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:: Notes on Facebook ::

Vor ein paar Tagen habe ich mich entgegen all meiner Beteuerungen, ich würde mich nie bei Facebook anmelden, doch dort angemeldet. Mein investigativer Grund: ich wollte rausfinden, wieso so ein Hype um diese Plattform gemacht wird.

Im Vorfeld hatten mich einige Bekanntinnen gewarnt: FB soll süchtig machen. Frau kommt vom Hundersten in Tausendste, überall locken Links und Bilder, Du kannst Zeug teilen und gut finden (wieso kann ich eigentlich nix Kacke finden?), Spiele spielen und bist immer up to date, was Deine Freunde gerade so machen oder ihrerseits gutfinden. Okay. Nachdem ich es nicht mal geschafft habe, eine ernsthafte Nikotin-, Koffein- oder Morphinsucht zu entwickeln, dachte ich, ich gebe FB mal eine Chance.

Die Anmeldung dauerte zwei Minuten, aber da hörte die Einfachheit auf. Auch nach mehr als einer Woche habe ich den ganzen Kram noch nicht durchschaut. Ich kann nicht von jeder Seite aus auf meine Pinnwand zugreifen. Ich finde keine Gruppen. Und mir leuchtet immer noch ein, wozu Facebook eigentlich tatsächlich gut sein soll.

Facebook fragt nach sensiblen Informationen. Jut, welche Musik ich höre, welche Bücher ich mag, welche Themengebiete “meine” sind, das erfährt frau auch hier auf meinem Blog. Im Internet bin ich nicht schwer zu finden, ich hab Spuren hinterlassen. Viele Spuren, die ich heute so nicht mehr hinterlassen würde, aber okay, das ist nunmal so. Was mich aber echt nervt, sind Fragen nach meiner Ausbildung, meinen Schulen, meinem Arbeitgeber. Wieso zum Geier sollte ich der anonymen Masse sowas mitteilen? Mit solchen Dingen mache ich mich angreifbar. In den Medien wallt immer mal wieder die Diskussion über die “gläserne Bürgerin” auf – dabei machen wir uns doch durch solche Plattformen selbst dazu. Völlig schizophren.

Ich glotze auf den Monitor meines Laptops und lese, daß eine entfernte Bekannte von mir gerade Kaffee trinkt. Und es gibt echt Leute, die das mit “gefällt mir” bewerten. Sogar 19 an der Zahl. Ich glotze nochmal hin und finde das erst befremdlich, dann beknackt und dann muß ich lachen. Finde nur ich das absurd? Vielleicht habe ich ja auch noch nicht den nötigen “Pulp”-Filter gefunden, um die Meldungen bei Facebook zu filtern, während sie auf mein Hirn einprasseln, aber ich empfinde es so, daß mir dieser Schrott die Kanäle verstopft. Vielleicht ist es aber auch so, daß uns das Facebookformat zu willigen Spammerinnen macht, die das Internet und ihre imaginären Freunde mit Belanglosigkeiten zuquatschen, weil wir Angst davor haben, daß uns gar niemand mehr zuhört. Ich weiß es nicht.

In meinen wenigen Tagen mit wirklich wenigen Minuten auf Facebook habe ich schon 16 “Freunde” gesammelt. Mein Mann, der bereits deutlich länger bei FB ist, findet das kurios – ich übrigens auch. Sechzehn Freunde habe ich also, aha. Wo sind denn diese Freunde mein, wo wir gerade einen höllisch stressigen Umzug samt Renovierung und Wasserschaden zu managen haben, was mit behinderter Mama und Kind in den Sommerferien echt n Stück Arbeit bedeutet – genaugenommen bis zu dem Punkt, wo auch Schmerzmittel nicht mehr wirken. Hat einer meiner “Freunde” gefragt, ob er mir das Kind mal für zwei Stunden abnehmen, was für uns kochen, nen Karton schleppen oder sonstwie helfen kann? Die Antwort ist der Kracher: nein. Sechzehn Freunde, aber keiner da. Ich hab Verständnis dafür, die müssen ja schließlich alle bei Facebook rumgurken und Kaffee trinken, da bleibt für reale Freundschaftspflege nicht soviel Zeit. Nicht einen von ihnen habe ich binnen der letzten zwölf Monate zu Gesicht bekommen.

Facebook ist insofern für mich eine Gaukelei. Mir wird ein Netzwerk vorgegaukelt, daß de facto nicht existiert. Es ist leicht, da Freunde zu finden, denn es braucht dazu nur einen Mausklick. Im wahren Leben mutet das in Arbeit aus, je realer, desto mehr Arbeit. Wenn ich nicht bei Facebook poste, daß ich gerade mit meinem Sohn schreiben übe, meine Katzen füttere oder für die abgerackerten Männer Lunchtüten packe, dann interessiert das im wahren Leben außer den Beteiligten niemanden. Es ist leicht, im Internet Netzwerke zu bilden, denn sie verlangen uns nichts ab – bloß ein bißchen Zeit und ein par Mausklicks. Versuch mal, im wahren Leben auch nur vier Leute zu finden, die regelmäßig Lust auf vegan-spirituelle Happenings haben. Selbst wenn Du einen Raum zur Verfügung stellst, ist das kaum durchführbar.

Zusammengefaßt kann ich nach ein paar Tage social networking sagen: Facebook löst bei mir extrem unangenehme Gefühle aus. Ich habe den Eindruck, daß vieles dort nur gepostet wird, weil die Verfasser Angst haben, daß sie vergessen würden, wenn sie nicht regelmäßig irgendwelche Belanglosigkeiten losließen. Ich fühle mich meinem Mann, meinen wirklich guten Freundinnen, meinen Bekantinnen nicht näher durch diese Plattform. Facebook löst das Wort “Freund”in für mich auf, atomisiert es. Ich bin da mit einer Frau befreundet, die ich nicht kenne. Gar nicht. Das ist doch Schwachsinn. Wir sind keine Freundinnen, wir sind Fremde.

Facebook spamt mich mit so vielen meist sinnlosen, inhaltslosen “Informationen” zu, daß ich beim schieren Anblick meiner Startseite schon keine Lust mehr habe, sie zu lesen. Links, Bildchen, Spiele, der “gefällt mir”-Button verlocken mich nicht. Wieder konnte eine Sucht mich nicht befallen. Ich bin offenbar gegen alles resistent, was nicht in Stoff-, Papier-, Haut- oder Fellformat vorliegt. Meine Zeit verbringe ich lieber mit Büchern, meiner Nähmaschine, im Garten oder sonstigen realen Dingen als bei Facebook.

Die Konsequenz? Ich habe meinen Account wieder gelöscht. Warum die dafür 14 Tage Bearbeitungszeit veranschlagen, ist mir allerdings schleierhaft.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 4. August 2011 und wurde abgelegt unter "Nach(t)denken". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

8 Kommentare

  1. Daphne:

    Hallo amala, :)
    Meinungen wie deine höre ich öfters über facebook und kann sie teilweise nachvollziehen. Ja, ich bin auch bei facebook und ja, dort bin ich mit meinen wirklichen Freunden befreundet. Aber nicht nur. Auch mit flüchtig Bekannten. Das stört mich nicht, denn ich teile nicht alles mit. Fakt ist, facebook kennt nur das, was man auch schreibt und erzählt. Wenn xyz gerade schreiben will, dass der Chef doof/… ist, der aber gleichzeitig auf der Freundesliste steht, dann dumm gelaufen. Wenn ich der Welt gerade mitteilen muss, dass ich Kuchen esse, tu ich’s halt. Wen’s nicht interessiert, solls nicht lesen. Und lesen tu ich natürlich auch nicht alles was geschrieben wird. Geht ja auch gar nicht. Trotzdem hat facebook für mich einen Sinn, denn es gibt mir die Möglichkeit auch mit Freunden in anderen Ländern Kontakt zu halten und auch mal so belanglose Sachen wie “Trinke gerade Kaffee/…” auszutauschen. Kleinigkeiten über die man mal wieder ins Gespräch kommt. Eine schnelle Möglichkeit Absprachen zu treffen, sich auszutauschen. Klar kann man argumentieren, dass das keine Freunde sind, wenn sie nicht auch per E-mail/Brief mit mir Kontakt halten wollen, aber das sehe ich anders. Mit einigen würde ich dann noch Kontakt haben, mit vielen aber nicht, nicht wegen des nicht-wollens, sondern weil es sich einfach auch im Sand verläuft. Passiert mit facebook auch, klar, aber mir weit seltener und ich habe so schon einige Freunde behalten.
    Grüße,
    Daphne

  2. Mo:

    Hey Amala,

    Deinen eindruck kann ich nur bedingt bestätigen.
    Viele der Leute mit denen ich auf FB verbunden bin mit denen teile ich auch meine reale Freizeit.
    Wenn ich dann da schreibe: “Hier alles Kacke, bin fertig mag nicht mehr.”
    Dann weiß ich dass kurze Zeit später mein Tel klingelt ich über´s WE auf ein Lager eingeladen werde oder jemand auf nen Kaffee vorbei kommt.
    Das betrifft aber eben nur jene die bei FB und im realen Leben präsent sind. Sicherlich sind da auch einige bei denen eben nüscht passiert. Auch Ok. Was ich nur schade finde dass halt so inflationär das Wort Freund benutzt wird. Das suggeriert zuviel und weckt, wenn auch nur unterbewusst etwas das nicht erfüllt wird bzw. werden kann.

    Ich für mich mag Facebook, unter Vorbehalt, gehe gerne online und pose auch schonmal kokolores, habe aber auch nicht die Erwartung oder den Anspruch daran dass ich damit wirklich Freundchaften pflege.
    Es ist eher ein Hallo machen, sich für´s richtige Leben verabreden und nicht mehr als ein lockereres Forum.

    lg
    Mo

  3. Selket:

    Ich bin auch bei facebook und bis auf 1, 2 Ausnahmen nur mit Menschen befreundet, die ich auch im echten Leben kenne. Mir hat es geholfen, Leute wiederzufinden, zu denen der Kontakt aus welchen Gründen auch immer abgerissen bzw. eingeschlafen ist und bei denen fand ich es auch schade, aber Deutschland-Spanien oder München-Hamburg sind nun mal nicht die nächsten Ecken. Ich finde es ganz nett, so auf dem Laufenden zu bleiben. Ja, es ist eine Wissenschaft für sich, mit den Privacy-Einstellungen umzugehen, aber so Punkte wie Arbeitgeber, Hobbies, Religion musst Du nicht eingeben und habe ich auch nicht.
    Und klar, das RL kann Facebook nicht ersetzen, aber es ist ganz nett als Ergänzung.

    LG
    Selket

  4. Samira:

    Liebe Amala,

    ich bin nicht bei Facebook und habe trotz zahlreicher Aufforderungen auch nicht vor, daran jemals etwas zu ändern. Dein Text bestätigt meine bisherige Meinung (meinetwegen aka “Vorurteile”) zu 100 %, außerdem hast du mir einen herzlichen Lacher beschert: 19 Leute finden gut, dass X gerade Kaffee trinkt.

    Vielen Dank dafür!
    Samira

  5. zauberweib:

    *Gefällt mir* *Daumen hoch* *fünf Sterne*

    *gg* Willkommen im Club der Gesichtlosen. Ich kann jedes Wort unterschreiben. Mir erschließt sich der Sinn von FB ebensowenig wie dir. Und dann noch die Tatsache, was die alles wissen möchten – und wie viele ihre Daten da ganz unbedarft angeben! *grusel* – nee, nich mein Ding.

  6. centaurea:

    Ich mag facebook. Was die Sache mit dem gläsernen Bürger betrifft: man entscheidet selber, was man dort einstellt und was nicht. Es gibt zwar die Felder für Beruf, besuchte Schulen, etc., die man aber nicht ausfüllen muss, wenn man nicht mag. Und wenn man es tut, muss man sich halt bewusst sein, was man da -für welchen Leserkreis- von sich offenbart (denn auch da kann man entscheiden, ob es von den Freunden oder von allen eingesehen werden kann). Klar, richtig tiefe, neue Freundschaften sind da kaum zu schließen- aber gerade solche Banalitäten wie “ich trinke gerade Kaffee” bringen einen, wie ich finde, näher an die Leute ran, denn dadurch bekommt man mehr vom Alltag der anderen mit, als es sonst der Fall wäre- schließlich würde man keinen extra anrufen, um ihm mitzuteilen, dass man sich grad eine Tasse Kaffee hingestellt hat ;) Und das betrifft vor allem Leute, die man nicht im unmittelbaren Umfeld hat.
    Zu all den Spielen, die es dort gibt: man “muss” sie ja nicht spielen und man kann auch die Spiele-Neuigkeiten von Freunden abschalten- ich für meinen Teil interessiere mich nicht dafür, was xy gerade bei CityVille, Gardens of Times oder sonstwo macht. Und auch da gilt die Sache mit dem gläsernen Bürger: wer der Anwendung Zugriff auf die Daten gewährt, ist selber schuld- ich mach’s nicht.
    Und unter “Freunde” muss man auch nicht alle führen, man kann sich selber Kategorien schaffen wie zB. Arbeitskollegen, Bekannte oder was man eben will. Ok, “Freundschaftsanfrage” heißt es dann immer noch, aber das kann man dann ja durch die Einordnung in eine Kategorie “richtigstellen”.
    Wie gesagt, ich mag es, allerdings dauert es ne ganze Weile, bis man sich durch die ganzen Funktionen gewuselt hat. Aber dann macht’s Spaß :)

  7. Diandra:

    Es liegt ja auch daran, wofür man FB nutzen will… letztendlich ist es ein Werkzeug (oder ein Zeitfresser). Mein Abi-Jahrgang nutzt die Gruppenfunktion, um das zehnjährige Jubiläum zu planen. Eine Freundin bereitet ihre Magisterarbeit vor und hat eine Message-Diskussion mit mehreren Freunden angefangen, mit denen sie so ihre Notizen/Ideen teilt und Feedback bekommen kann. Einige Freunde (oder vielleicht eher “alte Bekannte”) aus Schulzeit und Studium leben nun auf der ganzen Welt verteilt, und auf diese Weise kann man ihnen schnell ein “Hallo” zurufen oder sich die Fotos von ihren Kindern und Urlauben anschauen. Natürlich ersetzt all das keine richtigen “vor Ort”-Freundschaften, bei denen man miteinander(!!) Kaffee trinkt oder sich gegenseitig tatkräftig hilft, aber es ist auch schön, sich nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Und man trifft ab und zu sogar nette neue Leute über solche Netzwerke – ist mir zumindest passiert (meinen Lebensgefährten habe ich bei StudiVZ gefunden – er hatte Kekse, ich war ihm also sozusagen hilflos ausgeliefert).

    Und die Spiele kann man alle blocken, wenn sie einen nerven.

  8. Feona Malea:

    Kann ich verstehen :) Ich bin dort auch nur geschäftlich ;) :)

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