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Archiv: Montag, 16. November 2009

:: Gruppen || Frauen stärken ::

Ich stelle mir die Frage, wo und vor allem wie ich heute wäre, wenn ich auch nur ein einziges Mal woanders abgezweigt wäre. Ich hab mir die Chance darauf, Teil einer Gruppe zu sein, immer selbst verbaut. Neulich saß ich so da und ein Teil in mir jammerte darüber. Nämlich der Teil, der immer noch auf die Bestätigung und die Anerkennung anderer hofft und beides zu brauchen meint. Ein anderer Teil, den ich mehr als die authentische, eigentliche Amala empfinde, hat direkt mit krähisch-spitzer Zunge die Situation zerlegt und mir deutlich vorgehalten, daß ich in ungefähr 99,99 % aller Fälle ganz bewußt die Entscheidung gegen die Gruppenzugehörigkeit getroffen habe. Manchmal durch Absagen von Verabredungen, manchmal durchaus auch indem ich andere Menschen “rümpierte”, ihnen auf die Zehen trat und mich einfach weigerte, sie toll zu finden, auch wenn andere (die der Gruppe bereits angehörten) sie über den Klee lobten. Dann kam die Frage nach dem Warum. Warum funktioniert das mit mir und der Gruppe einfach nicht? Die verblüffend simple Antwort: Öl und Wasser mischen sich ja auch nicht. Und einen amalakompatiblen Gruppen-Emulgator gibt’s offenbar nicht.

Zu der Gruppensache habe ich aber noch andere Gedanken. Ich wünsche mir durchaus, Teil einer Gruppe zu sein. Ich träume von einer Gemeinschaft von Menschen, die sich alle auf Augenhöhe begegnen, die einander ehren und achten als die, die sie sind. Jede Art von Hierarchie ist mir zuwider und ich krieg “Plaque” bei Bezeichnungen wie Meister/in, Hohepriester/in, Führer/in und so. In Amaladeutsch heißen diese Leute schlicht “die Vorturner” und ich empfinde diese Bezeichnung passenderweise als ironisch. Ich finde es zutiefst erschütternd, in welche Hierarchien sich Menschen verirren, die eigentlich nur auf der Suche nach sich selbst oder nach dem Göttlichen sind. Die Seelenfänger sind nicht nur Christen, sondern auch Heiden. Vielleicht ist es in diesem Bereich besonders einfach, sich den Anstrich von Wissen und Weisheit zu verpassen und damit weniger beleckte Leute zu beeindrucken. Wenn man dann hinter die Fasenden guckt…tja nu. Ich frag mich immer, wie sich jemand zu Meister/in, Hohepriester/in und Co. aufschwingen kann, der seinem eigenen Ego dermaßen erliegt. Der seine eigenen Schatten nicht bearbeitet bekommt. Der offensichtlich abhängig davon ist, daß andere ihn toll finden.

Ich habe bei Starhawk eine Idee entdeckt, die mich berührt. Göttinnendienst heißt Dienen. Damit kann ich total viel anfangen. Es ist so einfach, sich verehren und anhimmeln zu lassen. Und es ist so schwierig, anderen zu dienen, ohne dafür Anerkennung einheimsen, ohne dafür gelobt werden zu wollen. Das zu tun, was getan werden muß, erfordert manchmal die meiste Kraft und innere Stärke.

Mich bringt das unweigerlich zu der Frage, wie wir Frauen stärken können. Vielleicht hab ich grad mal wieder meine Feministinnenbrille auf der Nase, aber mir scheint es doch so, als beträfe das Thema Dienen vor allem Frauen. Frauen dienen ihren Männern, ihren Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen, ihren Vorgesetzten und allen möglichen krausen Forderungen, die die Gesellschaft an sie stellt [wer zum Geier soll "die Gesellschaft" eigentlich sein!?]. Warum neigen wir Frauen bloß dazu, uns so sehr vom “du mußt” regieren zu lassen? Wenn ich mich in meinem direkten Umfeld umgucke, sehe ich Frauen, die sich zwischen drei Vollzeitjobs aufreiben und dafür nicht mal ein Danke zu hören bekommen. Ich sehe Frauen, die mit Männern zusammenleben, die sich einen Dreck darum scheren, was in ihnen vorgeht, welches kreative oder spirituelle Potential sie haben und was ihre Bedürfnisse sind. Ich sehe Frauen, die sich soweit von sich selbst entfernt haben, daß sie sich Vaginalliftings machen lassen, um auch mit 50 noch jungfräulich-unberührt auszusehen. Ich sehe Frauen, die ihre eigene innere Stimme solange durch Kompromisse und den verzweifelten Bemühungen, gesellschaftlichen Forderungen zu entsprechen, übertönt haben, bis sie aufgehört haben, sie wahrzunehmen.

Ja, und dann wünsche ich mir, daß mehr Frauen aufwachen und ausbrechen. Daß sich genau diese Frauen zu starken Gemeinschaften verbinden, in der jede von ihnen eine Stimme hat, die gehört wird, in der jede von ihnen geachtet wird für das, was sie im Innersten ausmacht. Ich wünsche mir, daß wir einander im Bewußtsein um die Göttin in jeder von uns dienen.

Zu dieser Gruppe würde ich sehr gern gehören. Ich bin sicher, dann würde sich Wasser mit Öl vermischen.

Amala Krähenfeder, 16.11.2009, 18:07 | Abgelegt unter: Nach(t)denken | RSS 2.0 | TB | 2 Kommentare
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