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Archiv: Freitag, 21. August 2009

:: Herbst zieht auf ::

Ich bin eine Herbstfrau, schon immer gewesen. Frühling, Sommer, Winter sind okay und ich kann sie inzwischen auch alle so hinnehmen, wie sie eben sind, aber im Herbst blühe ich auf. Vielleicht stimmt es ja, daß man zu der Jahreszeit, in die man hineingeboren wurde, die engste Bindung hat. Ich liebe den frühen Herbst, wenn der Himmel von einem kräftigen Blau ist und die Sonne noch Wärme schenkt. Aber ich liebe auch den Spätherbst, wenn es naß und neblig ist und die bunten Blätter von den Bäumen fallen. Herbst – Zeit der Fülle, aber auch Zeit des Abschieds. Wehmut liegt in der Luft, und manchmal duftet es nach Vergänglichkeit.

Am Abend sind wir über das Land gefahren. Bad Schönborn, Malsch, der Letzenberg, dann weiter über die Dörfchen und Weiler, während die Sonne hinter Philippsburg versank und die hohen Kondenswolken des Atomkraftwerks dramatisch anleuchtete. Nebel kroch über die Felder und Hügel in der Ferne und zum ersten Mal in diesem Jahr duftete es nach Herbst. Die Erde ist feucht und atmet die letzen Tage, die so heiß waren, müde aus. Es wird geerntet und auf den Äckern herrscht bis tief in die Nacht Betriebsamkeit. Krähen sammeln sich in großen Schwärmen, hier und da sieht man Greifvögel, Reiher und die jungen Störche, deren Schnäbel inzwischen auch rot geworden sind. Die Weintrauben schwellen an, die Bäume hängen voller Äpfel und Birnen und Quitten, die im September geerntet werden. Erste Kürbisse kann man auch schon kaufen. Dahlien, Sonnenblumen, Astern und Gladiolen stehen direkt neben Futter- und Saatmais, dessen Stroh allmählich gelb wird.

Kennst Du das, wenn diese Herbststimmung Dich in einem Jahr zum ersten Mal berührt? Mich erfüllt es mit Sehnsucht und läßt mich nachsinnen – wenn ich nicht aufpasse, dann sogar über meine Heimkehr, irgendwann. Ganz langsam dreht sich das Jahresrad weiter und bald werde ich mich wieder nach innen wenden und der Spirale zurückfolgen.

Gerade heute bin ich dankbar. Dafür, hier sein zu dürfen, in diesem Land, das ist so sehr liebe. Für meine Nähe zum “rural year”, dem “bäuerlichen Jahr”, für meine Nähe zur Mutter Erde. Für die Fledermäuse, die über mich hinwegschwirren, und die Katzen, die in der immer früher aufziehenden Dämmerung durch die Gemüsegärten und Weinberge streifen. Für den Nebel, der diese besondere Saite in mir zart antippt. Und für den Wind, der mir zuflüstert “Herbst zieht auf…”

Amala Krähenfeder, 21.08.2009, 23:01 | Abgelegt unter: Nach(t)denken,SchaMagisches | RSS 2.0 | TB | 7 Kommentare
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