:: Gedanken über Mütter ::

Am 10. Mai ist Muttertag. Ist das nicht wunderbar? Ein Tag, der uns Müttern ganz allein gehört, wo wir Blümchen und Pralinen geschenkt bekommen und, wenn wir viel Glück haben, mal nicht selbst kochen brauchen, sondern zum Essen eingeladen werden. Fast paradiesisch.

Und das ist auch gut so, denn ab Montagmorgen, Punkt 6 Uhr, sobald Mann und Kinder erwachen, geht alles wieder seinen geregelten Gang. Die Mutter als Versorgerin der Familie, als kostenlose Köchin, Putzfrau, Kinderbetreuerin.

Ich hör’s schon. “Das haben sich die Mütter doch ausgesucht, als sie sich für die Familie entschieden haben”. Tatsächlich? Dann heißt “Familie” heutzutage also, daß es de facto nur abends und am Wochenende ein bißchen Gemeinschaft gibt, während die Frauen den Laden schmeißen und die Männer aushäusig sind, um das Geld, das nunmal gebraucht wird, zu verdienen? In welchen Familien können denn die Eltern sich zu gleichen Teilen den Belangen der Familie widmen? Die schleppenden Bemühungen um die Erziehungszeit von Männern deckt keineswegs den tatsächlichen Bedarf und auch den Wunsch vieler Väter, sich um ihre Kinder zu kümmern, ab, zumal damit automatisch finanzielle Einbußen verbunden sind, die sich kaum eine Familie leisten kann.

Ohne die essentiell wichtige Arbeit von Müttern würde unser Staat in sich zusammenbrechen. Jeder nährt sich von uns: Kinder, Männer, pflegebedürftige Angehörige, Kirche und Gemeinde. Wir arbeiten gratis, rund um die Uhr, haben keinerlei Absicherungen und bekommen eine lächerliche, obszön niedrige Rente, für die sich die Poliker noch nicht einmal schämen. Frauen, die sich für die Familie entscheiden, bleibt, wenn sie finanzielle Absicherung anstreben, nur die Möglichkeit, ihren Partner zu heiraten. Die patriarchale Kleinfamilie bietet dennoch in vielen Fällen keine wirkliche Versorgung – die Zahlen der Zahlungsverzögerungen oder -unterlassungen von Unterhalt sprechen für sich, vom Nichtvorhandensein von Geld zur eigenen Verfügung mal ganz zu schweigen. Polyamore Beziehungen, die zur Absicherung der Frau beitragen könnten, werden nicht anerkannt.

Die Alternative dazu ist, daß auch die Mütter außer Haus arbeiten (Arbeit zu finden ist ja heutzutage auch ein Klacks…) gehen und die Kinder in die Obhut Dritter, oft nicht zur Familie gehöriger Personen geben. Was bleibt dann noch von der Familie übrig, die nunmal Grundlage des Staates ist? Es soll ja tatsächlich Frauen geben, die sich bewußt für die Mutterschaft entscheiden. Und überdies sorgt allein die Tatsache, daß Frauen die Gebärmacht haben, also potentiell durch Schwangerschaft und Kinderzeit auf der Arbeit ausfallen könnten, dafür, daß wir Frauen noch immer schlechtere Einstellungschancen und schlechtere Entlohnung haben als Männer. Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation von alleinerziehenden Müttern, die Hartz IV erhalten. Immer mehr Kinder leiden Hunger oder müssen mit denaturalisierten, nährstoffarmen Lebensmitteln ernährt werden. Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund verzichten viele Mütter auf Nahrung, um den Hunger ihrer Kinder zu stillen.

Die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland demaskiert unseren angeblichen “Sozialstaat”.

Die Arbeit, die wir Mütter leisten, wird im patriarchalen Staat entweder komplett verkannt oder stillschweigend hingenommen.

Stillschweigend? Was red ich da – immerhin gibt’s doch den Muttertag.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 30. April 2009 und wurde abgelegt unter "Family". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

6 Kommentare

  1. Erika:

    Grüss Gott Amala,

    ob das am Patriarchat liegt weiss ich nicht. Trotzdem find ich es beschissen. Muttertag wird/wurde bei uns nie gefeiert – auf den einen Tag kann ich gut verzichten. Gott sei Dank sind die Kinder gross und aus dem Haus und ich kann tun was ich will. Ehrlich, mit dem heutigen Wissen würde ich keine Familie mehr gründen.
    Von dreien blieb mir eins.
    Viel wichtiger ist, dass der Kindsvater dem Kind den Respekt und die Liebe zur Mutter vorlebt und ihr niemals in den Rücken fällt.
    Wenn der Umstand gegeben ist, dann kann es nicht schiefgehen.
    Geniesse deinen kleinen Sohn – alles Liebe für euch.

    Liebe Grüsse//Erika

  2. Feuerseele:

    Treffer, versenkt. *applaus*
    Muttertag … als Kind fand ich das toll, und hab natürlich begeistert meine Mama mit Bildern und Basteleien beschenkt, mit zunehmenden Alter den Frühstückstisch gedeckt und Gutscheine für “hausarbeitsfreie Tage” verschenkt. *lach*
    Mittlerweile, wo ich nun im Erzieherberuf voll drin bin und nicht nur mit den Kindern, sondern auch den Eltern – bzw. hauptsächlich, natüüürlich, den Müttern – arbeite, empfinde ich den Muttertag als einzige Farce.

  3. Amala Krähenfeder:

    meine kritik richtet sich ganz gewiß nicht gegen die kinder. ich erlebe ja selbst (endlich, muß man sagen!), wie sehr mein sohn dem muttertag entgegenhibbelt, damit er mir eeendlich geben kann, was er für mich gebastelt hat :mrgreen: das finde ich total süß. allerdings ist in meiner familie das ganze jahr über wichtig, daß wir unsere arbeit honorieren und anerkennen. so bekloppte sätze wie “ach, das bißchen haushalt”, die mein…äh….vater meiner mutter noch an den kopf warf, gibts bei uns nicht.

  4. Erika:

    Natürlich! Die ganz kleinen mit ihren Basteleien sind und bleiben süss! Da geht jeder Mutter das Herz auf.

    Grüsse//Erika

  5. Feuerseele:

    Nee, hab ich auch nicht als Kritik gegen die Kinder aufgefasst! Deren Geschenke sind wirklich zu goldig :) Aber dieser Tag an sich ist einfach völlig daneben. Sätze wie “das bisschen Haushalt” wirft mir mine Omi heut noch an den Kopf … *lach*

  6. Andrea:

    Du hast voll ins Schwarze getroffen…

    Zu gerne würde ich manchem Mann mal wünschen zu tauschen, damit er einen Einblick von dem Mutterdasein im Alltag bekommt…

    aber leider ist es Realität, dass die meistens Frauen weniger verdienen als ihre Männer… und somit vorprogrammiert ist, wer bei den Kindern bleibt…

    Auch ich habe einen typischen Frauenberuf erlernt… und somit ein Gehalt mit dem ein Mann keine Familie ernähren könnte…

    LG

    Andrea

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