Archiv: Donnerstag, 12. März 2009
Sexuelle Tabus
Wir halten uns für frei, weil wir inzwischen in jedem Film, der ab 12 freigegeben ist, einen nackten Po oder nackte Frauenbrüste herzeigen, aber wenn eine Mutter ihr Kind in einem überfüllten Bus oder Wartesaal stillt, schauen alle peinlich berührt weg. Schließlich will man ja nicht “gaffen”, auch wenn man sich abends traurig und allein die freierhältlichen Pornos aus dem Netz lädt. Wir halten uns für frei, weil wir jetzt Worte im Fernsehen hören, die es früher dort nicht gab: ficken, Votze, Schwanz. Und gleichzeitig schaffen wir es nicht, offen und ehrlich mit unserem Partner sexuelle Wünsche und Vorlieben zu kommunizieren. Wir halten uns für frei, weil wir Sadomasochismus salonfähig gemacht haben und “Neo” aus Matrix ist einer unserer latexbekleideten Helden, doch wir schrecken zurück vor Behinderten, die sich Sex wünschen, und wir verlachen Menschen, die sich dazu bekennen, Windeln und rosa Rüschenkleider zu tragen. Wir halten uns für frei, weil wir Schwule und Lesben nicht mehr diskrimineren, und doch ist “schwule Sau” nach wie vor ein gängiges Schimpfwort. Wir halten uns für frei, weil unsere Kinder andere Kinder schwängern, aber wir schaffen es nicht, ihnen die Leere in ihren Herzen zu nehmen und ihre Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit und Liebe zu stillen. Wir halten uns für frei, weil wir jetzt sogar Diätmargarine und Mineralwasser mit nackten Körpern bewerben, aber wir ekeln uns vor dem Akt der Geburt und behandeln Gebärende wie Aussätzige, die ins Krankenhaus gehören. Wir halten uns für frei, weil wir dreihundert Sorten Tampons mit Flügeln und in allen Geschmacksrichtungen haben, aber wir empfinden es als Schwäche, wenn wir bluten, und flüstern beschämt hinter vorgehaltener Hand “ich hab meine Regel….”.
Welchen Sinn erfüllen Tabus heute noch, in unserer Gesellschaft, in unseren Köpfen? Was steckt hinter den Tabus? Sind wir sexuell befreit?
Mein erstes Jahreszeitenpüppchen
Seit einer Weile schon faszinieren mich die kleinen Jahreszeitenpüppchen, die man aus der Waldorfpädagogik kennt. Vor kurzem habe ich mir ein Buch zum Thema gekauft und gestern wurde dann der erste Versuch gestartet. Ich mußte leider feststellen, daß das Buch blöderweise an vielen Stellen nur unzureichende Erklärungen der Arbeitsschritte gibt (“schließen Sie die Fontanelle” – ja, und wie?), so daß ich mir vieles selbst zusammenpuzzlen mußte. Am Ende ist’s aber doch ganz gut geworden für’s erste Mal. Und das ist sie:

Der Rockteil ist gar nicht so, wie ich ihn gern gehabt hätte, aber die Anleitung war auch an dieser Stelle ziemlich kryptisch. Ich hab mir jetzt mal nen eigenen Schnitt für ein integriertes Ober- und Rockteil gemacht, den ich beim nächsten Püppchen probieren werde. Auch die Arbeitsweise für die Händchen fand ich total kompliziert (kleine Säckchen nähen, wenden, dehnen – ich hab’s mir einfach gemacht und den Pfeifenputzer mit etwas ungesponnener Schafwolle umwickelt und dann Trikotstoff drübergebunden). Nur meine Sehne ist mal wieder gar nicht begeistert *seufz*