Archiv: Donnerstag, 13. Oktober 2011
:: Immer noch nicht so roh ::
Schon seit Anfang des Jahres beschäftige ich mich intensiv mit Rohkost. Oder nein, eigentlich beschäftigt sie sich mit mir, jedenfalls gibt sie partout keine Ruhe
Ich hatte meine Gedanken schon mal hier und hier formuliert. Beim Durchlesen dieser meiner älteren Blogeinträge habe ich bemerkt, daß ich teilweise ein wenig weitergekommen bin, was meine Zweifel angeht, teilweise aber immer noch arge Schwierigkeiten mit diesem “Reinigungs- und Erleuchtungsgedanken” habe.
Regelmäßig wird von Rohkostgegnerinnen angeführt, daß es Mumpitz sei, sich rohköstlich zu ernähren, weil dazu auch tropische Früchte wichtig sind, die eben um die halbe Welt geflogen werden müssen, um hier verspeist zu werden. Ich persönlich sehe das so: (Roh)Veganerinnen hinterlassen per se einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck als Omnivorinnen, weswegen es mir so vorkommt, als würde von (Roh)Veganerinnen mal wieder erwartet, päpstlicher…..äh….genauer zu sein als alle anderen. Habe noch nie eine Omnivorin getroffen, die völlig am Boden zerstört war, weil durch ihren Fleisch-, Ei- und Milchkonsum wertvolle Anbauflächen mit Viehfutter besetzt werden oder weil Massentierhaltungsbetriebe das Grundwasser verschmutzen. Wieso sollen (Roh)Veganerinnen dann nicht tropische Früchte essen, die vom anderen Ende der Welt kommen, wo ihr ökologischer Fußabdruck damit immer noch kleiner ist als der von Omnivorinnen?
Inzwischen kann ich mir vorstellen, daß Rohkost eine zu nähren vermag, vorausgesetzt frau betreibt sie planvoll und durchdacht. Ich habe also in letzter Zeit versucht, noch mehr Rohkost zu mir zu nehmen. Das Zubereiten macht immer viel Freude. Vielleicht ist es so, daß frau, wenn sie schon länger rohköstlich lebt, das Zubereiten als “Ritual” aus der Kochkostzeit nicht mehr braucht, aber ich brauche und will es. Tja, aber die Ergebnisse…oh mei. Neulich habe ich mir Zucchini-Spaghetti gemacht (Zucchini in sehr feine Streifen gehobelt), dazu eine rohe Tomatensauce. Ich habe das schlicht nicht runterbekommen. Die Tomatensauce war an sich lecker und schön würzig, aber die Farbe…uah! Trotz Zitronensaft wurde die Sauce zu einer grauen Matschepampe. Und die rohen Zucchini waren ganz schlimm. Tatsächlich so schlimm, daß sie mir immer wieder hochkamen und nachts um 4 schließlich wieder vom Magen ausgeworfen wurden. Nicht so erfolgreich, dieser Versuch. Ich habe absichtlich Zutaten verwendet, die ich sehr mag, und Tomaten esse ich gern roh. Aber das war so eklig, daß ich erstmal von rohen Zucchini kuriert bin. Woran liegt das? Ich habe keine Ahnung.
Dann habe ich mir neulich einen Smoothie mit viel Löwenzahn, einem halben Apfel, Wasser und drei tiefgekühlten Erdbeeren gemacht. Die Farbe war auch wieder unsäglich, so ne Mischung zwischen “Gilb” und “Grauschleier”. Geschmacklich war’s aber ok, wenn auch nicht lecker. Ich weiß, ich weiß. Wir Kochköstlerinnen haben uns durch das Kochen der Nahrung die Geschmackspapillen ruiniert und finden Rohkost deswegen (und nur am Anfang) nicht so lecker, doch wenn wir damit weitermachen, werden wir sie eines Tages lieben. Mir leuchtet nur noch nicht ein, wieso ich mit etwas weitermachen sollte, das mir lange Zähne beschert….ähem.
Rohkosttorten finde ich super. Durch die enthaltenen Nüsse / Kerne sind sie halt Kalorienbomben und mehr als ein Stück kriege ich in der Regel auch nicht runter, aber mit ihnen ist für mich eine positive Erfahrung verbunden. Hatte schon den Gedanken, über den Obstverzehr einen Einstieg in die Rohkost zu kriegen, aber ganz ehrlich: nur Obst essen, und selbst wenn’s nur für zwei Tage wär, das bring ich nicht über die Lippen.
Wieso läßt mich das Thema Rohkost trotz dieser immer wieder frustrierenden Erfahrungen nicht los? Ich glaube, das hat was mit dem Gefühl zu tun, es nicht zu schaffen. Mich kitzelt das. Es fordert mich heraus. Vielleicht ist das ja auch schlicht die falsche Motivation, der falsche Grund für Rohkost. Wenn ich in der Tiefe meines Herzens davon überzeugt wäre, das vegane Vollwertkochkost, wie ich sie betreibe, schlecht für mich sei, dann würde ich sicherlich problemlos zur Rohkost umschwenken können. Aber das Gefühl habe ich eben nicht. Viele Erfahrungsberichte von anderen Rohköstlerinnen beinhalten den Aspekt, daß sie krank waren, sich unwohl fühlten, Allergien / Verdauungsprobleme hatten etc., und deswegen zur Rohkost kamen. Das halte ich für eine starke Motivation.
Die Beschäftigung mit Rohkost hat bei mir dennoch was Positives gebracht: ich befasse mich mehr mit dem Verzehr von Getreide. Die meisten Rohkostrichtungen lehnen ebendiesen ab, meist mit dem Argument, daß Getreide allerlei Allergene (z.B. Gluten) enthält und beim Erhitzen krebserregende Stoffe wie z.B. Acrylamid entwickelt. Tatsächlich empfinde ich seit ein paar Wochen wachsende Unlust auf Getreide. Das finde ich definitiv spannend und will das mal weiter beobachten, wo Getreide doch bisher ein essentieller Bestandteil meiner Ernährung war.
:: Apfelernte ::
…habe ich diese Kulturtasche genannt.
Ich bin mir noch nicht so sicher, ob sie demnächst in einem Wanderpaket mitreisen oder bei mir bleiben darf

