Archiv: Dienstag, 27. Oktober 2009
:: Ein Buch schreiben? ::
Bei Grey Owl Calluna kam letzt die Frage danach auf, inwiefern es sich lohne, ein Buch zu schreiben. Ich habe das Gefühl, für mich gibt es nur einen guten Grund, ein Buch zu schreiben: mich selbst. Ich schreib ja in erster Linie auch dieses Blog für mich selbst.
Als Kind hab ich immer gesagt, eins meiner Lebensziele sei es, einmal ein Buch zu schreiben. Guckt mal an, wie bescheiden ich bin. Ich will nicht direkt eine Romanreihe veröffentlichen und damit Millionen scheffeln *gniggel* Aber ja, ich glaub schon, daß es etwas zutiefst Befriedigendes hätte, mein eigenes Buch in den Händen zu halten. Eben nur für mich. Und wenn’s dann nur ein weiterer Mensch lesen würde, wäre ich mehr als glücklich. Papier ist und war schon immer der Stoff, aus dem meine Träume sind. Das erklärt wohl auch, wieso ich selbst mehrfach elektronisch gesicherte Daten immer noch ausdrucke und abhefte. Ich traue dem Papier mehr als virtuellen Buchstaben.
Mein Buch würde vermutlich sehr persönlich werden und eine krause Mischung aus Erlebtem, meinen Gedanken, ein paar fiktionalen Einsprengseln und jeder Menge alltagstauglichem Zeug sein. Solche persönlichen Bücher lese ich schließlich auch am liebsten, wieso sollte ich also versuchen, was anderes zu schreiben? Schreiben kann ich eh nur, wenn ich dafür in der Stimmung bin, aber dann muß es raus.
Wenn man sich die Anforderungen an ein gutes Buch anguckt, die man so im Netz findet, dann weiß ich jetzt schon, daß ich an den üblichen Maßstäben gemessen vermutlich niemals ein “gutes Buch” schreiben könnte. Man soll nicht zuviele Themen behandeln, nicht zu viele Details bringen, man darf keine bösen Worte verwenden (außer man ist die Moderatorin eines Musiksenders und schreibt über Sex im Krankenhaus), es darf keine Längen geben (schließlich hat ja heute auch kaum noch einer Bock, Thomas Mann zu lesen — und der hatte viele Längen…richtig viele Längen…), es darf nicht zu persönlich sein, aber auch nicht zu unpersönlich und es darf vor allem eins nicht: den entertainmentgeilen Leser langweilen.
Hm. Mein Buch wäre wahrscheinlich so ungefähr wie meine Gewürzmischungen. Bunt und durcheinander, aber alles in allem eine stimmige Mischung. Es wäre definitiv persönlich und ich würde gaaaanz schlimme Worte benutzen und so detailreich schreiben, wie ich will, weil ich ja keinem Verlag in den Arsch kriechen muß, und ich würde Längen und Kürzen gleichberechtigt behandeln, aber niemanden entertainen wollen, weil ich mal so denk, daß meine potentiellen Leser das schon selbst hinkriegen. Hach ja.
Würd das jemand von Euch lesen wollen?
:: Die drei Bethen ::
Die Lektüre des Buchs “Der Kult der drei heiligen Frauen” von Kurt Derungs und der bekannten Märchenforscherin Sigrid Früh (übrigens eine meiner Lieblingsautorinnen) beflügelt gerade meine Gedanken und stößt viele Dinge in mir an. Die drei Bethen als Wohltäterinnen, die über das Land ziehen und den Menschen bei ihrer Arbeit helfen und vor allem den Frauen in ihren Belangen beistehen.
Auch an meiner Haustür steht “20*C+M+B+07″, noch von den Vermietern. Ich hatte im Hinterkopf, daß ich mal irgendwo was über die heidnischen Ursprünge dieses Zeichens gelesen hatte, aber jetzt ist es mir wieder bewußt geworden. C+M+B wird ja seitens der katholischen Kirche hingestellt als Zeichen für “Caspar, Melchior und Balthasar”, die drei heiligen Könige, die angeblich dem Jesuskind Geschenke brachten, weil sie in den Sternen gelesen hatte, wer er gewesen sei. In dem Buch von Derungs / Früh findet sich die These, daß diese drei heiligen Könige – wie so manche andere Dinge auch – lediglich eine Erfindung der jungen christlichen Sekte gewesen sei, um das überlieferte Kulturgut der Dreifrauenheit zu überzeichnen und dem Volk die christliche Uminterpretation alten Gedankenguts schmackhaft zu machen.
Ich finde es irre, was für einen Aufwand die christliche Kirche getrieben hat und treibt, um die Wurzeln der Menschen, deren Seelen sie fangen wollen (zweifelsohne mit Erfolg), zu übertünchen. Wie viel Kraft und perfider Wille notwendig sein muß, die Menschen ihre Bräuche und ihren Glauben vergessen zu machen. Geschickt waren und sind sie ja, die Pfaffen. Wo eine Eingliederung des heidnischen Gedankenguts nicht fruchtete, wurde es verunglimpft und verteufelt. Angst ist eben ein wirksames Druckmittel. Heute übrigens auch noch, denke ich, wenn ich hin und wieder mit christlichen Mitmenschen in Kontakt komme, z.B. durch den Kindergarten. Angst vor der Sünde. Angst vorm Tod. Angst davor, nicht vor Gott zu bestehen. Soviel Angst haben sie in die Herzen der Menschen gepflanzt und sie dabei soweit von der liebenden, nährenden Mutter Erde entfernt. Wer keine Angst hat, ist schwer zu regieren. Wenn ich mir die Mentalität anschaue, die unsere Welt zerstört, dann frage ich mich, wieviel davon den monotheistischen Religionen zu verdanken ist, die sich die Erde Untertan machen und sie be-herr-schen wollen.
Was ich jedoch nicht verstehe: warum bleiben ihnen die Menschen treu, wo doch inzwischen soviel von der christlichen Patina auf unseren Wurzeln entfernt wurde?
Irgendwie passen diese Gedanken für mich zu Samhain…