Kategorie: Behinderung
:: Hallo Stuttgart ::
Während mein Sohn sich auf einem Kindergeburtstag austoben durfte, sind mein Mann und ich nach Stuttgart gefahren. Dieser Ausflug stand schon länger auf unserer Wunschliste, wenngleich wir eigentlich ins Naturkundemuseum und / oder in die Wilhelma gewollt hätten. Da ich aber zur Zeit weder mit meinem Rolli noch mit meinen Schuhen klarkomme, ist unser mein Aktionsradius gerade sehr eingeschränkt.
Demzufolge sind wir schnurstracks nach Bad Cannstatt gefahren, wo wir eine Winzirunde in der Altstadt drehten…
…und dann im Coox & Candy einkehrten.
Leider waren schon alle Kuchen ausverkauft – um 14 Uhr! Skandal! Eigentlich hatte ich fest vorgehabt, wenigstens ein Stück Schwarzwälder Kirsch zu verspachteln, und war schon ganz geknickt, als dann doch überraschend Desserts reinkamen. Sojajoghurt mit Kokos und Kiwi. Sehr lecker.
Als wir gerade gehen wollten, kamen auch noch ein paar Cupcakes rein, von denen wir natürlich zwei auf die Hand mitnahmen (damit habe ich dieses Wochende so viel Zucker gegessen wie sonst in etwa drei Wochen – uff!).
Nachdem wir die Speisekarte studiert hatten, stand jedenfalls fest, daß wir beizeiten nochmal zum Abendessen dorthin wollen, dann aber mit Reservierung.
Zum Thema Barrierefreiheit: das Coox & Candy ist nicht barrierefrei. Gar nicht. Um ins Restaurant zu kommen, muß frau zwei Stufen überwinden. Zu weiteren Plätzen geht es nochmal zwei Stufen hoch; mehr Plätze sowie das Klo sind im OG, das nur über eine Treppe zu erreichen ist.
:: Yoga für Behinderte ::
Vor meiner Behinderung habe ich täglich 45 bis 60 Minuten Yoga gemacht. Solche Regelmäßigkeiten fallen mir nicht schwer, im Gegenteil: je regelmäßiger, desto mehr wird etwas Bestandteil meines Alltags und desto weniger muß ich mich daran erinnern oder dazu anhalten. Seit ich behindert bin, habe ich kein Yoga mehr gemacht. Es liegt nicht daran, daß ich keine Lust habe, sondern daran, daß es praktisch keine Informationen zu Yoga mit Behinderten gibt. Immerhin, einige wenige Yogalehrerinnen haben begriffen, daß eine Behinderung kein Grund gegen, sondern vielmehr der beste Grund für Yoga ist. Die yogawillige Behinderte findet aber im Netz schlicht NICHTS Hilfreiches, wenn sie sich ein eigenes Programm zusammenstellen möchte. Kein Buch, keine DVD, keine Websites mit Anleitungen, nix. Yoga für Senioren ist das Maximum (aber wenn ich in den Büchern dann Abbildungen von total fitten Senioren sehe, die fröhlich Handstand machen, weiß ich schon, daß ich mir dieses Buch nicht kaufen werden – wozu auch? So fit werde ich nie wieder sein).
Falls also eine Yogalehrerin, die sich vorstellen kann, mit einer Behinderten zu arbeiten, und die aus der Gegend Karlsruhe, Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim, Kandel, Germersheim, Speyer kommt, das hier liest: ich suche Dich! Bitte meld Dich bei mir
Und falls Ihr, liebe Leserinnen, irgendwelche DVDs, Bücher oder Websites kennt, in denen möglichst viele Übungen vorkommen, bei denen frau sitzen oder liegen kann, piepst doch bitte mal
:: Sea Life, Speyer ::
Für seine ganze Hilfe beim Umzug hat unser Sohn sich etwas wünschen dürfen. Seine Wahl fiel auf einen Besuch im Sea Life in Speyer – und da waren wir heute. Ich glaube, für ihn war es richtig toll und lohnenswert, und mein Mann konnte trotz des enormen Andrangs viele schöne Photos machen.Für mich war es ziemlich anstrengend und nervenaufreibend.
Direkt am Sea Life gibt es zwei Behindertenparkplätze, was ich gut finde, denn die nächstgelegenen normalen Parkplätze sind zu Fuß bzw. mit dem Rolli mal locker 10 oder 15 Minuten entfernt. Nicht so gut finde ich, daß die Behindertenparkplätze als solche nicht befestigt sind. Wenn frau aus dem Auto steigt, muß sie erstmal über eine Schotterpiste mit recht tiefen Löchern (heute: Pfützen) waten, um zur verlängerten, gepflasterten Rampe zu gelangen.
Als wir am Eingang ankamen, wartete schon eine ziemlich lange Schlange von Besuchern darauf, eingelassen zu werden. Die Kasse arbeitet in gemütlichem Tempo, dann müssen die Leute in einen abgetrennten Raum hineingehen. Erst wenn dieser Raum voll ist, also eine Gruppe vollzählig ist, schließt sich die Tür und es geht los. Bevor frau in den Gebäudeteil mit den Aquarien gelangt, muß sie sich in diesem geschlossenen, vollen Raum einen Vortrag anhören. Das finde ich schlecht! Es ist darin eng und dunkel. Menschen mit Klaustrophobie haben daran sicher keine besondere Freude. Obendrein funktioniert das Konzept der Gruppenbildung nicht wirklich, weil viele Leute extrem lange an einzelnen Aquarien stehen bleiben und sich die Gruppen so dann doch wieder mischen.
Die Aquarien sind so angelegt, daß Rollstuhlfahrerinnen (und natürlich Kinder^^) gut hineingucken können. Meiner laienhaften Meinung nach sind die Becken sehr gepflegt und sauber und frau bekommt auch Informationen dazu, wieso z.B. Kunststoff-Algen anstelle echter verwendet werden. Die Infotafeln sind – wie üblich in Aquarien – recht knapp gehalten, versorgen eine aber durchaus mit interessanten Fakten (nicht nur “Fisch XY lebt da und dort und legt dann und dann Eier”). Kinder können sich an der Kasse einen Quizbogen mitnehmen, der an bestimmten Stationen bearbeitet werden kann – gute Idee, aber bei dem Andrang heute ein Unding. Die Mitarbeiterin, die heute dort war, fand ich super. Sie war sehr resolut (muß sie vermutlich auch sein, wenn sie den ganzen Tag lang erklärt, daß die Schilder “nicht mit Blitz photographieren” und “nicht ins Becken fassen” wirklich ernstgemeint sind….also, mein Mitgefühl hat sie). Und sie machte mir den Weg zu einem Becken frei, wo gerade eine Fütterung stattfand.
Schlecht finde ich die allgemeine Enge im Sea Life. Viele Gänge sind nur so breit, daß ich gerade mit dem Rolli durchkam. Der Shop ist dermaßen eng, daß ich keine Möglichkeit hatte, mich umzugucken. Auch das angeschlossene Restaurant empfand ich als sehr eng und zugestellt. Der Aufzug, der vom Obergeschoß zurück ins Erdgeschoß führt, ist in meinen Augen eine absolute Fehlkonstruktion. Nicht nur daß Frau Rollifahrerin es irgendwie hinkriegen muß, vom Rollstuhl aus die ganze Zeit auf den Rufknopf zu drücken, damit die Kabine kommt, sie muß auch auf kleinstem Raum (ich schätze, rund 1 qm) den Rolli von der Geradeausposition in die Linksposition bringen. Ohne Hilfe nicht machbar! Und dann gibt es auch noch eine lustige Lichtschranke, die meinen Mann dazu zwang, sich praktisch yogaartig (Fortgeschrittenenniveau) über mich zu beugen und gleichzeitig wiederum die ganze Zeit den “Runterknopf” gedrückt zu halten. Sorry, das ist Kappes. Ebensolcher Murks ist das Behindertenklo im OG, welches auch als Wickelraum genutzt wird. Ich persönlich, als Mama eines Kindes, das auch mal Windeln getragen hat, sehe das so: ein Kind mit vollen Windeln kann in der Regel zwei Minuten warten. Rollstuhlfahrerinnen ohne Windeln, die mal dringend müssen, nicht. Müssen sie aber, wenn eine Schar wildgewordener Eltern ihre Kinder verpampern will und dann nochmal schnell selbst auf das Behindertenklo gehen, weil das ja so schön groß und sauber ist und überhaupt. Das nervt.
Soweit zu den Örtlichkeiten. Ich hab lang überlegt, ob ich das, was ich jetzt schreiben werde, wirklich schreiben soll, aber vielleicht ist das ja mal ein Denkanstoß für Nichtbehinderte.
Rollstühle haben vor allem eine Eigenschaft: sie können nicht zur Seite springen. Nichtbehinderte können das schon. Rollstühle sind ziemlich wendig, aber ich mutmaße, daß sie auch in naher Zukunft kein gekonntes Ausweichmanöver hinkriegen, wie es jemand mit gesunden Sprunggelenken schafft. Rollstühle sind in der Regel nicht nur Nichtbehinderten im Weg, sondern auch denjenigen, die in ihnen sitzen. Klar finde ich toll, daß mir der Rolli auf gewisse und sehr eingeschränkte Weise Mobilität ermöglicht, aber wenn ich die Wahl hätte, dann wäre ich lieber wieder auf eigenen Beinen unterwegs. Es ist nicht hilfreich, gegen den Rollstuhl zu rempeln, am Joystick hängen zu bleiben (weil mensch meint, sich noch mal eben am Rolli vorbeiquetschen zu müssen – ja, so ein Rolli kann auch mal flott voranpreschen, wenn mensch das tut!) oder genervt zu stöhnen oder die Augen zu verdrehen, weil eine Rollstuhlfahrerin unterwegs ist. Es ist mein verficktes Recht, mich da aufzuhalten, wo ich sein will. Es ist mir scheißegal, ob Nichtbehinderte meine und die Anwesenheit meines Rollstuhls als lästig, unnötig oder ärgerlich empfinden. Ich bin kein Hindernis, ich bin ein Mensch.
:: Das “red” in Heidelberg ::
Heute hatte ich wieder einen Termin in Heidelberg und natürlich verbanden mein Mann und ich das erneut mit einem leckeren Essen. Diesmal ging es ins red, einem vegetarisch-veganem Bio-Restaurant unweit der Innenstadt.
Am kalt-warmen Büffet kann frau sich nach Lust und Laune selbstbedienen; der befüllte Teller wird dann abgewogen (100 g für 1,85 € finde ich absolut gerechtfertigt). Am Büffet gibt es die Tagessuppe (immer vegan), wirklich viele kalte Antipasti und Salate, warme Gerichte und eine Dessertauswahl. Ich war positiv davon überrascht, wie viele vegane Sachen angeboten werden, wie Ihr anhand meines Tellers sehen könnt:
Im Uhrzeigersinn, bei 12 startend: eingelegter Fenchel, scharfer Kichererbsensalat, Kartoffelsalat mit Räuchertofu, gekeimter Quinoasalat, Spitzkohlsalat, Kichererbsendip, Blumenkohlsalat, Berglinsensalat. In der Mitte oben gegrillte Paprika, darüber in Wein eingelegte Zwiebeln, und in der Mitte unten marinierte Riesenbohnen. Heute gab es an warmen veganen Speisen gegrillte Zucchini, eine Kartoffel-Champignon-Spitzkohlpfanne und Falafel (außerdem das Tagesricht, welches auch immer vegan erhältlich ist, welches wir jedoch nicht gegessen haben). Und das Beste: es gibt täglich einen veganen Kuchen und sogar vegane Trüffel! Meinen Kuchen – Kirschstreusel – werde ich allerdings erst gleich zusammen mit einem Tee verputzen, denn das Essen war üppig und sättigend
Die veganen Speisen sind mit der Veganblume oder einem V gekennzeichnet und leicht zu erkennen, sogar vom Rolli aus. Für einige Sachen vom Büffet braucht Frau Rollstuhlfahrerin allerdings Hilfe, da es zweistöckig aufgebaut ist.
Inzwischen war ich ja schon öfter auswärts vegan essen, aber das red ist bisher der Höhepunkt.
Zum Thema Barrierefreiheit: das Restaurant ist barrierefrei erreichbar und durch seine Großzügigkeit auch gut befahrbar. Nach telefonischer Reservierung habe ich sogar netterweise einen Platz extra an der Heizung bekommen und die Stühle auf meiner Tischseite waren schon weggeräumt, damit ich mit dem Rolli direkt einparken konnte. Ein Behindertenklo gibt es leider nicht.
:: Heiliger Raum in mir ::
Diese Woche hatte ich Besuch von meinem Rollstuhltechniker, weil mir mein Rolli nicht mehr paßte. Er ist ein sehr angenehmer Mensch. Ich bin da recht empfindsam, was die Energie angeht, die jemand mit sich bringt. So sind mir die meisten Männer zu intensiv, zu raumgreifend. Ich ertrage das nicht gut, vor allem dann nicht, wenn sie auch noch eine After-Shave-Fahne hinterlassen, die noch Stunden später in meinem Haus hängt. Jedenfalls kamen er und ich ins Gespräch und er meinte, daß er als Nichtbehinderter sich immer darüber ärgert, wenn er durch einen behinderten Verwandten oder durch seine Kundschaft mitbekommt, daß Körperbehinderte von Nichtbehinderten behandelt werden, als seien sie gaga und geistig nicht auf der Höhe. Das kenne ich natürlich auch. Kann inzwischen gar nicht mehr zählen, wie oft ich es mit Leuten zu tun hatte, die es wirklich gewundert hat, daß ich in zusammenhängenden Sätze rede. Es gibt Tage, an denen mich das verletzt, aber mittlerweile finde ich das an den meisten Tagen einfach nur lachhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. Manchmal macht es mir sogar Spaß, ein bißchen mit dem Klischee zu spielen: da meist vorausgesetzt wird, daß ich nicht orientiert bin, ist es hin und wieder ganz lustig, tatsächlich mal nicht-orientiert zu handeln. Die Gesellschaft räumt mir durch ihre Vorurteile eine gewisse Narrenfreiheit ein, die auszukosten ich ok finde. Wie gesagt, manchmal. In indigenen Gesellschaften gibt es Behinderte, die Schamaninnen werden, weil sie besonders, weil sie anders sind. Vielleicht weil sie die Welt anders sehen. Vielleicht weil die Gesetze, die auf “normale” Leute (ich schreibe das extra so provokant) zutreffen, nicht für sie gelten. Indem Nichtbehinderte Behinderte stigmatisieren, werden sie tatsächlich besonders. Als Behinderte kann ich Sachen sagen, die die Menschen von einer Nichtbehinderten nicht akzeptieren würden. Mit mir sind sie nachsichtig.
In der Akupunktur werden nicht mehr vorhandene Körperteile behandelt, als wären sie noch da. Beim Reiki oder der schamanischen Arbeit mache ich das genauso. Ich selbst nehme meine Amputationen energetisch wahr, aber es ist nicht so, als wäre da einfach “nichts” mehr. Da ist noch etwas da, es ist nur anders als vorher. Die Teile von mir, die chirurgisch entfernt wurden, mußte ich verabschieden, damit sie in Frieden gehen konnten. Ich glaube, wenn ich noch an ihnen hinge (wörtlich), dann hingen sie noch an mir. Dann würde ich mich auch nie mit meinem Körper, wie er jetzt ist, arrangieren können, oder mehr noch: ihn lieben. Auf der anderen Seite bin ich nicht behindert. Da bin ich beweglicher, wandelbarer, flexibler, agiler als hier. Ganz spannend finde ich, daß mein Körper dennoch ein ähnlicher ist, inclusive der Amputationen. Und daß auch andere Reisende das so wahrnehmen. Wahrscheinlich spricht das dafür, daß ich meine Behinderung integriert habe.
Ein Aspekt, den ich lange demütigend fand, war die Einbuße meiner Beweglichkeit. Ich habe früher sehr gern getanzt, auch im rituellen Kontext. Ich habe mich gern kraftvoll (ich bin Ex-Leistungssportlerin) und fließend bewegt. Meine Bewegungen jetzt sind damit nicht mehr zu vergleichen. Ich finde sie nicht anmutig, nicht rhythmisch. Es hat gebraucht, mir zuzugestehen, daß sich meine Art zu tanzen ebenfalls gewandelt hat. Mir hat der Satz Mut gemacht: wer gehen kann, kann auch tanzen. Ich kann ein bißchen gehen, also kann ich auch ein bißchen tanzen. Und ich habe Tanzen im Liegen gelernt. Und im Sitzen. Und Tanzen im Geiste – ich spüre dann alle meine Zellen schwingen und schunkeln. Zu Samhain 2007 haben mein einer Mann und ich aus Ton Göttinnen geformt, das Ritual stand unter dem Motto “begegne Deiner Göttin”. Damals habe ich nicht verstanden, was mein Tonklumpen für eine Göttin sein soll. Heute gucke ich sie an und denke: sie ist behindert und sie tanzt! Der Tanz ist doch auch Ausdruck für geistige Regungen und Beweglichkeiten und für ein freies Schwingen.
Entsetzlich sind die Momente, in denen ich darüber nachdenke, wie ich auf andere wirke. Wie bewerten sie mich? Oh, mein dicker Hintern! Meine dürren Beinchen! Meine Transplantate! Meine klobigen Behindertenschuhe! Der Rollstuhl! Und mein Gesicht, es ist mir anzusehen, daß ich behindert bin! Ich habe gelernt, in mir selbst, in meinem Bauch, mitten in meinem Sein zu ankern. Es ist dann nicht mehr wichtig, wie jemand mich bewertet oder mich findet, weil ich in mir drin wohne. Heiliger Raum in mir.
:: Heidelberg ::
Da ich heute einen Termin in Heidelberg hatte, haben mein Mann und ich die Gelegenheit genutzt, im Anschluß im MoschMosch, einer japanischen Nudelbar, essen zu gehen. Bei Birdie hatte ich gelesen, daß es dort auch vegane Sachen gibt. Zunächst mal war ich positiv von der Heidelberger Innenstadt überrascht. Bisher kannte ich sie eigentlich nur von den mit dem Auto befahrbaren Hauptstraßen her und finde die Straßenführung, die Enge und das Fahrverhalten mancher Menschen da einen Alptraum – liegt vielleicht auch einfach daran, daß ich inzwischen so ein Landei bin und es hier in der Rheinebene schön platt ist, mit viel Platz in jede Richtung
Aber die Altstadt in Heidelberg – die nicht mit dem Auto befahren werden kann – ist wirklich toll. Viele interessante Geschäfte, die wir allerdings nur von außen anguckten, weil die meisten eben nicht barrierefrei sind, und unzählige nette Kneipen und Cafés. Demnächst wollen wir nochmal dorthin, allerdings mit Kameras bewaffnet
Dann ging es zum MoschMosch. Der Service war superfreundlich und bemüht, und es war gut, daß ich einen Tisch reserviert hatte. Hätte gar nicht gedacht, daß es an einem normalen Donnerstag derart gut besucht sein würde. Zur Vorspeise hatte ich Gyöza (Teigtaschen) mit Gemüsefüllung und danach Ramen (japanische Nudeln) in Brühe mit viel frischem Gemüse, Wakame-Algen und Tofu. Auf jedem Tisch stehen drei Flaschen mit Saucen (Soja-, Teriyaki- und Chilisauce, alles hausgemacht), mit denen frau sich das Essen pimpen kann. Laut Aussagen der Bedienung sind alle drei Saucen vegan.
Die Gyöza fand ich superlecker und habe sie in der ebenfalls sehr feinen Chilisauce fast ertränkt. Die Gemüse-Nudel-Suppe hingegen fand ich leider ziemlich fad, so daß ich mit Soja- und Chilisauce was zu retten versuchte. War eher nicht so berühmt. Mein Fazit: japanisches Essen brauche ich so bald nicht wieder.
Zum Thema Barrierefreiheit: das MoschMosch hat zwei Ebenen, die eine ist barrierefrei und dank breiter Tür und großzügiger Raumgestaltung auch mit einem überbreiten Rolli befahrbar. Für die zweite Ebene muß frau zwei einzelne Stufen überwinden. Die Toiletten sind ebenfalls nicht barrierefrei erreichbar. Sämtliche Bänke und Hocker, auf denen frau sitzt, haben keine Rückenlehnen, was ich schon ziemlich anstrengend fand. Das Personal bat Hilfe für das Überwinden der Stufen an – keine Selbstverständlichkeit.
:: Natur- & Schulmedizin ::
Dieser Artikel bei Grey Owl hat mich nachdenklich gemacht. Sie schreibt davon, daß es ihr schwerfällt, zugeben zu müssen, daß chemische Medikamente im Notfall manchmal schneller helfen als Naturmedizin. Diesen Zwiespalt kenne ich. Mir haben chemische Medikamente das Leben gerettet und ermöglichen mir jetzt, mit einer chronischen Krankheit zu leben (gar nicht schlecht, will ich meinen^^). Andererseits stehe ich der Schulmedizin und ihren Mitteln sehr skeptisch gegenüber. Wie paßt das zusammen? Und wie paßt das zu der zurück-zur-Natur-Idee im Heidentum?
Für mich stellen heidnisch-spirituell-naturorientiertes Leben und Schulmedizin keinen unüberwindbaren Gegensatz mehr dar, auch wenn sie das lang getan haben. Als ich schwer krank wurde (und ich darf mich rühmen, eine von zwei Frauen weltweit zu sein, die diese Krankheit bekommen haben), habe ich es “natürlich” mit Naturmedizin probiert. Ich hab homöopathische Mittel genommen, mir Heilsteine aufgelegt, mir Tachyonen-Scheiben von einer Freundin unter’s Kissen gelegt, Kräutertee getrunken, mir Reiki gegeben und gebetet. Hat’s was genutzt? Nö, kein bißchen. Es ging mir damit noch nicht einmal besser. Im Gegenteil. Ich war total davon überzeugt, daß Naturmedizin alles besser hinkriegt als die Schulmedizin. Ich hab an ein Wunder geglaubt. Als es ausblieb, war ich bitterlich enttäuscht. War mein Glaube nicht intensiv genug? Wieso war mir die Gunst der Spontanheilung verwehrt geblieben? In der damaligen Situation war ich schlicht verzweifelt. Heute, mit sechs Jahren Abstand, kann ich recht gelassen und irgendwie grinsend darauf zurückblicken. Es hat mir nicht an Glauben gefehlt. Es hat auch nicht an Unterstützung gefehlt. Meine Verbündeten waren da, die ganze Zeit über. Sie jedoch wußten im Gegensatz zu mir, daß Leid ein essentieller Bestandteil des Lebens ist.
Übrigens meine ich damit nicht Leid im christlich-patriarchalen Sinne, so nach dem Motto: Du sündiger Mensch mußt leiden, um vor Gott wieder rein zu werden *gähn* Ich meine damit schlicht den ominösen und vielzitierten “dunklen Aspekt des Lebens” (wenn Du in Heidenforen unterwegs bist, stolperst Du immer wieder darüber). Dieser dunkle Aspekt manifestiert sich je nach Seele ganz anders, vielleicht in Hinblick auf das Karma (noch so ein abgeschmackter Begriff) oder die Lernaufgabe im Leben (dito).
Jedenfalls hat mich die Schulmedizin damals wieder hingekriegt – nicht ohne Umwege, nicht ohne ein Höchstmaß an menschlichem Versagen, aber immerhin. Geheilt haben mich die Weißkittel nicht, nicht im entferntesten. Ich habe mich auf ihre schwarze Magie eingelassen, mitunter zähneklappernd. Ich hab ihren Zauber integriert, weil er mir in der akuten Situation damals und jetzt in bestimmten Bereichen meines Lebens die einzige effektive Möglichkeit erschien, Dinge zu richten und mir ein Weiterleben zu ermöglichen. Vielleicht bin ich auch einfach pragmatisch: erlaubt ist, was funktioniert. Und weil sie funktioniert, benutze ich die schulmedizinische Zauberei. Ich glaube, kritisch wird es nur an dem Punkt, wo wir unsere Eigen-Macht aus der Hand geben und sie den Weißkittelmagiern vollständig überantworten. Gleichsam ist es natürlich auch kritisch, unsere Eigen-Macht an Naturheilkundler abzugeben, bloß weil wir die glorifizieren (teilweise schlicht deswegen, weil sie keine Schulmediziner sind).
Grey Owl schreibt auch darüber, daß es für sie schwierig ist, ihre Grenzen durchzusetzen. Geht mir ganz genauso. Teils weil ich vielleicht immer noch diese Du-mußt-funktionieren-Konditionierung drinhabe, vor allem aber weil ich selbst mehr will, als ich kann. Ich will den ganzen Haushalt schmeißen können, ich will Sport machen, ich will spazieren gehen, ich will jeden Tag an die frische Luft. Ja, aber ich kann nicht. Wann immer ich es versuche, endet es damit, daß ich mit einem verbissenen Schmerzzustand im Bett liege und denke, wieso war ich so doof? Mein Körper ist soviel weiser als ich, der hat mir deutlich gezeigt, wo die Grenze ist – nur wollte mein Dickschädel dadrauf keine Rücksicht nehmen. Das hat zwei Effekte. Einerseits macht es mich mürbe und sauer, nicht so zu können, wie ich will. Andererseits sorgt es dafür, daß ich sehr intensiv wahrnehme, sehr intensiv lebe. Das Geschenk in der Krise zu sehen, ist für mich die eigentliche Aufforderung von Krankheit und Leid – denn “Leid” ist es dann nicht mehr, sobald ich meinen Frieden damit gemacht habe. Wobei ich glaube, daß dieser Zustand nicht final zu erreichen ist, da im Alltag immer mal wieder Dinge aufkommen, wo es mich peinigt, Grenzen zu haben. Es ist eher die Bemühung, dem Leid, der Behinderung, der Begrenzung das Zuckerle abzuschwatzen, abzuringen, abzuhandeln, das irgendwo dadrin versteckt ist.
Die allein im Kopf errichtete Grenze zwischen Schul- und Naturmedizin halte ich für nicht hilfreich, wenn es darum geht, einen Weg zu finden, mit einer Krankheit oder einer Behinderung zu leben. Wir haben heute das Glück, auf beides (und noch viel mehr) zurückgreifen zu können – wieso sollte ich mich da festlegen (lassen)? Das ist doch bloß wieder mit Schuldgefühlen, Unsicherheiten und Abhängigkeiten behaftet.
:: Hallo Schwarzwald ::
Nach dem Frühstück sind wir heute Richtung Schwarzwald aufgebrochen. Der liegt direkt vor meiner Haustür – ich finde das immer wieder überraschend und fabelhaft, wo ich doch ein paar Urlaube meiner Kindheit im Schwarzwald verbracht habe und das für mich als Ex-NRW’lerin immer so exotisch weit weg klingt *g*
Zuerst waren wir in Ettlingen, wo wir ausführlich Sonne getankt, auf einem tollen Spielplatz gespielt, Photos gemacht und einen netten Handarbeitsmarkt besucht haben.
Habe dabei gemerkt, daß ich eine gewisse Gelassenheit entwickelt habe, was den Kontakt mit Menschen(massen) auf zwei Beinen angeht. Bis vor nem Jahr oder so hatte ich immer das Gefühl, ihnen im Weg zu sein mit dem sperrigen Rolli, heute ist mir das schlicht Weißwurscht und ihre piefigen Blicke kratzen mich nicht mehr.
Danach hatten wir einen enorm gesunden Imbiß, der aus einer Tüte Laugengebäck bestand – das einzig Vegane, das wir finden konnten *hüstel* Jaja, demnächst denke ich daran, etwas von daheim mitzunehmen, wirklich!
Wir waren in Frauenalb an der Klosterruine, dann in Bad Herrenalb, in Loffenau und Gaggenau und sind dann wieder Richtung Heimat gezockelt.
Es war ein total schöner Tag mit viel Sonne, noch mehr buntem Herbstlaub und überhaupt.
Zum Thema Barrierefreiheit: Ettlingen ist meines Empfindens nach vorbildlich barrierefrei, s. zum Beispiel hier:
:: Kloster Maulbronn & Sehnsuchtsküche ::
Gestern waren wir nachmittags im Kloster Maulbronn. Nach dem obligatorischen Besuch bei der Kräuterhexe (deren Laden ich supergemütlich, aber deren Preise ich echt ungerechtfertigt finde….so als kräuterverarbeitende und gewürzmischende Frau, die ich bin) sind wir über das Gelände spaziert und haben Photos gemacht. Ich bin immer wieder von den lichtstarken Objektiven meines Mannes fasziniert, aber was will ich mit einer Kamera, die ich nicht mal heben kann? *seufz*
Am Abend waren wir das erste Mal in der Sehnsuchtsküche in Mühlacker, einem veganen und antialkoholischen Restaurant. Es ist supergemütlich eingerichtet und hat eine tolle, gastliche Atmosphäre. Der Service ist sehr aufmerksam und auskunftsfreudig. Sonderwünsche werden gern erfüllt.
Zur Vorspeise hatte ich einen Saisonsalat, der aus Lollo bianco, Möhren-, Sellerie-, Beetenrohkost, Kartoffelsalat und Kichererbsensalat bestand – mah, war das gut! Leider ist das Photo mit dem Salatteller erst gemacht worden, als er schon ein wenig geplündert war *hüstel*
Als Hauptgericht hatten wir Großen Dinkelseitan-Cordon-bleu mit Käsespätzle und Sauce. Ja, und genau das war mein Fehler. Nach dem Verputzen des Salats signalisierte mein Körper mir ziemlich eindeutig: MEHR DAVON! SOFORT!, doch ich orderte das Cordon bleu. Teils weil ich fand, daß es wirklich lecker klang, teils wohl auch aus “Gruppenzwang”, will sagen: weil ich mir komisch vorgekommen wäre, nach dem kleinen Saisonsalat noch einen großen zu bestellen und weil eben alle ein warmes Gericht nahmen. Die Portion war mehr als reichlich, allerdings fehlte mir sozusagen das Hauptnahrungsmittel, nämlich Gemüse. Das Cordon bleu an sich war sehr zart, kross paniert und ansprechend gewürzt, doch war das Essen extrem mächtig, so daß ich rund die Hälfte meiner Portion an die Männer verteilte.
Zum Nachtisch hatte ich Schoko- und Kokoseis, auch sehr lecker. Wird übrigens aus Sojamilch gemacht.
Als ich mich später daheim hinlegte, war mir einfach nur übel. Das Essen lag mir wie ein Brikett im Magen – besser wurde es leider noch nicht mal durch Erbrechen und Durchfall. Die halbe Nacht lang träumte ich von Salat, Rohkost, Smoothies und Kräutern – also ehrlich mal
Was mich das gelehrt hat? Der Körper hat immer recht. Ich muß nur noch lernen, auf ihn zu hören, so richtig und in jeder Situation.
Zum Thema Barrierefreiheit: die Außenanlage des Klosters ist für Rollstuhlfahrerinnen geeignet, wenn auch die vielen Abwassergräben etwas lästig sind. Die Läden sind im Großen und Ganzen für Rollis nicht erreichbar, wohl aber für Gehbehinderte, die mit Stock oder Krücken unterwegs sind. Die Sehnsuchtsküche befindet sich im ersten OG, leider ohne Aufzug.
:: Rohkost & Behinderung ::
Ich lese gerade das bemerkenswerte Buch “Vitalrohvolution” von Victoria Boutenko. Bemerkenswert finde ich es insofern, als daß sie sehr ehrlich schreibt und mich als da abholt, wo ich gerade bin: schwer an Rohkost interessiert, aber voller Zweifel. Naja, und voller Vorbehalte gegen so manche rohe “Köstlichkeit” (denke immer noch mit Schaudern an meine rohen Zucchinispaghetti mit roher Tomatensauce – das war echt schrecklich *lol*). Sie erzählt davon, wie sie und ihre Familie sich von Krankheiten und Malässen geheilt haben, bloß durch den Umstieg auf Rohkost. Vor einem halben Jahr hätte ich darüber gelächelt und das als propagandistischen Schwachfug abgetan, doch inzwischen habe ich erfahren, welche enormen positiven Veränderungen die Umstellung auf vegan gebracht haben, so daß ich mir durchaus vorstellen kann, daß sich bei der Umstellung auf roh nochmal einiges mehr bewegt. Dazu mal eine kleine Anekdote: ein Bekannter von mir hat Diabetes II. Da er stark übergewichtig ist, haben sämtliche Ärzte, die ihn wegen der Diabetes behandelt haben, gleich abgewunken, so nach dem Motto “der wird sich eh nie ändern”. Ungefähr zur selben Zeit wie ich hat er auf vegan umgestellt und damit begonnen, sich mehr zu bewegen. Es sind jetzt gerade mal knapp sechs Monate vergangen. Er hat 25 kg Gewicht verloren und spritzt so gut wie kein Insulin mehr. Seine Ärzte können seine Traumwerte kaum fassen und einer meinte, er würde jetzt immer bei seinen anderen Diabetespatienten mit ihm angeben *lol* Keine Ahnung, für wie vertrauenswürdig Ihr, meine lieben Leserinnen, mich haltet, aber das ist keine fiktive Story, sondern tatsächlich passiert (aber das behaupten vermutlich alle Autorinnen).
Mich spornt das an, mich weiterhin mit gesunder Kost zu beschäftigen. Inzwischen bin ich davon überzeugt, daß ein erhöhter Rohkostanteil mir guttut. Ich glaube ja, daß der Körper über eine ureigene Weisheit verfügt, die wir oft einfach gar nicht mehr wahrnehmen, teilweise weil wir ihm mit minderwertiger Kost aus denaturalisiertem Zeug (Weißmehl, Zucker, Nahrungsmittelkonzentrate, …) wörtlich das Maul stopfen, teilweise weil wir vielleicht nie gelernt haben, seine Stimme wahrzunehmen (durch Erziehung, Konditionierung, Medien, …) und teilweise weil wir vielleicht auch Angst haben, mit ihm in Kontakt zu treten. Das Verrückte an uns Menschen ist ja, daß wir ziemlich oft Dinge tun, von denen wir wissen, daß sie uns schaden – da ist es dann einfacher, die Wahrnehmung der Körperweisheit als irre abzutun, anstatt ihr zu lauschen. Jedenfalls sagt mein Körper mir seit ein paar Wochen ganz deutlich, daß er kein Brot möchte, sondern Obst, Gemüse, Grünzeug. In den meisten Fällen koche ich das Gemüse, manchmal auch das Obst (z.B. in Crumbles oder Kompotten). Warum eigentlich? Weil ich das so gelernt habe, von kleinauf. Weil ich mit vielen gekochten Speisen Erinnerungen verbinde, die ich mag oder die mir guttun. Weil mich so manche gekochte / gebackene Speise tröstet. Nahrung ist ja so viel mehr als bloße Aufnahme von Vital- und Nährstoffen, sie hat einen großen psychosozialen Aspekt. Gerade für Menschen, die mit anderen zusammenleben, die sich eine Rohkosternährung nicht vorstellen können.
Rohkosternährung kitzelt mich gerade total. Vielleicht auch deswegen, weil ich mir eine 100%ige Umstellung auf roh einfach nicht vorstellen kann. Wieso blockiere ich da so? Wieso kriege ich das nicht hin? Will ich das überhaupt hinkriegen um der Rohkost willen oder weil ich das als Herausforderung ansehe? Argh.
Victoria Boutenko schreibt in ihrem Buch, daß es ein paar Dinge gibt, die die Umstellung auf roh wirklich erschweren – an erster Stelle nennt sie direkt die Abhängigkeit von anderen und Behinderung. Zoink, da hat sie bei mir ins Schwarze getroffen. Ich bin nicht mehr so behindert, daß ich bettlägerig wäre oder mich füttern lassen müßte, aber wenn roh, dann bitte richtig – und das heißt für mich: mit viel wildem Grün. Wie soll ich wildes Grün sammeln? An den Wochenenden, wenn mein Mann mich samt Rolli einladen und in den Wald oder die Felder bringen kann, ist das kein Problem und dann genieße ich die frische Luft und die Wildkräuter. Aber in der Woche, wenn die Männer spät am Abend heimkommen? Das ist schlicht nicht möglich. Und mit dem Rolli kann ich auch nicht querfeldein / querwaldein, sondern muß immer auf den Wegen bleiben. Und welche mal versucht hat, sich aus dem Rolli zu einem bodennah wachsendem Kraut runterzubeugen, hat wahrscheinlich auch schon die Vorzüge einer Rückenverknacksung erleben dürfen. Eine Möglichkeit, an wildes Grün zu kommen, ist jedenfalls der eigene Garten. Da soll auf jeden Fall viel Grünzeug angebaut werden bzw. wachsen dürfen (einiges ist schon vorhanden, z.B. Löwenzahn, Brennessel, Himbeerhecke, Erdbeeren, …), an das ich dann auch einfach herankomme. Eine andere Möglichkeit besteht für mich in “Kulturgrün”, also angebauten Kräutern, Salaten und Kohlsorten. Die kann mir mein Mann auf dem Heimweg im Hofladen holen und ich kann daraus meine Rohkost machen.
Ein Aspekt, der mich auch immer etwas traurig stimmt, ist die Sache mit der Bewegung. Viele Rohköstler, gerade solche, die viel wildes Grün essen, schwören auf Bewegung und Training. Hach ja. Ich habe früher Leistungssport gemacht, vier- bis fünfmal die Woche trainiert. Heute radle ich ein bißchen auf meinem Behindi-Hometrainer. Ich will das gar nicht schmälern, denn das Radeln tut mir sehr gut, doch es ist eben was ganz anderes als der schweißtreibende Sport, der mich so gefordert hat. Als Behinderte ein Fitness-Studio zu finden, wo es Maschinen gibt, die auf meine Bedürfnisse passen, ist schlicht unmöglich. Meistens scheitert es schon an den Umkleiden und den Duschen, dazu dann noch meine großflächigen Transplantate, die das Benutzen bestimmter Maschinen nicht zulasssen – und Ende. Es fehlt mir, lange Spaziergänge zu machen, das habe ich früher echt geliebt. Ich hatte auch nie das Problem, mich nicht aufraffen zu können. Ganz im Gegenteil, ich habe immer mit den Füßen gescharrt, bis ich endlich zum Sport konnte. Wodurch soll ich fehlende körperliche Fähigkeiten ersetzen? Bisher fällt mir dazu nix ein.





















