Archiv: Mai 2011
:: Veganerinnen-Dilemma ::
Als Veganerin sollst Du nicht missionieren. Du sollst Omnivorinnen einfach akzeptieren und ihre Ernährung nicht kommentieren, sondern hinnehmen. Gleichzeitig wirst Du als Veganerin praktisch zwangsweise mit den Ernährungsglaubenssätzen von Omnivorinnen konfrontiert, offenbar durch die simple Tatsache ausgelöst, daß Du sagst “ich eß vegan”. Das äußert sich darin, daß Dir ausführlich erklärt wird, wie gut sich die Omnivorinnen mit ihrer Ernährungsweise fühlen, daß gerade für sie natürlich keine Tiere leiden, daß Fleisch / Eier / Milch ihres täglichen Bedarf ausschließlich von glücklichen Tieren stammen und daß ihr Körper das auch unbedingt braucht, um gesund und glücklich zu sein. Einen Zacken schärfer geht es auch, nämlich wenn Omnivorinnen sich durch Deine vegane Ernährungsweise provoziert fühlen und meinen, zurückschlagen zu müssen – da wird dann schon mal ordentlich vom (Kunst)Leder gezogen, dumme Sprüche inclusive.
Jetzt kommt das Dilemma.
Wenn Du Dir das einfach vor den Latz ballern läßt und dazu nickst, halten Dich die Omnivorinnen für eine gute, nette Veganerin – völlig gleichgültig, wie es Dir selbst damit geht. Wenn Du jedoch Stellung beziehst, bist Du unabhängig von der Sinnhaftigkeit Deiner Argumente eine böse, missionierende, militante Veganerin.
Mein Mann begründet das mit C.G. Jung und den aus seinen Arbeiten hervorgehenden Aspekten zu Schattenarbeit und dem Unbewußten: eine unverhältnismäßig starke emotionale Reaktion auf einen äußeren Einfluß ist oftmals ein Hinweis auf einen unbewußten oder unterbewußten Konflikt.
Ich find’s einfach zum Piepen und mach mir’n Tomatenbrot.
:: TV-Bericht zu Veganismus ::
Ich find’s ganz interessant, daß es zur Zeit viele Berichte und Artikel über Veganismus in den Massenmedien gibt, beispielsweise hier. Und noch interessanter, daß zwar die üblichen Vorurteile durch interviewte omnivore Passanten zur Sprache kommen, daß die Grundaussage aber pro-vegan ist.
Klasse
:: Mein nicht-veganes Leben ::
Ich lebe nicht vegan. Ich ernähre mich nur vegan. So traurig es ist: ich kann nicht vegan leben.
Ich trage orthopädische Maßschuhe aus Rinderhaut. Für mich gibt es da keine Alternative – Kunstleder würde die Spalthaut nicht vertragen und Pflanzenfasern böten nicht genug Halt bzw. wären zu nachgiebig. Bis auf die Zeit in den Sommermonaten, in denen es mehr als 25° C hat, ziehe ich Wollsocken an, denn durch die großflächigen Amputationen von Fettgewebe an den Beinen friere ich total schnell und werde dadurch krank. Und ich nehme jeden Tag Medikamente, die an Tieren getestet werden – ich weiß sogar, welche Tiere es sind, nämlich Hunde, Ratten und Mäuse. Auch hier gibt es keine Alternativen, keinen Spielraum. Es heißt: das Zeug schlucken oder abnippeln.
Wie geht es mir damit? Vielleicht ist die Frage auch: wie geht es mir mit den Folgen meiner Behinderung, die andere Lebewesen beeinflussen? Ganz klar, ich wünschte, es wäre anders. Ich wünschte, ich hätte eine Wahl. Da ich sie nicht habe, muß ich mich mit dem Gedanken, daß ich persönlich bei allem Bemühen um ein ethisches Leben anderen Wesen doch Leid zufüge, beschäftigen. Anfreunden kann ich mich damit nicht.
Bei den Dingen, bei denen mir eine Wahl bleibt (wie etwa Ernährung, Pflegeprodukte, Wohnaccessoires und Co.), entscheide ich mich für vegane Varianten. Bei den Dingen, die nachweislich nicht vegan sind und die ich dennoch brauche, bleibt mir nur, sie in Dankbarkeit und Respekt für die Tiere, die sie mir gaben bzw. an denen sie getestet werden, zu verwenden. Mir nicht alle zwei Jahre neue Schuhe fertigen zu lassen, auch wenn das so laut Krankenkasse vorgesehen ist, sondern erst, wenn sie nicht mehr tragbar sind. Strümpfe anzuziehen, bis sie nicht mehr stopfbar löchrig sind. Und den Tieren, die für meine Medikamente gequält werden, tagtäglich zu danken. Naja, und die Hersteller weiterhin mit Protestbriefen zu bombardieren und darauf zu hoffen, daß immer mehr Ärzte und Forscher erkennen, die unsinnig Tierversuche sind.
Alles ist mit allem verbunden.
:: Forumssampler, Ersatz für Block 15 ::
Der 15. Block ist beim regulären Forumssampler wieder ein 3D-Block (Bow Tie). Da ich ja keine 3D-Blöcke verwenden möchte, habe ich als Ersatz diesen Stern genäht. Und den finde ich echt mal Hammer
:: Forumssampler, Block 20 ::
Der 20. Forumssamplerblock ist der 18., den ich genäht habe. Und inzwischen sind wir schon beim 22. ingesamt angelangt, so daß ich in der kommenden Zeit mal vier Blöcke aufholen muß. Wyrd schon.
Der Würfel hat mich vor ein kleines Problem gestellt, denn er muß definitiv mit vier Farben genäht werden (ähnlich wie damals der Spool-Block). So ein kräftiges Braun wie bei der Spule schied aber aus, denn eiiiiigentlich wollte ich meinen Sampler nur in drei Tönen nähen. Glücklicherweise hatte ich in den letzten Monaten immer mal wieder Stoffe aus der Stonehenge-Kollektion von Sunshine Cottage / Northcott gekauft und konnte jetzt zwischen einigen wählen. Ich finde, der Goldstoff sticht gar nicht so arg hervor – im Grunde sieht er aus wie eine “pixeligere” Version des weiß-goldenen Stoffs.
Mit dem Ergebnis bin ich total zufrieden.
:: Auch unterwegs nicht verhungern ::
Für Veganerinnen scheint es auf den ersten Blick ziemlich kompliziert zu sein, sich unterwegs rein pflanzlich – und wenn es geht: einigermaßen lecker – zu ernähren. Ich lebe in einem ziemlichem Kaff und habe leider kein veganes Restaurant, nicht einmal einen popeligen veganen Imbiß zur Hand, wie es sie glücklicherweise schon in einigen Städten gibt. Und dann?
Da ich das Haus normalerweise nicht völlig ungeplant verlasse, kann ich mir zum Beispiel etwas mitnehmen. Ich hab noch zu ovo-lakto-vegetabilen Zeiten eine Brotdose gekauft und kann Vorbehalte gegen das gute, alte “Bütterken” (wie Alt-Barmerinnen zu einem belegten Brot sagen) nicht verstehen. Liegt aber vielleicht auch daran, daß unser Vollkornbrot nicht so flott austrocknet und zu einem Pappdeckel mutiert wie Weißbrot. Förderlich sind auch die veganen Aufstriche, die das Brot saftig und nicht so dröge schmecken lassen. Dazu kommen ein paar Nüsse, Trockenfrüchte oder an mondänen Tagen ein bißchen Schoki in die Dose und gut. Hält garantiert satt, bis es Abendessen gibt. Das Herumschleppen der Brotdose finde ich übrigens kein bißchen lästig, denn in meiner schrankkofferartigen Handtasche fällt sie gar nicht weiter auf.
Manchmal steht mir aber auch der Sinn nach aushäusigem Essen. Wenn ich es planen kann, dann natürlich in einem Restaurant, wo es vegane Sachen auf der Speisekarte gibt. Wir haben ein chinesisches Restaurant in mittelbarer Nähe, wo es jeden Tag ein Buffet gibt. Die Auswahl an veganen Speisen finde ich ziemlich groß: Mini-Frühlingsrollen, Curryecken, Kartoffelbällchen, frittiertes Gemüse, Pilze in kräftiger Sojasauce, Broccoli mit Knobi, gemischtes Gemüse in scharfer Kokossauce, dazu gekochter Reis, ein großes Salatbuffet und zum Nachtisch gebackene Banane (der Honig steht netterweise daneben und wurde nicht direkt draufgegeben) und eine Auswahl frisches Obst. Meist bin ich satt, bevor ich überhaupt die Gelegenheit hatte, alles in Eßlöffelportionen zu probieren, but that’s life
Wenn’s mal in ein bislang unbekanntes Restaurant geht, rufe ich nach Möglichkeit vorher da an und frage, ob die mir auch was Veganes kochen können. Und wenn mir dann ein großes Fragezeichen entgegenwabert, habe ich keine Skrupel, schlicht und einfach mitzuteilen, daß ich sämtliche tierlichen Sachen (incl. kleiner Auflistung: “Butter, Käse, Sahne, Eier und sowas – Sie wissen schon!”) nicht essen darf. Das ist natürlich ein billiger Psychotrick, aber er funktioniert. Indem ich sage, ich dürfe was nicht essen, schalte ich eine nicht näher definierte höhere Macht ein und signalisiere damit, daß Köchin und ich praktisch auf derselben Seite stehen, aber daß es leiderleider nicht anders geht. In einem piekfeinen italienischen Restaurant, in dem der Kellner meinte, es sei schlicht nicht möglich, mir was Veganes zu kochen, habe ich einfach darum gebeten, mit dem Koch sprechen zu dürfen. Diesem habe ich unverblümt den Vorschlag unterbreitet, mir Pasta zu kochen und dazu ein bißchen Knobi und frische Tomaten in Olivenöl anzubraten. Da er sich natürlich nicht die Blöße geben konnte, sowas Einfaches nicht hinzukriegen, wurde ich also auch da satt. Die Mittel der Kommunikationsguerilla funktionieren ziemlich gut
Normalerweise versuche ich, internationale Restaurants auszuwählen, denn ich habe den Eindruck, daß es dort generell mehr vegane bzw. zu veganisierende Gerichte gibt. Einfach mal die Speisekarten wälzen. Im Zweifelsfall scheue ich auch nicht davor zurück, den Kellner fünfmal in die Küche zu scheuchen, um die Zutatenlisten von Baguettebrot, Ketchup und Co. zu sichten. Der härteste Fall sind sicher sog. gutbürgerliche Restaurants, wenngleich auch hier inzwischen etliche Betreiberinnen bemüht sind, ihren veganen Gästen entgegenzukommen. Pellkartoffeln mit Margarine (falls vegan) und Kräutern, Bratkartoffeln mit Mischgemüse oder Salat sollten in jedem Fall zu bekommen sein.
Meiner Erfahrung nach wird frau auch in Imbissen fündig; so bieten viele Pizzerien Fladenbrot mit Salat- und Bulgurfüllung (wichtig ist nur, danach zu fragen, ob das Brot mit Milch hergestellt wurde), Salatteller, Pizza ohne Käse (wieder nach dem Teig fragen), scharfe Pasten (z.B. Antep Ezme), mit Reis gefüllte Weinblätter, Pepperoni, Oliven sowie ganz schnöde Pommes an. Alles vegan. Vielleicht nicht ganz so gesund, aber bestimmt lecker. Und der Verdauungstrakt freut sich über neuen Input.
Naja, und wenn unterwegs alle Stricke reißen, gibt es sicher irgendwo einen Gemüseladen oder Supermarkt, wo frau sich Obst oder Gemüse, Nüsse, Trockenfrüchte und derlei kaufen kann.
Übrigens – ich glaube, durch meine Laktoseintoleranz, wegen der ich ja schon lange unterwegs auf das achten mußte, was ich aß, fällt mir das Unterwegssein als Veganerin eher leichter als schwerer. Es bedeutet weniger Diskussions- und Erklärungsaufwand, zu sagen: “ich esse gar nichts tierliches” als lang und breit auseinanderzusetzen, daß Milchprodukte nur ok sind, wenn sie laktosefrei sind.
P.S.: da ich nicht so oft außer Haus essen gehe, finde ich es auch gar nicht tragisch, wenn die Speisen dann nicht vollwertig sind.
:: Blöckchen, Blöckchen ::
In den letzten zwei Wochen habe ich fast nur genäht, um meine eingegangenen Tausch- bzw. Swapverpflichtungen abzubauen. Ich arbeite gern planvoll und trage anstehende Aufgaben der Reihe nach ab, weil ich so einen besseren Überblick behalte und schneller den Kopf für Eigenes freihabe.
In dieser Zeit sind folgende New York Beauty Blöcke entstanden (habe gemerkt, daß ich einen zu knipsen vergessen habe):
Außerdem sind folgende normale Blöckchen entstanden (hier habe ich zwei zu knipsen vergessen):
Dieser letzte Block sieht viel dunkler aus, als er tatsächlich ist, wohl wegen des Kunstlichts. Und dem Papagei habe ich keine Pupille gestickt, weil ich nicht sticken kann.
Jetzt habe ich noch vier NYBs und sechs normale Blöckchen vor mir.
:: 23 Emmas zu vertauschen ::
Ich würde gern 23 Ausgaben der Zeitschrift “Emma” gegen einen 10-Euro-Gutschein von Amazon tauschen, für Porto, Verpackung und Transport zum Hermes-Paketshop. Welche Ausgaben es genau sind, habe ich nicht auf dem Schirm, und ich bin auch viel zu faul, das nachzugucken oder ein Bild zu machen
Versand nur innerhalb Deutschlands.
Mag eine?
:: Bigott ::
Es gilt als nicht zumutbar, daß Kinder die Schlachtung eines Hasen ansehen. Aber es ist ok, wenn sie Bio-Rindfleisch essen.
Klar. Der Hase ist ja auch flauschig und süß, während die Rinder in Schlachthäusern fernab der Menschen schreien und sterben.
Völlig logisch.
:: TofuFisch und Spargelsalat ::
Dieses Rezept heißt TofuFisch, weil es angeblich mit Fisch à la Bordelaise vergleichbar ist, was ich nicht mehr beurteilen kann. Aber eins ist sicher: TofuFisch hat mir in seiner lakto-vegetarischen Variante, die wir bisher gekocht haben, nicht so gut geschmeckt wie jetzt in vegan. Ich nehme normalerweise nur sehr selten nach, da muß etwas schon wirklich außergewöhnlich gut sein. Und diesmal hätte ich einfach nur wegen lecker mehr als eine Extraportion futtern mögen. Hier kommt das Rezept für 4 bis 5 hungrige Mägen:
250 g Cashewkerne, 250 g (!) Wasser, 2 bis 3 TL Gemüsebrühe und eine Knoblauchzehe in einen Mixbecher geben und erstmal ziehen lassen.
In der Zwischenzeit 6 Paprikaschoten waschen, putzen und in Streifen schneiden. Ein paar Lauchzwiebeln waschen, putzen und in Ringe schneiden. Beides in eine große Auflaufform geben. 400 g Tofu natur in etwa 3 mm dicke Scheiben schneiden und darauf verteilen.
Nun den Cashew-Mix pürieren; er sollte anschließend eine sämige und nicht zu flüssige Konsistenz haben. Mit gehackten Kräutern nach Wahl mischen (Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Dill und Zwiebel ist der Klassiker und verleiht dem Gericht offenbar diesen bordelaiseartigen Geschmack, aber eigentlich geht alles, was der Garten hergibt). Über den Tofu träufeln. Bei 200° C 25 min. backen, bis das Gericht an den Rändern bräunt.
Dazu hatten wir Rösti und einen leicht orientalische angehauchten Spargelsalat. Der geht so:
einige gekochte weiße Spargelstangen (Restverwertung!) schräg in Scheibchen und zwei, drei geputzte, geschwaschene Lauchzwiebeln in Ringe schneiden. Grüne Pepperoni in beliebiger Menge feinwürfeln und dazugeben. Aus geschältem Sesam, Aceto Balsamico Bianco, Nana-Minze, gekörnter Gemüsebrühe und wenig Rapsöl ein Dressing herstellen und mit dem Salat vermischen. Schmeckt gekühlt einfach fantastisch. Ich könnte mir das Rezept auch mit grobem Senf, Orangenscheiben und einigen anderen Abwandlungen vorstellen.
Übrigens: für unsere Küche ist die Qualität der Gemüsebrühe von essentieller Bedeutung. Wir verwenden die von Naturata und ich kann sie wirklich nur empfehlen. Sie wertet alles auf – differenzierter kann ich es nicht sagen












