Kategorie: Ernährung
:: Veganerinnen sind reich ::
…oder dämlich, so meint zumindest mein Mann. 75 g Schokolade mit Puffreis drin für 3,30 € setzen schon ein gewisses Maß an Hirntrauma voraus.
Edit: es geht noch besser. 90 g gefüllte Ostereierschokolade für 6,60 €. Muhahaha.
:: Vegane Lieblinge ::
…mitgenommen beim Zombiekätzchen. Und ein bißchen adaptiert.
Pflanzendrink: darf ich Tee antworten? Pflanzenmilchs trinke ich nämlich pur gar nicht.
Brot: unser Selbstgebackenes.
Aufstrich: das variiert. Zur Zeit stehe ich sehr auf selbstgemachten rote-Linsen-Curry-Aufstrich.
Öl: Rapsöl! Das schmeckt erhitzt und kalt einfach famos. Ansonsten gern mal Walnußöl.
Salz: Kräuter-, Knoblauch- und Rauchsalz.
Hülsenfrucht: die esse ich alle gern, besonders aber Kichererbsen, Linsen aller Art und weiße Riesenbohnen.
Gemüse: uh, da gibt es viele. Da wir stark saisonorientiert esse, antworte ich mal für den Winter: Wirsing, Schwarzwurzeln, Grünkohl und sowas.
Obst: Birnen, Blaubeeren, Erdbeeren, Mangos, Orangen – argh, auch vieles. Ich würde sagen, immer das, was gerade Saison hat.
Kaltgetränk: Leitungswasser. Drei Liter schlappe ich mir täglich locker weg.
Saft: ich trinke keinen Saft, aber für manche Rohkostvarianten verwende ich einen Multivitaminsaft im Dressing. Ansonsten Zitronensaft, den ich in viele Sachen hineingebe.
Sahne: Hafersahne für innen Tee.
Kräuter: ich glaube, alle. Ich mampf die auch einfach so vom Feldrand gepflückt. Da kenn ich nix.
Gewürz: schon wieder sehr viele. Diverse Curries, Harissa, Bruschettagewürz, Kräuterbuttergewürz, Schaschlikgewürz, ……..
Nüsse & Samen: Cashew-Kerne und Sesam.
Fertiggericht: esse ich gar nicht. Nie.
Yofu: dito. Finde ich ganz schrecklich.
Tofu: den frischen Räutertofu von Alnatura.
Fastfood: Datteln
Heißgetränk / Tee: Darjeeling. Gelegentlich mal einen Chai.
Dessert: gibt es bei uns sehr selten, weil wir keine Süßschnäbel sind. Aber die Kirschtiramisu, die ich zu Yul gemacht habe, war schon fein.
Kuchen: essen wir auch nicht oft, von daher habe ich da keine besondere Vorliebe. Hauptsache nicht zu süß und in Maßen.
Naschzeug: Datteln, Feigen und andere Trockenfrüchte. Sehr selten mal einen Schokokeks von Le Moulin Du Pivert. Anfälliger bin ich bei Chips und salzigen Sachen, aber mit einer 125 g-Tüte Chips komm ich auch drei Wochen hin….
Hauptmahlzeit: hier könnte ich mich jetzt schwärmerisch auslassen
Ich glaube, seit wir vegan essen, ist praktisch jedes Essen ein Lieblingsessen, und irgendwie probieren wir auch viel mehr Neues aus als zuvor. Im Moment stehe ich sehr auf BBQ-Beans, Grünkohl-Kichererbsen-Lauch-Suppe und Flammkuchen. Und auf alles, was gut scharf ist
Bratwurst: die Seitan-Bratwurst von Alnatura, aber die essen wir ziemlich selten.
Aufschnitt: den Veggie-Aufschnitt vom Aldi Süd.
Fleischalternative: öhm….brauche ich nicht wirklich. Aber gelegentlich verwenden wir Sojahack.
Salat: Eichblattsalat, da könnte ich mich echt reinlegen, vor allem mit selbstgemachter Vinaigrette dazu. Ansonsten Pastasalat mit Spinat, Kartoffelsalat mit Fenchel, Riesenbohnensalat mit Paprika und Jalapenos, Karottenrohkost, ….. viele!
Sauce: Cashew-Sahnesauce.
Müsli: esse ich nicht.
Suppe: die eben schon erwähnte Grünkohlsuppe, Pilz-Kokos-Suppe, Karotten-Curry-Suppe, Minestrone, …….. viele!
Welche mag, darf sich das gern mal schnappen
:: Hallo Stuttgart ::
Während mein Sohn sich auf einem Kindergeburtstag austoben durfte, sind mein Mann und ich nach Stuttgart gefahren. Dieser Ausflug stand schon länger auf unserer Wunschliste, wenngleich wir eigentlich ins Naturkundemuseum und / oder in die Wilhelma gewollt hätten. Da ich aber zur Zeit weder mit meinem Rolli noch mit meinen Schuhen klarkomme, ist unser mein Aktionsradius gerade sehr eingeschränkt.
Demzufolge sind wir schnurstracks nach Bad Cannstatt gefahren, wo wir eine Winzirunde in der Altstadt drehten…
…und dann im Coox & Candy einkehrten.
Leider waren schon alle Kuchen ausverkauft – um 14 Uhr! Skandal! Eigentlich hatte ich fest vorgehabt, wenigstens ein Stück Schwarzwälder Kirsch zu verspachteln, und war schon ganz geknickt, als dann doch überraschend Desserts reinkamen. Sojajoghurt mit Kokos und Kiwi. Sehr lecker.
Als wir gerade gehen wollten, kamen auch noch ein paar Cupcakes rein, von denen wir natürlich zwei auf die Hand mitnahmen (damit habe ich dieses Wochende so viel Zucker gegessen wie sonst in etwa drei Wochen – uff!).
Nachdem wir die Speisekarte studiert hatten, stand jedenfalls fest, daß wir beizeiten nochmal zum Abendessen dorthin wollen, dann aber mit Reservierung.
Zum Thema Barrierefreiheit: das Coox & Candy ist nicht barrierefrei. Gar nicht. Um ins Restaurant zu kommen, muß frau zwei Stufen überwinden. Zu weiteren Plätzen geht es nochmal zwei Stufen hoch; mehr Plätze sowie das Klo sind im OG, das nur über eine Treppe zu erreichen ist.
:: Flammkuchen, nochmal ::
Oh goodness. Es gibt ihn. Veganen Flammkuchenteig. Küchenfertig ausgerollt. Einzeln entnehmbar. Wie schrieb Zombiekatze so schön? “Vegan Food Porn”. Bitteschön:
Mit Cashew-Creme, Zwiebeln, Räuchertofu und frischgemahlenem Pfeffer.
Ich liebe es, in Baden zu leben.
Absolut.
P.S.: beim Reinbeißen macht er nicht nur “krk”, sondern “cruuuuuUUUUUUUnnnnnnsh!!!!”"
:: Smoothie-kritische Gedanken ::
In den letzten Monaten habe ich ziemlich viele Smoothies getrunken, vor allem in ihrer grünen Variante. Darüber hatte ich schon mal hier geschrieben. In den letzten Wochen hatte ich plötzlich überhaupt keinen Drive mehr, mir welche zu machen. Wenn ich dann doch einen mixte, z.B. weil mein Mann mich darum bat, setzte nach den ersten paar Schlücken ein Unwohlsein ein, ein richtiger Widerwille, weiterzutrinken. Wenn ich es doch tat, so nach dem Motto “ist ja gesund, also runter damit”, büßte ich das mit Magengrimmen und Sodbrennen. Da ich grundsätzlich alle Signale ernstnehme, die mein Körper aussendet, habe ich die Smoothies also weggelassen und das Obst und das Grünzeug so gegessen. Der Effekt ist interessant. Erstens kriege ich bei einer Mahlzeit in keinem Fall soviel Obst + Grünzeug + Wasser auf einmal runter, wie mit einem Smoothie runterschüttet wird. Zweitens reagiert mein Körper, wenn ich seine natürliche Sperre beachte, mit Wohlsein. Kein Magenweh mehr.
In der Schule habe ich gelernt, daß unser Magen ein Sack ist, der mit einer etwa 4%igen Salzsäure gefüllt ist. Kommt Nahrung rein, wird diese zersetzt und weitergeleitet. Tatsächlich gibt es aber nicht bloß eine Art von Magensaft, sondern ganz viele Unterschiedliche, die der Magen individuell ausschüttet. Um zu wissen, welche Art Magensaftgemisch er ausschütten muß, braucht er Vorabinformationen, die er durch das Kauen und Einspeicheln der Nahrung erhält. Nahrung zu sehen, zu riechen, zu beißen, zu schmecken ist also ein essentieller Bestandteil des Gesamtvorgangs. Ohne diese Schlüsselreize schüttet der Magen einfach so eine Art Standardverdauungssaft aus, der halt nicht unbedingt zu dem paßt, was ich mittels Smoothie ohne zu kauen in mich reinschütte. Ich habe zwar bisher immer jeden Schluck Smoothie im Mund bewegt und “gekaut”, aber das hat offenbar nicht gereicht.
Unterm Strich habe ich also schon irgendwie eine Menge Obst und Grünzeug mittels Smoothie zu mir genommen, nur eben in einer Form, die für mich offenbar nicht optimal ist. Meine Männer und mein Sohn hingegen können Smoothies vertragen. Spannende Sache, das.
:: WaldKost ::
Hier in Baden ist ein (kühler) Frühling ausgebrochen: die Meisen balzen, die Sonne scheint, sogar ein Storch ist auf den Feldern unterwegs. Mein Mann hat die Gelegenheit genutzt, mich ausgiebig durch den Wald zu rollern, und ich wiederum habe die Gelegenheit genutzt, um ihn ins Unterholz zu scheuchen, bewaffnet mit einer Tupperdose.
Jetzt habe ich genug Wildpflanzen für die kommende Woche. Ja, zum Essen. Von oben im Uhrzeigersinn: Moos, Goldnessel, Brombeerblätter (mal exemplarisch; der Löwenanteil ist schon im Kühlschrank). Es gab auch winzige Erdbeerblättchen und noch winzigere Kerbeltriebe, aber die lasse ich erstmal stehen. Platterbse habe ich ebenfalls gefunden, doch davon waren nur ganz wenige Triebe da, die ich direkt vor Ort gefuttert habe. Gundermann und Vogelmiere waren noch nicht wieder geschossen und die alten, gelb-braunen Blättchen mag ich nun nicht. Brennesseln gab es nur an Standorten, von denen ich nicht essen mag. Dafür habe ich in unserem Vorgarten Sauerklee und jungen Löwenzahn entdeckt. Ich glaube, der Garten weiß, daß er verwildern soll
:: Von Schönheit und Tod – oder: wie mensch Grausamkeit salonfähig macht. Ein patriarchales Stück Kultur ::
Zur Zeit gibt es in der staatlichen Kunsthalle Karlsruhe eine Ausstellung mit dem Titel “Von Schönheit und Tod”. Gezeigt werden ausschließlich Werke, deren zentraler Aspekt Tierkadaver sind. Einen kleinen Einblick gibt dieses Video.
Wie die Veranstalterin Prof. Dr. Müller-Tamm schon richtig sagt, ist das ein “schwieriges”, “widerständiges Thema”, wenngleich sie ebenfalls behauptet, daß sich die ausgestellten Künstler mit größtem Respekt den Tierkörpern gewidmet hätten. Dr. Holger Jacob-Friesen spricht im Video davon, daß die Bilder den Zweck hätten, ihren Auftraggebern “etwas Dekoratives in ihre großen, repräsentativen Räumlichkeiten zu geben”.
Was sagt das über uns, unsere Gesellschaft, unseren Umgang mit Tieren und nicht zuletzt über unser Verständnis vom Tod?
Für mich ist es widersinnig, daß der Tod in unserer Gesellschaft stark tabuisiert und gleichzeitig in solchen Zusammenhängen als “etwas Dekoratives” betrachtet wird. Womöglich ist die Kunst der einzige Weg, der uns, die wir durch Christentum und Patriarchat weit von einem entspannten Umgang mit so etwas Natürlichem wie dem Tod entfernt wurden, geblieben ist, uns diesem essentiellen Thema zu nähern. Es ist einfacher, Tierkadaver zu betrachten als sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Das Christentum verspricht uns, daß wir niemals final sterben werden, wenn wir nur brav und folgsam sind, sondern daß auf uns die Auferstehung des Fleisches und der Seele warten. Das gilt natürlich nicht für Tiere. Sie sind uns nicht ähnlich und wir sind keine Tiere – wer diese Grenze zieht, vermag vielleicht in den Bildern, in den glasigen Augen, verrenkten Gliedern und in Blut und Unschlitt Kunst und Schönheit zu erkennen. Ich vermag es nicht.
Die Ausstellung bedient den Glaubenssatz, daß die Tiere uns untertan seien, daß wir mit ihnen – gottgegeben – tun und lassen können, was immer wir wollen, was immer in unserer Macht steht. Wir können sie konsumieren, sie ausbeuten, am Ende töten und verschlingen, wenn uns der Sinn danach steht. Wir können ihren Tod, ihr Leid Kunst nennen. Ich mutmaße, daß die Ausstellung eher ungewollt unsere bigotte Sichtweise auf Tiere karikiert, indem es dort auch Bilder zu sehen gibt, in denen Hunde und Katzen als Gefährten der Menschen dargestellt werden. Es ist doch so: ein Huhn, eine Kuh, ein Schwein kann der moderne, westlich-patriarchale Mensch essen, aber Hunde und Katzen sind unsere Freunde – und Freude ißt mensch nicht. Nicht hier. Nicht wir.
Für mich paßt diese Ausstellung trefflich in die dunkle Jahreszeit, zu Weihnachten. Wenn ich mir, was selten genug vorkommt, jetzt die Werbeblättchen durchlese, springen mir auf vier, sechs, zehn Doppelseiten zerlegte Tiere entgegen, vier weitere Doppelseiten widmen sich Milchprodukten. Diese Blättchen scheinen mir wie eine Kurzzusammenfassung unserer Glaubenssätze und damit auch unserer Ängste. Das, was wir fürchten, kultivieren wir. Wir fürchten den Tod, also gibt es zum Hochfest des Patriarchats jede Menge Tierkadaver und Tierleidprodukte, runtergespült mit genug Alkohol, damit wir uns auch wirklich nachhaltig vergiften. Wir feiern die Geburt des Lebens mit Massenmord und Leichenschmaus. Warum sind die Werbeblättchen keine Kunst? Vielleicht weil sie – anders als das Video – nicht von Klaviermusik untermalt sind, die suggiert, es handele sich um Kultur und nicht bloß um ein Abbild menschlicher Doppelmoral, menschlicher Grausamkeit.
Was siehst Du?
:: Das “red” in Heidelberg ::
Heute hatte ich wieder einen Termin in Heidelberg und natürlich verbanden mein Mann und ich das erneut mit einem leckeren Essen. Diesmal ging es ins red, einem vegetarisch-veganem Bio-Restaurant unweit der Innenstadt.
Am kalt-warmen Büffet kann frau sich nach Lust und Laune selbstbedienen; der befüllte Teller wird dann abgewogen (100 g für 1,85 € finde ich absolut gerechtfertigt). Am Büffet gibt es die Tagessuppe (immer vegan), wirklich viele kalte Antipasti und Salate, warme Gerichte und eine Dessertauswahl. Ich war positiv davon überrascht, wie viele vegane Sachen angeboten werden, wie Ihr anhand meines Tellers sehen könnt:
Im Uhrzeigersinn, bei 12 startend: eingelegter Fenchel, scharfer Kichererbsensalat, Kartoffelsalat mit Räuchertofu, gekeimter Quinoasalat, Spitzkohlsalat, Kichererbsendip, Blumenkohlsalat, Berglinsensalat. In der Mitte oben gegrillte Paprika, darüber in Wein eingelegte Zwiebeln, und in der Mitte unten marinierte Riesenbohnen. Heute gab es an warmen veganen Speisen gegrillte Zucchini, eine Kartoffel-Champignon-Spitzkohlpfanne und Falafel (außerdem das Tagesricht, welches auch immer vegan erhältlich ist, welches wir jedoch nicht gegessen haben). Und das Beste: es gibt täglich einen veganen Kuchen und sogar vegane Trüffel! Meinen Kuchen – Kirschstreusel – werde ich allerdings erst gleich zusammen mit einem Tee verputzen, denn das Essen war üppig und sättigend
Die veganen Speisen sind mit der Veganblume oder einem V gekennzeichnet und leicht zu erkennen, sogar vom Rolli aus. Für einige Sachen vom Büffet braucht Frau Rollstuhlfahrerin allerdings Hilfe, da es zweistöckig aufgebaut ist.
Inzwischen war ich ja schon öfter auswärts vegan essen, aber das red ist bisher der Höhepunkt.
Zum Thema Barrierefreiheit: das Restaurant ist barrierefrei erreichbar und durch seine Großzügigkeit auch gut befahrbar. Nach telefonischer Reservierung habe ich sogar netterweise einen Platz extra an der Heizung bekommen und die Stühle auf meiner Tischseite waren schon weggeräumt, damit ich mit dem Rolli direkt einparken konnte. Ein Behindertenklo gibt es leider nicht.
:: Nochmal Smoothies ::
Ich bin mutiger geworden, was die Zusammensetzung meiner Smoothies angeht. Anfangs habe ich mir den Rat von Smoothie-Expertinnen zu Herzen genommen, die meinen, daß frau erstmal nur wenige Zutaten verwenden soll, die sie pur definitiv mag. Also nahm ich meist Feldsalat oder jungen Spinat als Grundlage.
Inzwischen habe ich mehr Variablen in meinen Smoothies drin. Grünkohl ist unglaublich lecker (und gar nicht bitter, wie ich zunächst argwöhnte). Petersilie ist großartig (und nicht dominant). Brombeerblätter rocken (und schmecken auch irgendwie nach Brombeere). Wirklich überrascht hat mich aber Rosenkohl. Der hat ja einen ziemlich einzigartigen Eigengeschmack, der in Smoothies jedoch nicht so ausgeprägt ist. Ganz schlimm war allerdings Selleriegrün, das den Smoothie für mich verhagelte.
Seit ich darauf achte, wie ich meine Smoothies zusammenstelle – nämlich mit einem hohen Anteil an cremigen Früchten -, bin ich echt im Smoothie-Himmel. Wobei ich das Wort Smoothie bekloppter finde, je öfter ich es sage oder schreibe. Smoothie. Smoothie. Smoothie. Also nee.
Mit den Smoothies gerate ich aber auch an eine gewisse Grenze, die mir anerzogen worden ist. In meiner Familie war ganz klar festgelegt, was frau roh ißt und was nicht. Und was frau trinkt und was sie ißt. Rosenkohl z.B. gehörte zu den nicht-roh zu essenden Gemüsen. Brombeerblätter wurden gar nicht gegessen, geschweige denn getrunken. Mangos zählten zu den roh zu essenden Früchten – Mangosaft war unbekannt. Klingt vielleicht ein bißchen banal, aber durch meine Smoothies fällt mir derzeit stark auf, wie sehr ich doch eben Kind meiner Eltern bin (ich hau trotzdem weiterhin mein Gestrüpp in den Blender).
In den letzten sieben Tage habe ich weiterhin meinen Smoothie getrunken, aber dafür den Rohkostanteil wieder etwas reduziert, meist aus Faulheit oder weil mich das kältere Klima eher zu warmen Gerichten tendieren ließ. Ich merke das sofort. Nicht, daß es mir damit nicht gut geht – dann würde ich das sofort wieder ändern -, aber es ist spürbar. Ich brauche wieder mehr Schlaf, habe öfter mal Verspannungen und leichte Schmerzen. Wenn jetzt die akute ich-will-Geschenke-nähen-und-verpacken-Zeit vorbei ist, möchte ich den Rohkostanteil wieder erhöhen.
Was ich auch merke: ich bin definitiv nicht soweit, Rohkost so zu essen. Also ohne Zubereitung, einfach von der Hand in den Mund. Mal ein Möhrchen knabbern, ok. Aber Fenchel, Sellerie, Pilze, was auch immer bereite ich zu, d.h. schnippel es, mische es mit anderen Zutaten, schmecke es ab und richte es nett an. Das hat auch was mit meiner Erziehung dazu zu tun, was als Mahlzeit angesehen wird. Naja, und es macht mir Freude, schmeckt lecker und spricht mich an.
:: Fremd- und Selbstbewertung ::
Ich denke darüber nach, inwiefern sich die Fremd- und Selbstbewertung meiner Person durch meinen Umstieg auf vegane Ernährung verändert hat. Verändert hat sich jedenfalls eine ganze Menge – das war ja auch gewollt. Wenn ich keinen Wunsch nach Veränderung verspürt hätte, wäre ich heute noch Ovo-Lakto-Vegetarierin.
In der Anfangszeit habe ich meine Ernährungsumstellung als Experiment bezeichnet, aus Selbstschutz. Wenn ich es als Experiment deklariere, kann mir ja niemand – nicht mal ich selbst – einen Strick daraus drehen, wenn ich irgendwann sage, ok, Veganismus klappt nicht für mich / ich mag das Essen nicht / ich fühle mich eingeschränkt /mir geht es damit nicht gut. Indem ich es als Experiment bezeichne, lasse ich mir eine Hintertür auf. Eigentlich habe ich das nicht für mich gemacht. Ich kann dazu stehen, wenn ich erst von einer Sache überzeugt bin, sie ausprobiere und dann feststelle, es funktioniert nicht. Es ändert nichts an meiner Liebe und Akzeptanz für mich. Was mich hingegen verletzen würde, wäre die Häme und Schadenfreude Dritter, die möglicherweise auf mich niederprasseln könnte, wenn ich zugeben müßte, daß Veganismus trotz aller Motivation und Überzeugung für mich nicht das Wahre ist. Vor allem die Medien erziehen uns ja dazu, Genuß an Schadenfreude, Häme und Gemeinheit zu haben und was gibt es Geileres, als auf jemandem rumzuhacken, der (vermeintliche) Schwäche zeigt? Nicht zu verachten ist auch Kritik, die in Form von Rat-Schlägen daherkommt. Probier x und y, Du hast nicht richtig dies und das, blabla. Qualitativ gibt es einen Unterschied zwischen Menschen, die mir ihre Erfahrungen mit-teilen, damit ich sie vielleicht selbst mal ausprobieren kann, und solchen, die mit spitzer Zunge meine Fehler und Unzulänglichkeiten sezieren, um mir auf’s Auge zu drücken, was ich ihrer Meinung nach besser machen sollte – um sich selbst zu profilieren. Welche Macht im Erteilen eines Rats liegen kann, ist mir übrigens erst so richtig aufgegangen, als ich mit den zwölf wilden Schwänen anfing, anno dazumal. Ich weiß nicht, ob ich es immer hinbekomme, tatsächlich bloß meine Erfahrungen zu teilen, ohne solche selbstaufwertenden Rat-Schläge zu erteilen. Ich hoffe es, glaube es aber nicht.
Interessant finde ich Gespräche mit Omnis oder Vegetarierinnen, die mal mehr, mal weniger unterschwellig an mich die Forderung stellen, mehr als überkorrekt vegan zu sein. Sind Deine Schuhe aus Leder? Werden Deine Medis tiergetestet? Klebt an Deinem Grünzeug ein Fliegenbein? AHA! Dann bist Du keine Veganerin! Mir kommt’s ja immer so vor, daß diese Feststellungen mit so einer Art tiefempfundener Erleichterung verbunden sind – Göttin sei Dank, nicht mal die Veganerin ist 100 % vegan! Aufschlußreich sind auch die Bemerkungen, die auf bestimmte vegane Produkte abzielen. Du ißt Tofu? Pah, dann hast Du Dich niemals wirklich vom Fleischverzehr gelöst. Veganerinnern, die Tofu und Sojahack essen, sind untrue. Warum ißt Du solche Ersatzprodukte, wenn Du doch angeblich Fleisch eklig findest? Es werden alle Register gezogen.
Inzwischen gehe ich auf diese Art von destruktiver Gesprächsführung nicht mehr ein. Ich lächle dann abwesend und nicke oder sage allenfalls “genau, Du hast ja sooo Recht!”. Ich kann das, weil ich mich selbst samt meiner Entscheidungen und Handlungen ok finde. Eigentlich sogar mehr als ok, aber das sag ich besser nicht so laut. Sich selbst anzunehmen, zu lieben, toll zu finden, ist wieder so eine Sache, bei der andere nur drauf warten, sie in Fetzen reißen zu können. Dann geht das Gemunkel los: ah, die war schon immer so arrogant und eigenbrödlerisch, die hat sich ja noch nie was sagen lassen.
Woher kommt das eigentlich, das Gefühl von Selbtachtung, Selbstliebe? Eigentlich geht es ja in unserem schönen System eher darum, gleichzumachen, sich anzupassen, Anforderungen und Erwartungen zu erfüllen. Woher kommt, wie ich mich selbst bewerte? Warum ist meine Selbstbewertung so positiv, auch – oder vielleicht gerade – wenn andere mich doof finden? Wie so viele andere bin auch ich nicht zur bedingungslosen Selbstliebe erzogen worden. Frau kann das also lernen und sich antrainieren. Sich selbst zu vertrauen, der eigenen Wahrnehmung und Intuition zu trauen. Sich selbst geduldig und behutsam in heiterer Gelassenheit bei den kleinsten (selbst)kritischen Gedanken zu korrigieren. Nein, ich wollte nicht mehr denken, daß mein Hintern zu groß ist – ich denke jetzt lieber, daß er wunderbar rund ist. Ja, die Tante Trude sagt, daß ich Eier und Milch brauche, um gesund zu sein, und ich finde es total lieb von ihr, daß sie sich um mich Gedanken macht, aber für mich geht es gut ohne.
Veganismus hat für mich definitiv eine Dimension, die über Nährwerte, Rezepte und vegane Restaurants hinausgeht. Diese Dinge reichen tief in Spiritualität, Psychologie, Kommunikation und All-Eins hinein.










