Archiv: Samstag, 6. Februar 2010

:: Mary Daly II ::

Mary Dalys Buch “Gyn/Ökologie” schubst bei mir einiges an. Gerade lese ich die zweite Passage, in der es um das “Sado-Ritual-Syndrom” geht, wie sie es nennt. Dahinter verbirgt sich die systematische und oftmals verschleierte Gewalt, die Frauen weltweit im großen Stil angetan wird, wobei Daly die Mechanismen, die dabei angewandt werden, pointiert entlarvt. Ihr zufolge steckt vor allem die Besessenheit von Reinheit hinter diesen Sado-Ritualen: Frauen gelten als unrein und müssen daher ausgelöscht bzw. unter männliche Kontrolle gebracht werden. Die “Unreinheit der Frauen” besteht demnach nicht nur in ihrer Gebärmacht (Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit etc.), sondern auch in ihrer angeblichen minderen geistigen Fähigkeit (“Frauen können nicht so objektiv / wissenschaftlich denken wie Männern”, “Frauen sind Tratscherinnen” etc.). Um die Unterdrückung, Entmachtung und nicht selten die psychische und physische “Ausmerzung” von Frauen zu rechtfertigen, werden in vielen Fällen religiöse Begründungen gegeben. So sieht Daly in der jungfräulichen Empfängnis der Maria nichts anderes als eine Vergwaltigung, von der die Bibel auch noch behauptet, Maria habe in sie eingewilligt. Anders gesagt wird die Schuld für Gewalt gegen Frauen den Frauen zugeschoben. Diese müßten halt einsehen, daß sie die Wächterinnen der Tugend sein müssen, wo Männer doch eben einen “stärkeren Geschlechtstrieb” hätten. Daß Frauen jedoch oftmals aufgrund ihrer systematischen Er-Niedrigung (= Klein-Haltung) im patriarchalen System gar nicht in der Lage sind, Wächterinnen ihrer “Tugend” zu sein, wird gern verschleiert. Wie soll denn z.B. ein 12jähriges weibliches Kind, dessen weibliche Verwandte durch dieselbe Gewalt psychisch und physisch unter männliche Kontrolle gebracht wurden, der Vergewaltigung durch männliche Verwandte entgehen?

Die Mechanismen der Kleinhaltung von Frauen reichen Daly zufolge aber noch tiefer. Nachdem die Frau physisch und psychisch gebrochen wird, nachdem ihr durch ihr direktes Umfeld und durch die Gesellschaft, in der sie lebt, suggeriert wurde, daß sie an ihrer Mißhandlung selbst die Schuld trägt, wiederholt sich der Vorgang durch die angeblich “objektive” Wissenschaft. So wird z.B. bis heute behauptet, daß Millionen von chinesischen Frauen ihre Füße freiwillig brechen und bandagieren ließen / lassen, weil sie diese Verkrüppelungen eben schön fanden / finden und ja auch den Männern gefallen wollten / wollen. Daß diesen Frauen in dem gesellschaftlichen System, in dem sie leb(t)en, jedoch keine andere Wahl blieb / bleibt, wird nicht berichtet. Daß diese Frauen aufgrund der Verkrüppelungen das Haus nicht verlassen konnten (und demnach keinerlei Vorstellung davon hatten, daß die Verkrüppelung ihrer Füße eben nicht normal ist) und vollständig von den Vorgaben der Männer bzw. der bereits durch patriarchale Mechanismen gebrochenen Frauen abhingen, wird nicht erwähnt. Aber es muß ziemlich praktisch sein, wenn die Opfer nicht mal mehr weglaufen können.

Ich muß in diesem Zusammenhang an Vaginalliftings, Zehenverkürzungen, Brustvergrößerungen und sowas denken – OPs, von denen so viele Frauen immer noch behaupten, diese ja nur für sich selbst machen zu lassen. Frauenverkrüppelung passiert mMn direkt hier.

Amala Krähenfeder, 06.02.2010, 16:30 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 11 Kommentare
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