Archiv: April 2009
:: Liebe Post ::
Heute hatte ich was ganz Wunderbares im Briefkasten: einen Brief von Iris.
Guckt mal, was sie mir geschickt hat:

Fliegenpilzige Kappen für meine Schlüssel (leider habe ich bis auf einen nur eckige oder zu kurze Schlüssel, so daß ich eines der Käppchen nicht anbringen konnte, aber sind die nicht der Wahnsinn!?), wunderschöne Glas- und Beinperlen und eine total süße Karte.
Mei, Iris, damit hast du mir echt eine unglaublich schöne Überraschung bereitet. Vielen Dank!
Kleine SnailMail an dich geht die Tage auf die Reise
:: Gedanken über Mütter ::
Am 10. Mai ist Muttertag. Ist das nicht wunderbar? Ein Tag, der uns Müttern ganz allein gehört, wo wir Blümchen und Pralinen geschenkt bekommen und, wenn wir viel Glück haben, mal nicht selbst kochen brauchen, sondern zum Essen eingeladen werden. Fast paradiesisch.
Und das ist auch gut so, denn ab Montagmorgen, Punkt 6 Uhr, sobald Mann und Kinder erwachen, geht alles wieder seinen geregelten Gang. Die Mutter als Versorgerin der Familie, als kostenlose Köchin, Putzfrau, Kinderbetreuerin.
Ich hör’s schon. “Das haben sich die Mütter doch ausgesucht, als sie sich für die Familie entschieden haben”. Tatsächlich? Dann heißt “Familie” heutzutage also, daß es de facto nur abends und am Wochenende ein bißchen Gemeinschaft gibt, während die Frauen den Laden schmeißen und die Männer aushäusig sind, um das Geld, das nunmal gebraucht wird, zu verdienen? In welchen Familien können denn die Eltern sich zu gleichen Teilen den Belangen der Familie widmen? Die schleppenden Bemühungen um die Erziehungszeit von Männern deckt keineswegs den tatsächlichen Bedarf und auch den Wunsch vieler Väter, sich um ihre Kinder zu kümmern, ab, zumal damit automatisch finanzielle Einbußen verbunden sind, die sich kaum eine Familie leisten kann.
Ohne die essentiell wichtige Arbeit von Müttern würde unser Staat in sich zusammenbrechen. Jeder nährt sich von uns: Kinder, Männer, pflegebedürftige Angehörige, Kirche und Gemeinde. Wir arbeiten gratis, rund um die Uhr, haben keinerlei Absicherungen und bekommen eine lächerliche, obszön niedrige Rente, für die sich die Poliker noch nicht einmal schämen. Frauen, die sich für die Familie entscheiden, bleibt, wenn sie finanzielle Absicherung anstreben, nur die Möglichkeit, ihren Partner zu heiraten. Die patriarchale Kleinfamilie bietet dennoch in vielen Fällen keine wirkliche Versorgung – die Zahlen der Zahlungsverzögerungen oder -unterlassungen von Unterhalt sprechen für sich, vom Nichtvorhandensein von Geld zur eigenen Verfügung mal ganz zu schweigen. Polyamore Beziehungen, die zur Absicherung der Frau beitragen könnten, werden nicht anerkannt.
Die Alternative dazu ist, daß auch die Mütter außer Haus arbeiten (Arbeit zu finden ist ja heutzutage auch ein Klacks…) gehen und die Kinder in die Obhut Dritter, oft nicht zur Familie gehöriger Personen geben. Was bleibt dann noch von der Familie übrig, die nunmal Grundlage des Staates ist? Es soll ja tatsächlich Frauen geben, die sich bewußt für die Mutterschaft entscheiden. Und überdies sorgt allein die Tatsache, daß Frauen die Gebärmacht haben, also potentiell durch Schwangerschaft und Kinderzeit auf der Arbeit ausfallen könnten, dafür, daß wir Frauen noch immer schlechtere Einstellungschancen und schlechtere Entlohnung haben als Männer. Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation von alleinerziehenden Müttern, die Hartz IV erhalten. Immer mehr Kinder leiden Hunger oder müssen mit denaturalisierten, nährstoffarmen Lebensmitteln ernährt werden. Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund verzichten viele Mütter auf Nahrung, um den Hunger ihrer Kinder zu stillen.
Die Frauen- und Familienpolitik in Deutschland demaskiert unseren angeblichen “Sozialstaat”.
Die Arbeit, die wir Mütter leisten, wird im patriarchalen Staat entweder komplett verkannt oder stillschweigend hingenommen.
Stillschweigend? Was red ich da – immerhin gibt’s doch den Muttertag.
:: Projekt: Schattenbücher ::
Seit einer Weile schon brüte ich über einer Idee, die mir vor etwa zwei Jahren gekommen ist, als ich anfing, Blogs zu lesen. Es ist so faszinierend, Tag für Tag mitzuverfolgen, was sich bei anderen tut, wie sie sich ent-wickeln, ihren Alltag meistern, welche Gedanken sie knüpfen. Besonders interessant sind für mich Blogs, deren Verfasserinnen (ich bin ehrlich: ich verfolge kein einziges Blog regelmäßig, dessen Autor ein Mann ist – warum weiß ich allerdings nicht) sich mit Spiritualität befassen. Es ist wunderschön, zu sehen, wie individuell die Wege sind, die wir gehen. Es gibt soviel zu entdecken und zu lernen, so viele Gedankenanstöße und Anregungen, Bilder und Ideen, Erfahrungen und Meinungen.
Nun bin ich ein Mensch, der zwar gern im Netz herumprotscht, aber eine meiner Leidenschaften ist und bleibt das handgeschriebene Wort. Ich liebe Papier! Das ist wohl auch der Grund, weswegen ich meinen “Spiri-Krams” nicht am Rechner verfasse, sondern nach wie vor ein klassisches Tagebuch bevorzuge, das übrigens einen Ehrenplatz bei mir hat – genau wie alle seine Vorgänger, und derer gibt’s einige. Vielleicht ist es ja ein bißchen verrückt, aber das Rascheln des Papiers, das Kratzen der Feder (oder auch mal des schnöden Tintenschreibers) und last but not least das Gefühl, etwas tatsächlich in den Händen zu halten, hat etwas zutiefst Befriedigendes für mich. Meeeeeeiiiiin Schatz! Und wenn ich mir so die Beiträge anderer in diversen Foren angucke, dann scheine ich wohl nicht die Einzige zu sein, der es so geht
Ja, und das brachte mich dann auf eine Idee: wäre es nicht toll, wenn man mit mehreren Leuten ein spirituelles Tagebuch schreiben würde? So richtig mit Papier? Den Begriff “Schattenbücher” habe ich gewählt, weil er wohl den meisten etwas sagt.
Ich hab lange hin- und herüberlegt, wie man das am besten organisieren könnte, erstens damit kein Teilnehmer Druck hat, in kurzer Frist etwas oder gar viel schreiben zu “müssen”, und zweitens um das damit verbundene Porto zu minimieren. Sind wir ehrlich: jeder, der mitmacht, möchte am Ende ein eigenes Buch in Händen halten, und wenn 20 Leute mitmachen und dementsprechend 20 Bücher an den Start gehen, dann schnellt das Porto für den versicherten Versand in astronomische Höhen – und obendrein kriegt das auch kein Mensch schreibtechnisch bewältigt.
Nein, dieses Projekt möchte ich insgesamt mit nur drei weiteren Leuten machen, von denen jeder die Bücher für drei Monate bei sich hat. Auf diese Weise bezahlt man nur ein Minimum an Porto und hat de facto drei Monate Zeit, etwas zu schreiben. Außerdem gefällt mir der Gedanke, daß etwas von mir ein Jahr auf Wanderschaft ist und voller Erfahrungen (im wahrsten Sinne des Wortes) zu mir zurückkommt. Mir scheint der großzügig bemessene Zeitraum von einem Vierteljahr auch deswegen sinnvoll, weil dann jeder der Teilnehmer zwei Jahreskreisfeste “abdeckt” und das Buch einen Jahreszyklus lang mit Erfahrungen und Beobachtungen gefüllt werden kann. Eine Runde Sache also
Sollten sich nur zwei weitere Leute finden, die dabei mitmachen möchten, hätte jeder die Bücher für vier Monate, so daß unterm Strich wieder ein Jahr Laufzeit herauskäme.
Auch über den Inhalt habe ich mir Gedanken gemacht. Freilich sind das hier nur Anregungen – wenn Euch etwas anderes einfällt, gern
- Naturbeobachtungen (Wald, Garten, …) im Laufe des Jahres
- Jahreskreisrituale bzw. Ideen dafür
- Rituale und Ideen zu allen anderen Anlässen (sowohl im Lebenskreis [Schwangerschaft, Geburt, Namensgebung, Eheschließung, Geburtstage und Co.] als auch anderes [FrauenSpiri, Familienrituale, SchaMagisches, ...])
- Rezepte
- Gedichte / Lieder / Geschichten
- Orakel
- Buchvorstellungen
- eigene Artikel über spirituelle / heidnische / naturreligiöse Themen
- Zeichnungen und Bilder
- Photos und Ausdrucke
- Anleitungen und Anregungen für Kreatives
- Gedanken formulieren
- Begegnungen festhalten
- …
Und das hier sind die Spielregeln:
- Jeder der Teilnehmer geht mit einem Blankobuch an den Start.
- Das Buch darf DIN A 6 bis DIN A 4 Format haben, liniert, kariert oder komplett blanko sein.
- Die Bücher werden ausschließlich versichert verschickt.
- Die Bücher sind pfleglich zu behandeln. Niemand möchte Kaffeeränder, Wasserschäden, herausgerissene Seiten oder sowas in seinem Exemplar wiederfinden. Auch wäre es schön, wenn man die Einträge später auch lesen könnte (so von wegen Leserlichkeit der Handschrift *flöööt*).
- Über den Verbleib der Bücher soll regelmäßig eine Kommunikation über E-Mail stattfinden. Aus diesem Grund bitte ich als Organisatorin zu Beginn darum, daß mir alle Teilnehmer ihre gültige Adresse, ihre E-Mail-Adresse und ihre Telefonnummer geben, für den Fall der Fälle. Sollten sich die Kontaktdaten ändern, bitte ich um Mitteilung der Neuen!
- Bei vier Teilnehmern verbleiben die Bücher drei Monate, bei drei Teilnehmern vier Monate bei jedem, bevor sie an den Nächsten weitergeschickt werden.
- Zu Beginn des Projekts werden wir ausmachen, in welcher Reihenfolge die Bücher von einem zum anderen wandern. Wenn wir uns darauf nicht einigen können (z.B. weil zwei Leute denselben Jahreskreisabschnitt haben möchten), entscheidet das Los über die Reihenfolge, in der die Bücher wandern.
- Demjenigen, der den ersten Abschnitt übernimmt, werden die Bücher zu Beginn von allen Teilnehmern getrennt zugeschickt, im späteren Verlauf sollen sie gemeinsam wandern.
- Die Termine, zu denen die Bücher verschickt werden sollen, werden wir zu Beginn des Projekts festlegen, so daß jeder wirklich genug Vorlaufzeit für die Planung hat.
- Eine Seitenzahl, die in der Zeit, in der die Bücher bei einem Teilnehmer sind, geschrieben werden soll, möchte ich nicht festlegen. Menge und Inhalt liegen im persönlichen Ermessen. Ich jedoch fände zwei Seiten in drei / vier Monaten etwas mager, 100 Seiten zuviel. Es soll schließlich allen Freude machen, sowohl denen, die gerade schreiben, als auch denen, die es später lesen.
- Die Beiträge können handschriftlich oder am Computer verfaßt (und dann ausgedruckt und eingeklebt) werden. Ich habe diesen Punkt in die Regeln aufgenommen, weil ich nicht weiß, wie meine Sehnenentzündung vier Bücher bewältigt. Bei der Wahl des Schreibmittels (Tinte, Kulli, …) soll darauf geachtet werden, daß dahinterliegende Seiten nicht beschädigt werden.
- Die Beiträge können von Buch zu Buch variieren, müssen es aber nicht. Das möchte ich gern im Ermessen desjenigen belassen, der die Bücher gerade bei sich hat.
- Der Letzte, der die Bücher hat, behält sein eigenes. Wir können darüber reden, ob jeder Teilnehmer dem Letzten auf der Liste Geld für versichertes Porto überweist, damit für diesen kein Mehraufwand an Porto entsteht. Wenn wir uns darauf nicht einigen können, erkläre ich mich bereit, daß der Letzte auf der Liste mir die Bücher (außer seinem eigenen) zuschickt und ich dann die Portokosten auf mich nehme, um die beiden anderen Bücher an ihre Besitzer zurückzuschicken.
Ich habe versucht, so wenige Regeln wie möglich, aber soviele wie nötig zu formulieren. Ich denke, wer schon mal an Forenaktionen wie Wichteln und so teilgenommen hat, weiß, warum…
Wer Interesse an diesem Projekt hat, möge sich bitte per Mail bei mir melden unter amala ät schlampengoettin punkt de.
Ich setze voraus, daß die Leute, die sich melden, sich darüber im Klaren sind, daß dieses Projekt ein Jahr in Anspruch nehmen wird und ein Gemeinschaftswerk ist. Ich setze auch voraus, daß diejenigen, die sich melden, engagiert und verantwortlich mit diesem Projekt umgehen. Natürlich weiß niemand, wie sich die nächsten zwölf Monate entwickeln werden. Sollte es die Situation nötig machen, z.B. durch Krankheit, Unfall oder so, daß ein Teilnehmer aussteigen muß / möchte, wird sich ein Weg finden. Absolutes NoGo ist für mich jedoch, wenn solche Dinge oder auch Frust, Probleme beim Versand (z.B. der Finanzierung), Probleme beim Schreiben / Füllen der Bücher, Ideenlosigkeit, Antriebslosigkeit etc. nicht kommuniziert werden. Man kann über alles reden und für alles gemeinsam einem Weg finden, aber wenn die Bücher bei irgendwem aus Lustlosigkeit im Schrank vergammeln und die Anderen darüber nicht informiert werden, finde ich das unmöglich. Ich würde mir wünschen, daß die Leute, die sich melden, das genauso sehen. Nur so werden wir alle größtmögliche Freude an unserem Gemeinschaftsprojekt haben.
Ich hoffe, daß Euch meine Idee gefällt, und daß sich drei Leute finden, die dieses Projekt mit mir zusammen umsetzen möchten
Die Edit: mir ist noch was eingefallen, das ich vergessen habe. Ich hab hier vorgeschlagen, daß immer alle drei bzw. vier Bücher zusammen reisen, um Porto zu sparen. Evtl. wäre es ja auch eine Idee, vorausgesetzt, alle wären bereit, höhere Portokosten in Kauf zu nehmen, daß alle Bücher getrennt voneinander reisen. So hätte jeder Teilnehmer immer nur ein Buch zu füllen und jeder hätte jeden Abschnitt des Jahreskreises.
:: In Früchten schwelgen ::
Passend zur beginnenden Marmeladen-Saison habe ich gestern ein kleines Deckchen für unseren getöpferten Obstteller gepatcht. Gequiltet ist es entlang der Nähte in hellgrün:


Nachdem Frau K. sich mehrmals verrechnet hatte *flöööt*, beträgt die Endgröße nun etwa 14 x 14 Inches. Für mich war’s das erste Mal, daß ich etwas in dieser Technik genäht habe, und das Ergebnis finde ich echt sooo schön
:: Aufgeschnappt ::
- “Behinderte sind wie du und ich” – diesen Satz las ich in einem Merkblatt, das für die Schüler der Unterstufe eines Gymnasiums entworfen worden war. Sind Behinderte tatsächlich wie “du und ich”? Ich glaube nicht. Über das Anderssein hatte ich schon mal was geschrieben. Wer so tut, als seien Behinderte ganz normal, macht es Behinderten schwer. Integration ist keine Frage, die ausschließlich im Kopf beantwortet werden kann. Integration beginnt an der zu hohen Bordsteinkante. Wer glaubt, daß Behinderte normal sind, grenzt sie aus, denn Behinderte haben andere Bedürfnisse als “du und ich”. Und überhaupt, wer sollen “du und ich” eigentlich sein?
- “Behinderung ist keine Strafe Gottes” - daß es Leute gibt, denen das gesagt werden muß, und Leute, die meinen, das sagen zu müssen, empfinde ich als Strafe Gottes. Auch das ist das Gegenteil von Integration. Behinderung und Religion haben nichts miteinander zu tun. Wer meint, das eine durch das andere instrumentalisieren zu müssen, sollte mal ernsthaft über seinen Begriff von Religiosität und Spiritualität nachdenken.
- “Behinderte können nicht mit dem Göttlichen in Kontakt treten” – das ist die Kehrseite der Medaille. Inzwischen ist diese Diskussion von den mono- zu den polytheistischen und heidnischen Religionen übergeschwappt. Behinderte gelten manchen Menschen als zu kaputt, um mit den Göttern und Geistern zu kommunizieren. Als würden körperliche, geistige oder seelische Versehrtheit und subjektiv wahrgenommene Häßlichkeit diese Wesen beleidigen.
- “Behinderte brauchen Freunde” – ich denke, die braucht jeder Mensch, unberührt davon, ob er behindert ist oder nicht. Solche Sätze führen zu Mißverständnissen. Behinderte brauchen kein Mitleid, kein Mitgefühl aus falschverstandener Freundschaft. Behinderte sind keine armen Wauzis, die niemand liebhat, und die nur darauf warten, daß man ihnen seine Freundschaft anbietet.
- “Behinderte sind auch Menschen” – schön, daß wir darüber mal geredet haben.
- “wenn man Behinderte näher kennenlernt, stellt man fest, daß sie eigentlich ganz freundlich sind” – Behinderte haben keinen anderen Charakter als Nichtbehinderte. Freundlichkeit oder Unfreundlichkeit sind keine Frage von Behinderung. Verbitterung über die Behinderung, über Reaktionen auf die Behinderung etc. sind Fragen der persönlichen Wertung und der (Nicht)Integration, die nur individuell geklärt werden können.
- “Behinderte sollten ganz normale Beziehungen haben dürfen” – dankeschön.
- “ich fühle mich in meinem ästhetischen Empfinden durch behinderte und entstellte Personen gestört” – wahrscheinlich gibt es auch behinderte und entstellte Personen, die sich von solchen Aussagen gestört fühlen. Ästhetik und Schönheit sind rein subjektive Begriffe.
Die Zitate, die ich hier angeführt habe, stammen teils aus Broschüren, teils von Internetseiten / aus Foren, teils aus persönlichen Gesprächen, die ich geführt habe.
Interessant, welches Bild von Behinderung in unserem freiheitlichen, demokratischen und christlichen Staat so existiert…
:: StoffMarkt und KnockOut ::
Gestern waren Weazel und ich auf dem Stoffmarkt Holland, der im Herzen von Karlsruhe City gastierte. Das Wetter war wunderbar, wir haben einen Parkplatz direkt neben dem Stephansplatz bekommen und als wir den Markt betraten, war ich noch richtig guter Laune. Direkt am zweiten Stand fand ich genau den Stoff, den ich gesucht hatte, nämlich einen schwarzen Baumwolljersey, auf dem sich dunkelviolette Blumen ringeln, und noch zwei Stände weiter kam ein zweiter Jersey in hellerem Violett dazu. Joa, und dann wollte ich an einem Stand mit Kurzwaren gucken – und da hörte meine gute Laune dann erstmal auf. Ich stand etwa zehn Minuten einen halben Meter von dem Verkaufstisch entfernt. Eine Person vor mir. Als diese ihren Platz verließ, quetschte sich jemand von der Seite vor mich. Na gut, warte ich eben. Ich guckte mir denselben Mist fünfmal an, dann platzte mir der Kragen und ich pampte die Frau, die sich zuletzt vorgedrängelt hatte, ziemlich fies an. Ich bin sicher, ich wäre höflicher gewesen, wenn ich mir das nicht schon vorher minutenlang angeguckt und geduldig gewartet hätte, bis jemand von sich aus mal so freundlich gewesen wäre, mich in dem sperrigen Rolli an den Tisch ranzulassen. Aber nö, die Frau im Rolli ist sicher nur Dekoration – oder was!? Echt unfaßbar! Wenigstens fand ich an dem Verkaufsstand tatsächlich das, was ich gesucht hatte, allerdings fielen mir in der Zwischenzeit mehrere andere Käuferinnen auf den Schoß (logisch, ne 1,80 m und 115 kg Frau ist ja immer so leicht zu übersehen!) oder regten sich darüber auf, daß ich nicht flink wie ein Zweibeiner ausweichen konnte, wenn sie gegen meine Räder latschten. Ich war dermaßen genervt, als wir an diesem Stand fertig waren, daß ich erstmal ne Weile brauchte, um wieder runterzukommen. In der Regel bin ich ja sehr geduldig und flauschig, aber diesen dämlichen Weibern hätte ich gestern echt gern eine reingehauen. Interessant war für mich, daß Männer vollkommen anders auf mich reagierten. Einer, hinter dem ich gewartet hatte, meinte sogar, als er den Platz freimachte, “ach, hätten Sie doch was gesagt, dann hätte ich Sie sofort vorgelassen”. Fand ich richtig lieb. Ich verlange nun wirklich keine Sonderbehandlung, weil ich im Rollstuhl sitze, aber ein bißchen Mitdenken hat wohl noch keinem wehgetan (oder doch, wer weiß…).
Schließlich rollerte ich an den entlegensten und leersten Stoffstand und befand mich plötzlich in meinem persönlichen Traumland wieder: Batik-Patchwork-Stoffe. Ballenweise. In meinen Lieblingsfarben. Und das Beste: ich hatte noch richtig viel von meinen selbstauferlegtem Stoff-Budget übrig. Also habe ich bei meinen heißgeliebten Bali-Batiks zugeschlagen und werde in Zukunft mal wieder eine Tasche (oh Wunder) daraus nähen. Nachdem ich mir den Sabber aus dem Mundwinkel gewischt hatte, erkannte ich dann auch noch eine Bekannte, die ebenfalls mit glasigem Blick auf die Stoffe schaute. Interessant, aber ich habe wirklich schon Bekannte in Karlsruhe
Wir klönten einen Moment und dann ging’s mir wieder richtig gut.
Ob ich im Mai in Mannheim nochmal auf den Stoffmarkt gehen werde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Zwar wäre es verlockend, auch mein Mai-Budget für Batiks auszugeben (zumal der Meterpreis wirklich mehr als grandios war), aber die Masse von orientierungslosen und nur auf Stoff fixierten Frauen fand ich spooky und anstrengend. Ich will gar nicht leugnen, daß mir auch echt die Augen übergegangen sind von soviel Stoff und Zubehör auf einem Haufen, aber der Kollektivverlust von sozialem Verhalten hat mich erschreckt und abgestoßen.
Abends und vor allem nachts hat mein einer Fuß mir durch starke Schmerzen und wildes Pochen klargemacht, daß ich in den nächsten Tagen, am besten Wochen, deutlicher kürzer treten muß. Selbst meine orthopädischen Maßschuhe passen mir mit der Schwellung nicht mehr, die Schmerzen reduzieren sich nicht mal nach zehn Stunden Schlaf und ich kann kaum auftreten. Blöder Mist
Im Mai habe ich einen Termin bei meinem Orthopäden, den ich mal fragen werde, ob er meint, daß die Chance besteht, daß mein Fuß durch die Aktivierung nun mit einer temporären Schwellung reagiert. Denn wenn nicht, dann wird mir der Gute direkt ein Paar neue Schuhe verschreiben müssen, die erfahrungsgemäß etwa drei bis vier Monate Fertigungszeit haben *seufz* Und billig sind sie auch nicht. Na, mal sehen.
In den kommenden Tagen werde ich also viel mehr auf dem Sofa abgammeln, obwohl ich gehofft hatte, die Tage des PowerCouchings seien gezählt. Immerhin kann ich so meinen Mailberg abbauen und vielleicht auch mal zwei Sachen schreiben, die mir am Herzen liegen. Ich hoffe nur, daß ich wenigstens dazu komme, ein bißchen Marmelade einzukochen und etwas zu nähen. Werde wohl überall Hocker zum Fußhochlegen platzieren…
Die Edit – hier mal ein Bild von den Batiks. Die Jerseys sind grad in der Wäsche und von denen zeig ich lieber mal was Fertiges

:: Noch mehr Bärlauch & getauscht ::
Heute waren Weazel und ich wieder im Wald, wo wir jede Menge Bärlauch geerntet haben, der dort den gesamten Boden besiedelt:

Boar, war das ein Knobiaroma…lecker! Wir haben jetzt soviel genommen, daß wir uns für den Winter ein bißchen was einlegen und den Rest wieder zu Bärlauchwürzpaste verarbeiten werden. Während mein Mann durch das Feld gestapft ist, hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem älteren Radfahrer, der mir von dem guten Boden in Baden vorgeschwärmt hat. Ich sag ja: hier kriegt man mich nicht wieder weg
Abends wartete dann ein Paket auf mich. Janik und ich haben getauscht. Sie hat eine Charge Diät-Blaubeertraum von mir bekommen (der leider nicht ordentlich geliert hat, so daß ich nochmal eine Fuhre mit einem anderen Gelierzucker nachreichen werde) und dafür hat sie mir diese wunderschönen blauen Kniestrümpfe gestrickt:

Außerdem hat Janik mir mehrere leere Marmeladengläser mitgeschickt, die ich bestimmt schon sehr bald brauchen werde
Ganz herzlichen Dank für diesen tollen Tausch!
So, und jetzt geh ich Bratkartoffeln machen
:: Gewalt an Frauen ::
Dieser Bericht hier (fünf Teile insgesamt) bewegt mich sehr.
Alle nähren sich von uns Frauen, die wir für sie Mütter, Töchter, Schwestern, Enkelinnen, Nichten, Tanten, Ehefrauen, Arbeiterinnen, Sklavinnen, Sexobjekte, Kriegsbeute oder Dinge sind.
Stell dir mal vor, alle Frauen dieser Welt würden sich heute dagegen erheben.
Warum vergessen wir, wieviel Kraft und EigenMacht wir haben?
Vielleicht haben wir zu lang den alten Liedern gelauscht…
:: Wieder getauscht ::
Schon vor dem Umzug hat mich ein Tauschpäckel von Miri erreicht. Für Marmeladen, Gewürze und Tee hat sie mir einen Tilda-Schneemann genäht und mehrere Schampengoettin.de-Stickis gemacht


Vielen Dank, Miri, es war mir wie immer eine besondere Freude
Mit Madam74 habe ich auch getauscht. Da Linus gerade seinen ersten Wackelzahn hat, wird es so langsam Zeit für die Zahnfee, und dafür hat Madam74 mir diese Stickis gemacht. Als Dreingabe habe ich den wunderschönen Fliegenpilz bekommen:

Im Gegenzug werde ich Spaghetti Al Olio und ein kleines Goodie auf den Weg schicken, sobald – hopefully – nächste Woche meine Rohstoffe vom Händler ankommen. Nach dem Umzug waren meine Schränke echt geplündert…
Vielen Dank für diesen tollen Tausch!
:: Frage-Antwort-Stöckchen ::
Geschnappt von Ashmodai kommt hier mal wieder ein Stöckchen
- Was dachtest du zuerst, als du heute Morgen in den Spiegel geschaut hast? Thank God, it’s Baden!
- Wieviel Geld besitzt du momentan? Nach der Rechnung vom Umzugsmuckel überschlagsweise dreifuffzich.
- Nenne ein Wort, das sich auf “Schlüssel” reimt. Ameisenbärenrüssel.
- Lieblingsplanet? Saturn. Wegen der Speckringe.
- Wer ist die vierte Person auf deiner Liste für verpaßte Anrufe auf dem Handy? Keine Nummer. Bei sowatt geh ich nicht dran.
- Was ist dein Handyklingelton? Titelmusik von Miss Marple. Übrigens seit etwa acht Jahren. Ich bin treu.
- Was für ein Shirt trägst du gerade? Schwarz und langärmlig.
- Was liegt direkt vor dir? Mein Laptop. Und gleich noch einkaufen gehen.
- Nenne eine Person, die dir spontan einfällt. Mein Sohn.
- Ist dein Zimmer hell oder dunkel eingerichtet? Hell mit viel Holz.
- Trägst du gern Nagellack? Neverever.
- Was hast du um Mitternacht gemacht? Im Bett Rätselhefte bearbeitet.
- Was steht in der letzten SMS, die du bekommen hast? Keine Ahnung, sowas lösche ich immer direkt.
- Wie ist deine Hausnummer? 12.
- Welche Wörter benutzt du oft? “Fuck!”, “Tee”, “Nähmaschine” und “Hase”.
- Wer hat dir zuletzt gesagt, daß er dich liebt? Haigal.
- Was war das letzte pelzige Ding, das du angefaßt hast? Meine Seelenkatze Lini.
- Wieviele Drogen hast du in den letzten drei Tagen zu dir genommen? Die Menge war überschaubar.
- Zitiere den Refrain des Songs, den du gerade hörst. “Bullshit three ring circus sideshow of freaks / Here in this hopeless fucking hole we call LA / The only way to fix it is to flush it all away / Any fucking time / Any fucking day / Learn to swim / I’ll see you down in Arizona Bay” (Tool, Aenima)
- Das beste Alter, das du bisher erlebt hast? Ab 30.
- Dein schlimmster Feind? Das deutlich begrenzte Volumen meines Stoffschranks.
- Was war das Letzte, das du zu einer Person gesagt hast? “Mach das, Spätzchen”.
- Wenn du die Wahl hättest zwischen fliegen können und 1 Mio. Euro, was würdest du nehmen? Take the money and run.
- Magst du jemanden? Sogar einige.
- Welchen Song hörst du gerade? Ich höre den Walgesängen meines Sohnes zu.
Das Stöckchen darf sich nehmen, wer mag