Archiv: Dezember 2009
:: RauhNächte nahen ::
…und so finde ich mich mitten in der Nacht Runen intonieren, locken, rufen, schreien, weinen… eine meiner Pflanzenverbündeten tagelang immer wieder blättchenweise kauen und erspüren…in Gesprächen mit Mutter Erde vertieft…
Und je weiter ich der Spirale nach innen folge, je mehr glitzerbunte Fäden des wunderschönen Gewebes ich entdecke, begreife, webe, desto mehr Fragen kommen auf, desto mehr Emotionen werden wachgerüttelt.
“Beten reicht nicht”, sagte der Dalai Lama, und auch wenn ich mit dem Buddhismus nichts anfangen kann, damit kann ich was anfangen. Ich habe keine Lust mehr, mir “stille Nacht, heilige Nacht” in die Tasche zu lügen. Habe keine Lust mehr, mir die Lage auf dem Weihnachtsmarkt mit Glühwein schönzusaufen oder an “Heiligabend” (der für mich die Mutternacht ist und bleibt!) mit einem Massenmord an meinen Mitgeschöpfen schönzufressen. Die Konsumneurose in der Welt da draußen macht mich krank. Festlichkeit und Harmonie werden uns von allen Medien eingehämmert, während die Menschen nicht mal Zeit haben, der gestreßten Verkäuferin zu danken und ein Lächeln zu schenken. Abends sitzen wir dann wie die Scheintoten vor den Fernsehern, schauen triefige Filme, die uns den “Geist der Weihnacht” näherbringen wollen, den wir längst verloren haben, und schwelgen in künstlicher Glückseligkeit. Am nächsten Tag wird dann wieder gehetzt, geschrien, gehupt, gedrängelt, abgezockt – Hauptsache, zu den Feiertagen ist alles ‘nice and neat’, geputzt und aufgeräumt, und der Mangel an Liebe kann mit genug Geschenken kompensiert werden.
Nicht zu vergessen der Kirchenbesuch zu Weihnachten, wo männliche Priester in Frauenkleidern, bestickt mit der Farbe des Menstruationsblutes, über einen Gott predigen, der Mord legitimierte und in dessen Namen ungezählte Menschen ihr Leben ließen und lassen werden. Von den Sünden, die ihr Gott erst in diese Welt brachte, wollen sie uns befreien – diese Scheinheiligen! -, während Heime für die Kinder von Priestern unterhalten werden. Vom Leben nach dem Tod predigen sie. Verständlicherweise, denn vom Leben im Leben haben sie nicht die blasseste Ahnung. In ihren toten Zeremonien, in ihren heruntergeleierten Sprüchen und salbungsvollen Reden liegt für mich kein Fünkchen Wahrheit. Vom Leben wissen sie nichts. Sie reden von der Verderbtheit der Frau und haben wohl vergessen, wer ihnen das Leben geschenkt hat. Gott soll etwas erschaffen, Leben geschenkt haben? Wie denn das – so ganz ohne Gebärmutter?
Beten reicht nicht. Aber bevor wir etwas ändern, bevor wir handeln können, müssen wir endlich unsere Augen öffnen. Kein Gott, kein Politiker und kein Fernsehsender wird das für uns tun.
Es wird Zeit.
:: Vorweihnachtliches Getausche ::
Bereits vor einigen Tagen habe ich diesen kuscheligen Schlauchschal und den niedlichen Perlenengel von Nesaja im Tausch gegen ein paar Leckereien bekommen:

Auf dem Bild kommt seine Form leider gar nicht rüber: ich kann ihn als Schal um den Hals tragen oder mir über Kopf und Ohren ziehen, wenn der Wind zu arg pfeift. Vielen Dank, Jasmin! Mit Dir tausche ich immer wieder gern.
Und dann ist heute das rote Wanderpaket eingetrudelt. Folge Sachen habe ich mir ausgesucht:

- Wellenschal von Miri (das wird ein Weihnachtsgeschenk)
- Crème de la Crème- und Sweetheart-Seife von Nähkitty
- Lippenpflegestift Kirsche ebenfalls von Nähkitty
Vielen Dank, Ihr zwei
Auffüllen werde ich das Wanderpaket mit gepatchten Glasuntersetzern, Früchtetee und Gewürzen.

:: Drei Milliarden 64 Millionen ::
Heute lese ich in “Starke Mütter verändern die Welt” von Kristen Armbruster: “Die norwegische Akademie der Wissenschaften hat errechnet: seit dem Jahr 3600 v.u.Z. bis heute fanden insgesamt 14513 Kriege statt. Dabei gab es drei Milliarden 64 Millionen Tote. [...] (Wollenschläger, zit. in Wolf: “Was war vor den Pharaonen?”, S.19)”.
Ich habe einem Kind das Leben geschenkt. Es kostet viel Zeit und erfordert eine Menge Achtsamkeit, Umsichtigkeit und vor allem Liebe, mein Kind aufzuziehen, es zu nähren, zu trösten, zu versorgen, zu fördern. Wie viele Mütter stehen hinter drei Milliarden 64 Millionen Kriegstoten und ungezählten Kriegsopfern, die vergewaltigt, mißhandelt, enteignet, entwürdigt, gefoltert, vertrieben und verletzt wurden und weiterhin werden? Was muten die Kriegsherren uns Müttern eigentlich zu!? Wenn es grad mal wieder in deren Pläne hineinpaßt, werden wir hochstilisiert als Produzentinnen des neuen Kanonenfutters und ansonsten wird uns das weggenommen, was wir lieben, was wir gehegt und gepflegt haben. Vielmehr noch, uns wird Verachtung zuteil, weil wir ja so schwach und hilfsbedürftig sind, nicht lebensfähig ohne die Männer, die seit mehreren tausend Jahren alles daran gesetzt haben, uns so klein und abhängig zu bekommen und zu halten. Und wenn eine wagt, ihren Mund aufzutun, dann wird sie gleich eine Spinnerin geschmipft, eine Kampfemanze, eine Männerhasserin, die sich in Hirngespinnsten von einer gewaltfreien Gesellschaft ergeht. Damit soll sie mundtot gemacht werden. Oh Mutter! Da muß eine ja ver-rückt werden!
“Matriarchat – aha! Da wollt ihr Frauen also mal den Spieß umdrehen und uns Männer unterdrücken!” wird einer da entgegengeschleudert. Und während mein Gegenüber sich diebisch darüber freut, so unglaublich scharfsinnig mein eigentliches Anliegen hinter meinen Worten von Konsensgesellschaft und Gewaltfreiheit entlarvt zu haben, werde ich ganz stumm und ziehe mich in mich selbst zurück und frage mich, ob der sich denn wirklich nur eine Gesellschaft denken kann, in der irgendwer irgendwen unterdrückt und be-herr-scht? Sind wir denn unfähig geworden, Frieden zu leben?
Ich schaue mir die Gestalten an, die erst kürzlich gewählt wurden, das Volk zu vertreten. Die professionellen, gutbezahlten Augenwischer. Es ist bestimmt gar nicht so einfach, dem Volk weiszumachen, man würde alles zu seinem Wohl tun, während man damit beschäftigt ist, die Menschen und das Land krankzumachen mit der Lüge von unbegrenztem Wachstum, vom unbegrenzten Vorhandensein von Energie. Glaub ja nicht, es wäre nicht genug Geld da, um unsere Kinder satt zu bekommen, um gute Schulen, ein faires Gesundheitssystem und eine Ökonomie des Friedens zu installieren! Das Geld ist da, aber es wandert in die Rüstung, in die Erforschung weiterer unheilbringender Massenvernichtungswaffen, in die Lagerung von atomaren Abfällen oder wird für unnützes Zeug auf den Kopf gehauen. Ja, und da es so gemacht wird, ist natürlich kein Geld da für die Dinge, die das Leben braucht und die es zum Leben braucht. Stell Dir nur mal vor, die 68.000 €, die die letzte Regierung kurz vor ihrer Abdankung für neue Luxusschreibgeräte ausgegeben hat, hätte man für was Sinnvolles verwendet. Shame on you! Und wer hat die eigentlich gewählt!? War das Absicht?
Oh Mutter! In mir bricht sich Zorn Bahn, den ich als gutes, braves Mädchen nicht fühlen durfte. Es heißt: Mädchen, die pfeifen, und Hühnern, die kräh’n, soll Mann beizeitigen den Hals umdreh’n. Aber ich lasse mir den Hals nicht so einfach umdrehen, lasse mir den Mund nicht mehr verbieten. Ich will auch nicht mehr brav und höflich sein. Ich will meinen Zorn kultivieren, damit er diese ganzen Lügen hinwegfegt, diesen ganzen kranken Mist aus meinen Adern rausspült. Ich will mich nicht mehr mit Fernsehen und Konsum unter- / unten halten lassen. Ich will wach sein und ich will meine Stimme wiederfinden und gebrauchen.
:: Nikolaustag ::
Am Morgen mußte ich zuerst mit meinem Sohn danach gucken, ob der Nikolaus denn auch die Kekse und die Milch verputzt hat, die wir ihm in den Wintergarten gestellt hatten. Hat er. Sogar die Möhre für sein treues Rentier war bis auf einen Stummel aufgeknabbert. Dann erst durften wir unsere Strümpfe leeren. Müssen wir brav gewesen sein
Ich finde es immer sooo klasse, wenn die Familie nach dem Auspacken bei Tee und Frühstück zusammensitzt und jeder davon überzeugt ist, das beste Geschenk von allen bekommen zu haben *kicher* Mir hat der Nikolaus dieses Jahr ein Buch, ein Denkspiel und zwei Tüten voller Süßigkeiten gebracht. Auf daß mir die neue Hose bald nicht mehr passe!
Direkt im Anschluß ans Frühstück sind wir auf den Weihnachtsmarkt in einem Nachbardorf gefahren. Schööööön! Es gab natürlich eine Menge Stände mit Glühwein, Punsch und Fressalien, aber eben nicht nur. Und die meisten der Verkaufsstände boten Handarbeiten und Hausgemachtes feil. Bevor es wieder nach Hause ging, haben wir noch einen Abstecher zum Michelsberrig gemacht. Der Berg verzaubert mich immer wieder…
Heute durfte ich auch das Päckel von Grittli öffnen, das mir der Nikolaus schon vor ein paar Tagen gebracht hat: einen wunderschönen Taschenbaumler in “meinen” Farben, eine total liebe Karte und eine Schachtel mit laktose- und backtriebmittelfreien Mandelhörnchen (allein für die verdient Grittli einen Orden und gehört auf’s Ehrentreppchen
). Vielen Dank, ich freue mich total!

Und jetzt gerade höre ich meinen Männern zu, die in der Küche Brotteig kneten und Essen kochen, lasse mich von meiner Katze anschmusen und freue mich auf einen gemütlichen Abend bei Tee und einem Stückchen ganz besonderen Apfelkuchen.
Wie war Dein Nikolaustag?
:: KTF-Adventskalender, 1. Woche ::
Hier seht Ihr die Sachen, die mir Uli-Glasfilz an den ersten fünf Tagen in den Adventskalender gesteckt hat: lauter tolle Dinge aus Filz!

Die Anhänger haben nun in meinem Hexenbesen im Wohnzimmer ihren Platz gefunden (und drunter sitzen zwei Katzen und kratzen im Jagdfieber am Stiel rum *gg*). Vielen Dank, Uli!
Ansonsten war ich gestern mal wieder im Patchworkladen meines Vertrauens und habe mir Stoffe, Kuschelfleece und Garn für zwei neue Projekte gekauft, nachdem ich an meinen aktuellen Quilt mit dem klangvollen Namen Quite-White-Quilt (“ziemlich weißer Quilt”
) aufgrund von Lieferschwierigkeiten beim benötigten Stoff nicht weiterarbeiten kann. Einer der neuen Quilts wird ein Geburtstagsgeschenk für meinen Sohn.
Übrigens: Katzen lieben Quilts.

:: Weihnachtliche Sticheleien ::
Wie versprochen kommen hier schon mal ein paar (mittelmäßige) Bilder von weihnachtlichen Nähereien.
Erst der Adventskalender, den ich für uns aus einem Paneel und meinem liebsten Stechpalmenstoff genäht habe. Die Geschenke werden eigentlich an die roten Schleifen gebunden, nur irgendwie waren die meisten dieses Jahr zu schwer, so daß sie auf dem Altar gelandet sind

Dieses Utensilo habe ich für meine Ergotherapeutin genäht. Bevor ich es verschenke, wird es noch mit ein paar Leckereien gefüllt. Ich habe extra keine weihnachtlichen Stoffe verwendet, damit sie es das ganze Jahr über benutzen kann:

Dieses kleine Deckchen ist ebenfalls entstanden:

Sein Bruder (mit Motivstoff zusätzlich in den vier Eck-Patches) wird demnächst in einem Wanderpaket unterkommen
Außerdem sind noch einige Sachen für Weihnachtswichteleien entstanden, die ich noch nicht zeigen kann. Und aktuell arbeite ich gerade an einer rot-grünen Altardecke für mich. Muß ja auch mal was von meinen Näherein behalten
:: Weihnachtsmarkt aus RollstuhlPerspektive ::
Gestern waren wir in Speyer auf dem Weihnachtsmarkt. Nachdem ich ja jetzt ein LandEi bin und nur selten in eine größere Stadt komme, ist es immer wieder faszinierend, wie wuselig es dort ist. Allerdings empfinde ich es dort als ziemlich relaxed, sogar wenn viel los ist. Vorbildlich finde ich die Stadt auch in Sachen Barrierefreiheit. Viele Geschäfte haben entweder direkt eine Rampe montiert, können eine solche in wenigen Sekunden an ihre Treppenstufe(n) anlegen oder verfügen, wenn sie zur Einkaufsstraße hinaus nur eine Treppe haben, über einen rolligeeigneten Seiteneingang. Und viele günstig gelegene Behindertenparkplätze gibt’s auch (die lobenswerterweise auch nicht von Nichtbehinderten zugeparkt werden). Drei Daumen hoch!
Am Nachmittag war der Weihnachtsmarkt mäßig besucht. Bunte Lichter, die trötenden Hupen des Kinderkarussells und eine wilde Duftwolke nach Bratwurst, Paradiesäpfeln und Lebkuchen begleiteten uns auf unserem Weg die Stände entlang.

Das Bild zeigt eigentlich ganz gut meine Perspektive aus dem Rollstuhl heraus. Ja, nach ner Stunde Weihnachtsmarkt hat man definitiv Nackenschmerzen
Das einzige Manko in Sachen Barrierefreiheit waren Kabelabdeckungen, die für Rollis und Kinderwagen doch sehr steil waren, aber meist konnte man diese ganz gut umfahren, indem man einen anderen Weg nahm.
Zufälligerweise bin ich über einen Laden “gestolpert”, der mir noch nie aufgefallen ist, obwohl ich schon so oft an ihm vorbeigegurkt bin, nämlich ein Klamottengeschäft für große Größen. Dort hat mein persönliches Weihnachtswunder stattgefunden, ich hab nämlich auf Anhieb eine passende, superbequeme und warme Hose gefunden. Woar. War auch bitternötig! Auf dem Nachhauseweg haben wir bei einem Hofverkauf gehalten und Spitzkohl, Pastinaken und hausgemachte Bärlauchnudeln eingekauft. Obwohl ich schon über ein halbes Jahr hier lebe, staune ich immer wieder darüber, wie stark sich die Gemüse, die man hier bekommt, von denen, die in Wuppertal im Supermarkt angeboten werden, unterscheiden. Sowas Gutes hat man da einfach nicht kaufen können.
Heute wird mein Schattenbuch für die nächsten drei Monate zu mir zurückkehren. Ich bin schon sehr gespannt auf die bisherigen Einträge von Feuerseele und Corvina – und ich freue mich, daß es während der dunklen Zeit und der Rauhnächte bei mir ist.