Archiv: Samstag, 19. Dezember 2009
:: Weihnachten….hier ::
Heute Nachmittag sind mein Mann und ich in einer wichtigen Mission aufgebrochen: Äpfel kaufen. Als ich noch in Wuppertal gelebt habe, hätte ich wohl nie gedacht, daß es so kompliziert sein könnte, ein bißchen Obst einzukaufen, aber damals kannte ich auch nur das, was es eben in einem städtischen Supermarkt so gibt, nämlich Obst, das zig Normwerten entspricht, wie auf dem Ei gepellt ausschaut – und das garantiert unreif oder geschmacksneutral verkauft wird.
Im September hatte ich sozusagen meine Apfel-Erleuchtung. Auf dem Heimweg aus dem Elsass haben wir bei einem Obstbauern in der Pfalz einen Sack voller kleiner, keinen Normwerten entsprechenden Äpfel gekauft. Glückseligkeit! So gute Äpfel hatte ich in 32 Lebensjahren noch nicht gegessen. Neulich dann hat mein Mann eine Kiste mitgebracht, die er von einem Zusammenschluß von Obstbauern in der näheren Umgebung erstanden hat. Enttäuschend. Für die Sorte viel zu säurehaltig, kein bißchen mürbe, einfach nur sauer und fad. Um das Obst nicht wegwerfen zu müssen, habe ich daraus Apfelkuchen mit Dinkel-Mürbeteig, Haselnußmarzipan, Vanillepudding und diversen Gewürzen gebacken und einen riesigen Topf Mus werde ich aus dem Rest auch noch kochen.
Aber trotzdem wollte ich Äpfel haben, von denen man auch spät am Abend einen essen kann, ohne direkt Sodbrennen zu bekommen. Daher also unser Ausflug heute. In der Südpfalz gibt es Orte, an denen alle zwei Meter Verkaufsstände aufgebaut sind. Hier bekommt man Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger. Und ich bin ehrlich: nicht einmal die Öko-Sachen waren in der Stadt von so guter Qualität. Heute haben wir einen Obstbaumeister gefunden, auf dessen Hof neben Äpfeln auch Birnen, Mirbellen, Pfirsiche, Himbeeren und allerlei mehr angebaut wird [und wenn im Mai die Pfirsichsaison begonnen hat, werde ich ihn spätestens erneut heimsuchen und dann Pfirsichmarmelade einkochen, bis mein Vorratsschrank platzt...]. Wir hatten ein sehr nettes Gespräch über seinen Hof und seine Produkte und am Ende verließen wir ihn mit 6 Kilo Äpfeln im Gepäck.
Einen Teil davon haben wir nun an unseren wunderbar nach Harz duftenden Tannenbaum gehängt – nach den Feiertagen wird er geplündert und ich werde dann wohl nochmal so einen Kuchen backen. Und den anderen Teil esse ich direkt. Kein Wunder, daß die nordischen Götter durch Äpfel verjüngt werden. Irgendwie hat mir diese Apfel-Odyssee ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig diese Frucht für unsere Vorfahren war, als Vitamin-C-Quelle, die einen gesund durch den langen, dunklen Winter brachte.
Auf dem Rückweg sind wir durch Kandel gekommen, wo an den Adventswochenenden “Christkindlesmarkt” ist. Es war komplett leichtsinnig, diesen Markt bei gefühlten -15° C ohne Schlupfsack und Sitzkissen zu besuchen (das lag nämlich beides wohlverstaut auf der warmen Ofenbank daheim…) und ich habe auch nur 10 Minuten ausgehalten. Aber es war so wunderschön….das meine ich, wenn ich an Weihnachtsmarkt denke. Viele Handarbeiten bzw. handwerklich hergestellte Sachen (Töpferwaren, Genähtes, Krippen + Figuren, Gestricktes, außergewöhnliche Dekorationen, hausgemachte (Kartoffel)Lebkuchen und vieles mehr), kaum Freß- oder Glühweinbuden, nicht so überlaufen, nicht so kommerziell – und dazu die gemütliche Altstadtatmosphäre zwischen dem Katzenkopfpflaster und den prächtigen Fachwerkhäusern. Einfach umwerfend. Ich hätte gern Photos mitgebracht, aber mir sind ehrlich die Finger abgefroren.
Und jetzt sitze ich auf meinem Kuschelsessel vor dem Kamin, in dem die Scheite knackend zu Glut zerfallen, auf meinen Füßen schlummert Luna und einen großen Pott Tee samt Apfelkuchen habe ich gerade eben auch noch verdrückt. Es duftet nach Holzfeuer, Harz, Äpfeln, geriebener Zitronenschale, Muskatblüte und Getreide. Draußen sind’s -18° C und meine Dachrollos sind festgefroren – darum werde ich mir gleich mal eine Schlafbrille nähen, denn ich mag nicht um 8 Uhr von der Dämmerung geweckt werden. Vielleicht nähe ich auch noch zwei, drei Goodies für liebe Menschen, dann kann ich mir dabei noch ein bißchen mein aktuelles Hörbuch vorlesen lassen. Wenn ich auf die Terrasse hinaustrete, kann ich die Feuer in den Kaminen der Nachbarhäuser brennen hören. Der Schnee glitzert im spärlichen Licht, das von unserem Tannenbaum in den Garten fällt.
So fühlt sich Weihnachten an…hier. Und bei Dir?