Kategorie: Family

:: Schnitterin 2010 ::

Ich fühle mich, als wären die letzten Wochen nur so an mir vorbeigerast oder als hätten sie sich meine eine unter die Arme geklemmt und wären mit mir nicht über Los gegangen, sondern direkt zu Lammas gesprungen. Dieses Jahr hat mir die Erwartung des SchnitterinFestes wirklich etwas ausgemacht, ich wollte nicht loslassen, wollte nicht daß die Tage wieder kürzer werden. Eigentlich gehört dieses Festhaltenwollen gar nicht zu mir dazu.

Dann war sie plötzlich da, die Göttin mit der Sichel, die alles schneidet: ihren Gefährten, das Korn, die Ernte, Erwartungen, Gefühle, Beziehungen – alles. Ich fand mich auf einem goldbraungebrannten Roggenfeld wieder, das Dröhnen der Erntemaschinen neben mir, begleitet von acht Störchen. Und ihr Wispern ging durch die Ähren, die sich schneiden ließen: auch das ist mein Ritual.

An diesem Wochenende hat sich für meine Familie und mich noch ein Zyklus vollendet. Die zu Brigid ausgesäten, zur Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche umgetopften und seitdem gehegten Tomaten haben uns zwei erste Früchte geschenkt. Die Samen waren das Geschenk eines Freundes aus Süditalien. Ich habe wirklich noch nie in meinem ganzen Leben so eine tomatige Tomate gegessen. Rotes Gold, süß und saftig, einfach perfekt.

Machst Du langsam Deinen Frieden mit mir?, fragt sie mich kichernd…

Ich saß lang im Garten und sah meinem Sohn zu, der “Kräutersuppe” kochte (natürlich habe ich ein ums andere Mal probiert). Die Hoccaidos sind goldorange mit dicken Bäuchen – bald ist es auch für sie an der Zeit. Im Wald legten wir ein Mandala und eine Krähe schenkte mir drei Federn. Abends feierten wir in der Familie das Fest der Schnitterin. Es gab Zuckermais und Käsekuchen, Zucchinitarte und Lauchsuppe.

Jetzt ist sie, der ich nicht begegnen wollte, da. Umhüllt mich, trägt mich weiter fort Richtung Ernte und dann in den Herbst hinein.

Und ich breite meine Arme aus und lasse mich überreden…

Amala Krähenfeder, 01.08.2010, 21:15 | Abgelegt unter: Family,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Misogynie – kinderleicht ::

Mein Sohn lernt gerade lesen. Dementsprechend leihen wir Erstlesebücher aus und darüber hinaus hortet er alles, was bunt und mit Buchstaben ist, gern auch kostenlose Kinderzeitschriften, wie man sie etwa aus der Apotheke kennt. Eigentlich wäre mir ja im Traum nicht eingefallen, daß dieses Interesse an Schrift und Schriftlichkeit auch einen Aspekt haben könnte, der mich als Mama verstört. Hat es aber.

Angefangen hat es mit Erstleser-Geschichten zum Thema Indianer. In einer Geschichte geht es um eine junge Indianerin, die bei ihren Leuten nicht besonders beliebt ist, weil sie viel redet. Sie wird von Banditen entführt, die darauf spekulieren, daß der Stamm ihnen alle Pferde als Lösegeld für die Frau aushändigen wird. Bald jedoch wird klar, daß niemand aus dem Stamm die junge Frau retten kommt. Stattdessen redet sie nun viel mit den Banditen, die ihr am Ende völlig entnervt all ihr gestohlenes Gold geben und sie zu ihrem Stamm zurückkehren lassen.

Ah, so ist das also. Frauen quasseln den ganzen Tag – und dann auch noch dummes Zeug, das keinen interessiert. Selbst wenn sie von Männern zu Entführungsopfern gemacht werden, hält es ihr Stamm = ihre Familie nicht für notwendig, sich um ihr geistiges, seelisches und körperliches Wohl zu kümmern. Alle scheinen froh, daß diese Labertasche weg ist. Selbst die armen, bedauernswerten Entführer halten es nicht aus, beschenken sie mit dem Gold ihrer früheren Verbrechen und lassen sie ziehen. Natürlich ist die Frau am Ende der Geschichte nicht etwa traumatisiert oder zurecht grenzenlos von ihrem Stamm enttäuscht. Nein, sie findet das alles ganz toll und eröffnet mit dem Gold ein Café, wo sie nun ihren Kunden ihren Dummschwätz serviert (mit Kuchen).

Mit einem Comicstrip aus einer kostenlosen “Kinderzeitung” ging es dann weiter. Er erzählt, daß zwei Männer Fußball spielen. Zwei Frauen kommen dazu, möchten aber nicht mitspielen, sondern sich lieber an den Spielfeldrand in den Schatten setzen, wo sie bald einschlafen. Die Männer befüllen nun zwei Wasserbomben, die sie an einen Ast oberhalb der schlafenden Frauen hängen. Mit zwei Lupen und mit Hilfe der Sonneneinstrahlung bringen sie die Wasserbomben zum Platzen. Die Frauen werden aus dem Schlaf gerissen, die Kerle lachen sich schlapp und schlagen ein – was für ein Heldenstück!

Jaja. Wenn Frau nicht so will wie Mann, dann wird sie eben bestraft. Das Ganze wird marginalisiert und als “Streich” verkauft, nicht etwa als übergriffige Mißachtung.

Was für ein krankes Bild von Frau, von Mann und von Männermacht über Frauen wird unseren Kindern da eigentlich verkauft?

Ich bin stinksauer und habe Leserinnenbriefe losgeschickt.

Amala Krähenfeder, 24.07.2010, 20:29 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 8 Kommentare

:: Familiäre Verpflichtung? ::

Ich habe mit meiner Blutsfamilie Schluß gemacht, schon vor Jahren. Dieser Schritt war mir nicht leichtgefallen und er erfolgte nach 15 (ich muß das grad selbst nochmal lesen: fünf-zehn!!) Jahren voller Versuche, etwas zu kitten, etwas zu finden, das nicht da war.

Natürlich tut das weh, wenn du dir eingestehst, daß die Menschen, von denen du abstammst, keinen Pfifferling auf dich geben und sich auch weiterhin weigern würden, dich als vollwertige Frau mit eigenen Idealen, Zielen, Lebensvorstellungen zu sehen. Aber mich hätte es noch mehr verletzt, dieses Spektakel weiterhin mitzumachen. Weiterhin um Liebe und Anerkennung zu betteln.

Ich habe wohlüberlegt und ohne Zorn Schluß gemacht. In dem Moment, wo mir klar wurde, daß es endgültig vorbei ist, daß ich mit ihnen fertig bin, war ohnehin kein Zorn mehr da, keine Wut, kein Verlangen danach, daß sich vielleicht beim Finale doch noch alles einrenken würde. Ich war neugierig, ob mein Abschiedsbrief irgendeine Reaktion hervorrufen würde, Fassungslosigkeit, Zweifel – irgendwas. Aber es kam ganz einfach nichts. Gar nichts.

Und heute muß ich mir am Telefon von meiner Schwiegermutter sagen lassen, daß es meinem Vater nicht gut geht und er doch nur den einen Enkel hat und daß er doch ein Recht hat, ihn zu sehen.

Ich glaub, ich steh im Wald!

Mein Vater hat sich 15 Jahre lang geweigert, mit mir ein ehrliches Gespräch auf Augenhöhne zu führen, mich ernstzunehmen, mich als voll-wertig zu betrachten – und jetzt soll ich mich für seine Befindlichkeiten verantwortlich fühlen? Seine vermeintlichen Rechte bedenken?

Fuck you, Buddy.

Amala Krähenfeder, 30.06.2010, 18:44 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 9 Kommentare

:: WochenendNachlese ::

Endlich Sonne: Gartenzeit. Erste Süßkirschen und frische Erbsen. Wer davon eine handvoll gepult hat, sieht 400-Gramm-Dosenerbsen demnächst mit anderen Augen.  Ich zumindest. Wir haben sie mit Zucchini, Frühlingszwiebeln, einer ordentlichen Menge Knoblauch, Sahne und Gewürzen zu Vollkornfarfalle serviert. Vielleicht schreibe ich mal ein Kochbuch, sobald mein Körper mitmachen möchte.

Mein Buch für das Schattenbuchprojekt 2.0 kam an. Ich habe es in einer für mich gänzlich ungewohnten, unüblichen Farbe bestellt und bin ganz verliebt. Tüddele derzeit an einem Täschchen für das gute Stück herum.

Habe viel gelesen, immer noch Commissario Brunetti.

Zwei Taschen wurden fertig, aber dazu gibt’s gleich noch einen separaten Eintrag.

Wir haben eine Schultüte gekauft, die wir noch fertigbasteln müssen. Habe immer noch sehr gemischte Gefühle wegen des Schulstarts. Ich finde das Schulsystem einfach krankmachend, sowohl für die Kinder als auch für die Lehrenden. Anstatt etwas zu ändern, schießen Nachhilfeschulen wie Pilze aus dem Boden und wir reden uns ein, das wäre okay und normal so. Eine Alternative zum Schulsystem sehe ich hier nicht – das Waldorfkonzept finde ich nicht passend, vielleicht sogar noch weniger passend als staatliche Schulen. Ich bedaure die verknöcherten und wenig flexiblen offiziellen Meinungen zu Homeschooling – sehe nicht, wo es so ein füchterlicher Aufwand wäre, einmal im halben Jahr die HomeschoolingKinder einem Test zu unterziehen, was ihren Wissensstand angeht. Vielleicht existiert da ja die Angst, daß Eltern ihren Kindern doch mehr beibringen können als sog. Pädagogen. Ich hab selbst auf Lehramt studiert (und erfolgreich abgebrochen). Ich weiß, was für Gestalten teilweise auf Kinder losgelassen werden. Magengrimmen.

Unsere WintergartenTomaten blühen. Wenn nur jede zweite Blüte eine Frucht hervorbringt, bekommen wir eine Tomatenschwemme. Ich freu mich drauf – mehr Insalata Caprese für alle.

Wie war Dein SonnenWochenende?

Amala Krähenfeder, 07.06.2010, 15:09 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 11 Kommentare

:: Verlängertes Wochenende ::

Das Interessante an Pfingsten ist, daß kaum jemand weiß, was wir da laut kirchlichem Dekret feiern sollen. “Hat das nicht was mit der Auferstehung zu tun – oder so?”. Naja, nicht wirklich. Aber egal. Gutes Wetter, die Männer haben frei…Herz, was willst du mehr? Mein verlängertes Wochenende war erfüllt von vielen wundervollen Dingen…

…erste grüne Spitzen im Nutzgarten treiben aus.

…die Kräuterseitlinge werden groß.

…groooooooß!

…meine fliegenpilzige Altardecke ist fertig.

…viel im Garten gesessen und meinen Sommersprossen beim Aufploppen zugeguckt.

…zwei Commissario-Brunetti-Romane gelesen.

…lecker gekocht. Sonntag gab es dieses Lauchzwiebel-Kichererbsen-Mango-Minz-Joghurt-Curry mit Kichererbsenmus und Kartoffelplätzchen *sabbersabber*

…ein Spielplatzausflug incl. Rotkleesammeln.

…Schmusekissen für die Katzen genäht

…eine neue Linkkategorie eingebaut: CraftyContent. Da werden in nächster Zeit noch einige Links mehr dazukommen.

…und last not least einen Besuch der Zahnfee gefeiert.

Und wie war Euer verlängertes Wochenende?

Amala Krähenfeder, 24.05.2010, 16:27 | Abgelegt unter: Family,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare

:: Dafür ::

Ich brauche keinen Vatertag. Ich brauche keinen Tag, an dem ich mir darüber bewußt werde, was für wertvolle Menschen meine Männer im Leben meines Sohnes sind.

Mit dem Begriff “Vater” habe ich, wie es mir heute scheint, die größte Zeit meines Lebens verdrehte Werte verbunden. Entweder der autoritäre, nichts gelten lassende Vater, vor dem das Kind sich winzig und unbedeutend fühlt. Oder der gleichgültige Vater, dem das Kind einfach wurscht war – ganz im Sinne des Vaters im Film Fierce Creatures: “Wie soll ich dir denn deine Kindheit versaut haben? Ich war doch nie da!”.

Und heute?

Ich beobachte sie, wenn sie es nicht merken (zumindest glaube ich das). Wie sie mit meinem Sohn am Abendbrottisch sitzen und über Raketenantriebe und Neutronen fachsimpeln. Wie sie ihn versorgen, wenn er mal krank ist, ihm über den Kopf streicheln und ihn zudecken. Wie sie ihn dazu animieren, Dinge selbst zu schaffen und sie sich zuzutrauen. Wie sie ihm etwas vorlesen oder ihm im Garten Pflanzen zeigen. Wie sie ihm schwimmen beibringen. Und ich belausche sie. Wie der Klang ihrer Stimmen dem ganzen Haus Wärme schenkt und mit welcher Achtsamkeit sie miteinander kommunizieren. Wie sie erklären, unermüdlich – alles.

Dafür halte ich heute inne. Und sage danke.

Danke, daß Ihr die Väter meines Sohnes seid.

Amala Krähenfeder, 13.05.2010, 18:26 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 3 Kommentare

:: Lesen lernen ::

“H-e-u-s-c-h-n-u-p-f-e-n. Heeeeee-uuuuu-ssss — nee. Heeeeu-sch-n. Heeeeuuuuuschnuuuuuup—-feeeeeen. Heuschnupfen!”

Und wenn dein Kind dich dann anstrahlt, weil es so ein Riesenwort gelesen hat, dann ist die ganze Welt in Ordnung.

Amala Krähenfeder, 24.03.2010, 17:58 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Diorama ::

Nach drei Jahren haben Diorama endlich ein neues Album rausgebracht. Ich meine: drei Jahre…! Gestern beim Kochen wollte ich dann die Zeit allein nutzen, um reinzuhören. Ich kam ungefähr 20 Sekunden weit, dann öffnete sich die Tür und jemand sagte: “Mama….?”.

Das sind die Momente, in denen ich für einen Sekundenbruchteil über ein Kinder-Stasis-Feld nachdenke, um dann die Musik auszumachen und zu fragen: “Ja, Liebling?”.

Hält mich aber nicht davon ab, Torben Wendt ein ekstatisches

NIMM MICH! MACH MIR EIN KIND! ICH BIN DEIN!

entgegenzukreischen.

Soundtrack zum Tag: Ignite.

Amala Krähenfeder, 20.03.2010, 13:03 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Eine Ahnung von Frühling ::

Zu Imbolc haben wir Samen ausgepflanzt, aus denen in der Zwischenzeit stattliche kleine Pflänzchen geworden sind. Diese haben wir heute geteilt und umgetopft – wenn alle angehen, werden wir im Sommer sowas von einer Tomatenschwemme haben…. *hihi* Und auch unsere Nutzgartenpläne gedeihen. Für den Anfang sollen es erstmal nur recht unkomplizierte Gemüsesorten sein und auch unser Sohn soll sein eigenes Beet bekommen.

Die Störche sind zurück, wie wunderbar. Überall sieht man sie jetzt mit Nistmaterial in den Schnäbeln umherfliegen. Das Land wird von ihrem Geklapper geweckt, ihr Gefieder streichelt die Seele. Willkommen daheim, Ihr Begleiter der Göttin…

Amala Krähenfeder, 07.03.2010, 19:01 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: Alte Gemüsesorten ::

Vielfalt statt Monokultur, auch für mein Kochgeschirr. Ich entdecke alte Gemüsesorten neu: Pastinaken, Petersilienwurzeln, Steckrüben, dicke Bohnen, Schwarzwurzeln, Mangold, Topinambur, Grünkohl und einiges mehr. Nebenbei entdecke ich außerdem, daß es ziemlich schwierig ist, Rezepte für die klassische Zubereitung dieser alten Gemüsesorten zu finden. Ich bin ja eine Suchmaschinenlegasthenikerin, aber ich finde fast nur Bücher, die sich entweder mit dem Anbau dieser Gemüse befassen oder die alte Gemüse auf nouvelle cuisine trimmen (aber für so einen Firlefanz fehlen mir Zeit und Lust und obendrein muß ich vier Leute sattbekommen – Ziegenkäsetürmchen mit einem Hauch Mangoldconfit helfen dabei nicht wirklich weiter, schönen Dank).

Daher die Frage an meine pfiffigen LeserInnen: wie bereitet Ihr alte Gemüsesorten zu? Hat vielleicht jemand von Euch zuuuuuufällig ein uraltes Kochbuch im Schrank, das er nicht mehr braucht, und in dem Rezepte für diese Gemüse enthalten sind?

Amala Krähenfeder, 02.01.2010, 21:14 | Abgelegt unter: Family | RSS 2.0 | TB | 14 Kommentare
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