Archiv: Juli 2011
:: Pflanzenmörderin! ::
Ich bin Veganerin. Das heißt, ich finde es ok, Pflanzen zu ermorden, um mich zu ernähren. Wie vermutlich jede Veganerin früher oder später hatte nun auch ich das ultimative Diskussionserlebnis in puncto Pflanzenmord und Ethik:
Wie kannst Du es als unethisch hinstellen, Tiere zu töten und zu essen, und gleichzeitig so viele Pflanzen umbringen, um sie zu essen? Das ist doch bigott!
Mein erster spontaner Gedanke war: “oh Mann – und da heißt es immer, Veganerinnen seien hysterisch…”. Es folgten Argumente bezüglich des Schmerzempfindens von Pflanzen (als Beispiel wurden Bäume angeführt, die ja nach dem Abtrennen von Ästen oder Rinde Harz produzieren, um die Wunde zu schließen), der “Massenpflanzenhaltung” in Monokulturen (“für Dein Soja wird der Regenwald abgeholzt!”) und am Ende lief es wieder darauf hinaus, daß neuste Studien (welche?) zeigen sollen, daß Veganismus total ungesund ist.
Während ich zuhörte, wurde ich immer bestürzter, denn ich hatte den sehr deutlichen Eindruck, daß es meinem Gegenüber keineswegs um eine ehrliche Diskussion, einen Austausch auf Augenhöhe ging. Im Grunde dienten seine Argumente contra Pflanzenmord nur dazu, seine eigene Position als Omnivore zu rechtfertigen und zu festigen. Es schien ihm noch nicht mal bewußt, daß er als Omnivore, der, wie das Wort schon sagt, alles ißt, sich ja seiner Argumentationskette folgend ebenfalls des Pflanzenmordes (nur eben zusätzlich zu der Tierausbeutung) schuldig macht. Skurril.
Ich bin inzwischen dazu übergegangen, Gesprächspartner, die so offensichtlich stark emotional vom Thema mitgerissen werden, so lange reden zu lassen, bis sie selbst das Gefühl haben, alles gesagt zu haben. Würde ich schon früher zu antworten versuchen, würde mein Gegenüber sich nur endlos und möglicherweise noch aufgewühlter wiederholen – und das raubt mir schlicht zu viel Kraft und Lust. In der Regel kann ich meine Argumente umso sinniger und präziser anbringen, je länger der Andere redet, weil er sich damit vor mir geradezu entblättert. Durch das Zuhören erfahre ich mehr über ihn, als in seinen Worten steckt: wie reagiert er körperlich auf das Thema, auf mich, auf die Situation? Welche Dinge sind ihm besonders wichtig, unwichtig, gleichgültig? Wo verbergen sich logische Ungereimtheiten, was bedenkt er gar nicht?
So, jetzt aber mal zu dem wichtigsten Punkt, der meinem Gesprächspartner besonders am Herzen zu liegen schien: warum findest Du es ok, Pflanzen zu töten, nicht aber Tiere?
Pflanzen sind lebende Wesen, genau wie Tiere. Meiner Ansicht nach unterscheiden sie sich aber von Tieren insofern, als daß Tiere eine Individualseele haben und Pflanzen nicht. Wolf-Dieter Storl hat es in seinen Publikationen auf den Punkt gebracht: wenn ich ein Tier töte, entfährt dessen Seele aus seinem Leib. Wenn ich ein Gänseblümchen abrupfe, lebt die Universalseele (Storl nennt diese “Deva”) des Gänseblümchens weiter, denn diese Deva steckt in jedem Gänseblümchen auf der Erde. Storl begründet seine These durch Verweise auf die vedischen Schriften, Volksmärchen und mündliche Traditionen.
Für mich ist sie insofern stimmig, als daß ich genau das erspüre und erfahre, wenn ich mich auf Pflanzen bzw. Tiere einlasse. Wir Menschen, die wir auch nur Tiere sind, sind mit Tieren eng verwandt, was begründen mag, wieso ich als Menschin mit den Tieren fühle. Wenn ich mir einen Film anschaue, in dem dargestellt wird, wie ein Rind an den Hinterbeinen hochgezogen wird und wie ihm dann die Kehle geöffnet wird, wenn ich seine weit aufgerissenen Augen sehe und höre, wie es gurgelt, dann spricht mich das an, denn es gibt keinen Unterschied zwischen der Reaktion, dem Leid dieses Tieres und meiner eigenen Reaktion, meines eigenen Leids, wenn mir das Gleiche angetan würde. Pflanzen haben kein zentrales Nervensystem, was – bittschön – nicht bedeuten soll, daß ich ihnen Empfindsamkeit abspreche. Ich glaube nur, daß diese Empfindsamkeit sich auf einer anderen Ebene vollzieht, losgelöst vom feststofflichen, materiellen Leib. Es geht hier nicht um “Pflanzendiskriminierung”, weil diese nicht rotes Blut verlieren und nicht schreien, wenn ich sie zerschneide, es geht auch nicht darum, Pflanzenmord als gerechtfertigt hinzustellen, bloß aufgrund der Tatsache, daß wir verschieden sind. Es geht eigentlich bloß um mein höchstpersönliches Empfinden beim Pflanzenmord, beim Pflanzenverzehr. Wenn ich Pflanzen esse, fühlen sie sich nicht nach Tod und Elend an (ok, außer ich vergesse sie eine Woche lang im Kühlschrank, ganz hinten…dann sind die laff und verwelkt, also im Sinne der Zellularbiologie tatsächlich tot). Wenn ich durch die Fleischabteilung meines Supermarktes rollere, riecht es nach Leichenhalle (ja, ich kann das beurteilen, es riecht wirklich so). Eiiiigentlich bewege ich mich hierin schon auf die Rohkost zu. Schlagendes Argument von Ute-Marion Wilkesmann: leg Dich mal 7 Sekunden in kochendes Wasser und schau, wie lebendig Du dann noch bist. Aber das ist ein anderes Thema.
Ein weiterer Grund dafür, Pflanzenmord ok zu finden, liegt für mich darin, daß ich sie ganz in der matriarchalen Tradition als Mütter der Zivilisation begreife. Mütter nähren, das ist nunmal in der Regel so. Wirf ein Samenkorn in die Erde – daraus wird eine Pflanze, die unzählige weitere Samenkörner hervorbringt. Binnen eines Jahreszyklus’ hast Du aus einem Samen genug für ein ganzes Feld bekommen. Mutter Erde ist niemals geizig. Würden wir uns alle vegan ernähren, wäre die Sache mit dem Hunger erstmal aus der Welt. Alexander von Humboldt hat es auf den Punkt gebracht: “Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauern und tausend Gärtner”. Immer wieder gibt es in meinem Leben Ereignisse, bei denen Pflanzen sich mir geradezu aufdrängen. Eisenmangel nach dem langen Winter? Schon sprießen Brennesseln in Hülle und Fülle im Garten. Hartnäckiger Husten, der einfach nicht verschwinden will? Allüberall Spitzwegerich, wohin ich auch geh. Ich glaube, Pflanzen wollen uns nähren. Sie suchen unsere Nähe, was wilde Tiere das letzte Mal wahrscheinlich vor 20.000 Jahren gemacht haben. Kräuter, Wurzeln und Früchte lassen sich ernten – versuch hingegen mal, ein Wildschwein mit demselben minimalen Aufwand zu pflücken.
Dann ist da noch die Sache mit der Selbstbeobachtung. Neulich meinte mein Mann, als wir über meinen Wunsch, nicht mehr “wirtschaftlich” legenden Hennen ein Zuhause zu geben, sprachen, was ich denn dann mit den Eiern machen würde, die die Hennen, wenn unbefruchtet, verlassen würden. Nichts würde ich mit den Eiern machen. Sie durch Gipseier ersetzen oder sie aus dem Nest entfernen, bevor sie gammeln. Aber sicher nicht essen. Der Grund dafür ist ganz simpel: es geht mir gut mit veganer Ernährung. Ging mir nie besser. Ich habe abgenommen, ich habe wieder ein Kinn – yeah! Ich brauche praktisch keine Schmerzmittel mehr. Ich bin viel fitter, brauche weniger Schlaf. Meine Haut ist super. Ich fühle mich gesegnet und schöpfe aus der Fülle. Wieso in aller Welt sollte ich wieder tierisches Eiweiß zu mir nehmen?
Bei uns daheim sind “Veganerinnen der Stufe fünf” ein Running Gag: Veganerinnen, die nichts essen, was einen Schatten wirft, hahaha. Manchmal denke ich, daß solche Diskussionen wie oben beschrieben unweigerlich darauf hinauslaufen, daß mein omnivores Gegenüber will, daß ich winselnd zusammenbreche, mir die Haare raufe und gequält herausschreie: “Ja, aber irgendwas muß ich doch essen!!”. Im Grunde ist es genau das. Irgendwas muß ich essen. Gemessen an der Perversion der modernen Tierhaltung, wie sie in unserer Gesellschaft betrieben wird, ist für mich ein vollwertiger Veganismus mit möglichst vielen Produkten aus regionalem Landbau und ohne Plastikverpackung das Einzige, das auf Dauer Sinn ergibt. Für mich. Für meine Familie. Und weil ich eben doch Sachen esse / essen muß / einbilde, essen zu müssen, sind es Pflanzen, die durchaus einen Schatten werfen. Ich bin dankbar dafür, daß sie mich nähren, und ich bedanke mich in Form von konkreten “Dankeschöns”, Salbeirauch und Stoffstreifen, aber ich werde nicht hysterisch, weil ich Pflanzen schlachte und verspeise. Ganz im Sinne der Platte der sieben Grausamkeiten.
Naja, und last but not least: die Pflanzen haben mir gesagt, daß ich sie essen darf. Aber das ist was Persönliches zwischen uns
:: Katzen-Mini-Quilt ::
Im PQF organisiere ich gerade ein Katzenwichteln – also, es wird Genähtes zu diesem Thema gewichtelt, keine lebenden Katzen
Da treffen zwei meiner Leidenschaften aufeinander…hach ja. Wahrscheinlich war es da vorprogrammiert, wie es laufen würde: ich habe etwas genäht und direkt gedacht, ich würde es eigentlich gern behalten. Dann habe ich noch was genäht und auch da gedacht, daß ich es eigentlich gern behalten würde *argh* Letztlich habe ich ziemlich viele Stunden damit verbracht, abzuwägen, was denn nun bei mir bleiben und was sich für mein Wichtelkind auf die Reise machen darf. Es heißt ja immer, frau soll Sachen wichteln, die sie gern behalten würde – diese Aufgabe habe ich hier definitiv erfüllt
In diesem Post zeige ich Euch mal, was bei mir bleiben wird. Vielleicht erinnert sich ja noch eine an den Katzen-Mikro-Quilt? Nun gibt es dazu passend den Katzen-Mini-Quilt. Voilà:
Und eine Detailansicht:
Diesmal habe ich nichts zum Größenvergleich daneben gelegt, weil der Miniquilt im Vergleich mit dem Mikroquilt schon ziemlich groß ist: etwa so breit wie eine DIN A 4 Seite und ein wenig länger. Das Top besteht aus 64 Teilen.
Ich glaube, das mit diesen kleinen Formaten könnte eine neue Obszession werden…
In der ersten Augustwoche zeige ich Euch dann, was mein Wichtelkind von mir bekommt
:: MonatsSwap Juli ::
Im Juli habe ich sowohl den Monats- als auch den NYB-Block von Curly Sue bekommen.
Der NYB erinnert mich an einen herrlichen Sonnenuntergang.
Ist die Tasse mit dem kleinen Teebeutel nicht genial?
Herzlichen Dank, liebe Curly, auch für die netten Dreingaben *freu* Du hast meinen Geschmack zielsicher getroffen
:: Blaue Phase ::
Nach zwei Wochen Nähpause wegen Hand-Aua (immer noch nicht wieder gut, aber Tippen mit links reicht mir völlig, wenn meine rechte Hand dafür beim Nähen helfen kann…jaja, das Nähen ist mir inzwischen ehrlich wichiger als mein Rechner), habe ich mal wieder ein paar Amish Circle Letter Quilt Blöcke fertig. Ganz interessant, ich habe mir by random die Blauen rausgepickt.
Die 67 – Grandmother’s Choice – ist noch grün:
Dieser Block, Nummer 85 / Star In A Star hat mich traurig gemacht. Eine der Frauen hat ihren Mann und ihren ältesten Sohn bei einem Unfall mit dem Buggy verloren und diesen Block ihnen gewidmet:
27 / Ice Harvesting:
Und die 93 / Tumbling Blocks:
Die vermaledeiten Schatten im jeweils unteren rechten Eck der Blöcke ärgern mich sehr. Sie kommen durch mein Dachfenster. Wenn ich die Blöcke abends bei Kunstlicht knipse, werden aber die Farben verfälscht *grrr*
Ich habe noch nicht einmal die Hälfte der ganzen Blöcke genäht und frage mich schon jetzt, welches Großprojekt ich nach diesem Quilt anfangen soll, denn es macht mir wahnsinnig Spaß, zu sehen, wie der Quilt wächst. Verglichen mit dem Baby Jane scheint mir der Amish Circle ja doch eher einfach zu sein…mal gucken.
:: Feminismus & Veganismus ::
Angeregt durch einen Artikel über Feminismus und Veganismus will ich auch mal versuchen, meine Gedanken dazu zu formulieren, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Meiner Meinung nach beruht der Verzehr von tierlichen Produkten auf Machtausübung, und zwar im Sinne der Macht-über, wie Mary Daly sie formuliert hat: eben Macht, die über ein anderes Lebewesen ohne dessen Einverständnis ausgeübt wird. In der Veganismusdebatte kommt ja oft das Argument, ob ich als Veganerin denn Tiere bzw. Produkte von Tieren essen würde, die toooootaaaaal glücklich und artgerecht gelebt haben und die auch toooootaaaaaal gern gestorben sind, damit ich mich dann an ihrem Körper delektieren kann (die Antwort lautet nein, wenngleich ich nach wie vor denke, daß es beim Veganismus darum geht, das mir Mögliche zu tun – interessanterweise stellen Omnivorinnen ja öfter den Anspruch an mich, perfekt und 100% vegan zu leben, als ich selbst. Als Beispiel nenne ich mal das Erschlagen von Mücken, das ich definitiv praktiziere). Rosa Luxemburg hat gesagt, daß für jedes Lebewesen das eigene Leben das wertvollste und erhaltungswürdigste Gut ist, woran ich unumwunden glaube, wohl auch wegen meiner schweren, lebensbedrohlichen Krankheit, die mich den Wert des (eigenen) Lebens essentiell hat spüren lassen.
Was bedeutet schon “artgerechte” Haltung? Wo ziehen wir die Grenze? Ist eine Kuh, die auf die Almwiese darf, die Sonne abbekommt und Gras knabbern darf, deren Milch aber dennoch von uns Menschen – die wir in der Regel keine Kälber sind – genommen wird, artgerecht gehalten? Ist ein Bio-Huhn, das nur anderthalb Jahre alt wird, weil es dann nicht mehr effektiv Eier legt, artgerecht gehalten? Stammen Wildtiere, die meist nachtaktiv sind, weil sie ihrem natürlichen Instinkt, tagsüber zu äsen, durch die Eingriffe von uns Menschen nicht mehr folgen können, aus artgerechter Haltung? Ich will damit lediglich aufzeigen, daß der Begriff der artgerechten Haltung eigentlich nur eine Art Gewissenskrücke ist. Selbst wenn wir heute noch wie die Neanderthalerinnen leben würden, bezweifle ich, daß Mammuts sich gern jagen, töten und essen lassen würden, aber ich habe natürlich keins danach gefragt.
Ich glaube, der Grund, wieso wir Tiere und tierliche Produkte essen, ist ganz simpel. Nicht weil wir Fleisch und Milch zum Leben brauchen. Nicht weil wir wirklich daran glauben, die Tiere würden gern für uns sterben. Nein, wir essen Tiere, weil wir es können. Weil wir die Macht dazu haben. Mal Hand auf’s Herz: in der Regel hat der Fleisch-, Milchprodukt- und Eierkonsum des aufkeimenden 21. Jahrhunderts so ungefähr gar nichts mit einer respektvollen inneren Haltung dem Tier gegenüber zu tun, das sein Fleisch, seine Milch, seine Eier für uns gibt. Wir haben keine Stammesschamanin mehr, die den Huhngeist anreist, die ihn durch Gesänge, Tänze, Opfer und Verhandlungen darum bittet, sich herzuschenken, damit ihr Stamm überlebt. Wir gehen auch nicht mehr mit unseren Grabstöcken und einem geflochtenen Korb auf Nahrungssuche, wobei wir neben Wurzeln, Beeren und Früchten halt auch Insekten und Kleintiere sammeln. Wir shoppen heute im Supermarkt und packen ein, was da ist – in der Regel auch einfach zuviel, aber das ist eine andere Diskussion.
Woher kommt unsere Macht über Tiere? Ich habe lange darüber nachgedacht, viele kleine Mosaiksteinchen zusammengesucht, angefangen bei Publikationen über Höhlenmalereien bis hin zu Exzeperten über moderne, effiziente Massentierhaltung. Die Antwort ist absolut simpel und absolut erschreckend: weil Tiere mit unserer Aggression und unserer Bereitschaft zur Zerstörung nicht mithalten können. Klar kann eine Kuh Dich tottrampeln, aber es liegt nicht in ihrer Natur, den Mord an Dir zu planen. Wir Menschen hingegen planen den Mord an der Kuh und ziehen ihn auch durch. Nicht weil wir ohne ihr Fleisch nicht überleben würden, sondern weil wir es können.
Was hat das jetzt alles mit Feminismus zu tun? Feminismus bedeutet für mich die Auseinandersetzung mit Macht. Dieser Ansatz ist zweigleisig. Einerseits geht es darum, mir die Macht-über bewußtzumachen, andererseits ist es wichtig, meine Eigenmacht zu suchen, zu finden und zu stärken. Übrigens ist der Begriff Feminismus als solcher meines Empfindens nach ein bißchen zu ungenau, weil es unterschiedliche Strömungen mit unterschiedlichen Vorstellungen gibt – wenn ich hier aber “Feminismus” schreibe, meine ich meine eigene wilde Mischung aus gynozentrischem und radikalem Feminismus mit einem ordentlichen Schuß matriarchaler Einsprengsel. Ich glaube, daß Feminismus / Matriarchat nur dann funktioniert, wenn über die Auseinandersetzung mit rein weiblichen Belangen die Beschäftigung mit der Frau in ihrem Kontext dazugehört. Und in diesem Kontext steht für mich so ziemlich alles, auch Männer – bevor es wieder heißt, die würde ich vergessen oder gar diskriminieren.
“Mein” Feminismus lehnt Herr-schaft und Hierarchien ab. Ich sehe nicht, daß ein Mensch über einen anderen regieren kann, und ich sehe nicht, daß eine Spezies über eine andere herr-schen kann. Durch die Fähigkeit zu bedenken und zu planen, die wir dank unseres großen Gehirns haben, haben wir meiner Überzeugung nach umso weniger das Recht, potentiell Unterlegene zu knechten – wobei wir krankerweise “Unterlegene” oft als “zu blöd zu kämpfen”, “zu schwach” oder derlei interpretieren. Ganz im Gegenteil sollte diese unsere Fähigkeit uns dazu anhalten, mitfühlend, respektvoll und ressourcenschonend zu leben und zu agieren. In matriarchalen Kreisen wird dieses lebensfördernde, mitfühlende, ressourcenbewußte Verhalten als “mütterlich” bezeichnet – eine Eigenschaft, die auch Männer haben und hegen können. Mir selbst rollen sich ja die Zehennägel hoch bei diesem Wort, aber weil ich bisher kein besseres gefunden habe, kann es auch stehen bleiben.
Ich bin vor einer Weile mal gefragt worden, ob ich mich als Frau denn genauso unterdrückt und ausgebeutet fühle wie ich es einer Kuh aus Massentierhaltung andichte (das Argument meines Gegenübers lautete im weiteren Verlauf, daß ich mir keinerlei Urteil über eine solche Kuh bilden könne, weil sie und ich ja niemals auch nur ein Gespräch über ihre Gefühle geführt hätten – clever, oder?). Vordergründig lautet die Antwort: nein, ich fühle mich als Frau nicht unterdrückt. Nicht als die individuelle Frau, die ich bin. Aber zu leugnen, daß Frauen per se unterdrückt (Mary Daly sagt: dressiert) werden, ist Realitätsverneinung. Ich habe dazu in meinem Blog immer mal wieder was veröffentlicht, weswegen ich mich an dieser Stelle nicht endlos wiederholen will, aber ich gebe mal ein paar Stichworte: Frauenquote, Lohnungleichheit, Vaginalliftings.
Das Patriarchat (ah, da ist das böse Wort endlich!) ist ein System, das auf Ausbeutung beruht. Es beutet die komplette Schöpfung aus (der Begriff “Schöpfung” mutet mir immer christlich an, aber ich möchte es hier aus dem biblischen Kontext herausgelöst verstanden wissen, denn auch monotheistische Religionen sind Pfeiler des Patriarchats). Wo soll ich bei der Aufzählung anfangen? Natürliche Ressourcen werden geplündert, bis Ökosysteme unwiederbringlich zerstört sind. Menschen, Tiere, Pflanzen, ja selbst Mutter Erde als solche – alles Gebrauchsgegenstände, derer sich das Patriarchat bedient. Im Patriarchat zählt das Individuum nicht, die Masse macht’s. Es geht um Profit, um Expandierung, Maximierung und andere abstrakte Begriffe mehr, die im Grunde genau das Gegenteil der matriarchalen “Mütterlichkeit” (s.o.) bedeuten. Das Patriarchat erschafft Kunstwelten, künstliche Bedürfnisse (dazu gehört auch der Konsum), künstliche Werte. Es pervertiert Beziehungen – zu uns selbst, zu unseren Mitgeschöpfen, zur Erde. Es impft uns seine Wertigkeiten ein: Mann ist mehr wert als Frau, Mensch ist mehr wert als Tier.
Da hinein gehört meiner Ansicht nach der Konsum tierlicher Produkte, wie wir ihn heute betreiben. Unsere Vorgehensweisen bei der “Bedürfnisbefriedigung” haben gar nichts mehr mit respektvollem, ressourcenbewußtem, lebensbejahendem Umgang mit der Natur zu tun. Das Patriarchat hat uns das Bewußtsein dafür, daß wir selbst ein Teil der Natur sind, weitgehend ausgetrieben. Wir abstrahieren jetzt zwischen der Kuh im Stall, die in ihrer eigenen Scheiße liegt und davon offene Stellen kriegt, und uns. Wir Menschen sind wertvoller als diese Tiere. Wir haben die Macht dazu, also benutzen wir sie, und eigentlich können sie ja froh sein, der Krone der Schöpfung dienen zu können.
Luise F. Pusch sagt, wenn wir wissen wollen, was in einem Satz steckt, sollten wir mal die Substantive austauschen. Ich schrieb: Wir Menschen sind wertvoller als diese Tiere. Was mag der folgende Satz auslösen: Wir Tiere sind wertvoller als diese Menschen…? Welche mag, kann ja auch mal mit “Frauen” und “Männer” und “Kinder” oder beliebigen anderen Wörtern experimentieren, nicht nur bei diesem Satz.
Ich glaube, es wird klar, daß hiermit eine künstliche Hierarchie aufgebaut wird – auch wieder ein wichtiger Stützpfeiler des Patriarchats. Ein System der Ausbeutung funktioniert nur, wenn es höhere, bessere, wichtigere und auf der anderen Seite niedere, schlechtere, unwichtigere Partikel gibt. Das ist für mich, kurzgefaßt, der Schnittpunkt zwischen Veganismus und Feminismus: das Bewußtsein dafür, daß alles gleichwertig, daß alles mit allem verbunden ist.
Ich könnte mir vorstellen, daß darin eine Menge Heilungspotential steckt.
:: WochenRückblick ::
Da ich meinen Rückblick am letzten Wochenende nicht geschafft habe, kommt er heute als WochenRückblick daher
[Wetter] Kann ich gar nicht so wirklich sagen, weil ich viel drinnen war. Irgendeine krude Mischung aus Sommer und Herbst, maybe.
[Gemacht] Ich habe mir mal wieder genial die Hand verletzt. Echt ätzend. Wenigstens sagt mein Arzt, daß es nix to-tal Schlimmes ist und daß ich nur Geduld haben muß. “Nur”, sagt er! Ich tippe also tapfer mit einer Hand und denke *kotzkotzkotz* Weil: nähen kann ich so auch nicht. *KOTZKOTZKOTZ* Stattdessen habe ich so eine Art Klausur veranstaltet und mir in einer Woche etwa 15 DVDs angeschaut (mein normaler Schnitt bewegt sich bei etwa einer im Monat).
[Gehört] Donna Leon: Wie durch ein dunkles Glas. Mal wieder ein Brunetti.
[Gelesen] Ute-Marion Wilkesmann: Rohkost statt Fasten I und II.
[Getrunken] Leitungswasser. Chili-Rooibosh.
[Gegessen] Viele Ofengerichte, weil die schön schnell gehen. Und Pasta. Und heute Chili sin carne. Ziemlich viel Frischkost, das tut mir gerade gut.
[Gedacht] Get the fuck outta here. Ok, das ist jetzt n Insider. Und: wieso ist mein Zimmer künstlerisch eingerichtet?!
[Gelacht] Über fliegenjagende Katzen. Über eine Orakelkarte, die mir zu mehr Geduld rät.
[Gefreut] Über gutes Vorankommen in puncto Umzug, Renovierung und Co.
[Geärgert] Über diese !&%§! Verletzung.
[Gelernt] Schauspieler, deren Filme ich eigentlich durchweg mag, können auch mal echten Murks machen.
[Gekauft] Eine große Tüte mit Obst, Gemüse, Nüssen und einer Tüte Senfchips. Uah, ich esse Senf!
[Spirituelles] Schamanisch gereist, vorm Arztbesuch. Ziemlich aufschlußreich und treffsicher, wie immer.
[Und sonst so?] Ich fühle mich irgendwo zwischen Umzugsmüdigkeit und -vorfreude.
[Ausblick auf's Wochenende] Noch ein Baumarkt-Marathon. Besuch der Baustelle. Hoffentlich bessere Filme
:: Mutter-Gedanken ::
Mir fällt auf, daß es momentan in den Blogs vieler Frauen ums Darstellen ihrer Familie geht, was ich grundsätzlich spannend finde. Neuerdings löst diese Lektüre allerdings auch öfter mal Unbehagen bei mir aus. Mir ist klar – und das versuche ich auch, mir weiterhin tapfer zu sagen -, daß Blogs immer nur einen winzikleinen Teil des Lebens zeigen, meist eben einen schönen (oder geschönten) Ausschnitt, zurechtgestutzt für die Öffentlichkeit, die ja mitliest. Völlig einleuchtend, mache ich ja genauso.
Während ich also darüber lese, wie Mütter ihre Familie betüddeln, es mit Langmut hinbekommen, jedes ihrer Kinder völlig individuell und natürlich stets liebevoll zu fördern, zu basteln, zu singen, Geschichten zu erzählen, zu gärtnern, zu nähen, zu “schaffen” und dabei nebenher immer noch fröhlich und gut gelaunt sind, krampft es sich in mir zusammen. Ich kriege das nicht hin. Schlimmer noch: ich will das gar nicht hinkriegen.
Das Postulat des Matriarchats – Mütter zuerst, oder anders formuliert: die Mutter im Zentrum -, jagt mir in dieser Ausprägung eine Gänsehaut über den Rücken. Ich gehe völlig konform mit matriarchalen Werten, nicht, daß wir uns da mißverstehen. Aber ich, die ich selbst Mutter bin, kriege Beklemmungen und Panikattacken bei der Mütterfixiertheit, die gerade herr-scht. Mütter als die immer verfügbaren, immer liebenden, die immer fördernden, die immer gebenden und allzeit geduldigen Überfrauen. Das Kind quasselt wie ein Wasserfall, Du kannst nicht mal in Ruhe pinkeln – kein Problem, Liebling, dafür bin ich ja da. Keine Pause seit dem frühen Morgen, doch das Kind will jetzt was vorgelesen kriegen – logisch, auch das schultere ich noch, ich will das Kind ja fördern.
Hackt’s?! Das mach ich nicht mit. Ja, ich bin Mutter, aber ich bin vor allem ein Individuum, eine eigene Menschin, die die 24/7-Symbiose mit dem Kind nicht in Verzückung versetzt. Ich will nicht, daß mein Kind auf mich fixiert ist – das ist meiner Meinung nach ein absolut krankhaftes und krankmachendes Symptom des Patriarchats (“Kind und Mutti gegen den Rest der Welt”). Ich hab keinen Bock, zu meinem siebzigsten Geburtstag gesagt zu bekommen, wie großartig ich meinem Sohn immer dienstbereit – ach nein, das nennen wir heute “selbstlos” und applaudieren auch noch dazu! – zur Seite stand, während er sein Leben aufbaute und ich mich Richtung Altenheim entwickelte (aber keine bange, er kommt mich dann einmal im Monat mit Blumen besuchen, hurra).
Hannah Arendt sagte es ganz trefflich und ich zitiere sinngemäß: das Patriarchat atomisiert die Gesellschaft. Sie will damit sagen, daß die Gesellschaft in immer kleinere Teile zerlegt wird. Die Mutter-Kind-Beziehung ist meines Empfindens nach eines dieser Atome, mit dem Effekt, daß an uns Mütter ungeheure Anforderungen gestellt werden. Bei mir ist’s inzwischen soweit, daß ich das Grausen kriege, wenn mir jemand sagt, ich sei mütterlich. Run, Amala, run! Zu oft wird “mütterlich” als “immer gebend, fürsorglich, aufopfernd” verstanden. Das finde ich krank.
Gestern las ich dann im Spiegel einen Artikel über die Wechseljahre. Vielleicht bin ich überempfindlich, aber der Autor machte sich meiner Meinung nach über Frauen lustig, die in die Wechseljahre kommen und dann ENDLICH mal anfangen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Als einzige wirkliche Alternative wurden mal wieder Hormone genannt, wobei ich mich immer frage, wie bitteschön Menschenfrauen 30.000 Jahre ohne Hormonpräparate auskommen konnten? Wir erinnern uns: die Pille gibt’s erst seit 1960 und heute ziehen wir uns die künstlichen Hormone rein, als wär’s normal. Wenn frau in die Wechseljahre kommt, sind die Kinder soweit, daß sie Mutti nicht mehr brauchen, jedenfalls nicht so sehr wie in den Jahren zwischen Schwangerschaft und Ausbildung. Mutti fällt in eine Sinnkrise, wenn sie sich ihr Leben lang nur über ihre Kinder (und vielleicht auch ihren Partner) definiert hat. Sie ist im Sinne des Patriarchats nicht mehr brauchbar. Die Eierstöcke stellen ihren Dienst ein, jetzt ist sie unfruchtbar. Und dann auch noch die Hitzewallungen und die schreckliche Scheidentrockenheit, hör doch auf, was für ein Alptraum!
In ihrem Buch “Starke Medizin” schreibt Luisa Francia, Frauen sollten mal öfter aus der Rolle fallen, um aus der Falle zu rollen. Wunderbar, was für ein Satz! Ich falle also aus der Rolle. Ich weigere mich, Übermutter zu sein, und gebe mich mit der Rolle der eigensinnigen, eigenmächtigen Frau zufrieden, die zusätzlich noch Mutter ist.
P.S.: Für alle, die noch auf Mail von mir warten – das könnte noch rund zwei Wochen brauchen.
:: KonsumKritik ::
Für alle, die “The Story Of Stuff” noch nicht kennen, hier der Link zum Video mit deutscher Synchronisation. Teil zwei und drei gibt’s auch, einfach weiterklicken.
:: “Honey”-And-Mustard-Roasted Chicory ::
…oder auf deutsch: “Honig”-und-Senf-gerösteter Chicorée.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in unserem Haushalt war Chicorée bisher immer ein verschmähtes Gemüse, weil langweilig, irgendwie bitter und doof. Gestern haben wir dann dieses Rezept ausprobiert und ich vermute, daß es das gechasste Pflänzchen demnächst öfter geben wird, zumal die Zubereitung vielleicht zehn Minuten in Anspruch nimmt und das Abendessen danach komfortabel allein im Ofen vor sich hinbäckt. Und so geht’s:
für vier Personen habe ich 1,5 kg Chicorée gewaschen, vom Strunk befreit, geviertelt und dann den bitteren inneren Strunk herausgeschnitten. Auf ein Backblech legen.
Aus 60 ml Pflanzenöl, 60 ml Agavendicksaft, 3 TL grobkörnigem Senf und gehacktem Knobi nach Gusto ein Dressing rühren, über die Chicorées träufeln. Dann bei 200° C ca. 25 min. überbacken.
TOT!lecker.
Dazu hatten wir kräuterigen Kartoffelpürree und selbstgemachte Seitanwürstel.
:: Märchenkissen-Swap ::
Schon am Samstag habe ich mein Märchenkissen vom gleichnamigen Swap bekommen, und zwar – wie mich Daphne, die es genäht hat, inzwischen aufgeklärt hat – zum Thema Schneeweißchen und Rosenrot.
Ich finde das Kissen sehr schön und zudem unheimlich sauber genäht. Vielen, vielen Dank, liebe Daphne!









