Archiv: Freitag, 19. September 2008
Tauschgeschäfte
Ich bin ja schon lange eine Freundin der Idee, Sachen oder Leistungen zu tauschen, frei nach dem Motto “Energie gegen Energie”. Nach demselben Prinzip arbeite ich übrigens auch schamanisch und heilenergetisch (sprich Reiki und Co.). Geld betrachte ich ebenfalls als eine Form der Energie, die meist einfach am neutralsten ist, denn damit kann ich mir das kaufen, was ich zum Leben brauche oder was ich gern haben möchte. Ausgleich ist für mich dabei das Zauberwort – hey, mein Sternzeichen ist nunmal Waage und da schau ich halt zu, daß die beiden Waagschalen ungefähr ausbalanciert sind. Oder anders ausgedrückt: es ist ok, wenn ich mal mehr gebe und weniger bekomme. Nerven tut mich das nur auf Dauer, denn das Tauschprinzip funktioniert nicht, wenn einer nur gibt und ein anderer nur nimmt. Da ich aber grundsätzlich davon ausgehe, es mit erwachsenen Leuten zu tun zu haben, ist das wohl selbstverständlich. In einer Partnerschaft sollte es ja auch nicht anders sein.
Vor kurzem habe ich den Kreativtausch entdeckt und weil das offenbar ziemlichen Suchtcharakter hat, gibt’s ab sofort eine neue Kategorie “Tauschgeschäfte” in meinem Blog.
Unterwegs mit Behinderung
Wer als Behinderter verreist, hat’s nicht leicht. Es beginnt schon an der Wohnungstür: wer trägt die Koffer runter? Wer lädt sie ins Auto? Auf dem Weg zum Zielort kommen aber Hindernisse noch ganz anderen Kalibers auf einen Rollifahrer und Gehbehinderten zu. Nicht alle öffentlichen Verkehrsmittel sind behindertengerecht – die Wuppertaler Schwebebahn z.B. ist für Rollstuhlfahrer eigentlich nicht eigenständig besteigbar, da die Züge ca. 20 bis 25 cm über dem Erdboden hängen und dabei pendeln. Obendrein sind die Züge für Rollstühle viel zu eng. Auch haben nicht alle Schwebebahnstationen einen Aufzug, so daß es schlicht unmöglich ist, sie zu erreichen. Ähnliches wiederholt sich bei vielen Bahnhöfen der Deutschen Bahn, wo man endlose Treppen überwinden muß, um zum Bahnsteig zu gelangen.
Die bequemste Art, längere Strecken zu überwinden, ist und bleibt das Auto. Die Probleme fangen erst an, wenn man das Auto verläßt. Viele Parkplätze auf der Autobahn haben keine behindertengerechten WCs und auf den Parkplätzen, wo es sie gibt, mußten sie aufgrund der mißbräuchlichen Benutzung durch Nichtbehinderte verschlossen werden. Einen Schlüssel für diese WCs, der übrigens in ganz Deutschland paßt, bekommt man beim Club Behinderter und ihrer Freunde e.V. in Darmstadt. Ganz übel ist es – für mich unerwartet – an vielen großen Raststätten. Welchen Sinn haben Behindertentoiletten, die man nur über Treppen erreichen kann? Was soll ein Rollstuhlfahrer mit einer “Behindertentoilette”, die genauso groß ist wie die für Nichtbehinderte, nur daß sie noch einen Haltegriff an der Wand hat? Und wer kommt eigentlich auf die brilliante Idee, den Weg, der zum Behindertenklo führt, mit einer großen Truhe voller Speiseeis zuzustellen? Oftmals werden von den Architekten auch Behindertentoilette und Wickelraum zusammengelegt, eine ziemlich unpraktische Mischung, wie ich finde, denn so ist garantiert immer der Wickeltisch heruntergeklappt und vom Rollstuhl aus kriegt man ihn auch nicht wirklich wieder an der Wand fixiert. Besonders ärgerlich finde ich es auch, daß Nichtbehinderte die eine behindertengerechte Örtlichkeit, die in den meisten Fällen mehreren Toiletten für Nichtbehinderte gegenübersteht, benutzen. Darauf angesprochen, kommt eigentlich immer die Aussage: “Naja, das Behindertenklo ist immer so schön geräumig”. Stimmt. Und zwar aus sehr gutem Grund!
Ein weiteres wichtiges Thema sind Parkplätze für Behinderte. Um diese benutzen zu dürfen, braucht man einen Parkausweis für Behinderte, den man bekommt, sofern im Behindertenausweis das Kürzel “ag” (für außergewöhnlich gehbehindert) vermerkt ist. Der Ausweis ist personengebunden oder anders gesagt: wenn mein Mann ohne mich einkaufen geht, darf er ihn nicht verwenden. Er darf ihn nicht einmal dann benutzen, wenn er für mich zur Apotheke fährt, sondern wirklich nur dann, wenn ich dabei bin. Ohne diesen Parkausweis darf man auf den Behindertenparkplätzen nicht parken.
Wieviele solcher reservierten Parkplätze gibt es auf Raststätten, bei Supermärkten, in der Innenstadt, an Schnellrestaurants etc.? Oft einen, manchmal zwei und in den vielen Fällen nicht mal einen. Insofern ist es wirklich ärgerlich, wenn Leute ohne Gehbehinderung diese Plätze besetzen, weil “sie so schön nah beim Eingang sind”. Ja, das sind sie wirklich – aber ebenfalls aus sehr gutem Grund. Ich geb zu, daß ich mir früher, als ich noch gesund und munter war, darüber auch nicht viele Gedanken gemacht habe, aber wenn jeder Schritt mit großer Kraftanstrengung oder gar Schmerzen verbunden ist, bekommt selbst ein Mehr-Weg von nur 10 Metern eine andere Dimension. Wichtig finde ich auch, daß Behindertenparkplätze breiter sind als die normalen, denn wenn man mit dem Rolli zum Umsteigen neben die Tür muß, braucht man halt Platz. Ich, die ich ein paar Schritte gehen kann, brauche den Platz auch, weil ich mich nicht gut ausbalancieren kann – und wer will schon Kratzer im Lack, weil ich nicht gut aussteigen kann?
Ein besonderes Hindernis sind auch steile Bordsteine, welche sich auch leider nur zu oft direkt neben den Behindertenparkplätzen befinden. Wo ein Nichtgehbehinderter einfach einen Schritt macht, steht ein Mensch, der im Rollstuhl sitzt, wie ein Ochs vorm Berg davor. Ohne Hilfe ist so ein Hindernis nur für sehr sportliche Rollifahrer zu meistern (und zu denen gehöre ich definitiv nicht – den E-Rolli z.B. habe ich bekommen, weil meine Arme nicht kräftig genug sind, mich auf Dauer fortzubewegen). Auch an Fußgängerampeln oder Straßenecken sind solche hohen Bordsteine eine Schwierigkeit.
Nachdem diese Hindernisse auf dem Reiseweg überwunden sind, wird endlich eingecheckt. Leider gibt es keine einheitliche Kennzeichnung(spflicht) für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, was ihre Eignung für Behinderte angeht. So steht z.B. in den Prospekten und auf den Websites “unser Haus ist behindertengerecht”. Bei näherem Nachfragen (was man am besten vorm Buchen oder gar Anreisen tun sollte!) stellt sich dann aber in den meisten Fällen heraus, daß es Eingangsstufen gibt, daß die Zimmer zu eng sind, die Betten zu niedrig, das Bad keine behindertengerechte Ausstattung hat, der Restaurantbereich nur eine Toilette im Untergeschoß (über Treppen erreichbar) hat und andere Katastrophen. Selbst ein Teppich kann für einen Gehbehinderten ein Hindernis sein, ganz zu schweigen von Läufern, Schwellen, niedrigen Toiletten ohne Armstützen, Duschtassen mit Rand und ohne Badehocker, schlecht erreichbaren Schränken bzw. Ablagemöglichkeiten / Lichtschaltern / Rollos / Kleiderhaken / Küchengeräten / …, Wandschrägen etc.
Auch viele Ausflugsziele sind mit Behinderung schwer zu erreichen bzw. zu genießen. Museen sind in der Regel auf Rollstuhlfahrer eingerichtet. Schwieriger ist es bei vielen Theatern / Opernhäusern. Ganz übel sind meiner Erfahrung nach alte Burgen und Schlösser, denn in deren Planung waren Rollstuhlfahrer einfach nicht vorgesehen
Übrigens sind auch (öffentliche) Gebäude, die vor Mitte der 1980er gebaut wurden, oftmals nicht behindertengerecht. Ich habe die Vermutung, daß das daran liegt, daß die moderne Medizin heutzutage sehr viele Menschen mehr retten kann als noch vor 20 Jahren (mir wurde auch klar gesagt, daß ich sogar vor 10 Jahren noch an meiner Erkrankung gestorben wäre). Aus diesem Grund gibt’s einfach auch mehr Behinderte und damit eben veränderte Anforderungen an Städteplanung, Architektur etc.
Wer als Behinderter unterwegs ist oder gar verreist, muß wirklich gut planen. Am besten ist es, die Leute vor Ort direkt zu kontaktieren und nachzufragen, bevor man böse Überraschungen erlebt. Und mit ein bißchen Mithilfe und -denken unserer nichtbehinderten Mitbürger wird’s bestimmt ein schöner Urlaub
Und auf genau den freue ich mich jetzt auch, denn am Samstag fahre ich erstmal eine Woche nach Baden…