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Archiv: Freitag, 22. Juli 2011

:: Pflanzenmörderin! ::

Ich bin Veganerin. Das heißt, ich finde es ok, Pflanzen zu ermorden, um mich zu ernähren. Wie vermutlich jede Veganerin früher oder später hatte nun auch ich das ultimative Diskussionserlebnis in puncto Pflanzenmord und Ethik:

Wie kannst Du es als unethisch hinstellen, Tiere zu töten und zu essen, und gleichzeitig so viele Pflanzen umbringen, um sie zu essen? Das ist doch bigott!

Mein erster spontaner Gedanke war: “oh Mann – und da heißt es immer, Veganerinnen seien hysterisch…”. Es folgten Argumente bezüglich des Schmerzempfindens von Pflanzen (als Beispiel wurden Bäume angeführt, die ja nach dem Abtrennen von Ästen oder Rinde Harz produzieren, um die Wunde zu schließen), der “Massenpflanzenhaltung” in Monokulturen (“für Dein Soja wird der Regenwald abgeholzt!”) und am Ende lief es wieder darauf hinaus, daß neuste Studien (welche?) zeigen sollen, daß Veganismus total ungesund ist.

Während ich zuhörte, wurde ich immer bestürzter, denn ich hatte den sehr deutlichen Eindruck, daß es meinem Gegenüber keineswegs um eine ehrliche Diskussion, einen Austausch auf Augenhöhe ging. Im Grunde dienten seine Argumente contra Pflanzenmord nur dazu, seine eigene Position als Omnivore zu rechtfertigen und zu festigen. Es schien ihm noch nicht mal bewußt, daß er als Omnivore, der, wie das Wort schon sagt, alles ißt, sich ja seiner Argumentationskette folgend ebenfalls des Pflanzenmordes (nur eben zusätzlich zu der Tierausbeutung) schuldig macht. Skurril.

Ich bin inzwischen dazu übergegangen, Gesprächspartner, die so offensichtlich stark emotional vom Thema mitgerissen werden, so lange reden zu lassen, bis sie selbst das Gefühl haben, alles gesagt zu haben. Würde ich schon früher zu antworten versuchen, würde mein Gegenüber sich nur endlos und möglicherweise noch aufgewühlter wiederholen – und das raubt mir schlicht zu viel Kraft und Lust. In der Regel kann ich meine Argumente umso sinniger und präziser anbringen, je länger der Andere redet, weil er sich damit vor mir geradezu entblättert. Durch das Zuhören erfahre ich mehr über ihn, als in seinen Worten steckt: wie reagiert er körperlich auf das Thema, auf mich, auf die Situation? Welche Dinge sind ihm besonders wichtig, unwichtig, gleichgültig? Wo verbergen sich logische Ungereimtheiten, was bedenkt er gar nicht?

So, jetzt aber mal zu dem wichtigsten Punkt, der meinem Gesprächspartner besonders am Herzen zu liegen schien: warum findest Du es ok, Pflanzen zu töten, nicht aber Tiere?

Pflanzen sind lebende Wesen, genau wie Tiere. Meiner Ansicht nach unterscheiden sie sich aber von Tieren insofern, als daß Tiere eine Individualseele haben und Pflanzen nicht. Wolf-Dieter Storl hat es in seinen Publikationen auf den Punkt gebracht: wenn ich ein Tier töte, entfährt dessen Seele aus seinem Leib. Wenn ich ein Gänseblümchen abrupfe, lebt die Universalseele (Storl nennt diese “Deva”) des Gänseblümchens weiter, denn diese Deva steckt in jedem Gänseblümchen auf der Erde. Storl begründet seine These durch Verweise auf die vedischen Schriften, Volksmärchen und mündliche Traditionen.

Für mich ist sie insofern stimmig, als daß ich genau das erspüre und erfahre, wenn ich mich auf Pflanzen bzw. Tiere einlasse. Wir Menschen, die wir auch nur Tiere sind, sind mit Tieren eng verwandt, was begründen mag, wieso ich als Menschin mit den Tieren fühle. Wenn ich mir einen Film anschaue, in dem dargestellt wird, wie ein Rind an den Hinterbeinen hochgezogen wird und wie ihm dann die Kehle geöffnet wird, wenn ich seine weit aufgerissenen Augen sehe und höre, wie es gurgelt, dann spricht mich das an, denn es gibt keinen Unterschied zwischen der Reaktion, dem Leid dieses Tieres und meiner eigenen Reaktion, meines eigenen Leids, wenn mir das Gleiche angetan würde. Pflanzen haben kein zentrales Nervensystem, was – bittschön – nicht bedeuten soll, daß ich ihnen Empfindsamkeit abspreche. Ich glaube nur, daß diese Empfindsamkeit sich auf einer anderen Ebene vollzieht, losgelöst vom feststofflichen, materiellen Leib. Es geht hier nicht um “Pflanzendiskriminierung”, weil diese nicht rotes Blut verlieren und nicht schreien, wenn ich sie zerschneide, es geht auch nicht darum, Pflanzenmord als gerechtfertigt hinzustellen, bloß aufgrund der Tatsache, daß wir verschieden sind. Es geht eigentlich bloß um mein höchstpersönliches Empfinden beim Pflanzenmord, beim Pflanzenverzehr. Wenn ich Pflanzen esse, fühlen sie sich nicht nach Tod und Elend an (ok, außer ich vergesse sie eine Woche lang im Kühlschrank, ganz hinten…dann sind die laff und verwelkt, also im Sinne der Zellularbiologie tatsächlich tot). Wenn ich durch die Fleischabteilung meines Supermarktes rollere, riecht es nach Leichenhalle (ja, ich kann das beurteilen, es riecht wirklich so). Eiiiigentlich bewege ich mich hierin schon auf die Rohkost zu. Schlagendes Argument von Ute-Marion Wilkesmann: leg Dich mal 7 Sekunden in kochendes Wasser und schau, wie lebendig Du dann noch bist. Aber das ist ein anderes Thema.

Ein weiterer Grund dafür, Pflanzenmord ok zu finden, liegt für mich darin, daß ich sie ganz in der matriarchalen Tradition als Mütter der Zivilisation begreife. Mütter nähren, das ist nunmal in der Regel so. Wirf ein Samenkorn in die Erde – daraus wird eine Pflanze, die unzählige weitere Samenkörner hervorbringt. Binnen eines Jahreszyklus’  hast Du aus einem Samen genug für ein ganzes Feld bekommen. Mutter Erde ist niemals geizig. Würden wir uns alle vegan ernähren, wäre die Sache mit dem Hunger erstmal aus der Welt. Alexander von Humboldt hat es auf den Punkt gebracht: “Wo ein Jäger lebt, können zehn Hirten leben, hundert Ackerbauern und tausend Gärtner”. Immer wieder gibt es in meinem Leben Ereignisse, bei denen Pflanzen sich mir geradezu aufdrängen. Eisenmangel nach dem langen Winter? Schon sprießen Brennesseln in Hülle und Fülle im Garten. Hartnäckiger Husten, der einfach nicht verschwinden will? Allüberall Spitzwegerich, wohin ich auch geh. Ich glaube, Pflanzen wollen uns nähren. Sie suchen unsere Nähe, was wilde Tiere das letzte Mal wahrscheinlich vor 20.000 Jahren gemacht haben. Kräuter, Wurzeln und Früchte lassen sich ernten – versuch hingegen mal, ein Wildschwein mit demselben minimalen Aufwand zu pflücken.

Dann ist da noch die Sache mit der Selbstbeobachtung. Neulich meinte mein Mann, als wir über meinen Wunsch, nicht mehr “wirtschaftlich” legenden Hennen ein Zuhause zu geben, sprachen, was ich denn dann mit den Eiern machen würde, die die Hennen, wenn unbefruchtet, verlassen würden. Nichts würde ich mit den Eiern machen. Sie durch Gipseier ersetzen oder sie aus dem Nest entfernen, bevor sie gammeln. Aber sicher nicht essen. Der Grund dafür ist ganz simpel: es geht mir gut mit veganer Ernährung. Ging mir nie besser. Ich habe abgenommen, ich habe wieder ein Kinn – yeah! Ich brauche praktisch keine Schmerzmittel mehr. Ich bin viel fitter, brauche weniger Schlaf. Meine Haut ist super. Ich fühle mich gesegnet und schöpfe aus der Fülle. Wieso in aller Welt sollte ich wieder tierisches Eiweiß zu mir nehmen?

Bei uns daheim sind “Veganerinnen der Stufe fünf” ein Running Gag: Veganerinnen, die nichts essen, was einen Schatten wirft, hahaha. Manchmal denke ich, daß solche Diskussionen wie oben beschrieben unweigerlich darauf hinauslaufen, daß mein omnivores Gegenüber will, daß ich winselnd zusammenbreche, mir die Haare raufe und gequält herausschreie: “Ja, aber irgendwas muß ich doch essen!!”. Im Grunde ist es genau das. Irgendwas muß ich essen. Gemessen an der Perversion der modernen Tierhaltung, wie sie in unserer Gesellschaft betrieben wird, ist für mich ein vollwertiger Veganismus mit möglichst vielen Produkten aus regionalem Landbau und ohne Plastikverpackung das Einzige, das auf Dauer Sinn ergibt. Für mich. Für meine Familie. Und weil ich eben doch Sachen esse / essen muß / einbilde, essen zu müssen, sind es Pflanzen, die durchaus einen Schatten werfen. Ich bin dankbar dafür, daß sie mich nähren, und ich bedanke mich in Form von konkreten “Dankeschöns”, Salbeirauch und Stoffstreifen, aber ich werde nicht hysterisch, weil ich Pflanzen schlachte und verspeise. Ganz im Sinne der Platte der sieben Grausamkeiten.

Naja, und last but not least: die Pflanzen haben mir gesagt, daß ich sie essen darf. Aber das ist was Persönliches zwischen uns :)

Amala Krähenfeder, 22.07.2011, 19:38 | Abgelegt unter: Ernährung | RSS 2.0 | TB | 9 Kommentare

:: Katzen-Mini-Quilt ::

Im PQF organisiere ich gerade ein Katzenwichteln – also, es wird Genähtes zu diesem Thema gewichtelt, keine lebenden Katzen ;) Da treffen zwei meiner Leidenschaften aufeinander…hach ja. Wahrscheinlich war es da vorprogrammiert, wie es laufen würde: ich habe etwas genäht und direkt gedacht, ich würde es eigentlich gern behalten. Dann habe ich noch was genäht und auch da gedacht, daß ich es eigentlich gern behalten würde *argh* Letztlich habe ich ziemlich viele Stunden damit verbracht, abzuwägen, was denn nun bei mir bleiben und was sich für mein Wichtelkind auf die Reise machen darf. Es heißt ja immer, frau soll Sachen wichteln, die sie gern behalten würde – diese Aufgabe habe ich hier definitiv erfüllt ;)

In diesem Post zeige ich Euch mal, was bei mir bleiben wird. Vielleicht erinnert sich ja noch eine an den Katzen-Mikro-Quilt? Nun gibt es dazu passend den Katzen-Mini-Quilt. Voilà:

Und eine Detailansicht:

Diesmal habe ich nichts zum Größenvergleich daneben gelegt, weil der Miniquilt im Vergleich mit dem Mikroquilt schon ziemlich groß ist: etwa so breit wie eine DIN A 4 Seite und ein wenig länger. Das Top besteht aus 64 Teilen.

Ich glaube, das mit diesen kleinen Formaten könnte eine neue Obszession werden…

In der ersten Augustwoche zeige ich Euch dann, was mein Wichtelkind von mir bekommt :)

Amala Krähenfeder, 22.07.2011, 11:20 | Abgelegt unter: Zaubergarn & Sticheleien | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare
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