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Kategorie: FamilienLeben

:: Erster Quilt meines Sohnes ::

Zu Weihnachten hat mein Sohn die langersehnte Nähmaschine bekommen, die SewMini von Janome. Natürlich gab es dazu Stöffchen, Vlies, Nadeln, Garn – eben alles, was des Jungquilters Herz begehrt. In den letzten Tagen wurde dann in mehreren Etappen ein erster, einfacher Quilt aus einem Weihnachtspaneel genäht. Mit viel Gegiggel, Erzählen und Singen.

Ich habe mich bewußt sehr zurückgehalten und nur erklärt, was wie funktioniert und welche Tricks es gibt. Ich glaube, das war für meinen Sohn und für mich gleichermaßen eine wichtige Erfahrung: er bekommt Nähkompetenz und das Gefühl, daß ich ihm das alles zutraue (und dadurch traut er es sich auch zu), und ich lerne mal wieder, ihn auch auf Gebieten, in denen ich mich gut auskenne, seinen eigenen Weg gehen zu lassen. Es ist spannend, was dabei passiert, so zwischen uns.

Jetzt ist das gute Stück fertig und wird geliebt, beschmust, herumgetragen und gestreichelt. Schööööön :D

Amala Krähenfeder, 03.01.2012, 16:07 | Abgelegt unter: FamilienLeben,Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Jahreswechsel ::

Ich hoffe, Ihr seid gut rübergekommen? Unser Jahreswechsel vollzog sich in aller Stille. Wir haben Raclette gemacht, ein bißchen orakelt und dann eine DVD über den Jakobsweg geguckt. Um Mitternacht stießen wir mit Kindersekt an, schauten ein bißchen Feuerwerk und um 0.22 Uhr lag ich im Bett *lol*

Am Neujahrtag waren mein Mann und ich lange unterwegs, im Wald, auf dem Berg, in den Feldern. Die Welt war ganz still und kam mir angesichts der von Alkoholflaschen überquellenden Glascontainer verkatert vor. Wir haben Babyschnecken getroffen und Wildkräuter genascht. Für einen Moment blitzte sogar die Sonne durch.

Wie gehe ich ins neue Jahr? Mit leichtem Gepäck. Keine Vorsätze, schon gar keine Diätpläne – das ist auch gar nicht nötig. Ich habe nur ein paar Wünsche, an die ich mich erinnern will: mehr Gelassenheit, mehr Bewegung, sowas eben. Ich habe einen neuen Quilt angefangen, der wahrscheinlich mal ein Wandbehang für das Wohnzimmer werden will. Und auch mein Sohn näht fleißig vor sich hin.

Und das hier ist unsere scheue Ivy, die sich nie berühren ließ. Die Finger an ihrem Flauschebauch sind übrigens die Meinen. Cat-happy-ending.

Amala Krähenfeder, 02.01.2012, 15:29 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

:: WeiheNächteRückblick ::

Unser erstes Weihnachten im eigenen Haus war so, wie wir es uns gewünscht haben: gemütlich, druckfrei, kleindimensioniert. Den 24. Dezember haben wir komplett vorm Kamin bzw. unterm Lichterbaum verbracht. Am meisten gerührt hat mich das Geschenk meines Sohnes: er hat schon seit einer Weile Stöffchen gesammelt und von seinem Taschengeld gekauft, weil er sich sehnlichst eine eigene Nähmaschine gewünscht hat. Und für mich hat er dann die schönsten fünf FatQuarter eingepackt. Da hatte ich echt Pipi inne Augen. Natürlich konnte ich das Geschenk nicht annehmen, aber diese Geste fand ich so wunderschön…

Am 25. Dezember waren mein Mann und ich auf dem Turmberg, sind spazieren gegangen / gerollert und haben Brombeerblätter genascht.

Am Nachmittag habe ich die große Nähmaschineneinweisung für meinen Sohn gemacht und wir haben angefangen, einen einfachen Weihnachtsquilt aus einem Paneel zu nähen. Für mich ist es eine schwierige Lektion, ihn einfach machen zu lassen und die Ansprüche, die ich an meine Näharbeiten habe, außen vor zu lassen.

Gestern dann waren mein Mann und ich in der Pfalz unterwegs, am Weintor. Abends spielte uns der andere Mann auf der Harfe vor – da könnte ich stundenlang zuhören.

Mich haben einige Leserinnen gefragt, was wir die Tage über gegessen haben, daher schreibe ich Euch das hier mal: am 24. haben wir einen grünen und einen Bohnensalat, geschmorte Pilze, Aioli, Sojawürschtel und Kartoffeln aus der Kaminglut gehabt. Am 25. gab es Kartoffelknödel, Rotkohl und den Rest grünen Salat sowie eine Spekulatius-Tiramisu. Und gestern hatten wir Kartoffelgratin, Kräuter-Erbsen und den Rest Rotkohl.

Amala Krähenfeder, 27.12.2011, 15:17 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare

:: NikolausNachlese ::

Um 6.30 Uhr weckt mich Gekicher und Geraschel aus der Küche, und leises Geklingel. Mein Sohn schleicht umher, befühlt seinen gefüllten Nikolausstrumpf und hat vor Aufregung rote Bäckchen. Ob der Nikolaus da war und den Lebkuchen gegessen hat, den wir vor die Tür gestellt haben? Wir schauen nach. Tatsächlich, bis auf einen Krümel ist alles weg, und sein Esel hat sich auch die Möhre schmecken lassen. Jetzt wird ausgepackt. Strümpfe, Hüttenschuhe, eine Ausstechform für Fledermauskekse (der Nikolaus hat einen coolen Geschmack, denke ich) und einen Reflektor für die Jacke. Glückliches Kindergrinsen, aber die Freude ist erst perfekt, als auch wir alle ausgepackt haben. Die Männer, kleine und große, verlassen das Haus und ich krabbel nochmal ins Bett. Vorm Einschlafen denke ich, wie schön ich es finde, daß mein Kind nicht nach mehr verlangt hat oder nach anderen Dingen und freue mich, daß er noch gar nicht weiß, daß er am Abend noch ein Buch bekommen soll, das zu groß war für den Strumpf. Unerwartete Geschenke sind doch eigentlich die Besten…

Mittags heize ich den Ofen an – bin darin mittlerweile richtig gut und ja, es ist eine Wissenschaft für sich, vor allem wenn frau auf “Glanzrußentwicklung” verzichten möchte. Ivy springt auf meinen Schoß, denn das tut sie seit zwei, drei Wochen ohne Angst. Jetzt kann ich zwischendurch sogar aufstehen und mich aus der Decke, auf der sie liegt, herauswühlen, ohne daß sie aufspringt. Unsere scheue Katze halt, nicht wahr? Für mich gibt es nichts Schöneres, als mich von Katzen bebrüten und bemurkeln zu lassen. Die schrei-pinke Decke ist übrigens ein Erbstück und herrlich warm, allerdings spiele ich schon länger mit dem Gedanken, sie zu einer Quiltrückseite werden zu lassen *hüstel*

Nachmittags mache ich einen Abstecher in mein Nähzimmer, wo der angefangene Weihnachtsquilt auf mich wartet. Ich habe mir ja schon mal einen genäht, der mir aber für’s Kuscheln im Bett zu klein und zu steif ist. Der neue Weihnachtsquilt besteht aus einer Jelly Roll, einer Menge Unistoff und einer Polarfleece-Rückseite.

Am frühen Abend holt mein Mann mich ab, damit wir einkaufen und unseren Sohn an der Schule einsammeln können. Im Hofladen komme ich wie immer mit der Verkäuferin ins Gespräch und sie erzählt mir vom Feldsalat-Irrsinn: der Großmarkt nimmt ausschließlich gewaschene Ware an, was bei 200 kg Feldsalat ein Akt ist (wiegt mal 1 kg Feldsalat ab…). Und wenn auch nur ein gelbes Blatt dabei ist, werden die gesamten 200 kg nicht abgenommen! Mich empört sowas maßlos. Zum Abschied schenkt sie mir Kohlrabi- und Rettichblätter und betont: für mich, nicht für die Kaninchen (die ich eh nicht habe).

Wieder daheim packe ich mein Vichtelpaket aus, helfe ein bißchen beim Kochen und später abends lasse ich mich wieder bemurkeln. So geht der Tag auch rum…

Amala Krähenfeder, 07.12.2011, 12:59 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

:: Holzfeuer ::

Um nichts in der Welt möchte ich die Wärme und die Behaglichkeit eines Holzfeuers missen.

Endlich…unser Ofen brennt.

Amala Krähenfeder, 15.11.2011, 19:37 | Abgelegt unter: FamilienLeben,Machungen | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Vegane AdventskalenderExperimente II ::

Heute habe ich mal diese Getreidekugeln gefertigt, aus Haferflocken, Datteln, Walnüssen, Mandeln, etwas Margarine, Zimt und Kardamom. Mein Blender ist mit dem Teig nicht fertig geworden, so daß ich die Haferflocken nicht so schön zerschreddert bekommen habe, wie ich es gern wollte. Dann war der Teig zu zäh, also habe ich jede Menge Wasser dazugekippt, damit ich ihn überhaupt kneten konnte. Dann war der Teig wieder zu wässrig, also habe ich noch mehr Haferflocken untergeknetet. Und dann war der Teig zu un-süß, also kam noch Agavendicksaft dazu *schnauff* Kurzum nichts, was ich so wiederholen müßte. Aaaaber: das Ergebnis jetzt ist echt ok. Hätte mir nur gewünscht, daß es ohne das ganze Gekasper so geworden wäre. In der Küche bin ich eine faule Krähe und mag eben Rezepte, die mich schnell und möglichst unaufwendig zum Ziel führen.

Amala Krähenfeder, 06.11.2011, 18:31 | Abgelegt unter: Ernährung,FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | Keine Kommentare

:: Adventskalender für vegane Kinder ::

In vier Wochen ist der erste Dezember und dann heißt es wieder: täglich ein Adventskalendertürchen öffnen und sich über Kleinigkeiten freuen. Meine Mama hat mir früher meine Adventskalender selbst befüllt, meist mit gekauften Süßigkeiten-Kleinteilen. Für meinen Sohn habe ich bisher Süßes und Non-Food-Sachen (mal ein Radiergummi, ein Pixibuch oder sowas) im Verhältnis 1 : 1 gemischt. Vorletztes Jahr hatte er mal einen Kalender, der mit Plastikspielzeug gefüllt war, aber das fühlte sich irgendwie nicht richtig, nicht echt an. Gekaufte Schoko-Kalender, die es in vegan gibt, fühlen sich nicht authentisch an, und mit einem Tee-Adventskalender kann ich ihm keine Freude machen. Letztes Jahr habe ich ihm ja einen Adventskalender genäht (hoppla, die Farben sind auf den Photos vielleicht ein bissel poppig…)  und der soll auch dieses Jahr wieder befüllt werden.

Bloß womit?

Nach einem Stadtbummel zum Thema “kleine, vegane Süßigkeiten – einzeln und ansprechend verpackt” stand fest, daß es wohl ein Ding der Unmöglichkeit ist, einfach was einzukaufen. Hin und wieder hat frau Glück, doch wenn es schon mal vegane Schokosachen gibt, sind sie aus Zartbitterschokolade, die mein Sohn zwar durchaus mal ißt, aber sicher nicht 24 Tage hintereinander.

Dann dachte ich, wieso nicht Süßigkeiten selbermachen? Sowas mache ich gern, ich weiß dann auch, daß es vegan ist, und obendrein ist das bestimmt nicht halb so ungesund wie gekaufte Leckereien. Geplant hatte ich erstmal folgendes:

  • Marzipankartoffeln / Gewürzmarzipanmonde
  • mit Marzipan gefüllte Datteln
  • Südfrüchte-Konfekt
  • schokolierte Backpflaumen / Cranberries / Mangos
  • Getreidekugeln
  • Florentiner
Heute habe ich mal einen ersten Versuch in puncto Marzipankonfekt gestartet: Datteln gefüllt mit Gewürzmarzipan, Mango-Marzipan-Konfekt (mit Krokant) und Ananas-Marzipan-Konfekt (mit Mandeln). Mit dem Ergebnis bin ich nicht zufrieden. Das gekaufte Marzipan ist viel zu süß! Werde also für die Adventskalendersüßigkeiten eigenes Marzipan machen, aus Mandeln und Agavendicksaft (wenn überhaupt). Mal gucken. Krokant ist ebenso süß, schmeckt richtig penetrant zuckerig und eignet sich daher auch nicht (habe ich noch nie zuvor gekauft, war mal ein Versuch). Stattdessen werde ich wohl angeröstete Haselnußstückchen nehmen. Bunte Zuckerstreusel oder Schokoladenblättchen probiere ich erst gar nicht. Ich glaube, ich werde statt der vielen Marzipansachen lieber nach getreidigen Alternativen mit Trockenfrüchten suchen. Habe mir heute mal ein Buch bestellt – die Autorin ist Vollwertlerin, was wohl bedeutet, daß sie auch Honig und Butter verwendet, aber das kann ich ersetzen (vegan ist mir wichtiger als vollwertig, wobei ich finde, daß ich verdammt nah an der Vollwert bin :mrgreen: ).
Ich werde berichten, wie es weitergeht. Wie macht denn Ihr das für Eure veganen Kinder?
Amala Krähenfeder, 03.11.2011, 14:56 | Abgelegt unter: Ernährung,FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 12 Kommentare

:: Kind & der Kontakt zur nicht-veganen Außenwelt ::

Gestern Abend spukten gruselige Gestalten durch unser Dorf: “Süßes oder Saures!”. Ich habe den Kindern Äpfel gegeben. Zwei waren begeistert, der Rest fand mich doof :mrgreen: Auch mein Sohn war unterwegs. Ich will ihm den Spaß nicht mißgönnen, aber wie erwartet hatte er genau vier kleine vegane Süßigkeiten in seinem Säckel, als er heimkam. Der Rest bestand aus Vollmilchschoki oder Gelatineweingummi. Argh. Schon letzte Woche kam ein Paket der Großeltern, die den Begriff “vegan” offenbar noch nie gehört haben in Anbetracht der ganzen Vollmilchschoki und der süßmolkenpulverhaltigen Chips.

Ok, ich habe das große Glück, daß mein Sohn per se nicht gern Süßigkeiten ißt. Wenn ich ihm eine Karotte und ein Stück Kuchen hinlege, wird er das Stück Kuchen wohl nur deswegen bevorzugen, weil wir nicht so oft backen, aber auf Dauer wäre er mit der Karotte glücklicher – das weiß ich einfach, weil er ständig nach Rohkost und Obst verlangt, nicht nach süßem Kram. Im Kontakt mit der nicht-veganen – um nicht zu sagen: konventionellen – Außenwelt gestaltet sich seine Ernährungsweise bzw. seine Lust auf Nahrung manchmal etwas schwierig. Den Großeltern habe ich nun einen Brief geschrieben, in dem ich nochmal dezidiert erklärt habe, was vegan bedeutet und auf welche Zutatenkennzeichnungen sie doch bitte achten sollen. In der Schule ist auch bekannt, daß er vegan ißt, was ganz leicht umzusetzen ist, weil er von daheim Essen mitbekommt (und außerdem sind die Betreuerinnen wirklich sehr engagiert und open-minded). Nur bei solchen Sachen wie Geschenken oder eben dem Halloween-Spaß wird’s doof.

Ich habe ihm für die nicht-veganen Sachen aus dem großelterlichen Paket vegane Sachen gegeben und werde die nicht-veganen Dinge an Omnis weiterverschenken. Ich denke, das werde ich so auch mit den Halloween-Süßigkeiten machen. Irgendwie fühlt sich das blöd an, aber eine tollere Alternative ist mir jetzt nicht eingefallen – zumal ich nicht jeder, die meinem Sohn potentiell was zu essen gibt / schenkt, mitteilen will, was vegan bedeutet.

Wie handhabt Ihr das denn mit Euren Kindern?

Amala Krähenfeder, 01.11.2011, 15:43 | Abgelegt unter: Ernährung,FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 13 Kommentare

:: Erschöpft ::

Ich fühle mich erschöpft. Nicht bloß ein bißchen müde, nicht krank, sondern richtig erschöpft. Seit Mai umgezogen und renoviert, noch immer nicht fertig. Die letzte Woche war die Schlimmste seit langer Zeit, hat mich den Rest meiner Kraft gekostet und mich ausgebrannt. Mein Körper fühlt sich bleischwer an. Hier und da undefinierte Schmerzen, mir ist es zu kalt, dann wieder schnell zu warm. Habe keinen Hunger auf gar nichts, am allerwenigsten auf Brot und Getreide. Hier mal ein Apfel, da ein bißchen Tofu, dann reicht es schon wieder. Empfinde auch kein Verlangen nach irgendeiner Nahrung, weder auf Frisches noch auf Grünes und nicht mal für Pommes mit Ketchup kann ich mich begeistern. Mag nur Wasser trinken, davon reichlich. Will keine Säfte, nur hin und wieder Tee. Kommunikation nervt mich gerade, hatte davon in der letzten Woche mehr als genug. Es gab so viel Unfrieden, so viel Enttäuschung und Angst. Vielleicht stürze ich gerade kopfüber in ein Low hinein. Schlafen funktioniert auch nicht wirklich. Wenige Stunden, dann liege ich wach und schaue meinen Gedanken beim Abspulen zu.

Seit dem Umzug komme ich nicht so wirklich ans Nähen. Es sind einige Sachen entstanden, aber lustvoll war das nicht. Habe früher jeden Tag vier, fünf Stunden genäht, jetzt kann ich mich nicht motivieren. Schaue die Stoffe an, die mir nichts sagen, schaue meine Pfaffi an und fühle mich traurig, weil mir einfach nichts einfällt. Meine Kreativität braucht Ruhe und inneren sowie äußeren Frieden, um sich zu entfalten. Das gibt es aber gerade nicht.

Ja, und die Sache mit der Kommunikation. Ich habe den Großteil meines Lebens damit zugebracht, nicht das zu sagen, was ich wirklich meine. Seit zwei, drei Jahren etwa ist das anders. Ich weiß, daß ich den meisten Leuten zu direkt, zu offen bin. Es fällt mir schwer, das, was ich meine, in Zuckerwatte zu verpacken (darum beneide ich immer Commissario Brunetti – das könnte ich nie). Ich ecke an, werde wahlweise für hämisch, arrogant, zickig, knallhart oder gemein gehalten – dabei versuche ich eigentlich bloß, verbindlich zu kommunizieren.

Vielleicht fehlt mir auch einfach das Sonnenlicht. Was ich mit in die Dunkelheit nehme, weiß ich immer noch nicht. Das Bedürfnis nach Ruhe, aber das war’s dann schon.

Ach, ich armes Hascherl.

Amala Krähenfeder, 20.10.2011, 19:20 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare

:: Mein Weg zu Ivy ::

Vor anderthalb Wochen, am selben Tag, als wir umgezogen sind, haben wir eine vierte Katze adoptiert. Ich schrieb hier schon mal davon. Ivy ist enorm scheu und das war wohl auch der Grund dafür, wieso sie ihre ersten drei Lebensjahre in der Arche war.

Die ersten Tage verbrachte sie im Häuschen des Kratzbaums und wenn ich mich ihr auf einen Meter näherte, erhob sie sich sofort und zog sich in die hinterste Ecke zurück. Die Blicke, die sie mir dann zuwarf, waren eine Mischung aus ängstlich und sauer. Ich glaube, kein Lebewesen kann dermaßen pissy gucken wie Katzen. Nicht mal ich.

Da wir normalerweise nur sehr wenige Leckerlies verfüttern, bin ich erst nach ein paar Tagen auf die Idee gekommen, eine Tüte davon zu öffnen und sie als Geschenk anzubieten, so nach dem Motto “ich komme in friedlicher Absicht”. Ivy fand die Leckerlies gleich toll und ich durfte sie in etwa 30 bis 20 cm Abstand zu ihr ablegen, wurde aber streng beäugt. Wenn ich versuchte, ihr die Leckerlies anzudrehen, wenn ich sie auf der ausgestreckten Hand hielt, sprang sie wieder auf und flüchtete.

Eine meiner guten Eigenschaften ist meine Ausdauer. Und was Ivy betrifft: die Tüte mit den Leckerlies. Ich habe also jeden Abend eine Viertelstunde lang vorm Kratzbaum Position bezogen (dagegen ist ein Workout im Fitness-Studio ein Witz, zumindest mit meiner Gehbehinderung) und in sehr gemächlichem Tempo ein paar Leckerlies ausgegeben. Das Erste, was sich änderte, war, daß Ivy auf einmal Lautäußerungen von sich gab. Ein sehr leises “Mau”, das eher wie eine Frage als wie eine Aufforderung klang. Unsere Fietzel ist da ganz anders. Wenn sie was will, dann gibt es ein forderndes und extrem herrisches “Äh! Äh!”. Im Dialog mit Ivy hab ich mich erstmal dumm gestellt. “Ja, was willst Du denn? Möchtest Du vielleicht ein Leckerlie, ja?”. Wahrscheinlich dachte Ivy, so doof wie ich bin, muß sie mir halt mal zeigen, was sie meint, mit dem Effekt, daß sie sehr schüchtern zuerst meine Fingerspitzen ableckte und sich dann – praktisch halb unfallmäßig – das erste Leckerlie von meiner Hand nahm. Davon waren sie und ich gleichermaßen so geschockt, daß ich mich setzen mußte und sie sich wieder ganz oben auf den Kratzbaum verzog. Aber es war passiert.

Als ich das nächste Mal mit der Tüte raschelte, kam Ivy mir – oh Wunder – entgegen, nämlich eine Kratzbaumstufe tiefer. Und wieder wurde gemietzt, nicht lauter, aber dafür öfter. Tatsächlich hat sie ein sehr feines Stimmchen, das zu ihrem schlanken, filigranen Körperbau paßt. Jetzt durfte ich ihr direkt die Leckerlies anbieten, aber sie hatte noch Scheu, sie von meiner Hand zu nehmen. Also legte ich sie ihr hin, zog aber meine Finger nicht weg. Und es klappte. Auf diese Weise verstrichen vier, fünf Tage. Mit der Tüte rascheln, mau-mau, dann gieriges Herunterschlingen und Dulden meiner Finger in der Nähe.

Wann immer ich am Kratzbaum vorbeikam, blieb ich mit etwas Abstand stehen und sprach mit Ivy. Der Effekt war überwältigend, denn Ivys Gesicht veränderte sich. Anfangs sah sie immer sehr verkniffen auf, preßte die Augen zusammen, rollte sich niemals gemütlich ein, sondern war immer bereit, direkt zu flüchten. Durch das viele Reden und die Leckerlies entspannte sie sich sichtlich. Ihr Gesicht wurde friedlicher und zufriedener, die Augen wurden nicht mehr zusammengekniffen.

Vorgestern wagte ich mich einen Schritt weiter. Während sie gierig die Leckerlies futterte, berührte ich ihren Schwanz an der Spitze. Oha. Da wurde direkt gezittert und sich verkrümelt, allerdings kam sie von sich aus wieder hervor, um weitere Leckerlies abzustauben. Später lag sie entspannt auf dem Kratzbaum und ich dreistes Etwas legte ihr einfach eine Hand auf den Rücken. Drei Atemzüge lang duldete sie das, zitterte dann aber wieder und sprang auf, jedoch ohne zu flüchten. Ich blieb stehen, redete mit ihr und ließ sie dann in Ruhe.

Gestern dann der Durchbruch. Zum ersten Mal rollte sie sich zum Schlafen so ein, daß ihr Rücken und nicht mehr ihre Vorderseite in den Raum zeigte. Und sie knickte auch ihre Pfötchen unter die Brust, was sie bisher – wohl zum einfacheren Flüchten – auch nicht getan hatte. Abends raschelte ich wieder mit der Tüte, sie machte mau-mau und kam mir ein Stück entgegen. Ich legte ihr wieder Leckerlies hin, zog meine Finger nicht weg, aber diesmal berührte ich sie mit der anderen Hand, während sie futterte. Oh! Wieder ein Zittern, ein unsicheres Buckeln, aber die Leckerlies sind offenbar noch toller als die Angst groß. Ich durfte weiterfüttern und weiterstreicheln. Und als die Leckerlie-Ration durch war, durfte ich einfach so weiterstreicheln. Dabei ist sehr deutlich zu spüren, daß in Ivy zwei Geister miteinander ringen: einmal ihr “Glaubenssatz”, daß Menschen sie nicht berühren dürfen, und ihr Genuß. Hach, ich hab mir ein Loch in den Bauch gefreut :) Heute Mittag habe ich ihr vier Trockenfutterstücke hingelegt und durfte sie wieder streicheln. Und heute Nachmittag lag sie das erste Mal auf dem Sofa und schlief, akzeptierte sogar daß ich mich auf meinen Sessel lümmelte und las. Nur als mein Mann heimkam, war sie wieder – wusch! – auf dem Kratzbaum. Der Hippie ist ihr noch ein bissel suspekt (und er hat nie Leckerlies dabei) ;)

Aber nicht, daß Ihr jetzt denkt, ich würde Ivy mit Leckerlies mästen: es gibt immer nur eine genau abgezählte Portion, wie auch für die anderen Katzen.

Gnihihihi!

Amala Krähenfeder, 07.09.2011, 17:14 | Abgelegt unter: FamilienLeben | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar
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