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Archiv: Donnerstag, 18. Februar 2010

:: Die dressierte Frau ::

(c) by Weazel

Mary Daly läßt mich immer noch nicht los. Zur Zeit spüre ich einigen ihrer Thesen in meinem eigenen Leben nach – und das macht ihr Buch “Gyn/Ökologie”auch 30 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung für mich zu einer wahren Schatztruhe. Derzeit gehe ich dem Themenkomplex der dressierten Frau nach. Daly vertritt die Meinung, daß die in letzter Konsequenz dressierte Frau nicht einmal mehr mitbekommt, daß sie dressiert ist. In diesem Stadium dann ist sie sozusagen komplett patriarchal vereinnahmt.

Und was soll das nun wieder heißen? An dieser Stelle begann ich mein Nachspüren und borgte mir dafür ein Beispiel, das Daly gibt: das Sich-Zurechtmachen. Schminken, Frisieren, Parfümieren; Kleidung tragen, die bestimmte Schlüsselreize ausstrahlt (beispielsweise in direkter Verbindung mit den verkrüppelten “Lotus”-Füßen so vieler Asiatinnen: Stöckelschuhe und Pumps, die Flucht und einen selbstsicheren Gang ebenfalls verhindern); und sämtliche den Körper verändernden Eingriffe wie Schönheitoperationen, das Abbinden der Füße, die Beschneidung der weibliche Genitale etc.

Für Daly gehören sämtliche dieser Dinge zusammen, da sie den weiblichen Körper nicht in seiner natürlichen Form bzw. Funktion und in seinem natürlichen Aussehen belassen, sondern ihn modifizieren, um ihn für Männer attraktiver zu gestalten (oder provokant gesagt: um  deren Beuteschema zu entsprechen). Also, ich fand diese Behauptung insofern empörend, als daß ich stets von mir weisen würde, daß ich mich nur chic mache, um Männern zu gefallen. Naja, und dann gingen mir viele Dinge durch den Kopf, die ich Frauen oder Männer über Frauen habe sagen hören. Sowas wie “kein Wunder, daß ihr Mann sie mit mir betrügt, wo sie doch 10 Kilo zugenommen hat / wo sie sich doch so hängen läßt” (Aussage einer Frau). Oder “Du solltest dir wirklich mal deine Nägel ein bißchen feilen, das wirkt dann weiblicher. Das mögen die Jungs” (Aussage eines Mannes). Und je tiefer ich in meinen Erinnerungen schürfte, umso mehr dieser Konditionierungen kamen zum Vorschein. Und bei weitem nicht alle bezogen sich “nur” auf das Äußere der Frau…

Ich habe erstmal alle gesammelt, die mir auffielen, und saß dann vor ihnen wie vor einer Schüssel Mysterieneintopf. Ein buntes Durcheinander, teils so fein püriert, daß ich keine einzelnen Zutaten mehr identifizieren konnte (-> vollständige Dressur?), teils jedoch recht grobstückig. So oder so jedenfalls keine besonders bekömmliche Mischung und schlecht gewürzt obendrein. Ich finde es erstaunlich, welche manipulierenden / dressierenden Aussagen bzw. Werkzeuge ich in diesem Eintopf finde. Betroffen machen mich vor allem die Dinge, die so subtil sind, daß frau schon fast Sprach- und Beziehungs-Archäologin sein muß, um sie ans Licht des Bewußtseins zu fördern. Besonders fies finde ich, daß mann es geschafft hat, daß dressierte Frauen aufeinander losgehen und sich gegenseitig fertigmachen. Soviel dann also zur Schwesternschaft unter Frauen.

Zu einem echten Fazit bin ich noch nicht gekommen, da das Thema so unglaublich komplex ist und in vielen Fällen geschickt getarnt und verschleiert wird. Ich bohre noch ein bißchen nach, die folgende sinngemäß zitierte Aussage von Daly im Kopf: “Frauen, die sich nicht mehr dressieren lassen und sich der patriarchalen Manipulation bewußt werden, sind für patriarchale Menschen häxlich“.

Amala Krähenfeder, 18.02.2010, 13:10 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 13 Kommentare
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