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Kategorie: Family

:: Eine Ahnung von Frühling ::

Zu Imbolc haben wir Samen ausgepflanzt, aus denen in der Zwischenzeit stattliche kleine Pflänzchen geworden sind. Diese haben wir heute geteilt und umgetopft – wenn alle angehen, werden wir im Sommer sowas von einer Tomatenschwemme haben…. *hihi* Und auch unsere Nutzgartenpläne gedeihen. Für den Anfang sollen es erstmal nur recht unkomplizierte Gemüsesorten sein und auch unser Sohn soll sein eigenes Beet bekommen.

Die Störche sind zurück, wie wunderbar. Überall sieht man sie jetzt mit Nistmaterial in den Schnäbeln umherfliegen. Das Land wird von ihrem Geklapper geweckt, ihr Gefieder streichelt die Seele. Willkommen daheim, Ihr Begleiter der Göttin…

Amala Krähenfeder, 07.03.2010, 19:01 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Alte Gemüsesorten ::

Vielfalt statt Monokultur, auch für mein Kochgeschirr. Ich entdecke alte Gemüsesorten neu: Pastinaken, Petersilienwurzeln, Steckrüben, dicke Bohnen, Schwarzwurzeln, Mangold, Topinambur, Grünkohl und einiges mehr. Nebenbei entdecke ich außerdem, daß es ziemlich schwierig ist, Rezepte für die klassische Zubereitung dieser alten Gemüsesorten zu finden. Ich bin ja eine Suchmaschinenlegasthenikerin, aber ich finde fast nur Bücher, die sich entweder mit dem Anbau dieser Gemüse befassen oder die alte Gemüse auf nouvelle cuisine trimmen (aber für so einen Firlefanz fehlen mir Zeit und Lust und obendrein muß ich vier Leute sattbekommen – Ziegenkäsetürmchen mit einem Hauch Mangoldconfit helfen dabei nicht wirklich weiter, schönen Dank).

Daher die Frage an meine pfiffigen LeserInnen: wie bereitet Ihr alte Gemüsesorten zu? Hat vielleicht jemand von Euch zuuuuuufällig ein uraltes Kochbuch im Schrank, das er nicht mehr braucht, und in dem Rezepte für diese Gemüse enthalten sind?

Amala Krähenfeder, 02.01.2010, 21:14 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 14 Kommentare

:: Nikolaustag ::

Am Morgen mußte ich zuerst mit Linus danach gucken, ob der Nikolaus denn auch die Kekse und die Milch verputzt hat, die wir ihm in den Wintergarten gestellt hatten. Hat er. Sogar die Möhre für sein treues Rentier war bis auf einen Stummel aufgeknabbert. Dann erst durften wir unsere Strümpfe leeren. Müssen wir brav gewesen sein :mrgreen: Ich finde es immer sooo klasse, wenn die Familie nach dem Auspacken bei Tee und Frühstück zusammensitzt und jeder davon überzeugt ist, das beste Geschenk von allen bekommen zu haben *kicher* Mir hat der Nikolaus dieses Jahr ein Buch, ein Denkspiel und zwei Tüten voller Süßigkeiten gebracht. Auf daß mir die neue Hose bald nicht mehr passe!

Direkt im Anschluß ans Frühstück sind wir auf den Weihnachtsmarkt in einem Nachbardorf gefahren. Schööööön! Es gab natürlich eine Menge Stände mit Glühwein, Punsch und Fressalien, aber eben nicht nur. Und die meisten der Verkaufsstände boten Handarbeiten und Hausgemachtes feil. Bevor es wieder nach Hause ging, haben wir noch einen Abstecher zum Michelsberrig gemacht. Der Berg verzaubert mich immer wieder…

Heute durfte ich auch das Päckel von Grittli öffnen, das mir der Nikolaus schon vor ein paar Tagen gebracht hat: einen wunderschönen Taschenbaumler in “meinen” Farben, eine total liebe Karte und eine Schachtel mit laktose- und backtriebmittelfreien Mandelhörnchen (allein für die verdient Grittli einen Orden und gehört auf’s Ehrentreppchen ;) ). Vielen Dank, ich freue mich total!

nikolauswichteln

Und jetzt gerade höre ich meinen Männern zu, die in der Küche Brotteig kneten und Essen kochen, lasse mich von Luna anschmusen und freue mich auf einen gemütlichen Abend bei Tee und einem Stückchen ganz besonderen Apfelkuchen.

Wie war Dein Nikolaustag?

Amala Krähenfeder, 06.12.2009, 17:17 | Abgelegt unter: Family, Tauschgeschäfte | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

:: MomentAufnahme ::

Am späten Nachmittag waren wir heute bei unserer Mühle, Getreide kaufen. Auf dem Rückweg – es läuft gerade Eulogy von Tool – fängt Linus an, aus voller Kehle zu singen: “Gottes Liebe ist so wunderbar, Goooottes Liiiiiiebe ist soooo wu-hun-der-ba-ha-har groooooooß!”. Passenderweise singt Mr. Keenan grad “Get off your fucking cross, we need the fucking space to nail the next fool martyre”. Schön.

Ich bin ja neugierig und so will ich von Linus wissen: “Wer is’n eigentlich Gott?” – “Der wohnt im Himmel.” Ah ja, das hätte ich noch selbst wissen können. Ich bohre also weiter: “Und was macht der so?” – “Der guckt auf uns runter.” – “Sieht der uns denn auch im Auto?” – “Klar, der hat doch ne Lampe: die Sonne”. Ich glaube, daß es jetzt an der Zeit ist, theologisch spitzfindig zu werden, und frage: “Aber was macht der denn dann nachts?”

Die verblüffende Antwort: “Na, da benutzt er ne Taschenlampe!”.

Willkommen in der schönen Welt des katholischen Kindergartens :twisted:

Amala Krähenfeder, 27.11.2009, 18:20 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Armut und Knödel ::

Heute Nachmittag waren mein Ehe-Weazel, unser Filius und ich einkaufen. Normalerweise tu ich mir das ja nicht an, denn erstens hasse ich es, so lange im Rollstuhl eingepfercht zu sein, und zweitens empfinde ich diesen Konsum-Overload unseres mördergroßen Einkaufszentrums als Angriff auf mein Hirn. Aber heute wollte ich trotzdem mit, denn wir hatten eine wichtige Mission: eine gemeinnützige Stiftung hatte im Kindergarten Broschüren ausgelegt, die eine Aktion betreffen, bei der man einen Karton mit Lebensmitteln und Spielsachen für ein Kind in Osteuropa packt. Zu Weihnachten. Ja, ich weiß, daß wir solche Kisten auch für Kinder direkt hier in der Nachbarschaft packen könnten. Aber irgendwie ist Kind gleich Kind und immerhin haben unsere Kinder hierzulande wenigstens mal ne medizinische Grundversorgung *seufz* Also schön, wir haben hoffentlich schöne, leckere und nützliche Sachen gekauft.

Am Abendbrottisch kommt Linus dann auf das Thema Armut zurück. Seine verblüffend einfache Lösung dieses Problems: “Wenn ich groß bin, dann reise ich dahin und hole das Kind, für das unser Paket ist, einfach hierher zu uns. Dann kann es mit uns essen und bei uns wohnen”. Ich muß schmunzeln, gebe aber zu Bedenken: “Und was ist mit den anderen armen Kindern? Und den armen Erwachsenen?”. Er denkt nach und will dann wissen: “Warum sind die eigentlich so arm?”. Mir liegt auf der Zunge ‘weil wir so reich sind’, aber ich will einen Fünfjährigen ja nicht mit radikalen Gedanken infiltrieren. Also sage ich: “Ja…hm….weißt du, eigentlich haben wir genug auf der Welt. Genug zu essen und so. Aber es gibt ein paar wenige Leute, die raffen alles an sich und wollen nicht teilen. Das ist so, als wenn ich einen großen Topf Knödel koche und jedem von euch dann nur einen halben abgebe und dann die restlichen 16 Knödel selbst esse”. Ich kann in seinem Gesicht lesen, daß so viel Ungerechtigkeit ja kaum zu fassen ist. Und ich denke an den Garten unserer Nachbarn. Sie beackern nur ein paar Quadratmeter, aber im Sommer haben sie uns trotzdem massenweise Gemüse geschenkt. Ja, es ist genug da, aber es ist falsch verteilt. Am Ende versuche ich, Linus von Hilfe zur Selbsthilfe zu erzählen und davon, daß es Menschen gibt, die sich für andere einsetzen und denen andere politische Systeme vorschweben als die bestehenden. Ich weiß nicht, ob er das schon versteht, aber ich habe begriffen, daß ich hier die Chance habe, nicht noch so einen raffgierigen, kapitalgläubigen, egozentrischen, patriarchösen Mann heranzuziehen…

Ich hoffe, es gelingt.

Mich macht diese Ungerechtigkeit immer sprachlos und wütend.

Amala Krähenfeder, 05.11.2009, 20:56 | Abgelegt unter: Family, Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

:: Kindermund ::

Linus und ich haben heute zusammen gekocht. Er durfte das erste Mal ganz nah am Herd sitzen und die Paprika, die wir vorher gemeinsam geschnitten hatten, umrühren. Dabei habe ich ihm vom Herdgeist erzählt und davon, wie wichtig der Herd als einzige Feuer- und Wärmequelle für die Menschen früher war. Außerdem habe ich von Hestia berichtet, der Göttin des heimischen Herdes und der unfruchtbaren Frauen.

Er rührt in der Pfanne und etwas Gemüse fällt daneben. “Nicht schlimm”, finde ich, “das holt sich der Herdgeist schon weg”. Linus nickt und rührt weiter, erkennt dann, daß die Unterseite eines Paprikastreifens leicht gebräunt ist. Da fällt ihm ein: “Mama, jetzt hat der Herdgeist die Pfanne so heiß gemacht, daß die Paprika voll die Krätze kriegt”.

:shock: :lol:

Amala Krähenfeder, 30.09.2009, 19:10 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 5 Kommentare

:: Schule ::

Nächstes Jahr kommt Linus in die Schule. Meine Gedanken und Gefühle dazu sind ziemlich gemischt. Meine eigene Schulzeit fand ich unterm Strich schier ätzend, was nicht nur daran lag, daß ich mit meinen Klassenkameraden größtenteils nicht viel anfangen konnte (und sie mit mir übrigens auch nicht). Teilweise muß ich mich – gerade aus der heutigen Perspektive als Mama – doch sehr wundern, was für kaputte Typen als Lehrer auf uns Kinder losgelassen wurden. Lehrer, die mit Schlüsselbünden nach uns Kindern warfen. Alkoholkranke Menschen. Soziopathen. Tyrannen. Ich glaube, wenn mein Sohn mir jemals von so einem Lehrer erzählen würde, würde ich stante pede zur Schulleitung gehen oder schauen, daß man sich mit anderen Eltern kurzschließt und sich organisiert. Bleibt also nur zu hoffen, daß hier auf dem Dorf die Lehrer anders sind als damals in der Stadt – womöglich auch, weil die Wege der Eltern hier kürzer sind bis zur Schulleitung…

Ich denke an “Disziplin und Gehorsam”, was man uns Kindern damals eben so eintrichterte. Aufstehen, wenn der Lehrer ins Klassenzimmer kommt. Immer höflich sein, keine Widerworte geben, immer “ja und amen” sagen, selbst wenn der Lehrer einem unrecht tut. Das sind “Werte”, die ich Linus nicht mit auf den Weg gegeben habe. Freilich soll er zu jedem Menschen unabhängig von dessen Alter höflich und respektvoll sein, aber ich finde, wenn sich erweist, daß jemand ihn schlecht oder unfair behandelt, muß er sich wehren und braucht nicht rumschleimen, nur weil’s halt der Lehrer ist. Und nein, ich rede nicht davon, daß er pampig werden und mit Schimpfworten um sich werfen darf, aber er darf seine Meinung vertreten und seine Würde wahren.

In der Schule geht die Gleichmacherei los. Kindererziehung nach Schema F. Wer da nicht mitmacht, wird schlecht bewertet, was die Zukuft verbauen kann. Überhaupt, dieses ganze System, in dem Menschen bewertet und kategorisiert werden, finde ich entsetzlich! Aber natürlich muß man irgendwie 30 Kinder in einer Klasse managen. Kleinere Klassen, menschenfreundlichere Schulformen, individuellere Schulen – das alles gibt’s nicht, wo doch unsere Bundesregierung Waffen kaufen, Krieg führen und ihre Bürger bespitzeln muß. Da bleibt eben kein Geld für sowas Unwichtiges wie unsere Kinder. Und bei der anstehenden Wahl wird dann flott mal das Familienmenschimage vieler Politiker aufpoliert. Zum Kotzen find ich das.

Wenn ich über die Inhalte denke, die mir in meiner Schulzeit vermittelt wurden, überläuft es mich teilweise wirklich eiskalt. In einem SoWi-Buch stand z.B. schwarz auf weiß, daß es völlig richtig ist, daß landwirtschaftliche Überschußerzeugnisse vernichtet werden, denn hungernden Menschen in anderen Teilen der Welt sei doch schließlich nicht zuzumuten, daß sie Tomaten aus Europa essen. Klar – die verhungern lieber! Damals habe ich mich darüber auch mit meinem SoWi-Lehrer angelegt, der mich abgewürgt und mir eine 4 verpaßt hat. Wie ich wohl reagieren werde, wenn ein Lehrer das mit Linus macht?

Ich glaube, Thomas Mann hat mal davon geschrieben, daß man, wenn man einmal vom Schulsystem erfaßt wurde, zergliedert wird. Daran denke ich sehr oft, wenn ich kein Buch lesen, keinen Film anschauen und keine Musik hören kann, ohne zu analysieren – welche Funktion hat die Einleitung, was will der Autor damit bezwecken, welchen Effekt soll die Musik auf mich haben? 13 Jahre Schule und ein paar Jahre Uni, in denen immer gefordert wurde, man soll analysieren, nüchtern betrachten, im Abstand zur Materie bleiben, haben ihre Spuren hinterlassen. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem Linus aufhört, ein Bild zu lieben, weil es einfach schön ist, an dem er aufhört, einen Apfel anzustaunen, weil er so wunderbar ist… Für Gefühle ist einfach kein Platz, und überhaupt – wer braucht die schon, wenn er erstmal zu einem grauen Menschen geworden ist, der getreu dem System die Welt ausbeutet und nur noch rafft?

Alle reden davon, wie marode unser Schulsystem ist. Aber das Schulsystem ist doch auch nur Teil eines größeren Systems. Und dieses System – das Patriarchat – ist nunmal lebensfeindlich. Es heißt, die Eltern müßten heute mehr Engagement zeigen, um ihre Kinder durch die Schulzeit zu bringen. Überleg mal, wie viele Kinder heute Nachhilfe bekommen. Und ich denke, sie brauchen sie auch wirklich, weil in der Schule nicht mehr auf individuelle Schwächen und Verständnisprobleme eingegangen werden kann. Schüler und Lehrer sind meiner Ansicht nach gleichsam überfordert. Lehrer müssen den Lehrplan durchziehen und wenn die Schüler nicht folgen können, haben sie halt Pech gehabt. Alle kranken an diesem System – aber wird irgendwas Effektives unternommen, um es zu ändern? Nö, nicht daß ich wüßte. “Mehr Elternengagement ist gefordert”. Schön. Aber wenn man sein Kind gern daheim unterrichten möchte, wird mit der Schulpflicht gewedelt. Genial, oder? Und so schraubt sich die Frustration seitens der Schüler, der Lehrer und letztlich auch der Eltern immer weiter nach oben.

Ja, und dann lese ich auf sozialdemokratischen Wahlplakaten, daß Bildung wichtig sei und für jeden zugänglich sein muß. Ahso, daher der grandiose Schlag mit den Studiengebühren vor ein paar Jahren. Is klar. Ich hätt’s jetzt auch nicht total dämlich gefunden, die Millionen, die für Wahlwerbung oder Bankenrettung verpulvert werden, in die Bildung zu stecken – aber ich bin ja keine Politikerin, sondern nur ne Mutter. Was weiß ich schon.

Wenn ich Linus betrachte, wie er selbstverloren mit seinen Dinos spielt und noch nichts davon ahnt, was ihn erwartet, dann würde ich am liebsten die Zeit anhalten. Ich hoffe so sehr, daß er es schafft, sich dem System insofern zu entziehen, als daß er sich seine Menschlichkeit und seine Liebe zum All-Eins bewahrt…

Amala Krähenfeder, 23.09.2009, 17:57 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: Du bist, was Du ißt – Teil 3 ::

Seit den letzten Artikeln über unsere Lebensmittel ist nun schon eine Zeit vergangen, aber noch immer gibt Frau K. mit dem Thema keine Ruhe ;) Auslöser für den heutigen Beitrag ist eine Aktion, die mein Mann Weazel gestern im Kindergarten unseres Sohnes durchgeführt hat, nämlich Brotbacken mit den Kindern. Die Erzieherinnen hatten sich überlegt, mal ein “Bauernhoffrühstück” mit den Knirpsen zu machen, um ihnen vor Augen zu führen, woher die Lebensmittel kommen, die sie im Kindergarten im Laufe des Vormittags so zu sich nehmen. Allerdings sollte es dazu gekauftes Brot geben, so daß mein Mann vorgeschlagen hat, mitsamt Mühle, Knetmaschine, Weidenkörbchen und allen nötigen Zutaten anzurücken, um die Kinder einfach mal daran teilhaben zu lassen, wie ein Laib Brot entsteht. Im Vorfeld hatte er außerdem noch ein paar Weizenähren vom Wegrand geholt.

Nun leben wir hier ziemlich ländlich. Die Felder beginnen so etwa 300 bis 500 m Luftlinie von den Wohnhäusern entfernt, je nachdem in welchem Ortsteil man wohnt. Eigentlich hätte ich wirklich gedacht, daß hier auf dem Land den Kindern durchaus noch bewußt ist, was auf den Feldern wächst und was man daraus macht. Weit gefehlt. Daß die püschelige Ähre die Getreidekörner beherbergt, die gestern vermahlen wurden, war offenbar eine Neuigkeit. Als mein Mann dann noch erklärte, daß Getreide eigentlich eine Grasart ist, gab es große Augen: “Uäääh, Gras!”. Wie, uäääh? Unsere gesamte Zivilisation nährt sich doch von Gräsern: sämtliche Getreidesorten, Mais, Reis und Bambus sind allesamt Gräser. Hefe war ebenfalls nicht bekannt.

Nachdem das Brot schließlich im Backofen war, war Frühstückszeit und alle Kinder packten ihre Brote aus. Viel Weißbrot, Toast, Weißmehlbrötchen. Jetzt können wir immerhin nachvollziehen, wieso das Frühstücksbrot unseres Kleinen diese großen Knopfaugen bei den Erzieherinnen auslöste…

Später am Tag hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Mutter, die mir erzählte, ihr Kind würde nur bestimmte Sachen essen, wie z.B. Weißmehlnudeln ohne Sauce. Für jeden Brotbelag wird eine andere Darreichungsform verlangt, wie etwa Streifen für Schokocreme-Toasts. Ich mußte dabei an eine ehemalige Nachbarin von uns denken, deren Zweijähriger Gemüse nur dann aß, wenn es in exakte Würfel geschnitten war. Beide Mütter haben mir erzählt, daß sie den Sonderwünschen ihrer Kinder nachgaben, “damit sie überhaupt was Anständiges in den Bauch bekommen”. Schon irre, wie unsere Kinder uns im Griff haben, oder? Ich habe meine Gesprächspartnerin gestern gefragt, ob sie ihr Kind nicht einfach mal zum Mitkochen und Mitschnippeln animiert hat, damit es eine Beziehung zu seiner Nahrung aufbaut. “Nö, dazu hat es keine Lust, das mache ich lieber selbst”. Ich oute mich als Rabenmutter. Linus wird regelmäßig dazu aufgefordert, beim Kochen zu helfen, und Gemüse in Sternchenform, Brot ohne Rinde oder so gibt’s nicht. Dafür ißt Linus aber alles und verlangt eigentlich nie nach Süßigkeiten. Kaum zu glauben.

Daß Kinder mit ihrer Nahrung experimentieren, halte ich für gesund und sinnvoll – nicht, daß wir uns da mißverstehen. Kinder haben einen viel ursprünglicheren Geschmackssinn als wir Erwachsenen (immerhin hatten wir ja auch viele Jahre mehr Zeit, unsere Geschmacksknospen mit Zusatzstoffen und Glutamaten zu verkorksen). Meine Vorstellung von einem perfekten Essen differiert stark von Linus’ Vorstellung. Er mag die Dinge gern pur und im Naturzustand, während ich einer leckeren Sauce und einer raffinierten Würzung durchaus nicht abgeneigt bin. Wenn er mir beim Kochen hilft, wandert ein Gutteil des geputzten Gemüses roh in seinen Bauch – wer dabei Angst um die Menge hat, die dann noch für das gemeinsame Essen übrigbleibt, plant von Anfang an eben etwas mehr ein.

Es macht mich betroffen, mit welcher Gutgläubigkeit und Hörigkeit viele Eltern ihre Kinder mit “speziellen Kinderlebensmitteln” füttern. Na logisch, unsere Kinder sollen all das bekommen, was wir als Kinder nicht hatten, was alle anderen Kinder im Kindergarten und der Schule bekommen und was gut für sie ist. Und was gut für unsere Kinder ist, das weiß die Nahrungsmittelindustrie doch am besten, wo sie sich ausschließlich damit befaßt, was Kinder wirklich brauchen, um gesund groß zu werden. Unsere Kinder werden bereits als Babys auf industrielle Nahrungsmittel getrimmt. Wer muß denn heute noch stillen, wo es doch so wunderbare Milchpülverchen gibt? Stillen ist doch wirklich aus der Mode geraten und überhaupt…keine Frau von heute braucht noch entzündete Brustwarzen zu haben. Bitte versteh mich auch hier nicht falsch: tatsächlich bin ich froh und dankbar, daß es Pulvermilch aus Kuhmilch gibt, denn mein Sohn ist damit groß geworden. In der 28. Schwangerschaftswoche kam er auf die Welt und da war an Stillen nicht zu denken. Mir behagt nur nicht, daß Stillen oft als unnötige Last hingestellt wird – oder gar als anstößig. Titten in der Werbung sind gut, eine stillende Mutter, die ihre Brust entblößt, ist anrüchig. Ich meine, wie schizophren ist das denn?

Kaum ist die reine Milchzeit für den Säugling abgeschlossen, verfüttern viele Eltern industriell hergestellte Gläschenkost. Wunderbar praktisch, schadstoffgeprüft wie kaum sonst ein Nahrungsmittel – und teuer. Nach und nach kommen dann Kinderkekse, Kinderpuddings, Kindermenüs und derlei mehr dazu – und so schleicht sich klammheimlich auch Zucker ein. Ich bin immer wieder sprachlos, wenn ich Eltern sagen höre “ach, egal, wenn mein Kind jetzt Karies hat, es sind doch nur die Milchzähne!”. Ja, und wenn die Karies haben, werden die bleibenden Zähne direkt mitgeschädigt.

Wie auch immer, unsere Kinder werden direkt von der Geburt an als Kunden rekrutiert und wir Eltern natürlich mit ihnen. Kindershampoo, Kindermüsliriegel, Kinderbadezusatz, Kinderfeuchttücher, Kinderfrühstücksflocken, Kindersaft – die Liste läßt sich ellenlang fortsetzen. Und es funktioniert. Die lieben Kleinen sehen das Zeug in der Werbung, und weil wir Eltern natürlich nur das Beste für unsere Lieblinge wollen (und auch das Gequengel nicht sonderlich lange ertragen), wird das Zeug gekauft. Egal, wie sinnvoll es ist.

Werbung spielt eine große Rolle in unserem Leben. Eine viel größere, als uns oft bewußt ist – und genau dann ist Werbung gut gemacht, wenn sie dergestalt Einfluß auf uns nimmt, daß wir nicht mal mitbekommen, daß wir manipuliert werden. Manche Manipulationen halten sich über Generationen hinweg. Denk mal darüber nach, wer heute schon noch “Papiertaschentuch” sagt. Ich bin sicher, du weißt genau, was stattdessen gesagt wird. In diesem Fall steht der Name einer Papiertaschentuchmarke für das gesamte Produkt. Oder denk an all die Werbefiguren, die uns als Sympathieträger dazu animieren sollen, irgendwelchen Kram zu kaufen, den wir gar nicht brauchen. Die Identifikation eines Produkts mit einer Figur funktioniert famos, denn wir Verbraucher sind willig, der freundlichen alten Dame abzukaufen (wörtlich!), daß dieser und jener Reiniger das Haus strahlen läßt, wir sind willig, dem gutmütig zwinkernden Kapitän zu glauben, daß er unseren Kindern nur das Beste aus dem Meer bringt. Oder denk an Pseudo-Gütesiegel, die es gar nicht gibt. “Kontrolliert integrierter Anbau” – hä, was?! Aber es steht ja “kontrolliert” drauf, das muß gut sein! Oder absolut sinnfreie Lock-Aufdrucke wie etwa “aus sonnengereiften Früchten”. Das versteht sich doch wohl von selbst – oder reifen deine Gartenfrüchte nicht in der Sonne? Beliebt sind auch Neologismoi, also Wortneuschöpfungen. Früher gab es nur Zartbitterschokolade, aber nachdem wir heute bitter = schmeckt nicht assoziieren (verschwenderischer Einsatz von Zucker sei dank) heißt es jetzt feinherb. Das suggeriert nämlich, daß es auf alle Fälle etwas Nobles ist – und herb ist allemal besser als bitter. Übrigens ist die rigorose Herauszüchtung von Bitterstoffen zum Beispiel aus Salaten wie Endivie und Ruccola in meinen Augen ziemlicher Murks, denn immerhin brauchen unsere Verdauungsorgane Bitterstoffe, um genügend Verdauungssäfte ausschütten zu können…

Ich schaue kein Fernsehen, höre kein Radio und lese keine Zeitung. Dennoch entgehe ich der Werbung nicht, sie ist so geschickt platziert, daß sie schier allgegenwärtig ist. Plakatwände, größer als unser Haus, stehen an den Straßen. Wenn man sich in öffentlichen Räumen bewegt, dudelt einem das Radio Werbeslogans ins Ohr (die man oft nur im Unterbewußtsein speichert, was sie umso gefährlicher macht). Und selbst wenn man heroisch um diese Werbefallen herummanövriert hat – einkaufen gehen mußt du trotzdem.

Denk mal an deinen Supermarkt. Kannst du dir vorstellen, daß du von dem Moment an, wo du ihn betrittst, bis zu dem Moment, wo du ihn verläßt, komplett manipuliert wirst? Quatsch, du weißt ja schließlich genau, was du einkaufen willst! Da kann dir keiner was andrehen, das du nicht brauchst – hab ich Recht? Nun, die Realität sieht etwas anders aus. Sobald du den Supermarkt betrittst, gelangst du erstmal in die “Auffangzone”, einem Bereich, wo deine Schrittgeschwindigkeit heruntergesenkt wird, damit du schön langsam durch den Markt gehst. Dieser Effekt wird erreicht, indem Paletten und Warenkörbe bzw. Aufbauten oder Regale so platziert werden, daß du nicht einfach drumrumstürmen kannst, sondern ausgebremst wirst. Für Rollstuhlfahrer ist das ein besonderes Ärgernis. Hast du dich schon mal gefragt, wieso ausgerechnet zur Haupteinkaufszeit die Regale aufgefüllt werden und die ohnehin schon engen Gänge zusätzlich mit Mitarbeitern verstopft werden, die ganze Wagenladungen von irgendwas vor sich herschieben? Das ist genau dasselbe Prinzip wie die Auffangzone: du sollst ausgebremst werden, damit du dich umschaust und doch noch was entdeckst, das du zusätzlich kaufst. 

Aber damit hört es nicht auf. Der Supermarkt will dich mit allen Sinnen verlocken. Licht, Klang und Geruch werden eingesetzt, um dir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es gibt Experimente, die ergeben haben, daß schnelle, rhythmische Musik die Kunden dazu verleitet, schnell zu gehen und entsprechend auch ihren Einkauf schnell zu erledigen. Welchem Supermarkt könnte daran schon gelegen sein? Besser ist entspannte, fließende Musik, die dich zum Bleiben animiert. Wenn du relaxt bist, kaufst du mehr. Geruchsstoffe werden mit der Lüftung in den Verkaufsraum gepustet. Wenn du also gerade bei den Erdbeeren in der Obstabteilung stehst, kannst du nie sicher sein, ob die Früchte so gut duften oder eben die synthetischen Duftstoffe. Die Vorrichtungen, mit denen diese Stoffe in die Luft abgegeben werden, sind übrigens ziemlich gut getarnt, beispielsweise werden sie in Regalstangen oder hinter Pappaufstellern versteckt. Wie sich diese Duftstoffe auf unsere Gesundheit auswirken, wissen wir nicht. Sicher ist nur, daß Asthmatiker und Allergiker damit Probleme bekommen können.

Bleiben wir noch ein bißchen in der Obst- und Gemüseabteilung. Ist dir schon mal aufgefallen, wie schön bunt es hier ist? In der Regel werden niemals gleichfarbige Produkte nebeneinander einsortiert, sondern immer schön abwechselnd. Komplementärfarben wie etwa Rot und Grün verstärken sich gegenseitig, so daß der visuelle Reiz größer ist. Obendrein gibt es hier spezielles Licht, das sogar matschige Stellen kaschieren kann. Die Aufbauten erinnern an einen Wochenmarkt, womit dem Kunden Frische und Kompetenz sowie Nähe zum Erzeuger suggeriert wird. Ist natürlich Schwachsinn, denn die Waren stammen vom Großmarkt, welcher wiederum weltweit einkauft. Vieles, was frisch und knackig ausschaut, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als pestizidverseuchte Zeitbombe – nur, daß man Pestizide leider nicht mit bloßem Auge erkennt.

Mit unserer Optik wird aber auch an anderer Stelle im Supermarkt gespielt. Käse-, Wurst-, Fleisch- und Fischtheken werden ebenfalls mit speziellem Licht ausgeleuchtet, das den Käse gelber, das Fleisch roter und den Fisch weißer aussehen läßt. Große Plakate mit köstlich arrangierten Häppchen sollen zum Mehrkauf verlocken.

Warenpyramiden ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Uns wird suggeriert: hey, von diesem Produkt gibt es so viel, es ist reichlich da, komm, greif zu! Großpackungen sind noch so eine Falle für sich. Wer braucht denn schon wirklich 5 Kilo Pasta in einem wackligen Plastikeimer, auf dem das Firmenlogo aufgedruckt ist? Die wenigsten Leute, denk ich. Und dennoch wird dieser Eimer gekauft. Das Problem an Großpackungen ist, daß sie uns dazu verleiten, mehr zu essen, weil ja so viel davon da ist. Zwischen Übergewicht und dem Einkauf von Großpackungen gibt es einen direkten Zusammenhang.

Kennst du diese Stände, an denen du in lächerlich kleinen Schälchen einen Fruchtjoghurt zur Verkostung angeboten bekommst? Es ist gerade mal genug in diesen Schälchen, um dich anzufüttern, und dann fällt dein Blick auf die bunten Aufsteller, auf die vielen Joghurtbecher in der Umgebung – und schon hast du drei oder vier davon gekauft. Dasselbe funktioniert natürlich auch bei jeder anderen Art von Häppchen. Wir sind mit Häppchen einfach nicht zufrieden, wir wollen mehr.

Wenn man den Theken entgangen ist, warten die Regalreihen auf willige Kunden. Die Art und Weise, in der die Regale aufgestellt sind, ist keineswegs willkürlich. Es wird dafür gesorgt, daß du auf jeden Fall einmal durch den gesamten Supermarkt geleitet wirst, selbst wenn du nur ein einziges Teil kaufen willst. So gibt es mehr Chancen, dich doch noch zum Mehrkauf zu animieren. Die Regale sind ebenfalls mit System eingeräumt. Die Produkte, die du kaufen sollst, befinden sich in Augenhöhe. Der Mensch ist bequem. Sich zu bücken oder zu recken ist mühsam und lästig, und so kauft man das, was “ins Auge springt”. Im Rollstuhl einzukaufen hat also auch echte Vorteile, denn mir entgehen die günstigen Produkte nicht, die im Bereich deiner Knie angesiedelt sind ;) Die bunten Verpackungen werden geschickt in Szene gesetzt, denn auf bunt reagieren wir ohnehin viel direkter als auf eintönig. Günstige Produkte in einfarbigen Verpackungen, die sich dann auch noch unterhalb des Nabels befinden, werden so gut wie nicht wahrgenommen. Ein bewährter Trick ist es auch, günstige Alternativen schlicht zu verstecken, zum Beispiel in einem ganz anderen Teil des Ladens, hinter einem Pappkarton, ganz oben auf dem Regal (ohne Leiter nicht erreichbar) etc.

In der Süßwarenabteilung bzw. bei Kinderprodukten allgemein gilt natürlich die umgekehrte Regel: hier werden die Sachen, die von den Kindern entdeckt werden sollen, gezielt nach unten gepackt. Und apropos Kinder: gibt es in deinem Supermarkt auch kleine Einkaufswagen für Kinder, womöglich in Form von Autos, in die sich die Kleinen reinsetzen können? Ein guter Service, denkst du? Nun, vor allem gibt es diese Kindereinkaufswagen, damit sichergestellt wird, daß du mehr einkaufst. Denn natürlich möchte dein Nachwuchs, wenn er schon den Wagen schiebt oder in ihm sitzt, auch am Einkaufen beteiligt werden. Es gibt Studien, die belegen, daß Familien, bei denen die Kinder beim Einkaufen einen eigenen Wagen schieben dürfen, mehr kaufen als Familien, bei denen die Kinder einfach neben dem großen Wagen hergehen. Besonders tricky ist natürlich der Kassenbereich, wo es richtig schön eng wird. Süßwaren werden in die Griffnähe der Kinder gerückt, so daß sogar schon Kleinkinder zulangen können. Es gibt aber auch Kochzeitungen, die im Kassenbereich ausgelegt werden, denn wer einkauft, bekommt in der Regel durch die ganzen Reize, die mit Essen zu tun haben, Hunger.

Brian Wansink schreibt in seinem Buch “Essen ohne Sinn und Verstand”, daß wir tagtäglich rund 200 Entscheidungen das Essen betreffend fällen. Wenn dem so ist, dann mutmaße ich einfach mal, daß du, während du diesen Artikel gelesen hast, wenigstens einmal daran gedacht hast, was du als nächstes essen könntest, oder Appetit verspürt hast.

Wenn schon wir Erwachsenen so leicht zu manipulieren sind, wieviel einfacher hat es die Industrie und der Handel dann bei unseren Kindern? Ich halte es wie meine Mama: niemals ohne Einkaufszettel losgehen, alles in den Korb Gelegte abstreichen und ansonsten Scheuklappen auf.

Frohes Konsumieren.

Amala Krähenfeder, 24.06.2009, 17:44 | Abgelegt unter: Allgemein, Family | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Kindermund ::

Heute bei Tisch sagt Linus:

“Mama, wenn ich dich mal in mein Zimmer locken will, dann nehme ich mir einfach ein Stück Stoff und wedel damit rum. Dann kommst du ganz bestimmt.”

Woher weiß er das nur? :mrgreen:

Amala Krähenfeder, 15.06.2009, 19:41 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 4 Kommentare

:: Gedanken über Mütter ::

Am 10. Mai ist Muttertag. Ist das nicht wunderbar? Ein Tag, der uns Müttern ganz allein gehört, wo wir Blümchen und Pralinen geschenkt bekommen und, wenn wir viel Glück haben, mal nicht selbst kochen brauchen, sondern zum Essen eingeladen werden. Fast paradiesisch.

Und das ist auch gut so, denn ab Montagmorgen, Punkt 6 Uhr, sobald Mann und Kinder erwachen, geht alles wieder seinen geregelten Gang. Die Mutter als Versorgerin der Familie, als kostenlose Köchin, Putzfrau, Kinderbetreuerin.

Ich hör’s schon. “Das haben sich die Mütter doch ausgesucht, als sie sich für die Familie entschieden haben”. Tatsächlich? Dann heißt “Familie” heutzutage also, daß es de facto nur abends und am Wochenende ein bißchen Gemeinschaft gibt, während die Frauen den Laden schmeißen und die Männer aushäusig sind, um das Geld, das nunmal gebraucht wird, zu verdienen? In welchen Familien können denn die Eltern sich zu gleichen Teilen den Belangen der Familie widmen? Die schleppenden Bemühungen um die Erziehungszeit von Männern deckt keineswegs den tatsächlichen Bedarf und auch den Wunsch vieler Väter, sich um ihre Kinder zu kümmern, ab, zumal damit automatisch finanzielle Einbußen verbunden sind, die sich kaum eine Familie leisten kann.

Ohne die essentiell wichtige Arbeit von Müttern würde unser Staat in sich zusammenbrechen. Jeder nährt sich von uns: Kinder, Männer, pflegebedürftige Angehörige, Kirche und Gemeinde. Wir arbeiten gratis, rund um die Uhr, haben keinerlei Absicherungen und bekommen eine lächerliche, obszön niedrige Rente, für die sich die Poliker noch nicht einmal schämen. Frauen, die sich für die Familie entscheiden, bleibt, wenn sie finanzielle Absicherung anstreben, nur die Möglichkeit, ihren Partner zu heiraten. Die patriarchale Kleinfamilie bietet dennoch in vielen Fällen keine wirkliche Versorgung – die Zahlen der Zahlungsverzögerungen oder -unterlassungen von Unterhalt sprechen für sich, vom Nichtvorhandensein von Geld zur eigenen Verfügung mal ganz zu schweigen. Polyamore Beziehungen, die zur Absicherung der Frau beitragen könnten, werden nicht anerkannt.

Die Alternative dazu ist, daß auch die Mütter außer Haus arbeiten (Arbeit zu finden ist ja heutzutage auch ein Klacks…) gehen und die Kinder in die Obhut Dritter, oft nicht zur Familie gehöriger Personen geben. Was bleibt dann noch von der Familie übrig, die nunmal Grundlage des Staates ist? Es soll ja tatsächlich Frauen geben, die sich bewußt für die Mutterschaft entscheiden. Und überdies sorgt allein die Tatsache, daß Frauen die Gebärmacht haben, also potentiell durch Schwangerschaft und Kinderzeit auf der Arbeit ausfallen könnten, dafür, daß wir Frauen noch immer schlechtere Einstellungschancen und schlechtere Entlohnung haben als Männer. Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation von alleinerziehenden Müttern, die Hartz IV erhalten. Immer mehr Kinder leiden Hunger oder müssen mit denaturalisierten, nährstoffarmen Lebensmitteln ernährt werden. Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund verzichten viele Mütter auf Nahrung, um den Hunger ihrer Kinder zu stillen.

Die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland demaskiert unseren angeblichen “Sozialstaat”.

Die Arbeit, die wir Mütter leisten, wird im patriarchalen Staat entweder komplett verkannt oder stillschweigend hingenommen.

Stillschweigend? Was red ich da – immerhin gibt’s doch den Muttertag.

Amala Krähenfeder, 30.04.2009, 20:17 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare
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