Archiv: Donnerstag, 30. April 2009
:: Liebe Post ::
Heute hatte ich was ganz Wunderbares im Briefkasten: einen Brief von Iris.
Guckt mal, was sie mir geschickt hat:

Fliegenpilzige Kappen für meine Schlüssel (leider habe ich bis auf einen nur eckige oder zu kurze Schlüssel, so daß ich eines der Käppchen nicht anbringen konnte, aber sind die nicht der Wahnsinn!?), wunderschöne Glas- und Beinperlen und eine total süße Karte.
Mei, Iris, damit hast du mir echt eine unglaublich schöne Überraschung bereitet. Vielen Dank!
Kleine SnailMail an dich geht die Tage auf die Reise
:: Gedanken über Mütter ::
Am 10. Mai ist Muttertag. Ist das nicht wunderbar? Ein Tag, der uns Müttern ganz allein gehört, wo wir Blümchen und Pralinen geschenkt bekommen und, wenn wir viel Glück haben, mal nicht selbst kochen brauchen, sondern zum Essen eingeladen werden. Fast paradiesisch.
Und das ist auch gut so, denn ab Montagmorgen, Punkt 6 Uhr, sobald Mann und Kinder erwachen, geht alles wieder seinen geregelten Gang. Die Mutter als Versorgerin der Familie, als kostenlose Köchin, Putzfrau, Kinderbetreuerin.
Ich hör’s schon. “Das haben sich die Mütter doch ausgesucht, als sie sich für die Familie entschieden haben”. Tatsächlich? Dann heißt “Familie” heutzutage also, daß es de facto nur abends und am Wochenende ein bißchen Gemeinschaft gibt, während die Frauen den Laden schmeißen und die Männer aushäusig sind, um das Geld, das nunmal gebraucht wird, zu verdienen? In welchen Familien können denn die Eltern sich zu gleichen Teilen den Belangen der Familie widmen? Die schleppenden Bemühungen um die Erziehungszeit von Männern deckt keineswegs den tatsächlichen Bedarf und auch den Wunsch vieler Väter, sich um ihre Kinder zu kümmern, ab, zumal damit automatisch finanzielle Einbußen verbunden sind, die sich kaum eine Familie leisten kann.
Ohne die essentiell wichtige Arbeit von Müttern würde unser Staat in sich zusammenbrechen. Jeder nährt sich von uns: Kinder, Männer, pflegebedürftige Angehörige, Kirche und Gemeinde. Wir arbeiten gratis, rund um die Uhr, haben keinerlei Absicherungen und bekommen eine lächerliche, obszön niedrige Rente, für die sich die Poliker noch nicht einmal schämen. Frauen, die sich für die Familie entscheiden, bleibt, wenn sie finanzielle Absicherung anstreben, nur die Möglichkeit, ihren Partner zu heiraten. Die patriarchale Kleinfamilie bietet dennoch in vielen Fällen keine wirkliche Versorgung – die Zahlen der Zahlungsverzögerungen oder -unterlassungen von Unterhalt sprechen für sich, vom Nichtvorhandensein von Geld zur eigenen Verfügung mal ganz zu schweigen. Polyamore Beziehungen, die zur Absicherung der Frau beitragen könnten, werden nicht anerkannt.
Die Alternative dazu ist, daß auch die Mütter außer Haus arbeiten (Arbeit zu finden ist ja heutzutage auch ein Klacks…) gehen und die Kinder in die Obhut Dritter, oft nicht zur Familie gehöriger Personen geben. Was bleibt dann noch von der Familie übrig, die nunmal Grundlage des Staates ist? Es soll ja tatsächlich Frauen geben, die sich bewußt für die Mutterschaft entscheiden. Und überdies sorgt allein die Tatsache, daß Frauen die Gebärmacht haben, also potentiell durch Schwangerschaft und Kinderzeit auf der Arbeit ausfallen könnten, dafür, daß wir Frauen noch immer schlechtere Einstellungschancen und schlechtere Entlohnung haben als Männer. Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation von alleinerziehenden Müttern, die Hartz IV erhalten. Immer mehr Kinder leiden Hunger oder müssen mit denaturalisierten, nährstoffarmen Lebensmitteln ernährt werden. Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund verzichten viele Mütter auf Nahrung, um den Hunger ihrer Kinder zu stillen.
Die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland demaskiert unseren angeblichen “Sozialstaat”.
Die Arbeit, die wir Mütter leisten, wird im patriarchalen Staat entweder komplett verkannt oder stillschweigend hingenommen.
Stillschweigend? Was red ich da – immerhin gibt’s doch den Muttertag.