Archiv: April 2010
:: Mein Kopf ::
Jetzt gerade: Kopfschmerzen. Aber ich hab ne Schachtel Ibu im Schrank, mit der ich sie bedrohe. Mal gucken, vielleicht lassen sie sich ja beeindrucken.
Im Kopf: Russland zur Zeit der Revolution. Und: soll ich Spanisch lernen?
Auf’m Kopf: ne Frisur, die viel zu brav für mich ist. Sie ist praktisch, weil ich mir nen Zopf machen kann, aber wenn ich Bilder von mir sehe, denke ich jedesmal, ich seh aus wie ein Hausmütterchen *motz* Muß nochmal zum Friseur, im Zweifelsfall schere ich mir halt wieder alles ab.
Ohren: Paramore und Donovan. Seit “The Zodiac Killer” kann ich letzteres nur noch in morbiden Momenten hören. Ja, und das hier ist morbide.
Nase: Quitten-Veilchen-Parfum. Es ist jetzt Sommer, da darf ich wie ein Blumenstrauß duften.
Mund: Ananas. Normalerweise kaufe ich ja nie exotische Früchte, von wegen political correctness, aber Alexis hat mich angefixt. Sie war’s.
Augen: vielleicht grüner Star. Ich lach das mal weg, ich will nämlich bis an mein Lebensende nähen und lesen können.
Und was ist grad so mit Deinem Kopf los?
:: Bewitched ::
Hier und da, eine Pforte in die andere Welt.
Dem Honigmond Beifuß räuchern, Spitzwegerich und Gundermann ernten. Brennesselsuppe.
Fledermäuse und Eulen rauschen durch die Dämmerung.
Ein Meer von Pusteblumen zwischen alten Weinstöcken. In der Nacht flackern Kerzen unter den Birken.
Ich kleide meinen Altar in Weiß und Grün: eine alte Spitzentischdecke, eine Vase mit Thymian und Salbei.
Am Mittag dann schwirren Schmetterlinge um mich her.
Verhext.
:: 10 things I’m loving right now ::
1. Den Töpfermarkt in Kandel, wo wir heute waren. Ich liiiiiiebe Keramik! Hätte locker alle Teekannen und -tassen, Stövchen, Schalen, Teller und Gartenaccessoires kaufen können. Und dafür habe ich mich wirklich beschieden
2. Briefe von lieben Menschen.
3. Die Zahnlücke meines Sohnes. Jetzt lispelt er unwiderstehlich süß
4. Zuckerwatte. Eine Liebesgabe vom Frühlingsfest.
5. Bei Sonnenuntergang im Garten Beifuß räuchern, Didgeridoo spielen und chanten.
6. Orakeln im Bett.
7.Osteopathie. Erst autsch, dann wow.
8. PaperPiecing. Endlich kapiert.
9. Sonne! Mein Calciumumsatz und meine Sommersprossen jubeln.
10. Wildkräuterküche. Hier: Spargel mit Giersch und Bärlauch.
Und was liebst Du gerade heute?
:: DämonenSenf ::
Bei Alexis geht es heute um Dämonen (siehste, ich les Dein Blog täglich *g*). Und das nehme ich zum Anlaß, mal meinen dämonischen Senf abzulassen
Ich muß allerdings direkt dazusagen, daß ich mich mit RHP / LHP nicht auskenne, denn das, was ich davon bisher kennengelernt habe, fand ich in beiden Fällen eher abschreckend, wenn nicht abstoßend. Letztlich scheint jeder dieser Pfade mit Kontrolle / Macht-über zu tun zu haben, was ich in letzer Konsequenz immer für Manipulation halte, wenn auch unter jeweils anderen Vorzeichen. Bei den Lichties erscheint es mir so, als wollten viele von ihnen sich den Nimbus des erleuchteten, gütigen Weisen geben. Und viele LHP’ler plustern ihr Ego meiner unmaßgeblichen Meinung nach einfach nur auf, weil sie ja so pööööhse, cooooole Sachen können. Habe also selbst weder Interesse am rechten noch am linken Pfad.
Ich schamanisiere. Im Grunde ist das nur ein anderes Handwerkszeug, das ich genau wie RHP oder LHP einsetzen könnte. Der Unterschied liegt für mich aber darin, daß ich versuche, möglichst wenig manipulativ zu sein. Ich schreibe “möglichst wenig”, weil es bei schamanischer Arbeit freilich darum gehen kann, etwas zu manipulieren, beispielsweise bei Heilarbeit. Der Unterschied liegt für mich höchstselbst aber darin, daß ich beim Schamanisieren – wenn es gut werden soll – mein Ego möglichst weit außen vor lasse. Ja, die Bilder, die ich “sehe”, sind auf meine “Seelensprache” zugeschnitten, aber ich bin eigentlich nur der Kanal oder so eine Art Werkzeug, Reisegefährt oder so für die Geister. Ohne sie geht gar nüscht. Meine Geister lassen mir die Wahl: ich kann mich als gütig und weise hinstellen oder mein Ego aufplustern, weil ich ja so pööööse bin. Letztlich aber habe ich die Erfahrung gemacht, daß weder das eine noch das andere was bringt. Wenn ich mich als gütig und weise hinzustellen versuche, führen mich die Geister in eine Situation, wo mir der Kragen platzt und es mit der Güte vorbei ist. Wenn ich mein Ego aufplustere, konfrontieren sie mich mit etwas, das mir klarmacht, daß ich doch nicht so mächtig und pööööse bin. In beiden Geisteshaltungen liegt also die Gefahr eines üblen Bauchklatschers verborgen.
Ich bin einfach ich. Die Ängste, Sorgen, Begierden, Fähigkeiten, Vorlieben etc. bleiben immer dieselben. Ich könnte höchstens einen anderen Mantel anziehen, unter dem ich dann trotzdem – schockierenderweise
– nackt wäre. Ich hab nur so den Eindruck, daß mir diese Nacktheit immer bewußter und gleichsam immer gleichgültiger wird, je näher ich mir selbst komme. Wenn ich bei mir selbst bin, wenn ich in mir wohne, dann brauche ich nix und niemanden mehr manipulieren, weder im Guten noch im Bösen. Dann kann ich alles einfach annehmen, brauche nicht mehr werten oder urteilen.
Übrigens glaube ich, daß der Zustand des in-sich-selbst-Wohnens nicht viel mit Erleuchtung, magischem Können / Wissen, der Anzahl der absolvierten Rituale / Reisen und so weiter zu tun hat. Der Schlüssel ist meiner Ansicht nach die Liebe. Gleichgültigkeit und Haß sind einfach zu entfachen, Liebe aber nicht.
So, nun wieder eine scharfe Kehrtwende zurück zu den Dämonen. Ich hab zwei Meinungen zu ihnen.
Erstens: mein inneres Monster ist auch ein Teil von mir. Nämlich der Teil, der sich im dreckigsten, fiesesten, brutalsten, hinterhältigsten und boshaftesten Teil meines Egos suhlt und das auch noch geil findet. Mein Monster braucht Liebe und Aufmerksamkeit wie jeder andere Teil von mir auch, also hätschle ich es, lasse es gemein sein und gebe ihm hin und wieder was zum Spielen. Wir kommen miteinander klar.
Zweitens: meine Dämonen habe ich bei keiner schamanischen Reise, bei keiner Verletzung konfrontieren können. Ihre Bekanntschaft schloß ich erst in einer zwei Jahre dauernden Ausnahmesituation im Krankenhaus. Alles, was davor war, empfinde ich heute als Kinkerlitzchen – sogar traumatische Sachen aus meiner Jugend. Wie tief unsere Tiefen reichen, erfahren wir wohl erst im Ausnahmezustand.
*Senfglas wieder zuschraub*
:: Update ::
In letzter Zeit blogge ich nicht mehr so regelmäßig und viel wie ehedem. Einerseits liegt das an den immer noch andauernden gesundheitlichen Problemen (daß diese langfristig sein würden, hat sich also bewahrheitet – immer noch keine echte Diagnose!). Andererseits habe ich das Gefühl, mehr und mehr in eine Online-Sprachlosigkeit zu gelangen, die wohl damit zusammenhängt, daß ich sowieso kaum noch am Rechner bin, eigentlich nur noch in Kreativforen unterwegs bin und daß derzeit offenbar entweder nur sehr persönliche Sachen passieren, die hier nix zu suchen haben, oder Zeug, das sich mMn nicht zu bloggen lohnt. Hm. Jedenfalls ist es eine krasse Zeitersparnis, nicht mehr so viel vorm Bildschirm zu sitzen
Der einzige Nachteil: ich vermisse meine tägliche Blogrunde bei Euch, denn ich kann immer nur in wenigen Blogs eine Stippvisite machen pro Tag.
Ansonsten geht es mir richtig gut. Ich genieße die längerwerdenden Tage, die Sonne, den ersten Spargel der Saison, die sich entrollenden Weinblätter in meinem Garten, viiiiele Bücher, PaperPiecing (juhu, ich hab’s kapiert!), frische Kräuter und allerlei feine Sachen mehr. Am Wochenende hatten wir unseren zweiten Mythenabend und es war wieder umwerfend schön
Nun freue ich mich auf eine Fortsetzung und – so Göttin will – ein schönes Mittsommerritual (*Sonne lock*).
:: Kissen! ::
Nachdem ich das Prinzip verstanden habe (ich bin ja komplett unfähig, eine Nähanleitung zu verstehen, weswegen ich immer solange rumknöster, bis es so aussieht, wie ich es haben will), nähe ich zur Zeit fast nur Kissen. Diese Projekte nehmen ein, maximal drei Tage in Anspruch und das ist nach den letzten Quilts und meinen ganzen Langzeitprojekten einfach mal schön
Diese beiden hier habe ich für unsere Ofenbank genäht – die Applikationsform ist selbstgemacht. Da sie komplett mit Vliesofix unterlegt ist, habe ich die Ränder nur mit Geradstich gesteppt. Man beachte die dekorative Teekanne *gg*

Dieses Kissen ist zur Zeit dauernd als Stütze für meinen wehweh-Arm im Einsatz. Ich habe Herzen aus unterschiedlichen violetten Batiks (nach denen ich schier süchtig bin *flöt*) nach dem o.g. Prinzip auf Naturleinen appliziert:
Die Hexe auf diesem Kissen hier habe ich einem Buch von Lise Bergene entnommen, nur daß ihr Besen aus Filz besteht. Am rechten Rand habe ich ein Stück aus einem Halloween-Paneel verarbeitet:
:: Getauscht ::
Doria und ich haben getauscht: sie hat mir einen Schal aus bereits ertauschter Wolle und ein Paar lange Strümpfe gestrickt und dafür habe ich ihr Tees und Gewürze gemischt. Als Dreingabe hat Doria mir ein Perlenlesezeichen und einen Spüli dazugelegt. Vielen Dank, Du Liebe!
:: Kranksein ::
Die Schulmedizin hält uns für Maschinen. Mein Blut tut nicht, was der Arzt gern hätte, schon bin ich krank und behandlungsbedürftig. Wie es mir aber geht – danach hat er nicht gefragt. Also stopft er mich mit Pillen voll, die bewirken, daß es mir grottenschlecht geht (und ich Dummnase nehme das Zeug auch noch, weil – wie Storl sagt – Arztworte Schicksalsworte sind…oder schwarze Magie, je nach Blickwinkel). Ich werde wieder vorstellig bei ihm, mit deutlich verschlechtertem Zustand, und er grinst und flötet “ach iwo! Nehmen Sie das Zeug einfach weiter, das pendelt sich ein!”. Von wegen! Ich habe es abgesetzt und jetzt geht es mir mit Werten, die nicht in der Norm liegen, blendend. Ich habe dazugelernt, der Arzt nicht. Der wird auch den nächsten Patienten für eine Maschine halten, die er, wenn ihre Meßwerte nicht norm-al sind, durch das Herumdrehen an Schrauben, durch das Entfernen oder Ersetzen eines defekten Teils oder durch schwarzmagische Zaubermittel behandelt.
Schockierende Erkenntnis: weiße, gesunde Männer sind die Norm. Ich werde an ihren Werten, an ihrer Verfassung, an ihrer Gesundheit gemessen. Da könnte ich ja direkt einen Apfel neben eine Tomate legen und entsetzt behaupten, der Apfel sei eine ziemlich kranke Tomate.
Schwarzmagisch-manipulativ auch die Geisteshaltung, die sich hinter dem heroischen Heiler, dem Arzt oder Gesundheitsguru verbirgt: “du wärst nicht krank, wenn du die Regeln befolgt hättest. Krankheit ist die gerechte Strafe dafür, daß Du dies und jenes falsch gemacht hast!”. Früher wurde dann mit der Bibel herumgeschwenkt, heute mit Werten und Normen. ‘Heilung’ liegt nur in der Buße und Du wirst mit Diäten, Sport, schlechtschmeckenden Mitteln und derlei ziemlich heftig büßen. Wenn Du gelobst, fortan brav zu sein, heißt das aber nicht, daß du wirklich geheilt wirst. Wenn du krank bleibst, dann ist es nur Zeit für einen neuen Guru und andere, krassere Bußen.
Unser Wunsch nach Gesundheit und Heilung wird instrumentalisiert, um uns zu manipulieren. Die Schulmedizin, ihre Vollstrecker und auch ihre Komplizen, die Pharmaindustrie, lachen sich ins Fäustchen. Wenn Flaute herr-scht, werden Modekrankheiten erfunden: früher Hysterie, heute Adipositas, böses Cholesterin, Schweinegrippe. Du hast die Symptome, wir liefern die Krankheit dazu. Irgendwas findet sich bei jedem Menschen. Komm nur ja nicht auf den Gedanken, zu hinterfragen, wodurch Krankheit und Gesundheit eigentlich definiert sind.
Ja, und dann gucke ich durch die Augen des Arztes, wenn ich seine Praxis betrete: dicke Frau im Rollstuhl. Mein Urlaub ist gesichert!
:: Grüne Gier ::
In Baden viel Sonnenschein diese Woche. Gestern hat mir die Sonne das Gesicht zum Glühen gebracht, lag nachts lang wach und fühlte der Hitze nach. Habe Spitzwegerich, Brennessel, Schafgarbe, Bärlauch, Geißfuß und Löwenzahn gepflückt. Es gab Löwenzahnsalat mit Zitrone, Joghurt und Nüssen, Brennesselsuppe mit Käse und allerlei anderes wildes Grün. Entsetzte Nachbarn: “Sie essen das Unkraut?”. Ich sage ja und denke, diese Methode der ‘Unkraut’vernichtung ist für uns alle besser als die dezenten Sprühdosen, mit denen manche gegen die Kräuter vorgehen.
Umweltsünder im großen Stil verdienen sich bei uns eine goldene Nase. Wir roden Wälder, vertreiben Tiere, Pflanzen, Menschen, vergiften Wasser, Erde und Luft, verklappen, veröden und am Ende heißt es, wir hätten von nix gewußt. Oder wir seien zu arm, um was zu ändern.
Geht raus, sammelt Löwenzahn. Den gibt’s gratis. Und Sonne gleich dazu.
:: Heute ::
Ich hab dem Wind heut zugehört. Er strich über das Land und meine Schultern und sang: “Lebe authentisch, alles andere ist es nicht wert.”
Ich bleib bei mir selbst und bei meinen Entscheidungen. Keine Hierarchien, keine macht-über-orientierte Magie. Ich beweihräuchere nur Götter und Geister, keine Menschen.
Das Gemüsebeet ist nun vorbereitet, die Woche wird gepflanzt. Wie passend.
Abends Suppe gegessen aus Brennesseln, Giersch, Bärlauch. Frühlingskraft.







