör doch auf, was für ein Alptraum!

In ihrem Buch “Starke Medizin” schreibt Luisa Francia, Frauen sollten mal öfter aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen. Wunderbar, was für ein Satz! Ich falle also aus der Rolle. Ich weigere mich, Übermutter zu sein, und gebe mich mit der Rolle der eigensinnigen, eigenmächtigen Frau zufrieden, die zusätzlich noch Mutter ist.

P.S.: Für alle, die noch auf Mail von mir warten – das könnte noch rund zwei Wochen brauchen.

Amala Krähenfeder, 15.07.2011, 12:06 | Abgelegt unter: Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 9 Kommentare

:: We don’t need princesses ::

Für mich ist es Sexismus, weibliche Kinder in aufreizende Kleidung zu stecken und dann noch zu behaupten, sie sähen damit “süß” aus. Wickeltops, kurze Röcke mit dünnen Perlonstrumpfhosen drunter, Hosen, bei denen der Blick durch Stickbilder auf den Po gelenkt wird, Neckholdertops, Oberteile mit Raffband dort, wo bei älteren weiblichen Menschen einmal die Brustwölbung wachsen wird, und dergleichen mehr empfinde ich als absolut unangemessen.

Ich bin dafür, daß jede tragen darf, was sie möchte, aber ich bin auch dafür, diesen Trend zu überdenken und sich kritisch mit den Folgen auseinanderzusetzen. Nicht alle Augen, die auf weibliche Kinder in dieser Kleidung fallen, sind wohlwollend.

Welches Selbstbild damit in den jungen Frauen initiiert und unterstützt wird, finde ich ebenfalls fraglich.

Wir brauchen mehr Rebellinnen und weniger Prinzessinnen. Find ich.

Fuck sexism.

Amala Krähenfeder, 04.05.2011, 19:35 | Abgelegt unter: FamilienLeben,Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 14 Kommentare

:: Dear Woman ::

Dieses Video hat mich einfach berührt.

Danke.

Amala Krähenfeder, 20.04.2011, 15:07 | Abgelegt unter: Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: Ich bin schön ::

Bei Mariam fand ich heute ein interessantes Video über die Darstellung von Frauen im Fernsehen (italienisch mit deutschen Untertiteln). Seit ein einer Weile habe ich keinen Fernseher mehr und kann mir daher kein Urteil über die Darstellung von Frauen im deutschen Fernsehen erlauben, aber ich schaue gelegentlich DVDs und YouTubeVideos. Ich frage mich immer wieder: wieso hauen wir Frauen uns ständig selbst in die Pfanne, indem wir es zulassen, so klischeehaft dargestellt zu werden? In dem o.g. Video heißt es, wir bedienen damit männliche Ansprüche, die zu bedienen uns auch noch als richtig eingeimpft wurde. Ich denke, viele Frauen haben es kritiklos übernommen, diese Wünsche zu befriedigen, nicht weil wir Frauen so “doof” sind, sondern weil viele von uns einfach keinen Schimmer davon haben, daß wir uns auch weigern können, diesen Mist mitzumachen. Um eine echte Wahl treffen zu können, müssen wir mehr als eine Wahlmöglichkeit kennen.

Ich habe mich an ein Gespräch mit einer Kosmetikerin erinnert. Sie ist schier erschaudert beim Anblick meiner Gesichtshaut und meinte, da ich mich ja gar nicht um meine Haut kümmere (diese Behauptung finde ich schonmal ein starkes Stück), sei es ja kein Wunder, wenn sie dann “vorzeitig altern” würde. Was genau soll diese vorzeitige Hautalterung eigentlich sein? Eine Alterung, die vor ihrer Zeit eintritt? Nun, meine Haut ist – wie der Rest meines Körpers übrigens auch, denn “Ersatzteile” hab ich nicht eingebaut – 33 Jahre alt. Ich halte es für ziemlich gesund, daß sie demnach auch aussieht wie eine 33 Jahre alte Haut. Ab und zu, vor allem in der langen Heizperiode, möchte mein Gesicht ein bißchen Creme haben, ansonsten ist meine Haut so gesund, daß sie sich selbst reguliert. Daß das natürliche Gleichgewicht und die Fähigkeit zur Selbstregulierung durch ständiges Cremen, Peelen, Schminken und Co. schlicht flöten gehen, sagt dir ja keine Kosmetikindustrie, die von dir abhängt und deswegen will, daß du von ihr abhängig bist.

In meiner Kindheit und Jugend wurde ich darauf abgerichtet, Männern zu gefallen. Das passierte, wie ich rückblickend finde, systematisch, aber nicht vorsätzlich. Will sagen: den Menschen, die mit mir in diesen Lebensphasen zusammen waren und mich geprägt haben, war wohl einfach nicht klar, daß es auch eine andere Wahlmöglichkeit gibt, als (Pseudo)Schönheitsidealen hinterherzuhecheln, die gesellschaftlich und durch die Medien propagiert, gestützt und forciert werden. Heute, wo ich selbst ein Kind habe, fasse ich mir beim Gedanken an Glaubenssätze und Sprüche von damals an die Hirnschale. “Feil dir doch mal die Nägel schön, das mögen die Männer”. “Männer mögen schlanke Frauen”. “Du hast so dünne Lippen und mit einem Umrandungsstift kannst du da etwas Volumen wettmachen”. “Mit einem PushUp-BH bringst du deine Vorzüge noch mehr zur Geltung”. Wahrscheinlich könnte ich ganze Bücher mit diesem sexistischen Dreck füllen. Ich erinnere mich allerdings auch an mein Befremden, wenn ich Frauen beim Schminken zusah (und mich fragte, wieso sie sich Lippenstift antun, der so fiese Ränder auf Gläsern bzw. beim Küssen hinterläßt – die Lösung kam ja Mitte der Neunziger: nicht das Weglassen der Bemalung, sondern kußechter Lippenstift. Hurra!). Oder wenn ich Frauen auf Stilettos hinterherguckte, denn meine Mama hatte mir immer beim Schuhekaufen gesagt, wie wichtig es ist, daß die Füße Platz haben, weil sie sich sonst verformen würden. Außerdem, wie soll frau denn bittschön auf diesen Dingern ordentlich erdverbunden sein, mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen? Oder wenn ich Frauen mit langen, bunten Krallen sah. Kann frau damit ordentlich in der Nase bohren oder einen Stift halten?

Ich glaube, dieses Befremden hat mich gerettet. Als ich anfing, gängige Wege zu verlassen, wurde mir – ich bin versucht, zu schreiben: natürlich! – gedroht. “So kriegst du nie einen ab!”. “Du endest als alte Jungfer!”. Oder noch subtiler, noch gemeiner die Pseudobesorgten: “Das willst du doch nicht wirklich, nicht wahr? Am besten wirst du wieder vernünftig”.

Glücklicherweise bin ich völlig unvernünftig geblieben: ungeschminkt, unlackiert, ungefeilt, ungecremt, mit flachen Schuhen und nicht ondoliert. Eins ist allerdings wahr: einen Mann habe ich tatsächlich nicht abgekriegt – sondern zwei.

Für mich war es auch ein ziemlicher Schocker, als mir irgendwann aufging, daß ich Menschen mit Rundungen viel attraktiver finde als schlanke – ein Glaubenssatz hieß doch “schlank = schön + begehrenswert”. Und daß ich darüber hinaus für attraktiv gehalten werde, gerade weil ich rund, weil ich ungeschminkt, ungeschönt, unzensiert bin.

Ich glaube, ich bin das, was Mary Daly häxlich nennt. Immer noch eins meiner Lieblingsworte.

Es ist schön, mit meinem Selbstbild im Frieden zu sein.

Ich bin schön.

P.S.: Selbstzufriedenheit (also Zufriedenheit mit dem Selbst) führt meiner Meinung nach dazu, daß frau andere Menschen stehen lassen kann, wie sie sind.

Amala Krähenfeder, 07.03.2011, 14:48 | Abgelegt unter: Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 14 Kommentare

:: Mutter, Hausfrau und TROTZDEM Feministin ::

Das “trotzdem” in der Überschrift habe ich deswegen in Großbuchstaben geschrieben, weil dieser Artikel im Grunde ihm gewidmet ist, diesem kleinen Wörtchen.

So, wie ich die Überschrift formuliert habe, gestalten sich viele Diskussionen zum Thema Emanzipation / Feminismus bei gleichzeitiger Hausfrauen- und Mutterschaft. “Wie? Du als Feministin bist Hausfrau und Mutter?!”. Fehlt eigentlich nur ein Blick, der sowohl Erschütterung als auch Bedauern ausdrückt.

Was für Bilder von Feministinnen und auf der anderen Seite von Hausfrauen und Müttern andererseits stecken dahinter? Ich trenne hier übrigens bewußt provokant, auch sprachlich, durch “auf der einen – auf der anderen Seite”. Ich kann keine allgemeingültige Antwort darauf geben, sondern lediglich mutmaßen – anhand der emotionalen Reaktion auf mein Outing, Hausfrau, Mutter und zeitgleich Feministin zu sein. Und anhand von Beobachtungen (persönliche Gespräche, Blogs, Forendebatten und Co.). So ent-wickelte sich für mich ungefähr folgender Konsens, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Feministin = Frau, die frauenrelevante Themen in jeder Hinsicht (politisch, kulturell, …) aufarbeitet. Selbstfindung. Infragestellung patriarchaler Werte. Gleichstellungswunsch.

Hausfrau & Mutter = Frau, die sich den Bedürfnissen von Mann und Kind unterordnet und ihnen dient. Aufgabe des Selbst. Untermauerung patriarchaler Werte.

Auf den ersten Blick sieht das wirklich nach unvereinbaren Gegensätzen aus, aber ich will mal versuchen, das aufzuschlüsseln.

Wie wahrscheinlich überall gibt es auch im Feminismus vielerlei Abstufungen. Distel hat das hier so wunderbar auf den Punkt gebracht, daß ich einfach auf ihren Artikel verweise. Da wird deutlich, daß ich bei meiner obigen laxen Definition von Feministin vieles in einen Topf geworfen habe, was vielleicht gar nicht zusammengehört, was aber durchaus oft zusammengedacht wird (behaupte ich jetzt mal ganz frech nach der Lektüre einiger Blogs und Forendiskussionen). Ich picke mir hier beispielhaft den Gleichstellungswunsch heraus. Tatsächlich gibt es den sog. Gleichstellungsfeminismus, dessen Ziel es ist, Frauen und Männer gleichzustellen. Vielleicht komme ich einfach nicht mit Alice Schwarzer und Emma klar, aber mir drängt sich dabei immer der Gedanke auf, daß der Gleichstellungsfeminismus nicht konsequent genug ist. Zwar werden gleiche Löhne für Frauen und Männer bei gleicher Arbeit gefordert, aber auf der anderen Seite schien mir nie Thema zu sein, daß Frauen dann auch Wehr- oder Ersatzdienst leisten müssen. Okay, inzwischen ist das Thema Wehrdienst durch, aber die Frage nach einem Zeitraum obligatorischer sozialer Arbeit für Menschen aller Geschlechter bleibt für mich bestehen. Gleichstellung kann meiner Meinung nach nicht heißen, daß frau / mann sich nur die Rosinen rauspickt.

Der matriarchale Ansatz wäre, erstmal grundsätzlich nach der Definition von Arbeit zu fragen. Das patriarchale System, in dem wir nun mal leben, entlohnt ausschließlich formelle Arbeit monetär. De facto werden aber zwei Drittel der tatsächlich anfallenden Arbeit unentgeltlich von Frauen erledigt (Quelle: Kirsten Armbruster). Dazu zählen die Versorgung der Familie, der Haustiere und des Haushalts, die Pflege von Kranken, die Gestaltung und Instandhaltung von Gärten und Gräbern, “Taxi”fahrten für Kinder, Einkaufen und vieles mehr. Oder wie der Inspektor es so schön bei Miss Marple sagt: “Die Arbeit der Hausfrau endet nie”. Für ihre Arbeit erhält die Hausfrau jedoch keinerlei geregelte monetäre Vergütung. Sie ist darauf angewiesen, daß der Mann sein durch formelle Arbeit verdientes Geld an sie weitergibt. Zwar bleibt zu hoffen, daß er das gern und in Anerkennung ihrer informellen Arbeit tatsächlich tut, aber im Grunde basiert dieses System auf dem Wohlwollen des Mannes gegenüber seiner Frau. Das System würdigt demnach die acht Stunden formeller Arbeit des Mannes auf eklatant andere Weise als die rund 16 Stunden informeller Arbeit der Frau. Und bevor jetzt ein sie-ist-schon-wieder-männerfeindlich-Aufschrei losgeht: das Ganze darf auch andersrum gedacht werden und mag dabei sogar noch aufschlußreicher sein, wenn wir uns vorstellen, daß ein Mann nach 16 Stunden Schwerstarbeit schlicht keinen müden Cent erhält.

Wie wichtig ist die Arbeit, die eine Hausfrau und Mutter verrichtet? Meiner Ansicht nach bildet diese Arbeit die Grundlage allen menschlichen Lebens auf diesem Planeten. Sie gebiert Kinder und steckt viele Jahre in deren Aufzucht (Gebärmacht). Sie sorgt dafür, daß das soziale Leben läuft. Sie fördert, tröstet, hört zu, pflegt und versorgt ihre Familie (Sozialmacht). Sie trifft jeden Tag unzählige enorm wichtige Entscheidungen: ihr Konsumverhalten kann ganze Wirtschaftszweige entstehen und auch wieder vergehen lassen (Konsummacht). Durch das, was sie auf den Tisch bringt, übt sie direkten Einfluß auf die Gesundheit ihrer Familie aus (Ernährungs- / Versorungsmacht). Durch die Werte, die sie an ihre Kinder weitergibt, kann sie aktiv die Zukunft gestalten (Bildungsmacht). Durch die Pflege von Alten und Kranken hat sie Zugang zu medizinischem Wissen (Versorgungsmacht) und zu den Überlieferungen früherer Generationen (hier fehlt mir noch ein schönes, knackiges Wort). Kurz und gut, Mütter und Hausfrauen üben Macht aus. Im Kontakt mit anderen Müttern und Hausfrauen fange ich allmählich an, die Hoffnung zu schöpfen, daß sich das Bild der devoten 50er-Jahre-Hausfrau und -Mutter eines Tages in Wohlgefallen auflösen möge. Daran können wir aktiv arbeiten.

Die Wichtigkeit der mütterlichen und hausfraulichen Tätigkeit läßt sich übrigens auf den Punkt bringen: würden alle Frauen weltweit ihre informelle Arbeit niederlegen, würde es nur fünf Tage dauern, bis restlos alles zusammenbräche (Quelle: ebenfalls Kirsten Armbruster). Oder anders formuliert: unsere Arbeit bildet die Basis. Sie ist höllisch wichtig.

Durch die Bewußtwerdung der Relevanz und der de-facto-Macht meiner informellen Arbeit hat sich mein Selbstbild als Hausfrau und Mutter völlig verändert. Es ist nicht so, daß ich trotz meiner Hausfrauen- und Mutterschaft Feministin bin, sondern gerade wegen ihr.

Amala Krähenfeder, 23.02.2011, 16:20 | Abgelegt unter: Gynozentrisches | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare
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