Archiv: Donnerstag, 31. Dezember 2009

:: JahresEndStöckchen ::

…drei Stunden vor Jahresende wird’s Zeit. Gemopst bei Feona.

Vorherrschendes Gefühl für 2009? Erst aufbrechen, dann ankommen.

2009 zum ersten Mal gemacht? Kein Blatt vor den Mund genommen.

2009 nach langer Zeit wieder getan? Gebadet.

2009 leider gar nicht getan? Gestrickt.

Wort des Jahres? Matrivival.

Zu- oder abgenommen? Abgenommen :mrgreen:

Stadt des Jahres? Waghäusel.

Alkoholexzesse? Hier und da ein Mon Chérie. Hat gereicht.

Davon gekotzt? Nö.

Haare länger oder kürzer? Kürzer.

Kurz- oder weitsichtiger? Weitsichtiger.

Mehr oder weniger ausgegeben? Weniger.

Höchste Handyrechnung? Um die 3 €. Ich hasse telefonieren.

Krankenhausbesuche? Nope.

Verliebt? Sehr.

Getränk des Jahres? Darjeeling mit Kandis und Sahne. Wiesentaler Wasser.

Essen des Jahres? Tofu in Erdnußsauce. Soja”ente”. Tofu”fisch”. Lots of soy.

Most called persons? Niemand. Ich hasse telefonieren wirklich.

Die schönste Zeit verbracht mit? Meiner Familie. Mir selbst.

Die meiste Zeit verbracht mit? Mir selbst.

Song des Jahres? Hab ich nicht, aber Tool ist meine Band des Jahres.

CD des Jahres? Aenima von Tool.

Buch des Jahres? “Starke Mütter verändern die Welt” von Kirsten Armbruster. Und “Die zwölf wilden Schwäne” von Starhawk / Valentine.

Film des Jahres? Da gab’s keinen, der mich bewegt hat.

Konzert des Jahres? Auf keinem gewesen.

TV-Serie des Jahres? Sowas guck ich auch nicht.

Erkenntnis des Jahres? Die Mitte jeden Quilts ist endlich.  

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können: Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.

Nachbar des Jahres? Rechts neben uns. Die sind einfach süß.

Beste Idee / Entscheidung des Jahres: “ich mache das jetzt einfach!”.

Schlimmstes Ereignis? Ja, gab’s auch.

Schönstes Ereignis? Der Umzug.

2009 mit einem zwei Worten? Es wyrd.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch!

Amala Krähenfeder, 31.12.2009, 21:22 | Abgelegt unter: Blogkram | RSS 2.0 | TB | 1 Kommentar

:: Warum ausgerechnet Kräuter? ::

Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, als ich den Gewürzschrank meiner Mutter erreichen konnte, wenn ich mir einen unserer Klappstühle heranzog. Wacklige Angelegenheit, aber ein zielstrebiges Kind schafft ja alles (und hat eine ganze Horde Schutzengel, natürlich). Von diesem Schränkchen ging ein seltsam-verheißungsvoller Duft aus, eine wilde Mischung aus Salbei, Pfeffer, Vanille und einigen anderen Kräutern und Gewürzen mehr, die ich nicht benennen konnte. Ich nahm ein Döschen nach dem anderen zur Hand, öffnete es und schnupperte daran. Manche Düfte fand ich zu bitter oder zu scharf, andere nichtssagend, aber manche lösten in mir wilde Assoziationen aus – übrigens weniger zu Gerichten, die meine Mutter zu kochen pflegte. Vielmehr schickten sie mich auf Reisen an Orte, die ich gar nicht kannte, die mir aber trotzdem vertraut schienen.

Meine Mutter war geduldig. Sie setzte mir einen großen Topf Wasser auf den Herd und während dieser vor sich hinblubberte, durfte ich Gewürze und Kräuter hineingeben, umrühren, schnuppern. Nachdem der halbe Gewürzschrank darin landete, war es ein echtes Hexengebräu und roch schaurig – aber spannend. Rückblickend würde ich sie gern fragen “sag mal, wieso hast du mir das erlaubt? Die Sachen müssen doch wirklich teuer gewesen sein”. Aber wahrscheinlich kenne ich die Antwort schon: weil es wichtig war. Diese Erfahrung war wichtig für mich und sie hat mich geprägt.

Später wollte ich dann Botanikerin werden – ich wußte zwar nicht genau, was das sein sollte, aber es hatte was mit Pflanzen zu tun und das genügte mir. Ich lerne die lateinischen Namen sämtlicher Pflanzen aus einem Buch auswendig und nervte meine Biolehrerin damit, daß ich wußte, was Angiospermen sind, und sie nicht. Irgendwann kamen wir mal auf die Erbsen des Herrn Mendelsohn zu sprechen. Pflanzliches Erbgut zu verändern, schien mir Gaukelei, schwarze Magie. Es stand im krassen Gegensatz zu dem, was ich empfand, was sich mir offenbarte, wenn ich mit den Kräutern umging. Was mit dem Mönch begann, nimmt heute komplett absurde Formen an. Genverändertes Saatgut, das Pflanzen hervorbringt, deren Samen nicht keimen. Multiresistente Pflanzen, die nicht-genveränderte Pflanzen infiltrieren und verändern – mit welchem Ergebnis, wissen wir nicht. Wir wissen ja nicht mal, was passiert, wenn wir von diesen veränderten, schwarzmagischen Pflanzen essen… Was steckt dahinter, wem nutzt das? Natürlich nutzt es machtbesessenen, geldgeilen Menschen, die an der Spitze von Konzernen stehen, die Pflanzen manipulieren, die grobfahrlässig in die Schöpfung von Mutter Erde eingreifen. Ich frage mich, wie sich diese Menschen wohl fühlen, deren Reichtum auf dem Leid unzähliger Kleinbauern fußt. Ich vermute, großartig. Und wenn erst alle Kleinbauern und Landwirte weltweit von ihrem widernatürlichen Saatgut abhängig sind, dann geht’s denen wohl noch besser. Besonders interessant fand ich die Erkenntnisse eines Landwirts aus den USA, der seinen Rindern genveränderte Pflanzen fütterte. Wenige Monate nach der Futterumstellung wurden seine Kühe unfruchtbar. Er stellte das Futter erneut um, nämlich auf nicht-manipulierte Pflanzen. Wer rät, was passiert ist? [Das komplette Video gibt's in mehreren Teilen hier zu sehen]

Parallel zur Öffnung des (meiner Ansicht nach eh nur fiktionalen) Marktes für genmanipulierte Pflanzen passiert etwas sehr Erschreckendes: Angst vor Wildpflanzen entsteht. Ja, klar haben fromme Menschen schon seit vielen Jahren die gar schröcklichen psychoaktiven “Hexenpflanzen” gejagt und niedergetreten, wo immer sie sie fanden, aber ich spreche von einer Angst vor dem Kräutlein, das am Wegrand wächst oder im nicht-totgespritzten Garten. Besonders skurril war eine Begegnung, die ich mit meinem Sohn im Sommer hatte. Das Kind sitzt an einem Feldrand, rupft gedankenverloren und selbstzufrieden Spitzwegerich, Wiesensalbei und Löwenzahn, wobei hin und wieder ein Blättchen dessen, was er einwandfrei bestimmen kann, in den Mund wandert. Eine aufgebrachte Radfahrerin hält mit quietschenden Reifen neben uns. Wie ich denn sowas zulassen kann – daß mein Kind diese Unkräuter essen darf?! Ich war zu perplex für eine Antwort.

Ich glaube, Pflanzen suchen unsere Nähe. Diejenigen, die versuchen, einen englischen Rasen zu kultivieren, werden das aus leidvoller Erfahrung bestätigen können. Pflanzen folgen dem Menschen, bieten sich dar, wollen Kontakt. Unsere großen, großartigen Nährerinnen, unsere fürsorglichen Mütter. Je mehr du diese Nähe, diese Liebesbeziehung zuläßt, je offener du wirst, desto öfter werden dich die Pflanzen besuchen und manchmal auch rufen. Pflanzen lehren uns: alles, was du brauchst, ist direkt hier. Wir vergessen das zu oft. Wir sind zu abhängig von der Pharmaindustrie geworden. Vitamintabletten statt gesunder Ernährung, Antibiotika statt Inhalationen.

Kirsten Armbruster schreibt in ihrem wunderbaren Buch “Starke Mütter verändern die Welt”, daß wir in einer Mangelgesellschaft leben. Wir haben immer weniger von allem. Weniger Vielfalt, weniger Auswahl. Das trifft nicht nur auf Kinder, Arbeitsplätze und Perspektiven zu, sondern auch auf Pflanzen und Kräuter. Viele alte Gemüse gibt’s einfach nicht mehr – sie waren zu bitter, zu langweilig, als “arme Leute”-Essen verpöhnt. Viele (Feld-)Früchte werden vernichtet, weil man sie dem Verbraucher (wer ist eigentlich der Verbraucher? Du oder ich oder – ?) angeblich nicht zumuten kann. Der Verbraucher kauft eben am liebsten Obst und Gemüse, das einer DIN-Norm entspricht. Gerade heute kamen wir an mehreren Feldern vorbei, auf denen Pastinaken und Karotten lagen. Sie waren “zu klein” und wurden untergepflügt. Ja, die Natur läßt nichts verkommen und die Erde freut sich. Aber der Erde hätten auch die Blätter dieser Wurzelgemüse gereicht und es gibt hier in der Region Menschen, die dankbar über das Gemüse gewesen wären.

Wenn ich mit Kräutern arbeite, wenn ich Tees und Gewürze mische, dann geht mir das Herz auf. Das ist Vielfalt, das ist Lebendigkeit. Ich empfinde eine tiefe Liebe zu den Pflanzen und mit ihnen zu kommunizieren, fällt mir leicht. Nicht selten kommt es inzwischen vor, daß ich bei einem Zipperlein auf genau das Kräutlein stoße (gestoßen werde), das ich brauche: durch einen Traum, durch ein Wort, das ich plötzlich im Kopf habe, durch das, was ich direkt vor mir habe. Ich weiß dann, daß ich geliebt und getragen bin. Ich fühle mich geborgen.

Darum Kräuter.

Amala Krähenfeder, 31.12.2009, 18:40 | Abgelegt unter: SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare
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