Archiv: September 2011
:: Herbstwichteln ::
Im PQF gab es ein Herbstwichteln, an dem ich als Herbstfrau natürlich teilnehmen mußte
Von Fliegenpilzchen habe ich die folgenden Dinge bekommen:
ein rundes Kissen, eine Erbeere (ein auffaltbarer Einkaufsbeutel), ein FQ, eine Eule aus Naturmaterialien, eine liebe Karte und drei Fliegenpilz-Wäscheklammern. Ich habe mich riesig gefreut und danke Dir ganz herzlich
So ein rundes Kissen wollte ich schon ganz lange haben
Für meine Wichteline habe ich eine Kulturtasche in Indian Summer Farben genäht; dazu gab es einen FQ und ein Glas Pfirsichmarmelade aus Früchten aus unserer Region. Ich hoffe, es hat ihr geflalen (und genial, wie ich nunmal bin, habe ich mal wieder kein Bild gemacht).
:: Vegane Salzig- & Süßigkeiten ::
Im Grunde meines Herzens bin ich eine Salzige. Ich liebe salziges, scharfes Knabberzeug wie Chips, geröstete und gesalzene Nüsse und sowas. Schokolade und anderes Zuckeriges esse ich nur selten und wenn, dann phasenweise. Als Veganerin ist es teilweise gar nicht so einfach, Knabberzeug (süß und salzig) zu finden, wenngleich es inzwischen natürlich auch einen Markt speziell für vegane Schoki und Gebäcke gibt. Ich habe gedacht, ich liste einfach mal die Sachen auf, die ich gern futtere, und ich würde es toll finden, wenn andere Veganerinnen das auf ihren Blogs auch tun würden.
Here we go:
- Tyrrell’s Chips Sea Salt & Cider Vinegar. Die allerbesten Essigchips, wo gibt
- Kettle Chips Sea Salt And Balsamic Vinegar. Der Balsamessig verleiht den Chips eine leicht süße Note. Süßer jedenfalls als die von Tyrrell
- Kettle Chips Jalapeno Chilli. Schon ganz nett scharf
- Aldi Süd: Thai Curry Style Chips. Könnten meiner Ansicht nach noch deutlich schärfer sein, aber definitiv lecker
- ebenfalls Aldi Süd: geröstete Erdnüsse mit schwarzem Pfeffer und geröstete Cashew-Kerne mit Salz
- Rewe (nicht in jedem Markt vorhanden): XOX / Pommes mit Ketchup. Sehen aus wie Pommes und schmecken auch so
- “Biobis”-Kekse von Pural (erhältlich in Bio-Supermärkten oder im Versandhandel). Gibt’s in verschiedenen Sorten, aber meine liebste ist Schoko. Schmecken definitiv wie die Doppelkekse meiner Kindheit
- Hussel: Geleebananen und Marzipankartoffeln. Letztere gehören für mich zum Herbst dazu
- Türkisch Pfeffer Lakritzbonbons aus Dänemark (Erwachsenenlakritz). Mit Salmiak gefüllt. Meiner Ansicht nach die besten Salmiaklaktritzbonbons der Welt
- die Schokolade von Sweet William. Für mich die allerbeste vegane Schoki, die es gibt, weil zartschmelzend und “nah dran”
- Schoko-Hafer-Gebäck von Gille (gibt’s bei Real). Schön knusprig, schokoladig und nicht so süß
:: Veränderungen ::
Mit dem Abschied von unserem Mietshaus sind enorme Veränderungen in Gang gekommen. Der Umzug hat es nötig gemacht, daß sich etwas bewegt. Daß ich mich bewege.
Mit einigen Dingen hier in unserem Haus komme ich nicht klar. Oder besser: noch nicht klar. Durch lange Gespräche kristallisieren sich nach und nach Lösungen heraus, die teilweise schon jetzt, teilweise erst in ein paar Jahren umgesetzt werden können. Wenn das liebe Geld nicht wär, hach ja. Und so kommt es, daß meine Männer mir in letzter Zeit öfter mal Möbel rumschleppen, Tische verrücken, Sofas auseinandernehmen, Rolladenkästen aufschrauben, Regale umstellen und einiges mehr. Ich probiere aus, was am besten zu mir paßt. Zuletzt habe ich jetzt rausgefunden, daß ein Wohnzimmer ohne direktes Tageslicht einen großen Vorteil besitzt, den ich vorher gar nicht erkannt habe und jetzt für mich nutze. Und wenn alle Räume renoviert und fertig sind, dann kann ich auch endlich dekorieren und für mehr Gemütlichkeit sorgen. Vermutlich komme ich so langsam wirklich hier an.
Seit wir hier leben, bin ich aktiver geworden. Vielleicht hängt das auch mit dem Gefühl von “soll das alles sein?!” zusammen, das ich vermutlich durch den passiv mit Warten verbrachten Sommer habe – ich war mit Kind und ohne Auto daheim, während die Männer renoviert haben. Sommer verpaßt, schade aber auch. In Waghäusel bin ich nicht besonders oft rausgekommen, hatte aber auch nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Hier ist es anders. Mein Mann, der mich mein halbes Leben lang kennt, reagiert sehr sensibel darauf und so kommt es, daß ich derzeit mehrmals wöchentlich unterwegs bin: einkaufen, Bibliothek, spazieren. Wir haben auch nach einer Lösung für mein Problem mit dem Autofahren gesucht, ohne einer Firma, die sich auf behindertengerechte Fahrzeugumbauten spezialisiert hat, 4000 € in den Rachen zu werfen. Ob diese Lösung funktioniert, werde ich erst in ein paar Wochen wissen. Ich hoffe es. Nein, ich bete darum. Wenn ich endlich selbst fahren könnte, wäre ich doch deutlich selbstbestimmter in puncto Wegwahl.
Aktiver bin ich auch in einer anderen Hinsicht. Ich koche wieder mehr. In Waghäusel hatten wir eine schier riesige Küche, locker 10 Meter lang. “Mal eben was kochen” ging da gar nicht. Alles war so eingerichtet, daß die Wege großzügig waren. Zumindest für fußfitte Menschen. Für mich waren sie kaum zu schaffen, wo es beim Kochen doch oft hin und her geht. Jetzt ist es anders. Und so stehe ich…nein, sitze ich wieder öfter am Herd, überlege mir neue Rezepte, probiere rum und erfreue mich an meiner wiedergewonnenen Küchenkreativität. Habe bis heute nicht verstanden, wieso Küchenhexen in paganen Kreisen so abschätzig belächelt werden.
Veränderung brachte dann auch noch eine Erkenntnis, die mich bis ins Mark erschüttert hat: ich, die ich nicht vor Mammutprojekten zurückschrecke, die ich ausdauernd und nachhaltig arbeite – ich habe in einer Hinsicht keinerlei Durchhaltevermögen. Und das in einem Bereich, in dem ich mich für echt gut halte. Jetzt will ich mir selbst was beweisen und arbeite jeden Tag ein bißchen an meinem neuen Projekt. Wäre ja gelacht.
Was sich eher nachteilig verändert hat, ist die Sache mit dem Nähen. Habe zur Zeit eine massive Ladehemmung, die sich darin äußert, daß ich meist keine Lust oder alternativ keine Ideen habe. Woran das liegt, weiß ich nicht so genau, aber ich hoffe, daß sich das wieder ändert, denn eiiiigentlich fehlt’s mir schon.
:: Indirekte Werbung hier auf meinem Blog ::
In letzter Zeit erhalte ich zunehmend Kommentare – übrigens immer sehr höflich und themenbezogen -, die mit Links zu kommerziellen Seiten verknüpft sind. In der Vergangenheit habe ich ein paar solcher Kommentare freigeschaltet, bis sie sich nun eben häuften.
Falls ich Shops, Produkte etc. so gut finde, daß ich sie einer Erwähnung wert erachte, dann werde ich sie selbst verlinken, wie ich es auch schon tat. Kommentare zu Werbezwecken zu verfassen, finde ich ein Unding, weswegen ich solche in Zukunft als Spam betrachten und sie ausnahmslos löschen werde.
:: WochenendRückblick ::
[Wetter] Supersonnig. Goldener Herbst!
[Gemacht] Geburtstag gefeiert, und zwar absent. Mein Mann und ich haben einen Tagesausflug gemacht, tausend neue Eindrücke gewonnen, tolle Gespräche gehabt, oberlecker vegan gegessen, Pläne geschmiedet und falsch abgebogen.
[Gehört] Ein bißchen Hörbuch: “Der gehetzte Uhrmacher” von Jeffery Deaver.
[Gelesen] Auch Jeffery Deaver: “Der Knochenjäger”. Krüppel ham’s halt doch drauf.
[Getrunken] Viel, viel Wasser.
[Gegessen] Zwiebelkuchen mit rotem Bitzler. Pfifferlinge in Weinrahm mit Pellkartoffeln. Ausgiebig gespätstückt mit selbstgemachten Aufstrichen.
[Gedacht] Wir waren in der Pfalz unterwegs. Auf vielen Feldern liegen Kürbisse, die dort verrotten bzw. untergepflügt werden, weil sie “zu klein”, “zu unansehnlich” oder eben nicht “EU-Norm-entsprechend” sind. Bin mit der Bäuerin, bei der wir unser Obst immer kaufen, ins Gespräch gekommen. Sie sagt, es ist eine Schande, wie viel sie pro Jahr wegwerfen und vernichten müssen. In diesem Jahr sind z.B. die Kartoffeln riesig geworden, weil sich Sonne und Regen immer abgewechselt haben, und niemand will diese Kartoffeln. Also werden sie vernichtet. Und so ist es mit allem, was sie anbauen: Äpfel, Birnen, Blaubeeren, Mirabellen, Walnüsse, Maronen, Himbeeren und und und. Mit dem, was einfach in die Tonne gekloppt wird, könnte frau ein halbes Dorf ernähren, sagt sie. Sie macht es traurig, mich macht es wütend. Ich habe einen Vorsatz gefaßt: ich werde die Landwirte hier im Ort anquatschen und sie fragen, ob ich mir das, was sie auf dem Feld lassen, holen darf. Nicht aus Armut, sondern aus ethischen Gründen. Es ist doch pervers, so viel gute Nahrung vergammeln zu lassen. Gleichzeitig kamen uns heute auf dem Rückweg mehrere Kolonnen Polizeifahrzeuge entgegen, die ihren Einsatz in Freiburg (Papstbesuch) beendet haben und nach Hause fahren. In den 10 min. auf der Autobahn haben wir mehr als 50 Polizeifahrzeuge gezählt. Das macht mich auch sauer. So viel Geld wird verschwendet, weil dieser alte Mann in Frauenkleidern zu Besuch kommt. Mit diesem Geld hätte so viel Gutes, Sinnvolles geschaffen werden können, aber nein, es wird verpulvert für so einen Quatsch. Hm. Eigentlich gehört beides auch in die [Geärgert]-Ecke.
[Gelacht] Viel und von Herzen.
[Gefreut] Über drei schöne, sonnige Tage in Folge. Das tat gut! Und über total liebe Geburtstagspost, die Distanzen überwindet.
[Geärgert] s.o.
[Gelernt] Ich brauche andere Horizonte.
[Gekauft] Maronen, Walnüsse, Äpfel, Birnen. Und ne Fährfahrkarte.
[Spirituelles] Mabon im Geiste: in Fülle geschwelgt, geldfrei.
[Und sonst so?] Kopfschmerzen, leider.
[Ausblick auf die nächste Woche] Erstmal ausruhen. Und wieder ans Nähen kommen. So richtig, meine ich.
:: Zwischen Schneckenhaus und Birnbaum ::
Ah, der Herbst. Jetzt isser da, da hilft’s sich nix. Mittags träume ich noch von Sommerhitze, abends von Ofenglut. Es geht nach innen, sagen die roten Beeten, die so herrlich erdig schmecken und meine Zunge blutrot färben. Es geht nach innen, sagen auch die Spinnen, die den Altweibersommer in meinen Garten tragen. Überhaupt, das Landleben ist ein Leben geteilt mit Insekten. Daran muß ich mich noch gewöhnen. Es ist auch ein Leben zwischen Schneckenhaus und Birnbaum, wo wir handflächengroße Weinbergschnecken im Garten haben und die Birnen zu Hunderten fallen und ihren mostigen, süßen Atem aushauchen. Fallobst. Fallobst vergeht spiralig, die Schimmelpilze spiralisieren es aus der Existenz.
Ich hab meinen Berg besucht und ihm zugehört. Jetzt bringt er noch einmal frische Kräuter hervor, junge Nesseln, Spitzwegerich, Schafgarbe, Habichtskraut. Direkt daneben liegen reife Walnüsse und Haselnüsse, die die anderen Spaziergängerinnen nicht wollen. Ich bücke mich danach. Und nasche Sanddorn vom Strauch.
Was nehme ich diesmal mit in die Dunkelheit? Wovon lasse ich mich durch den dunklen Mutterschoß tragen? Ich weiß es noch nicht so genau. Muß noch ein bißchen sammeln.
:: HerbstTasche ::
Nachdem 2009 und 2010 ausgesprochene Taschen-Jahre für mich waren, in denen ich mir im Durchschnitt alle vier Wochen eine neue genäht habe, habe ich 2011 bisher keine einzige für mich gemacht (tatsächlich habe ich mir meine letzte Tasche im vergangenen September zum Geburtstag geschenkt *g*). Jetzt gab es bei meinem Patchworkhändler sooo tollen, herbstlichen Stoff, daß ich schwach geworden bin und der Versuchung nachgegeben habe.
Gefertigt nach meinem Lieblingsschnitt. Wenn sie da so am Schrank hängt, sieht sie länger aus, als sie eigentlich ist, denn die untersten 15 cm gehören zum Scheinboden
Insgesamt ist ihre Form halt nicht so länglich, sondern kompakt und kuschelig.
Hach, ich finde sie total toll
P.S.: auf dem Button steht “I think therefore I am vegan”.
:: WochenendRückblick ::
[Wetter] Herbstlich kühl mit Regen und Sonne. Eindeutig Strickjackenwetter!
[Gemacht] Über unseren samstäglichen Stadtgang habe ich ja schon gebloggt
Ansonsten viel rumgeräumt, Seitansalami gemacht, lieben Besuch gehabt, geschrieben.
[Gehört] Einen aufgeregten Schwarm Stare, der ein Mordsspektakel verantstaltet hat – klasse
Außerdem ein klasse Video zum Erlernen von Obertongesang. Liiiiiiiööööööööööooooooouuuuu!
[Gelesen] Dafür hatte ich leider gar keine Zeit.
[Getrunken] Schoko-Zimt-Tee, Quasselwasser und definitiv zu wenig Darjeeling
[Gegessen] Gefüllte Weinblätter – in die könnte ich mich gerade reinlegen. Currysuppe. Kürbis mit Bratkartoffeln. Zwetschgenkuchen mit Streuseln. Yummy!
[Gedacht] Ich glaube, es ist an der Zeit, mal wieder in die Sauna zu gehen. Habe mich jahrelang nicht getraut, erst aus Angst um die Transplantate, dann aus Furcht vor den Reaktionen der anderen Saunagängerinnen. Ich denke, ich bin jetzt soweit.
[Gelacht] Es gibt ja nichts Blöderes, als Witze zu erklären, darum schreibe ich nur mal “der Rest ist eßbar”. Muhahaha!
[Gefreut] Über Ivys Zutraulichkeit; darüber, daß ich ein Projekt endlich mal in Angriff genommen habe (das Binding näh ich heute oder morgen dran, dann zeig ich es her); über unsere guten Heizungen. Ich liebe Wärme!
[Geärgert] Über verpeilte Menschen im Shoppingrausch.
[Gelernt] Es ist schmerzhaft, Konditionierungen in Frage zu stellen und zu durchbrechen. Aber noch schmerzhafter, in ihnen zu verharren.
[Gekauft] Schuhe für meinen Mann. Rote Beete. Dahlien.
[Spirituelles] Ich habe endlich meinen Altar geschmückt, der jetzt eine ganze Weile eine Ablagefläche für Schrauben und anderen Montagekram war. Mein Zimmer fühlt sich dadurch direkt anders an
[Und sonst so?] Ich bin glücklich ohne Haare.
[Ausblick auf die nächste Woche] Geburtstag
:: Ich hab genug ::
Gestern waren mein Mann und ich in der Karlsruher Innenstadt. An einem Samstag shoppen zu gehen, ist entweder Wahnsinn oder aber, wie in unserem Fall, einer echten Notwendigkeit geschuldet (des Mannes Schuhe haben einen Riß bekommen und daher brauchte er direkt neue). Da ich immer noch auf der Suche nach einem Geschenk zu meinem Geburtstag war, wollte ich direkt mal schauen, ob ich etwas finde.
Die Stadt war voll, wie nicht anders zu erwarten, aber was mich wirklich erst irritiert, dann belustigt und zum Schluß wütend gemacht hat, ist die Verpeiltheit der Menschen. Wieso denken die, ein Rolli sei ein Raupenfahrzeug, das mal eben zur Seite springen kann, wenn sie keinen Bock haben, auszuweichen? Ralle ich nicht. Ich ralle es vor allem deswegen nicht, weil einer doch eigentlich der gesunde Menschenverstand sagt, daß es garantiert wehtun wird, wenn ich einem fahrenden Rollstuhl in die Räder oder vor’s Trittbrett renne. Oder nicht? Oder wie? Dazu muß ich sagen, daß mein Mann mich gestern gefahren hat (kann meine Steuerung mit wenigen Handgriffen umbauen), und daß er ein sehr netter Mensch ist, der anders als seine renitente Frau immer direkt die Finger vom Gas nimmt, wenn jemand quer zum Rolli latscht. Ähem. Eine ziemlich unschöne Situation gab es in einem Schreibwarenladen, wo wir – wie gefühlte hundert andere Eltern auch – Schulkram kaufen wollten. Ich stand vor dem Regal mit den Heften und fischte die benötigten heraus, als zwei Frauen hinter mir auftauchten. Die eine fragte die andere, wieso sie denn nicht direkt die Hefte holen würde, und die andere deutete mit einer sehr abfälligen, unwirschen Geste auf mich, die deutlich und vorwurfsvoll incl. Augenverdrehen sagte “die Rollstuhltante ist ja im Weg!”. Hab gar nicht wirklich überlegt, sondern direkt was zurückgeschossen. Ich glaub, da lag dann mal der gesammelte Frust des Tages drin. Andererseits passiert es ziemlich oft, daß Leute genervt auf den Rollstuhl reagieren, gerade so, als säße ich nur darin, um ihnen Platzmangel zu bescheren oder den Weg zu versperren. Mir fällt es, obwohl ich das inzwischen zur Genüge kenne, sehr schwer, in diesen Situationen cool zu bleiben. Vielleicht hat das auch was mit meinem Selbstbild zu tun. Ja, mein Körper ist behindert, aber ich empfinde mich in jeder anderen Hinsicht total fit und auf Draht, und wenn ich dann wie ein Sack Mehl behandelt werde, wie ein unnützes, lästiges Hindernis, dann tut das einfach weh. Meine Reaktion darauf ist tagesformabhängig. Mir selbst ist es lieber, ich knalle denjenigen, die mich verletzen, was vor den Kopf, als daß ich mich später heulend unter meine Bettdecke verkrieche. Bis hierher war’s für mich ein langer, schmerzafter Lernprozeß. Ich muß nicht nett sein, bloß weil ich im Rollstuhl sitze.
Ahm ja, das ist jetzt doch ein bissel mehr geworden, aber das Thema kommt leider immer wieder auf. Soviel zur vielbeschworenen Integration Behinderter.
Nachdem mein Mann ein Paar Schuhe gefunden hatte, sind wir dann allmählich zum Auto zurückgefahren, wobei ich weiterhin nach einem potentiellen Geburtstagsgeschenk Ausschau hielt. Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hat, wir gehen in die Stadt, Du kannst Dir ein Geschenk aussuchen, wäre ich in der Fußgängerzone maximal 100 Meter weit gekommen. Gestern schaffte ich es bis zum Auto und nach Hause zurück, ohne Geschenk. Ich habe schlicht nichts gefunden. Ich habe genug Bücher, CDs, DVDs. Ich brauche keinen Schmuck, keine Klamotten, kein Parfum, keine Haushaltswaren. Dekokram habe ich genug und ich bezweifle, daß ich in der City was gefunden hätte, das mir gefallen hätte. Technikspielzeug mag ich nicht, Brettspiele habe ich auch genug. Und der Knaller: sogar Stoffe, Supplies und Patchworkbücher habe ich genug! (Meine Männer wollten den Tag, da ich das sage, direkt rot im Kalender markieren *lol*).
Für mich paßt das Gefühl von “ich brauche nichts, ich habe genug” total in diese Zeit. Durch den Umzug war und bin ich ja immer wieder damit konfrontiert, daß ich finde, sogar mehr als genug zu besitzen und eigentlich mit sehr viel weniger auszukommen. In den letzten Wochen habe ich mich von vielen Dingen getrennt und bin immer noch dabei (es sind auch noch ziemlich viele Umzugskisten vorhanden, die durchgesehen werden wollen). Gleichsam weigere ich mich, Geld für Dinge auszugeben, die ich mit wenig Aufwand selbermachen oder auf anderem Weg günstiger bekommen kann. Das hat übrigens nichts mit Schnäppchenjägerei oder Geiz zu tun (denn ich finde Geiz nicht geil, sondern eine schlechte Charaktereigenschaft), sondern eher damit, mich selbst zu ermächtigen. Konsum erzeugt Mangel, auch an Fertigkeiten und Fähigkeiten, und ich spüre, daß ich gerade guten Kontakt zu meinem eigenen Potential bekomme. Aus den vorhandenen Ressourcen etwas Neues machen, das ist gerade so mein Ding. Habe z.B. aus einer alten Wimpelkette, für die im neuen Haus kein Platz ist, kleine Gardinen für die Küchentür gemacht, und aus den alten Brettern vom Ex-Sandkasten wurde eine stabile Schaukel für das Kind. Das gefällt mir. Und es reduziert den Müllberg. Und die Haushaltskasse mag’s auch.
Abends habe ich mir dann den Rasierer geschnappt und mir die Haare abrasiert. Ich trage sie schon seit einer Weile kurz, hatte jetzt aber das Gefühl, sie sollten ganz ab. Es heißt, Haare seien ein Stück Identität, und das denke ich auch. Wenn ich sie einfach so loslassen kann, paßt das ebenfalls zu meiner Einschätzung, im Moment nicht so viel zu brauchen – irgendwie.
Ich hab genug. Alles im Lot.
:: BärlauchQuilt fertig! ::
Es ist schon komisch. Manche Projekte gehen mir ganz leicht von der Hand, auch wenn sie fisselig, aufwendig und nervenaufreibend sind. Andere – oft sogar die einfachsten – brauchen ewig, bis sie vom Traum in die Existenz kommen. So war es auch mit meinem Bärlauchquilt. Seit Jahr und Tag wartete er darauf, vollendet zu werden. Erst schlummerten die Stoffe ewig im Schrank herum, als sie dann endlich geschnitten waren, dümpelten die Patches in einer meiner Projektkisten, bis ich dachte, ich kriege diesen Quilt einfach niemals fertig.
Im Mai hatte ich es dann endlich geschafft, das Top fertigzustellen. Der Entschluß, diesen Quilt professionell quilten zu lassen, hatte mir Auftrieb gegeben. Ich weiß, daß viele Quilterinnen finden, daß es dann nicht so ganz der eigene Quilt ist, wenn frau es machen läßt, aber die ganzen anderen Arbeiten, die ich selbst gequiltet habe, empfinde ich nicht unbedingt als Ultimo an Präzision, was schlicht daran liegt, daß so ein großer Kuschelquilt eine Dimension und ein Gewicht hat, welche ich einfach nicht stemmen kann.
Gestern konnte ich meinen fertigen Quilt von der Post abholen. Und ich bin absolut von den Socken! Die tolle Arbeit von Brigitte Heitland hat aus meinem schlichten Top einen herrlichen Quilt gemacht. Und schön kuschelig ist er auch, da ich Damastbaumwolle für die Rückseite und ein Baumwollvlies als Einlage verwendet habe.
Im Moment habe ich einen Quilt in Arbeit, den ich nach dieser Methode als Quilt-as-you-go nähen will, aber künftige Projekte würde ich jederzeit wieder quilten lassen.



