Archiv: Januar 2011
:: Tannenbäume & ÖkoGewissen ::
Die Diskussion darüber, ob wir nun Tannenbäume aus ethischen und ökologischen Gesichtspunkten zum Mittwinterfest schlagen und am Ende entsorgen dürfen, hat bei mir ein paar Gedanken zu Naturspiritualität und ökologischem Gewissen in Gang gesetzt.
Ich empfinde mich als Teil des All-Eins. Unabhängig davon, was ich über die Beschaffenheit und den Weg meiner Seele denke, ist mein Körper entstanden, gewachsen, erblüht und eines Tages wird er welken, sterben und sich auflösen. Aus mir wird genau wie aus den Küchenabfällen, die ich in den Garten trage, Kompost werden. Aus monotheistisch-patriarchaler Sicht ist das natürlich ein Skandal, wo der Mensch doch die Krone der Schöpfung sein soll. Ich glaube, die Angst vorm Kompostiertwerden ist auch der Auslöser für pompöse Grabmale und den ganzen Totenkult (*), sowohl um Erscheinungen wie Jesus als auch um uns und unsere Angehörigen selbst. Der Gedanke, in hockender Haltung in den Schoß der Mutter Erde zurückgegeben zu werden, wenn ich mal tot bin, erfüllt mich mit weniger Gruseln als die Vorstellung, in einem Holzsarg eingenagelt Jahr um Jahr langsam zu verrotten, weil das Holz erstmal im Weg ist. Uäh!
Aus dem Gefühl heraus, selbst nur begrenzt haltbar zu sein, bevor ich dann wieder ins All-Eins zurückkehre, entsteht eine recht entspannte Konsumhaltung. Um das direkt vorwegzunehmen: ich bin gegen kopflose, egoistische Konsumgier, die sich in Perversitäten wie Monokulturen, Massentierhaltung, Gentechnik und Co. wiederfindet. Am liebsten würde ich mit anderen Menschen einen Subsistenzhof bewirtschaften und zumindest großteilig nur das ver-brauchen, was wir selbst herzustellen vermögen. Aber welche mein Blog regelmäßig liest, weiß das ja eh
Mir ist es wichtig, für das, was ich erhalte, dankeschön zu sagen. Das Argument, daß wir das Essen, das bei uns auf dem Tisch landet und uns nährt, nur uns selbst verdanken, weil wir ja dafür arbeiten gegangen sind, halte ich für zynisch. Logisch bezahle ich meine Einkäufe mit dem verdienten Geld, doch ich kann nur das einkaufen, was die Erde zu geben bereit war (und was natürlich durch die Arbeit der Landwirte gesät, gehegt und geerntet wurde). Doch nicht nur für das tägliche Essen bedanke ich mich, sondern auch für andere Segnungen, die mir zuteil werden, wie etwa die Haut der Kuh, aus der meine Schuhe wurden, die gefundenen Bucheckern im Wald oder den Strauß Wildblumen vom Wegesrand. Für mich gehört ebenfalls dazu, hin und wieder – wann es mir richtig erscheint – etwas zurückzugeben. Das kann frau Opfer, Geschenk oder Energieausgleich nennen.
Mein schlechtes Gewissen hat vor vielen Jahren dazu geführt, daß ich mich erst dem Vegetarismus und später dem Vollwert-Vegetarismus zuwandte. Damals war Biofleisch noch weitgehend unbekannt, der große Bio-Boom kam sehr viel später. Vielleicht würde ich heute noch Fleisch essen, wenn ich damals für die verborgenen Quellen von Bio-Fleisch ein Bewußtsein gehabt hätte, keine Ahnung. Heute ist Fleisch- und Fischverzehr kein Thema mehr für mich, ich vermisse nix und kann meine Art von Ernährung und Lebenswandel vor mir selbst “rechtfertigen”. Bei anderen Dingen war und ist es noch immer nicht so leicht, einen gangbaren Kompromiß zu finden. Was soll ich tun, wenn ich ein lebensnotwendiges Medikament nur mit Gelatine darin enthalte und es kein anderes Präparat mit gleichem Wirkstoff gibt? Bin ich eine Mörderin, wenn ich ein Stück Rasen umgrabe, um es in ein Feld zu verwandeln, auf dem ich mit wenig Energie- und Wasserverbrauch Gemüse anbauen will, dabei aber drei Regenwürmer mit dem Spaten abmurkse?
Viele Gedanken scheinen relativ leicht dazu verleiten, in eine ökologisch-ethische Hysterie zu verfallen – siehe Regenwurmbeispiel. Ich persönlich jedenfalls werde wohl nicht durch mein Leben schweben können, ohne auch nur ein einziges Tier, einen einzigen Menschen, einen Quadratmeter Muttererde zu verletzen, rümpieren oder benutzen (vielleicht sogar auszunutzen). Ich kann bloß versuchen, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, meine Bedürfnisse nicht als Maß aller Dinge anzusehen und den ökologischen Fußabdruck, den ich hinterlasse, möglichst klein zu halten.
Und für mein Gewissen ist es okay, einen Tannenbaum aus dem wilden Pfälzer Wald zu kaufen, zu schmücken, als Weltenbaum zu verehren und später, wenn er gut getrocknet ist, in meinem Mittsommerfeuer in Rauch aufgehen und damit dem All-Eins wieder zukommen zu lassen.
(*) Ich habe gemerkt, daß ich mich mit dem Begriff “Totenkult” mißverständlich ausgedrückt habe. Damit meine ich nicht den Ahninnenkult, durch den wir uns als in einer Reihe mit unseren Ahninnen stehend begreifen, sondern all die Gedankenkonstrukte, Bauwerke und Co., die unsere Angst vor der eigenen Endlichkeit beruhigen bzw. dieser entgegenwirken sollen. Ich merke gerade, daß es mir schwerfällt, präzise zu formulieren, worin ich den Unterschied sehe. Beim Ahninnenkult würde ich sagen, daß ihm Gelassenheit und unaufgeregter Umgang mit dem Sterben und dem Tod an sich zugrunde liegt und daß er außerdem das Leben im Diesseits fokussiert. Totenkult – wie ich ihn hier verstehe – beruht auf Angst vor dem Tod, der Fixierung auf das Jenseits und dem Versuch, die eigene Endlichkeit zu überdauern. Womöglich sind die Begriffe “Ahninnen-” und “Totenkult” von mir falsch gewählt – wenn eine Leserin griffigere Ausdrücke dafür hat, wäre ich daran sehr interessiert.
:: VorFreude-Kissen ::
Vorfreude auf’s Gartenjahr – heute linst in Waghäusel die Sonne raus!
Mit Vliesofix und Geradstich appliziert. Gießkannenvorlage aus dem Amish Circle-Buch von Rosemary Youngs. Sonnenblumen by me. Etwa 14 x 14” groß.
Und wieder 0,1 % meiner Restekisten weg
:: Stille ::
Der Januar ist für mich die Zeit großer Stille. Weihnachten und Silvester mit ihren hysterischen Konsumenten und hektischen Energien liegt hinter uns, aber noch mag das Jahr nicht recht in Schwung kommen. Letztes Jahr war meine Orakelkarte für den Januar Ginnungagap, die Urleere, der leere Raum. Dieses Jahr fühlt es sich nicht viel anders an, obwohl schon die erste Woche für mich ziemlich ereignisreich war. Mein Mann und ich waren in Franken unterwegs, fanden uns mitten in der Nacht in einem Schneenebel irgendwo im Nirgendwo wieder, bei einer Sicht von maximal zehn Metern. Das war für mich auch eine Erfahrung der Urleere, so orientierungslos in unbekannter Umgebung. Wir haben einfach angehalten, während Wardruna im Radio lief. Absolut passend, ich war ganz und gar im Moment. Am nächsten Tag fuhren wir dieselbe Strecke noch einmal bei klarem Wetter und Sonnenschein – da ging mir auf, daß wir in der Nacht zuvor zwar vielleicht körperlich am selben Ort waren, daß es aber doch ein ganz anderer war.
Bei uns in Baden taut es jetzt in atemberaubender Geschwindigkeit. Nachts liege ich im Bett und lausche dem Drippeln und Flüstern der Wassertropfen und dem thursenartigen Gepolter von Eisblöcken, die vom Dachrutschen. Am Tag wabern dichte Nebelbänder durch die kahlen Streuobstwiesen und manchmal erahne ich ein Reh, einen Greifvogel oder ein anderes Tier in diesem Schleier.
Die Rauhnachtsenergien waren dieses Mal für mich diffuser und weniger greifbar als sonst, und ich fühle mich unlustig, geplante oder angedachte Rituale wie etwa die Weihung meiner Apfelholzrunen tatsächlich durchzuziehen. Lieber verliere ich mich in Träumereien und spüre dem nach, was mich umgibt.
Wir haben das Haus mit Beifuß ausgeräuchert und die Yuldeko weggepackt. Mir ist nach Frische, nach Weiß, nach ein bißchen Kahlheit und Kargheit – Imbolcstimmung?
Lieblingsessen: Feldsalat mit Vinaigrette, gerösteten Kürbiskernen und filettierten Orangen (oder Granatapfelkernen).
:: Forumssampler, Block 12 ::
:: Ich bin urlauben ::
Ich bin mal ein bissel weg – macht’s gut derweil
:: Frohes Neues! ::
Ich wünsch Euch allen ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr!
Über gute Vorsätze habe ich nicht wirklich nachgedacht, aber diesmal gab es für jeden in unserer Familie eine Challenge, wie es auf Neudeutsch heißt, also eine Herausforderung für das neue Jahr. Mal gucken, ob ich meine umsetzen kann.
Spannend finde ich auch, welche Göttin mich 2011 begleiten wird, nämlich Tiamat. Muahaha!
Die Erklärung bei Wikipedia empfinde ich wie so oft nur als an der Oberfläche kratzend – interessantere Ausführungen zu Tiamat gibt’s z.B. in Luisa Francias Buch “Drachenzeit”.
Ansonsten ist mir gerade nach Großreinemachen, ein Gefühl, das ich eigentlich eher mit Imbolc verbinde. Ich fang mal damit an, daß ich meine Weihnachtsdeko wegpacke und mir ein neues Blogdesign ausknobel.



