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Archiv: Sonntag, 28. März 2010

:: Das Wort zum Sonntag ::

Bei der Durchsicht unseres Familienstammbuchs sind mir heute zwei Sachen aufgefallen. Erstens: mein Mann und ich feiern dieses Jahr die kupferne Hochzeit. Im September dürft Ihr uns also mit Glückwünschen und Blumen überschütten :D Zweitens: bei allen amtlichen Dokumenten, von der Abstammungs- über die Hochzeits- bis zur Geburtsurkunde, wird der Mann an erster Stelle genannt (“Ehemann – Ehefrau” / “Vater – Mutter”). Soviel dann dazu, daß unsere Gesellschaft ja nicht androfixiert sei *hüstel* Ich habe dann mal ein Brainstorming gemacht, wie viele Menschen ich kenne, die voller Liebe, Respekt und Dankbarkeit von ihrem Vater sprechen und – auf der anderen Seite meiner virtuellen Liste – wie viele Menschen ich kenne, die ein problematisches bis traumatisches Verhältnis zu ihrem Vater haben. Ich will ja nicht behaupten, meine Liste sei repräsentativ, aber wäre sie es, gehörten die Männer / Väter / Ehemänner in amtlichen Urkunden eigentlich gar nicht erwähnt.

Übrigens glaube ich, daß es ebenso viele Menschen gibt, deren Verhältnis zu ihrer Mutter gestört ist – allerdings finde ich bei der Betrachtung der Beziehungen [Mutter - Kind] und [Vater - Kind] die Fragestellung “welchen Einfluß nimmt unsere patriarchale, androzentrierte Gesellschaft auf diese Beziehungen?” ziemlich wichtig. Christa Mulack (ich glaube, sie war’s) hat mal geschrieben, das Patriarchat zwingt Mutter und Kind oft in das Gefühl “wir beide gegen den Rest der Welt” hinein. Ich vermute, die auslösenden Faktoren und damit die Gründe für gestörte Beziehungen zu Mutter und Vater sind oftmals unterschiedlicher Natur. Der Vater als Macht-Haber in der patriarchalen Kleinfamilie, der sich durch die Bedürfnisse von Mutter und Kind gestört fühlt und in diese Liebesbeziehung eifersüchtig und durchaus sexuell fordernd eindringt – und auf der anderen Seite die Mutter, die durch dieses Verhalten entweder enger zu ihrem Kind hin- oder von ihrem Kind wegtendiert.

Wenn meine gesundheitliche Verfassung das zulassen würde, würde ich das noch weiter ausführen, aber ich glaube, der Gedankengang ist klar: die patriarchale-androzentrierte Gesellschaft mit ihrer Kleinfamilie ist Mist.

Wir brauchen ein anderes Konzept, damit die Beziehungen heilen können.

Amala Krähenfeder, 28.03.2010, 20:11 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare
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