Archiv: Freitag, 22. Mai 2009

:: Urlaubslaune ::

Heute hatten meine Männer frei und das bedeutet: ausgiebiges Spätstück und danach viel Zeit für schöne Sachen. Haigal hat mich zu meinem liebsten Stoffhändler gefahren, wo ich einen traumschönen Leinenstoff mit Erdbeeren gefunden habe. Den werde ich nicht zerschnippeln, never! Aber trotzdem weiß ich schon, was ich mit ihm vorhabe: er soll zu einem langen Tischläufer für unseren Eßtisch werden. Mit hellgrünem Garn gequiltet bestimmt ein edler Hingucker. Auf dem Rückweg haben wir beim Chinesen im Ort eine Kleinigkeit gegessen und einen Jasmintee geschlürft.

Daheim warteten schon der andere große und der kleine Mann auf uns. Wir haben miteinander gespielt, im Garten geprotscht und abends gemeinsam gekocht. Natürlich mal wieder Spargel.

Weazel und ich sind nach dem Essen zu einem Ausflug aufgebrochen, und zwar in ein Feld- und Waldgebiet, das direkt hinter unserer Hauptstraße im Ort beginnt. Am Eingang dieses Gebiets steht eine kleine Kapelle.

himmelsgottin

Für mich ist sie die Göttin in ihrem strahlendblauen Mantel, der dieselbe Farbe hat wie der Himmel hier.

Eine kleine Weile geht es zwischen den Feldern hindurch: grün-silberne Ähren, Mohnblumen, Spitz- und Breitwegerich, Löwenzähne, Kamillen, Kornblumen, Schachtelhalm. Am Wegrand grasen Schafe, ein Stück weiter hoppelt ein Känguruh über die Weide.

blumchen

Unvermittelt betreten wir den Wald. Hier duftet es ganz anders, herber, frischer, und je weiter wir dem Weg folgen, desto kühler und feuchter wird es. Hollerbäume säumen den Wegrand und aromatisieren die Abendluft. Ein Vogelkonzert findet zu unseren Köpfen statt und vor uns trottet ein Fuchs über den Pfad. Ein Hase folgt ihm, dann noch einer. Wer jagt hier eigentlich wen? Schnecken mit und ohne Häuschen ziehen ihre silbrigen Schleimspuren über die Steinchen, Mistkäfer krabbeln schnell zur Seite, wenn der Rollstuhl naht.

holler

Ich breche mir eine Hollerdolde ab und sammle junge Erdbeerblätter. Allmählich wird es immer kühler, denn die Sonne sinkt, und da freue ich mich auf einen heißen Tee im Hexenhaus. Wir passieren ein besonders dichtes Waldstück. Mücken schwirren um uns her, die Vogelstimmen haben sich verändert. Es ist dunkel geworden zwischen den Bäumen und mir ist kalt. Genau in dem Moment glimmt die Sonne durch die Bäume und lockt uns zu sich.

abend

Wir folgen ihr hinaus auf einen von saftigem Klee überwucherten Weg, der sich zwischen zwei Getreideäckern hindurchschlängelt. Mein Rolli bleibt ab und zu stecken, aber mit ein bißchen Hilfe geht es gleich weiter. Es duftet nach jungem Getreide, nach Kräutern und nach Abend. Eine Viertelstunde später sind wir zurück auf asphaltierten Straße. Das Dorf empfängt uns mit dem Geruch nach Gegrilltem, mit freundlichen Menschenstimmen und Wärme.

Daheim pflanzen wir ein paar Walderdbeerschößlinge in den Garten. Ob sie angehen werden? Und jetzt gibt es Tee aus frischen Erdbeerblättern und Holderblüten. Unglaublich, wie intensiv er schmeckt.

Ich bin zuhause. Im Urlaub. Zuhause.

Amala Krähenfeder, 22.05.2009, 22:42 | Abgelegt unter: Ausflüge | RSS 2.0 | TB | 6 Kommentare
schlampengoettin.de läuft unter Wordpress 3.0.1
Anpassung und Design: Gabis WordPress-Templates, Weazel