Archiv: Mittwoch, 24. Februar 2010
:: Mary Daly: Gynäkologie ::
In Dalys Buch bin ich nun beim aufschlußreichen Kapitel über moderne Gynäkologie angekommen – hochtrabend als Frauenheilkunde bezeichnet. Wie irreführend dieser Begriff ist, war mir eigentlich schon länger klar, aber ich möchte gern wieder ein paar Gedanken mit Euch teilen.
Daly bezeichnet die moderne Gynäkologie als Versuch, die ontologisch (= im Kern ihres Seins) unreine Frau auszumerzen und die Gesellschaft von ihr zu reinigen. Sie führt an, daß die Gynäkologen im 19. Jahrhundert (und damals noch ausschließlich Männer) eine Krankheit erfanden, um nicht-dressierte Frauen lächerlich zu machen und ihnen ihre Eigen-Macht zu rauben: die Hysterie. Wie das Wort schon andeutet, bezieht sich diese fiktionale Krankheit auf die Gebärmutter (Hystera). Praktisch, denn da Männer keine Gebärmutter haben, können diese auch nicht hysterisch werden. Hysterische Frauen jedoch wurden und werden auf vielerlei Weisen mundtot gemacht und durch psychotherapeutische, soziale und chemische Mittel ruhiggestellt. Im Zweifelsfall entfernt(e) mann ihnen halt die Gebärmutter bzw. die Eierstöcke – kastrierte sie also. Tatsächlich wird diese Kastration auch heute noch in vielen Fällen angewandt, beispielsweise als Vorsorge (sic!) gegen mögliche Krebserkrankungen (welche oftmals durch den Einsatz der Antibabypille oder der Pille danach erst ausgelöst werden!), gegen Menstruationsbeschwerden, Stimmungsschwankungen etc.
Die hormonelle Manipulation an Frauen durch Antibabypille, die Pille danach und durch Hormonsubstituierung im Klimakterium (den Wechseljahren) betrachtet Daly ebenfalls als Versuch, bislang nicht dressierte Frauen gefügig zu machen und zu kontrollieren. Wie gefährlich diese Präparate sind – auch und vor allem in ihrer langfristigen Gabe – verschweigen Gynäkologen gern, loben jedoch deren Eigenschaften als Mittel gegen ungewollte Schwangerschaften, unreine Haut, schmerzhafte oder “zu heftige” Blutungen, Depressionen etc. Das Interessante ist ja, daß Frauen keine “Selbstzünderinnen” sind, also nicht aus heiterem Himmel schwanger werden, auch wenn uns die christliche Indoktrination anderes glauben machen will. Frauen werden schwanger, weil Männer in ihre Vaginas hineinejakulieren. Doch anstatt daß Männern eine sterilmachende Pille verschrieben wird, wird das Problem an die Frauen delegiert. Ich mutmaße einfach mal ins Blaue hinein, daß es die Pille für den Mann bereits in irgendeinem Hochsicherheitstresor eines Pharmakonzerns gibt (wahrscheinlich genau wie den Automotor, der mit Wasser fährt, im Tresor eines Ölkonzerns). Mit welcher Selbstverständlichkeit Männer und inzwischen auch die patriarchal vereinnahmten und dressierten Frauen davon ausgehen, daß es die Frau zu sein hat, die sich um Verhütung kümmert, finde ich kollossal. Ich wüßte zu gern, wie der Großteil der Männer darauf reagieren würde, wenn ihre Frauen ihnen verkünden würden, daß sie die Pille absetzen und daß fortan die Männer für die Verhütung – im Zweifelsfall durch Verzicht auf intravaginale Ejakulation – zuständig sind.
Ein weiterer Bestandteil der systematischen Be-Herr-Schung von Frauen durch die moderne Gynäkologie ist die Vorsorge. Im Durchschnitt geht frau einmal (manchmal zweimal) im Jahr zu einer gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung, bei der ihr auf dem Rücken liegend (= in Opferhaltung) nicht nur die Finger des Gynäkologen, sondern auch unterschiedliche Instrumente in die Vagina eingeführt und die Brüste abgetastet werden. Der Gynäkologe dringt damit in ihren intimsten Bereich ein. Durch die stillschweigende Selbstverständlichkeit, mit der Frauen dem Gynäkologen meist ab dem Zeitpunkt ihrer Menarche, also ihrer ersten Blutung, vorgestellt und ausgeliefert werden, wird den Frauen suggeriert: Ihr seid krank. Es bedarf der ständigen Kontrolle Eures Körpers. Euer Körper ist potentiell gefährlich und lauert nur darauf, Krebszellen zu entwickeln. Die Gynäkologen betrachten sich dabei meiner Meinung nach als heroische Kämpfer – wie Susun Weed es in ihrem Buch “HeilWeise” beschreibt. Daß ebendiese Konditionierung neben der maßlosen und unverantwortlichen Gabe von Hormonpräparaten einer der entscheidensten Faktoren für viele “weibliche Beschwerden und Erkrankungen” sind, wird bewußt verschwiegen. Die Pille ist maßgeblich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt, doch anstatt ihre Verschreibung zu verbieten, werden Impfstoffe entwickelt, die frau vorgaukeln, gegen Krebs immun zu machen. Diese Lüge wird durch Gynäkologen weiterverbreitet und in Deutschland müssen junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren als Versuchskaninchen dafür herhalten. Wird also ständig suggiert, der Körper einer Frau sei ihr Feind, den es zu kontrollieren und ggf. auszumerzen gilt, wird sie diesen Glaubenssatz verinnerlichen. Ich glaube, darüber, daß Affirmationen einen deutlichen Effekt auf den gesamten Menschen haben, brauchen wir nicht mehr zu diskutieren. Das Praktische daran ist, daß sie, wenn es tatsächlich zu Leiden und Erkrankungen kommt, schon so vereinnahmt ist, daß sie sich ohne zu zögern oder zu zweifeln an die heroischen “Heiler” wenden wird – denn dann ist sie schon nicht mehr fähig, die tödlichen Mechanismen patriarchaler Medizin zu durchschauen.
Ein weiterer Themenkomplex, der dazugehört, ist die Menstruation. Menstruierende Frauen werden auch heute noch als unrein und unsauber betrachtet. Die Furcht vor dem Blut ist allgegenwärtig (ich lade meine Leserinnen ein, beim Abendessen ein Gespräch über die Menstruation zu beginnen und von den Reaktionen zu berichten). Im Patriarchat ist nur Wundblut, das im Kampf / Krieg vergossen wird, vom Makel des Unreinen befreit. Wir erinnern uns: das Patriarchat ist zutiefst lethal orientiert (siehe z.B. die Anbetung eines geschändeten Leichnams im Christentum). Menstruationsblut jedoch ist das einzige Blut, das ohne Wunde vergossen wird. Es erinnert frau an ihre potentielle Gebärmacht und an ihre enge Verbindung und Verbundenheit mit natürlichen Zyklen. Im Patriarchat ist die Schlußfolgerung, die zwigendermaßen folgen muß: Frauen müssen von ihrem eigenen Körper, ihrem Blut und ihrer Verbindung / Verbundenheit mit den Zyklen entfremdet werden, um sie unter Kontrolle zu bringen. Aus dieser Emtfremdung resultieren viele Probleme, die Frauen mit ihrer Menstruation haben: Schmerzen, Krämpfe, Depressionen, Angst davor, andere könnten das Blut entdecken oder riechen etc.
Das Patriarchat geht aber noch einen Schritt weiter. Einerseits soll frau sich für ihre Menstruation schämen, andererseits ist sie durch ihre Blutung und die oftmals damit verbundenen Leiden aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Ein Sechstel des weltweit produzierten Mülls rekrutiert sich aus Wegwerfprodukten zur sog. Monatshygiene (auch dieser Begriff ist suggestiv: mit diesen Produkten ist die fürchterliche Blutung hygienisch, ohne sie nicht). Die wenigsten Frauen wissen, daß Tampons lebensgefährlich sein können und daß bei jeder Verwendung kleine Produktreste in der Scheide verbleiben, was wiederum zu Entzündungen führen kann. Binden werden mit Terpenen bedampft, die Gebärmutterkontraktionen hervorrufen. In der Folge menstruiert frau heftiger, blutet also länger und stärker. Dadurch verbraucht sie mehr Hygieneartikel und kauft obendrein schmerzstillende und krampflösende Medikamente. Da frau aber bereits durch patriarchale Manipulation Angst und Ekel vor ihrem Mondblut hat, weist sie den Gebrauch von Stoffbinden oft als unhygienisch und eklig zurück.