Archiv: Oktober 2009
:: Erstes vorzeigbares Oberteil || Tasche ::
Gute Neuigkeiten: meine Overlock und ich haben unsere Beziehung bereinigt. Anstatt die Scheidung einzureichen, versuchen wir es nochmal miteinander. Und ich darf sagen, daß es bereits Früchte trägt. Das hier ist das erste vorzeigbare Oberteil, das ich genäht habe:

Die Arme sehen etwas kurz aus, passen aber durch die lange Schulterlinie perfekt. Ist direkt ein Lieblingsteil geworden, denn der Stoff ist einfach der Hammer – so richtig kuschelig, aber trotzdem leicht.
Außerdem habe ich mal wieder eine Tasche genäht. Eiiiiiigentlich wollte ich ja keine Dreieckstaschen mehr machen, aber dieser süße Stoff konnte doch unmöglich zerschnitten werden, oder?

Mein hehres Ziel ist es, daß die Leute in 30 Jahren mal von mir als “die Alte mit den Taschen” reden
Ansonsten igele ich mich gerade ziemlich ein und entschuldige mich direkt bei allen, die noch auf Mails oder Briefe von mir warten. Zur Zeit fühle ich mich zu erhöhter Aufmerksamkeit für andere Menschen nicht fähig, was auch an der Samhainenergie liegen mag. Naja, und obendrein hab ich grad mal wieder kaum Stimme, aber das find ich nicht wirklich schlimm – guter Schutz vor “Überkommunikation”

Der Wein im Garten erstrahlt in den prächtigsten Herbstfarben. Linus und ich haben gerade schon einen Teller mit Speisen und Getränken für die Ahnen vor die Tür gestellt, neben die Laterne und die Kürbisfratze. Belustigt hat mich etwas, das mir die Mutter einer Kindergartenfreundin meines Sohnes erzählt hat: letztes Jahr wollte ihre Kleine als Hexe zum KiGa gehen, als ihr die entsetzte Gruppenleiterin mitteilte, der Herr Pfarrer sähe das nicht gern, weil Hexen doch nix mit der katholischen Kirchen zu tun haben. Ach? Wirklich? Erst tausende Menschen als “Hexe” stigmatisieren und abfackeln und dann sowas? *prust*
Wünsche Euch allen ein besinnliches Samhain.
:: Ein Buch schreiben? ::
Bei Grey Owl Calluna kam letzt die Frage danach auf, inwiefern es sich lohne, ein Buch zu schreiben. Ich habe das Gefühl, für mich gibt es nur einen guten Grund, ein Buch zu schreiben: mich selbst. Ich schreib ja in erster Linie auch dieses Blog für mich selbst.
Als Kind hab ich immer gesagt, eins meiner Lebensziele sei es, einmal ein Buch zu schreiben. Guckt mal an, wie bescheiden ich bin. Ich will nicht direkt eine Romanreihe veröffentlichen und damit Millionen scheffeln *gniggel* Aber ja, ich glaub schon, daß es etwas zutiefst Befriedigendes hätte, mein eigenes Buch in den Händen zu halten. Eben nur für mich. Und wenn’s dann nur ein weiterer Mensch lesen würde, wäre ich mehr als glücklich. Papier ist und war schon immer der Stoff, aus dem meine Träume sind. Das erklärt wohl auch, wieso ich selbst mehrfach elektronisch gesicherte Daten immer noch ausdrucke und abhefte. Ich traue dem Papier mehr als virtuellen Buchstaben.
Mein Buch würde vermutlich sehr persönlich werden und eine krause Mischung aus Erlebtem, meinen Gedanken, ein paar fiktionalen Einsprengseln und jeder Menge alltagstauglichem Zeug sein. Solche persönlichen Bücher lese ich schließlich auch am liebsten, wieso sollte ich also versuchen, was anderes zu schreiben? Schreiben kann ich eh nur, wenn ich dafür in der Stimmung bin, aber dann muß es raus.
Wenn man sich die Anforderungen an ein gutes Buch anguckt, die man so im Netz findet, dann weiß ich jetzt schon, daß ich an den üblichen Maßstäben gemessen vermutlich niemals ein “gutes Buch” schreiben könnte. Man soll nicht zuviele Themen behandeln, nicht zu viele Details bringen, man darf keine bösen Worte verwenden (außer man ist die Moderatorin eines Musiksenders und schreibt über Sex im Krankenhaus), es darf keine Längen geben (schließlich hat ja heute auch kaum noch einer Bock, Thomas Mann zu lesen — und der hatte viele Längen…richtig viele Längen…), es darf nicht zu persönlich sein, aber auch nicht zu unpersönlich und es darf vor allem eins nicht: den entertainmentgeilen Leser langweilen.
Hm. Mein Buch wäre wahrscheinlich so ungefähr wie meine Gewürzmischungen. Bunt und durcheinander, aber alles in allem eine stimmige Mischung. Es wäre definitiv persönlich und ich würde gaaaanz schlimme Worte benutzen und so detailreich schreiben, wie ich will, weil ich ja keinem Verlag in den Arsch kriechen muß, und ich würde Längen und Kürzen gleichberechtigt behandeln, aber niemanden entertainen wollen, weil ich mal so denk, daß meine potentiellen Leser das schon selbst hinkriegen. Hach ja.
Würd das jemand von Euch lesen wollen?
:: Die drei Bethen ::
Die Lektüre des Buchs “Der Kult der drei heiligen Frauen” von Kurt Derungs und der bekannten Märchenforscherin Sigrid Früh (übrigens eine meiner Lieblingsautorinnen) beflügelt gerade meine Gedanken und stößt viele Dinge in mir an. Die drei Bethen als Wohltäterinnen, die über das Land ziehen und den Menschen bei ihrer Arbeit helfen und vor allem den Frauen in ihren Belangen beistehen.
Auch an meiner Haustür steht “20*C+M+B+07″, noch von den Vermietern. Ich hatte im Hinterkopf, daß ich mal irgendwo was über die heidnischen Ursprünge dieses Zeichens gelesen hatte, aber jetzt ist es mir wieder bewußt geworden. C+M+B wird ja seitens der katholischen Kirche hingestellt als Zeichen für “Caspar, Melchior und Balthasar”, die drei heiligen Könige, die angeblich dem Jesuskind Geschenke brachten, weil sie in den Sternen gelesen hatte, wer er gewesen sei. In dem Buch von Derungs / Früh findet sich die These, daß diese drei heiligen Könige – wie so manche andere Dinge auch – lediglich eine Erfindung der jungen christlichen Sekte gewesen sei, um das überlieferte Kulturgut der Dreifrauenheit zu überzeichnen und dem Volk die christliche Uminterpretation alten Gedankenguts schmackhaft zu machen.
Ich finde es irre, was für einen Aufwand die christliche Kirche getrieben hat und treibt, um die Wurzeln der Menschen, deren Seelen sie fangen wollen (zweifelsohne mit Erfolg), zu übertünchen. Wie viel Kraft und perfider Wille notwendig sein muß, die Menschen ihre Bräuche und ihren Glauben vergessen zu machen. Geschickt waren und sind sie ja, die Pfaffen. Wo eine Eingliederung des heidnischen Gedankenguts nicht fruchtete, wurde es verunglimpft und verteufelt. Angst ist eben ein wirksames Druckmittel. Heute übrigens auch noch, denke ich, wenn ich hin und wieder mit christlichen Mitmenschen in Kontakt komme, z.B. durch den Kindergarten. Angst vor der Sünde. Angst vorm Tod. Angst davor, nicht vor Gott zu bestehen. Soviel Angst haben sie in die Herzen der Menschen gepflanzt und sie dabei soweit von der liebenden, nährenden Mutter Erde entfernt. Wer keine Angst hat, ist schwer zu regieren. Wenn ich mir die Mentalität anschaue, die unsere Welt zerstört, dann frage ich mich, wieviel davon den monotheistischen Religionen zu verdanken ist, die sich die Erde Untertan machen und sie be-herr-schen wollen.
Was ich jedoch nicht verstehe: warum bleiben ihnen die Menschen treu, wo doch inzwischen soviel von der christlichen Patina auf unseren Wurzeln entfernt wurde?
Irgendwie passen diese Gedanken für mich zu Samhain…
:: Hier fehlt doch was! ::
Stimmt. Nämlich rund 30 Artikel und einige Photos, die ich aus meinem Blog entfernt habe.
Dafür gibt’s ne neue Kategorie: “Blogkram”. Für alles, was das Blog an sich betrifft.
:: Overlock Overload ::
Seit einer Weile habe ich mir eine Overlock-Maschine gewünscht, damit ich mir selbst Kleidung nähen kann. Meine Männer haben mir nun so ein Maschinchen zum Geburtstag geschenkt und bis heute habe ich gezögert, es zu benutzen.
Und nach dem ersten Versuch weiß ich auch, wieso!!!!!!
Patchwork ist so:
- Patchworkstoffe verziehen sich nicht
- die Teile beim Patchwork sind so klein, daß Du sie am Tisch zuschneiden kannst und gut händeln kannst
- Du schneidest bei den meisten Techniken alles präzise zu, legst es rechts auf rechts, nähst mit 1/4″ Nahtzugabe (die der Nähfuß Dir vorgibt) – fertig
- die Quilt-Nähmaschine arbeitet in einem Tempo, bei dem Deine Augen und Dein Gehirn folgen können. Die Nadel kannst du auf den Millimeter genau bedienen
- das Einfädeln der Quilt-Nähmaschine dauert ca. 30 Sekunden
- oder anders gesagt: Du siehst und weißt, was Du tust
Klamottennähen ist so:
- viele Stoffe verziehen sich oder rollen sich alternativ an den Rändern ein
- die Teile sind so groß, daß Du sie am Boden zuschneiden mußt, sofern Du zufällig 20 Quadratmeter Freiraum in Deinem Zimmer hast. Die Schnittvorlagen aus Papier sind so dünn, daß sie sogar Atmen übelnehmen und ihren Platz verlassen. Schneiderkreide malt nicht auf allen Stoffen
- Du schneidest die Teile ungefähr zu, schließlich soll ja die Overlock alles präzise abschnippeln. Dafür mußt Du aber erstmal die riesigen Teile rechts auf rechts legen – und zwar so, daß die auf der linken Seite aufgezeichneten Umrandungen exakt aufeinander liegen, was Du natürlich nicht sehen kannst, weil Dich ja nur immer eine linke Seite anguckt. Fröhliches Raten! Um dem Ganzen noch mehr Würze zu geben, verziehen sich stretchige Stoffe dabei oder rollen sich ein
- die Overlock arbeitet so schnell, daß Du eigentlich kaum eine Chance hast, den Stoff so einzuschieben, daß er wirklich an der Markierung genäht und geschnitten wird. Präzision ist Glückssache
- das Einfädeln der Overlock-Nähmaschine dauert ca. 30 min.
- oder anders gesagt: Du siehst nicht, was Du tust, und hast auch keine Chance, darüber nachzudenken
Ich bin grad so richtig frustig! Ich näh jetzt seit Juni 2008 und finde, daß ich inzwischen ziemlich gut geworden bin. Und heute saß ich da vor der Overlock und hatte das Gefühl, ich hätte noch nie genäht. Irgendwie ist mir zum Heulen zumute
:: SonntagsGedöne ::
Heute gemacht: Stoffmarkt in Ludwigsburg. War total nett und nicht so überlaufen wie im Frühling in Karlsruhe. Habe alles bekommen, was ich suchte, und keinen Cent zuviel ausgegeben. Boar, das ist persönlicher Rekord im Angesicht von soviel Stoff!
Befindlichkeit: immer noch erkältet, aber gut gelaunt. Haigal hält mich mit Tee aufrecht. An dieser Stelle ein dreifaches “HEIL UND SEGEN!!” für Dich
Ansonsten bin ich wahnsinnig stolz auf Linus, der in den 11 Monaten, die er nun wieder bei uns ist, unglaublich aufgeholt hat.
Essen: Vollkornpenne mit vegetarischer Carbonara. Ungefähr 1200 kcal pro Portion. Optimistisch geschätzt.
Musik: depressiver als ich bin.
Wohlfühlen: der Kachelofen schmurgelt vor sich hin. Umgeben von Katzen. Endlich warme Füße.
Heute Abend noch: ein bißchen nähen, während mir Rufus Beck zum x-ten Mal Harry Potter vorliest und die Duftlampe Rosenholzwölkchen durch mein Zimmer pustet.
Ausblick auf die Woche: ein bißchen Stoff zuschneiden; Ergotherapie; viel relaxen.
Wie war Euer Wochenende?
:: Das Haus meiner Göttin ::

Das Haus meiner Göttin steht allen offen – darum hat es keine Türen.
Sie ist immer zuhause und Du kannst jederzeit auf einen Plausch zum Tee vorbeikommen.
- genäht aus Stoff- und Filzresten in Crazy-Patchwork -
:: Tüddelkram ::
Es gibt mich noch. Zur Zeit schleppe ich mich mit einer Erkältung herum, die mir Linus aus dem KiGa mitgebracht hat. Über ein selbstgemaltes Bild hätte ich mich auch gefreut, so isses nich. Jedenfalls ist es jetzt so kalt geworden, daß wir das erste Mal den Kamin angemacht haben, und ich verbringe die meiste Zeit in meinem Kuschelsessel, wo ich mich zwischen einem kreativen Langzeitprojekt und einem guten Buch eingeschnurgelt habe.
Genäht habe ich in den letzten zwei Wochen jede Menge. Ich geb Euch mal einen Hinweis:

Ja, genau, für mich hat die Weihnachtssaison begonnen. Im Dezember möchte ich mich dieses Jahr lieber auf den Moment konzentrieren, anstatt tagtäglich Geschenke zu nähen. Außerdem habe ich beschlossen, diesmal weniger Leute zu beschenken bzw. nur mit netten Kleinigkeiten, die in einen Briefumschlag passen. Neben diesem Stiefel oben habe ich vor allem kleine Sternchen, mehrere Utensilos nach verschiedenen Anleitungen, Heilwollekissen und andere kleine Dinge genäht. Photos darf ich aber nicht zeigen, weil einiges davon eben eine Überraschung sein wird. So ist das beim Bloggen von Yulkram eben
Für uns habe ich dann noch diese kleinen Häuschen-Topflappen aus einem Buch nachgearbeitet:

Guckt Euch übrigens mal die Tea-Cosies an, die dahinter hängen. Der Braune ist der erste seiner Art, den ich letztes Jahr mit nur zwei Monaten Näherfahrung gemacht habe. Der Erdbeerige stammt aus diesem Sommer. Ich find’s schon enorm, wie unterschiedlich die geworden sind…
Letzt kam Linus zu mir und fragte mich, ob wir was nähen, am liebsten Igel. Also habe ich spontan improvisiert, braunen Stoff aus meinem Schrank gekramt, freihändig eine Figur aufgezeichnet, die mit etwas Phantasie an einen Igel erinnert, und dann haben wir genäht. Es war eine halbstündige Aktion, ohne viel Schnickschnack, aber mit einer Menge Spaß. Herausgekommen sind ein Igelkind mit seiner Mama, die jetzt auf unserem Familienaltar residieren:

Die Stacheln müßt Ihr Euch halt vorstellen, der original Igelstoff war leider aus
Letztes Wochenende waren mein Mann und ich im Elsass und in der Pfalz unterwegs, von wo wir je einen riesigen Sack Äpfel und einem mit Walnüssen mitgebracht haben. In den kommenden Tagen werde ich also noch eine Fuhre Bratapfelmarmelade einkochen (auf daß mein Vorratschrank aus allen Nähten platzt…).

Mit einer Birne-RumRosinen-Marmelade liebäugle ich außerdem, aber das kommende Wochenende ist mit einem Basar und dem zweiten Versuch, auf den Stoffmarkt zu kommen, restlos ausgebucht.
So, und jetzt geh ich wieder nähen.
:: Du sollst Dir kein Bild machen ::
Heute früh lag ich noch halb komatös im Bett, als mir so ein Gedanke kam (inzwischen habe ich herausgefunden, daß es wahrscheinlich nur teilweise mein eigener Gedanke war und Haigal nicht unschuldig an dessen Entstehung ist
). Warum verlangt der judäisch-christliche Wüstengott eigentlich, daß sich seine Anhänger kein Bild von ihm machen sollen? Mit verpenntem Kopp kommt mir das Bilderverbot, das mich auch schon streckenweise in meinem Theologiestudium beschäftigt hat, ziemlich skurril vor. In der Exegese ist man zu der Erklärung gelangt, daß Gott nunmal unbegreiflich und daher auch nicht abbildbar sei. Ganz schön verschwurbelt, find ich. Liebe kann man doch auch nicht wirklich erklären, aber es gibt unzählige Wege, sie abzubilden und auszudrücken (Herzchen, Rosen, …). Interessant auch, daß der Wüstengott sich trotzdem irgendwie ein paar wenigen Auserwählten offenbaren will, sei’s nun durch einen brennenden Dornbusch oder durch das Vorbeihuschen am Rücken eines Menschen. Als ich die Geschichte mit dem Vorbeihuschen das erste Mal in meinem Konfirmandenunterricht gehört habe, hat sie mich traurig gemacht. Wie muß sich dieser Mensch fühlen, den Gott in eine Felsspalte stellt und sagt “ich bin so großartig, daß du kleiner Wurm mich gar nicht ertragen könntest”? Dann huscht Gott an seinem Rücken vorbei —- und that’s it? Ich habe mich immer gefragt, ob sich dieser Mensch wirklich geliebt fühlen kann. Er hat eine konkrete Frage und Gott gibt ihm eine Antwort, die keine ist. Sind Eure Kinder damit zufrieden? Mein Sohn ist es nicht.
In meinem Studium bin ich irgendwie zu einer echten Schreckschraube für meine Profs mutiert. Ich wollte begreifen, warum Gott den Menschen nicht da abholt, wo er steht. Warum erklärt Gott sich nicht? Welchen Wert haben diese häppchenweisen Offenbarungen für denjenigen, der sucht, der seinen Geist und sein Herz bereits für Gott sperrangelweit geöffnet hat und dann doch abgespeist wird? Ist das nicht wie ein Liebesakt, der nie wirklich vollzogen wird?
Der Wüstengott verlangt viel von den Menschen, die an ihn glauben. Er verdrängt ihre alten Götter und erklärt sie plötzlich für Götzen, die sie nicht mehr anbeten dürfen. Jahrhundertelang waren diese Götter Teil ihres Lebens. Erfahrbar. In der Bibel findet sich eine Stelle, in der es sinngemäß heißt, daß das Volk lieber Brote für die Himmelsgöttin bäckt, anstatt den Wüstengott anzubeten…
Er zürnt. Überhaupt, ich glaube, er zürnt gern. Angeblich hat er den Menschen geschaffen – menschliches Verhalten inclusive. Der Mensch fällt ab (was auch immer das heißt). Und Gott? Er straft. Ich meine…klar. Wenn mein Kind Unfug baut, dann erkläre ich ihm das natürlich auch nicht und versuche, die Eintracht wiederherzustellen. Ich schick einfach ne Sintflut ins Kinderzimmer, dann ist der Konflikt auch gelöst.
Das Neue Testament soll den neuen Bund besiegeln. Gott gibt sich versöhnlich. Er verzeiht alle Sünden. Meine Lieblingssünde ist die Erbsünde – der Mensch ist per se schlecht, weil Adam und Eva ja schlecht waren und wir alle von denen abstammen. Ich glaube, vieles, was als Sünde deklariert wird, ist Zeugnis für die Lebendigkeit im Menschen. Lust, Eifer, Genuß, Trieb. Ich begreife nicht, warum Gott seinen Sohn opfern muß, damit anderen Menschen ihre Sünden verziehen werden. Es heißt, er liebe die Menschen so sehr, daß er für ihre Verfehlungen sogar seinen eigenen Sohn gab. Mal ehrlich – wer darunter leidet, ist doch wohl vor allem die Mutter. Gott schenkt den Jungen hin, er wird gefoltert und ermordet. So handelt nur, wer nichts erschaffen kann. Finde ich.
Für mich sind viele Aspekte des judäisch-christlichen Glaubens absolut undurchschaubar, selbst nach 13 Semestern Theologie. Wie kann ich einem Gott freudig dienen, der mich als sündig und im Kern schlecht erachtet? Wie kann er ein Gott der Liebe sein, wenn er sein Kind zu Tode foltern läßt? Welche Lebensrealität vertritt Gott, wenn er den Vater an die erste Stelle setzt und die Mutter ans Ende stellt?
Während ich nochmal mit den Zehen an der Bettdecke raschelte, kam mir so in den Kopf, daß meine Göttin irgendwie das Gegenteil vom Wüstengott ist. Sie will, daß ich hinterfrage. Sie will, daß ich mir ein Bild mache – und sie macht es mir leicht, indem sie mir tausende und abertausende Bilder von sich selbst schenkt. Ich muß nur in den Spiegel gucken. Oder in die Augen meines Sohnes. Oder auf das winzige Schneckenhäuschen auf meinem Altar. “The Goddess is in everything, in every form of beauty”. Wer mit den Augen des Liebe sieht, entdeckt, daß alles voller Wunder und daß alles wunderschön ist. Das, was uns von ihr und damit auch von uns selbst trennt, bringt Häßlichkeit und Leid.
Dazu, finde ich, paßt ganz hervorragend, daß die NASA derweil den Mond bombardiert.
Welches Bild die Göttin wohl von uns hat?
:: 5-Fragen-Stöckchen ::
Geschnappt bei ZweiWölfe.
Fünf Dinge, die Du willst, aber nicht hast:
- einen Körper, der meinem Alter entspricht, incl. Gesundheit und Beweglichkeit
- eine wirksame Schmerztherapie, die mir nicht die inneren Organe schrottet
- genug Geld, um dieses Haus zu kaufen
- die eine beste Freundin, selbst auf die Gefahr hin, feststellen zu müssen, daß ich damit falsch lag
- einen Wannenlift. Es wird kalt.
Fünf Dinge, die Du hast, aber nicht willst:
- ne Pflegestufe
- chronische Schmerzen
- ein Schwiegermonster (preisgünstig abzugeben!)
- einen raffgierigen Zahnarzt
- kalte Füße
Fünf Dinge, die Du nicht hast und nicht willst:
- einen Fernseher / eine Spielkonsole
- Stalker-Nachbarn
- einen Hund
- Wäscheweichspüler
- lackierte (Zehen)Nägel
Fünf Dinge, die Du schon immer wissen wolltest:
- besteht Hoffnung, daß Leute, die keinen Behindertenparkausweis haben, irgendwann lernen, nicht auf den reservierten Plätzen zu parken? (ich glaub, ich kenn die Antwort schon…)
- warum werden Feministinnen so oft mit männerhassenden Kampfemanzen in einen Topf geworfen?
- warum gibt es Toblerone nicht ohne Laktose?
- warum darf ich in Deutschland nur einen Mann heiraten?
- wann wird die Dino-Phase meines Sohns eeeeendlich vorbei sein?
Fünf Dinge, die Du hast und auch haben willst:
- meine Familie
- die beste Nähmaschine der Welt
- einen vorzüglichen Darjeeling
- Kreativität
- Zeit
Wer mag, darf es sich schnappen.